Kreis Rybnik

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Kreis Rybnik 1905

Der Kreis Rybnik war von 1818 bis 1926 ein preußischer Landkreis in Oberschlesien. Während der Deutschen Besetzung Polens von 1939 bis 1945 war er als Teil des Regierungsbezirks Kattowitz unter der Bezeichnung Landkreis Rybnik nochmals eingerichtet. 1910 umfasste der Kreis Rybnik die drei Städte Loslau, Rybnik und Sohrau sowie 195 weitere Gemeinden und Gutsbezirke.[1]

Verwaltungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 1. Januar 1818 wurde der neue Kreis Rybnik gebildet. Er entstand aus Teilen der Kreise Pleß (Stadt Loslau und 35 weitere Ortschaften), Ratibor (Städte Rybnick und Sohrau und 76 weitere Ortschaften) und Tost (Flecken Pilchowitz und acht weitere Ortschaften). Er gehörte in der preußischen Provinz Schlesien zum Regierungsbezirk Oppeln. Sitz des Landratsamts war Rybnik.

Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und ab 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich. Zum 8. November 1919 wurde die Provinz Schlesien aufgelöst. Aus dem Regierungsbezirk Oppeln wurde die neue Provinz Oberschlesien gebildet. Nach der Volksabstimmung in Oberschlesien 1921 wurde der größte Teil des Kreises Rybnik am 3. Juli 1922 an Polen abgetreten. Zum 1. Januar 1927 wurde der deutsch gebliebene Restteil des Kreises Rybnik aufgelöst und wie folgt aufgeteilt:

  • Eingliederung der Landgemeinden Barglowka, Groß Rauden, Gurek, Jankowitz-Rauden, Klein Rauden, Rennersdorf, Stanitz und Stodoll und der Gutsbezirke Barglowka, Groß Rauden, Gurek, Jankowitz-Rauden, Klein Rauden, Stanitz und Stodoll in den Landkreis Ratibor
  • Eingliederung der Landgemeinden Nieborowitz, Nieborowitzer Hammer (Rest), Niederdorf, Pilchowitz und Wielepole-Pilchowitz und den Gutsbezirken Nieborowitz, Nieborowitzer Hammer, Pilchowitz und Wielepole-Pilchowitz in den Kreis Tost-Gleiwitz.

Das übrige Gebiet des früheren Kreises Rybnik gehörte nach der Abtretung als Powiat Rybnik dem polnischen Staat an. Im Polenfeldzug wurde der polnische Powiat Rybnik im September 1939 von der Wehrmacht besetzt und zum 26. November 1939 unter dem Namen Landkreis Rybnik Teil des neugebildeten Regierungsbezirks Kattowitz in der Provinz Schlesien. Zum 18. Januar 1941 wurde die Provinz Schlesien aufgelöst. Aus den bisherigen Regierungsbezirken Kattowitz und Oppeln wurde die neue Provinz Oberschlesien gebildet. Im Januar 1945 wurde das Kreisgebiet wieder polnisch, nachdem es von der Roten Armee erobert worden war.

Kommunalverfassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kreis Rybnik gliederte sich zunächst in Stadtgemeinden. Die Landgemeinden und selbständigen Gutsbezirke waren in Amtsbezirken zusammengefasst. Bis 1922 galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.

Während der deutschen Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg wurde zunächst den Städten Loslau, Rybnik und Sohrau und einigen anderen Gemeinden am 27. Februar 1940 die im Altreich gültige Deutsche Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 verliehen. Zum 1. September 1940 wurde auch in allen übrigen Gemeinden die Deutsche Gemeindeordnung eingeführt. Gutsbezirke bestanden nicht mehr. Für das gesamte Kreisgebiet galt das in den eingegliederten Ostgebieten geltende Kreisrecht.

Landräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landräte von 1818 bis 1920[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1818–1832: Friedrich Graf von Wengersky
  • 1832–1834: Moritz von Stengel (kommissarisch)
  • 1834–1860: Emil Freiherr von Durant
  • 1860–9999: Graf von der Recke (kommissarisch)
  • 1860–1873: Carl Freiherr von Richthofen
  • 1873–1901: Carl Gemander
  • 1901–1903: Georg Plewig
  • 1903–1919: Hans Lentz
  • 1919–9999: Hans Lukaschek (Zentrum)
  • 1920–9999: Paul Strzoda (kommissarisch)
  • 1920–1922: Paulus van Husen (kommissarisch)
  • 1922–1925: Artur Finger (* 1878)
  • 1925–1926: Alfons Schmidt (kommissarisch)

Landkommissar von 1939[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1939–9999: Ernst Drewes

Landräte von 1939 bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1939–1940: Ernst Drewes
  • 1940–1941: Wilhelm Dübner (vertretungsweise)
  • 1941–1942: Wolfgang Geißler (kommissarisch)
  • 1942–1945: Martin Elsner (NSDAP)

Ortsnamen (1939–1945)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch unveröffentlichten Erlass vom 29. Dezember 1939 galten vorläufig hinsichtlich der bisher polnischen Ortsnamen die bis 1918 gültigen deutschen Ortsnamen. Diese globale Rückbenennung war möglich, da noch das gesamte deutsche Kartenwerk für die 1922 an Polen abgetretenen Gebiete (auch) die früheren deutschen Ortsnamen weitergeführt hatte.

Gut Baranowitz um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Zu einer endgültigen Vergabe rein deutscher Ortsbezeichnungen ist es bis Kriegsende nicht mehr gekommen. Diese war aber bis bereits bis ins Einzelne vorbereitet. Es handelte sich dabei um lautliche Angleichungen, Übersetzungen, Neuschöpfungen oder Verbesserungen der seit 1939 vorläufig gültigen Namen, zum Beispiel:

  • Baranowitz: Hornsdorf
  • Chwallentzitz: Freiwald (Kr. Rybnik)
  • Chwallowitz: Donnersmarckgrube
  • Czernitz: Charlottegrube oder Schwarzerden O.S.
  • Czerwionka: Rotenau O.S.
  • Czuchow: Schuckau O.S.
  • Boguschowitz: Blücherswalde
  • Dubensko: Dauben O.S.
  • Gaschowitz: Stiftsdorf
  • Gieraltowitz: Gerhardsdorf
  • Godow: Godau O.S.
  • Golleow: Golden O.S. bzw. Golden (Kr. Rybnik)
  • Jeykowitz: Lärchenberg
  • Knurow: Knauersdorf
  • Kokoschütz: Hahnenfeld O.S.
  • Krzischkowitz: Kreuzenwald
  • Leschczin: Leselfelde
  • Marklowitz: Merkelsdorf O.S. bzw. Merkelsdorf (Kr. Rybnik)
  • Mschanna: Mischdorf
  • Nieder Schwirklan: Fichtenbach
  • Peterkowitz: Petersfeld (Kr. Rybnik)
  • Schczejkowitz: Schickendorf
  • Sohrau: Sohrau O.S.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kreis Rybnik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gemeindeverzeichnis 1910 mit Einwohnerzahlen