Landkreis Teltow

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Der Landkreis Teltow ['tɛltoː], bis 1939 Kreis Teltow, war ein Landkreis in Brandenburg, der von 1836 bis 1952 bestand. Er umfasste den südlich der Spree gelegenen Teil des Umlands von Berlin. Bis zur Gründung von Groß-Berlin am 1. Oktober 1920 gehörten zahlreiche heutige Stadtteile Berlins zu diesem Landkreis.

Sein Pendant auf der nördlichen Seite der Spree war der Landkreis Niederbarnim. Beide Landkreise profitierten in hohem Maße von der Suburbanisierung der in enge Stadtgrenzen eingezwängten Hauptstadt. Die an Berlin angrenzenden Gemeinden wuchsen in wenigen Jahren von Dörfern zu Vorstädten mit fünfstelliger Einwohnerzahl heran. Anders als die meisten Gemeinden in Niederbarnim brachten es vor allem die westlichen und südwestlichen Vororte Berlins durch die Ansiedlung von Industrie oder steuerkräftiger Bevölkerung zu erheblichem Reichtum; die Eingemeindung nach Berlin geschah gegen den erbitterten Widerstand der betroffenen Gemeinden und des Landkreises Teltow.

Die das Urstromtal der Spree nach Süden begrenzende Teltow-Hochfläche gab dem Landkreis den Namen. An der heutigen Stadtgrenze Berlins, östlich von Potsdam, liegt die Stadt Teltow, die bis 1871 Verwaltungssitz war. Das Landratsamt befand sich in der Ritterstraße.

Das ehemalige Kreisgebiet gehört heute zu den brandenburgischen Landkreisen Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald sowie zu den Berliner Bezirken Spandau, Steglitz-Zehlendorf, Charlottenburg-Wilmersdorf, Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Tempelhof-Schöneberg, Neukölln und Treptow-Köpenick.

Verwaltungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preußen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Teltowische Kreis 1788
Das Kreishaus von Teltow in Berlin, Viktoriastraße

Die Karte des Teltowischen Creises aus dem Jahre 1788 zeigt drei Teillandschaften: den Hauptkreis im Norden zwischen Teltow und Mittenwalde (auch „Hoher Teltow“ genannt), den Ämterkreis im Süden zwischen Trebbin und Zossen sowie im Osten die Herrschaft Wusterhausen und Teupitz.

Nach der Neuorganisation der Kreisgliederung im preußischen Staat nach dem Wiener Kongress bestand ab 1816 der Kreis Teltow-Storkow im Regierungsbezirk Potsdam in der Provinz Brandenburg. Der nördliche, an Berlin grenzende Teil des Kreises Teltow-Storkow gehörte bis zum 1. Januar 1822 zum Regierungsbezirk Berlin, der mit diesem Tage aufgelöst wurde. Damit unterstand nunmehr das gesamte Kreisgebiet dem Regierungspräsidenten in Potsdam.

Zum 1. Januar 1836 wurde das Gebiet der ehemaligen Herrschaft Storkow vom Kreis Teltow-Storkow abgetrennt und mit dem nördlichen Teil des Kreises Lübben, der ehemaligen Herrschaft Beeskow, zum neuen Kreis Beeskow-Storkow zusammengefasst. Das verbliebene Kreisgebiet bildete fortan den Kreis Teltow. Das Landratsamt war ab 1871 in Berlin (Berlin W 10, Viktoriastr. 18, Provinzständehaus).

Im südlichen Umfeld der Hauptstadt des neuen Deutschen Reiches entwickelten sich seit den 1870er Jahren die folgenden Stadtgemeinden so stürmisch, dass sie den Rahmen des Kreises Teltow sprengten und zu eigenen Stadtkreisen erklärt wurden:

Der Austritt der schnell wachsenden Vororte aus dem Kreis wurde von diesem so lange wie möglich verhindert. Für den Landrat war jede „verlorene“ Stadt ein Verlust an Macht und Einfluss. Die Städte mussten sich aus der Kreisangehörigkeit regelrecht „freikaufen“. Die Stadt Rixdorf etwa musste bei ihrem Austritt 1899 eine „Abfindung“ von einer Million Mark an den Kreis zahlen.

Auch die Verleihung von Stadtrechten wurde von den Teltower Behörden nach Möglichkeit verhindert, weil in Schöneberg, Rixdorf und Wilmersdorf sowie in Lichtenberg (Kreis Niederbarnim) jeweils wenige Monate nach der Stadterhebung der Austritt aus dem Kreis folgte. Diese Politik hatte teilweise absurde Folgen. Bei der Eingemeindung nach Berlin 1920 hatte etwa die Landgemeinde Steglitz rund 84.000 Einwohner, aber kein Stadtrecht.

Groß-Berlin-Gesetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Groß-Berlin-Gesetz wurde zum 1. Oktober 1920 der am dichtesten besiedelte Teil des Kreises Teil von Groß-Berlin. Der Kreis Teltow verlor dabei fast 90 Prozent seiner Bevölkerung, etwa 450.000 Einwohner. In Klammern gesetzt ist die Anzahl der Einwohner.

Folgende zuvor zum Kreis Teltow gehörenden Gemeinden und Gutsbezirke fielen dabei an Berlin:

Republik und Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die rund 26.000 Einwohner zählende Gemeinde Nowawes bei Potsdam beantragte 1923 Stadtrechte. Der Antrag wurde im Provinziallandtag angenommen, im Kreistag jedoch abgelehnt. Nachdem die Gemeinde versicherte, nicht aus dem Kreis Teltow austreten zu wollen, gestattete die Staatsregierung am 13. Dezember 1924 die Annahme der Städteordnung. Den Status einer Stadt hatte Nowawes nur knapp 15 Jahre, davon das letzte mit dem neuen Namen Babelsberg; denn schon am 1. April 1939 wurde es nach Potsdam eingemeindet, womit der Landkreis zum sechsten Mal seine jeweils größte Stadt abtreten musste.

Zum 30. September 1929 fand im Kreis Teltow entsprechend der Entwicklung im übrigen Preußen eine Gebietsreform statt, bei der nahezu alle bisher selbstständigen Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden.

Zum 1. Januar 1939 führte der Kreis Teltow entsprechend der jetzt reichseinheitlichen Regelung die Bezeichnung Landkreis.

Am 1. April 1939 erhielt der Stadtkreis Potsdam vom Landkreis Teltow die Stadt Babelsberg und die Gemeinde Drewitz.

Der Landkreis Teltow umfasste am 1. Januar 1945 die sechs Städte Königs Wusterhausen, Mittenwalde, Teltow, Teupitz, Trebbin und Zossen sowie 105 weitere Gemeinden und vier Gutsbezirke (Forsten).

Die Gemeinde Mahlow wurde 1945 Sitz der Kreisverwaltung.

Sowjetische Besatzungszone/Deutsche Demokratische Republik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das Gesetz über die Änderung zur Verbesserung der Kreis- und Gemeindegrenzen vom 28. April 1950 kam es am 1. Juli 1950 zu den folgenden Gebietsänderungen:[1]

Am 23. Juli 1952 wurde der Landkreis Teltow aufgelöst. Das Kreisgebiet wurde zwischen den neugebildeten Kreisen Königs Wusterhausen und Zossen aufgeteilt, ein kleiner Teil um die Stadt Teltow wurde dem Kreis Potsdam und ein kleiner Teil um die Stadt Trebbin wurde dem Kreis Luckenwalde zugeordnet.

Bundesrepublik Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der heutige Landkreis Teltow-Fläming entstand zum 6. Dezember 1993 aus den drei Landkreisen Jüterbog, Luckenwalde und Zossen.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Quelle
1846 62.094 [2]
1871 107.362 [3]
1890 221.960 [4]
1900 268.187 [4]
1910 438.918 [4]
1925 122.572 [4]
1933 149.386 [4]
1939 169.656 [4]

Landräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1836–1850: Leopold von Albrecht (1797–1873)
1850–1853: Jérôme von Schlotheim (1809–1882)
1853–1862: Leo von dem Knesebeck (1808–1883)
1862–1870: Heinrich von Gayll (1832–1895)
1870–1885: Nicolaus von Handjery (1836–1900)
1885–1908: Ernst von Stubenrauch (1853–1909)
1908–1931: Adolf von Achenbach (1866–1951)
1931–1933: Wilhelm von Nathusius (1893–1952)
1933–1936: Hans Koennecke (1896–1936)
1936–1938: Hellmuth Börnecke
1938–1945: Ernst Ihnen

Kommunalverfassung bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landkreis Teltow gliederte sich in Städte, in Landgemeinden und – bis zu deren nahezu vollständiger Auflösung im Jahre 1929 – in Gutsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt. Nach Mittenwalde, Teltow, Teupitz, Trebbin und Zossen wurden auch 1924 Nowawes und 1935 Königs Wusterhausen zur Stadt erhoben. Nowawes wurde 1938 in Babelsberg umbenannt und 1939 Teil der kreisfreien Stadt Potsdam.

Städte und Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stand 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Landkreis Teltow gehörten 1945 die folgenden Städte und Gemeinden an:

Außerdem bestanden 1945 noch die vier Gutsbezirke Kummersdorf Artillerie-Schießplatz, Kummersdorfer Forst, Wusterhausener Heide und Zehrensdorf.

Vor 1945 aufgelöste Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den Eingemeindungen nach Berlin im Rahmen des Groß-Berlin-Gesetzes verloren bis 1945 im Kreis Teltow noch weitere Gemeinden ihre Selbstständigkeit:

Namensänderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Cramer: Die Kreise Sternberg, Lebus, Beeskow-Storkow und Teltow (= Beiträge zur Geschichte des Bergbaues in der Provinz Brandenburg. Band 1). Nachdruck der Ausgabe des Verl. der Buchh. des Waisenhauses, Halle 1872–1976: Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-88372-000-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Landkreis Teltow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt: Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7
  2. Königliches Statistisches Bureau (Hrsg.): Mittheilungen des Statistischen Bureau's in Berlin, Band 2. Einwohnerzahlen der Kreise. S. 313 (Digitalisat).
  3. Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Brandenburg und ihre Bevölkerung 1871
  4. a b c d e f Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatMichael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte: Landkreis Teltow. Abgerufen am 2. April 2016.
  5. Lieselott Enders, Margot Beck: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Kreis Teltow. IV, Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-81-5, Klein Glienicke, S. 85 (Digitalisat bei Google Books [abgerufen am 4. April 2016]).