Landkreis Usedom-Wollin

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Das Kreisgebiet 1905

Der Landkreis Usedom-Wollin, bis 1939 Kreis Usedom-Wollin, war ein preußischer Landkreis in Vorpommern, der die beiden Inseln Usedom und Wollin umfasste und bis 1945 bestand. Von 1945 bis 1952 bildete der nach dem Zweiten Weltkrieg bei Deutschland verbliebene Teil des Landkreises den Landkreis Usedom, dessen Gebiet heute zum Landkreis Vorpommern-Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern gehört. Der Ostteil des ehemaligen Kreises gehört heute zur Stadt Świnoujście und zum Powiat Kamieński in der polnischen Woiwodschaft Westpommern.

Verwaltungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preußen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altvorpommern, das 1720 an Preußen gefallen war, war im 18. Jahrhundert in die fünf Kreise Anklam, Demmin, Randow, Usedom und Wollin gegliedert. Die Kreise Usedom und Wollin besaßen einen gemeinsamen Landrat und wurden in manchen Darstellungen auch als ein Kreis angesehen.[1][2] Der Kreis Usedom umfasste die Insel Usedom und der Kreis Wollin die Insel Wollin.[3][4] Bei der Kreisreform von 1818 im Regierungsbezirk Stettin wurde ein gemeinsamer Kreis Usedom-Wollin mit der Kreisstadt Swinemünde endgültig festgeschrieben.[5][6] Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und seit dem 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich. Der Kreis umfasste 1871 die drei Städte Swinemünde, Usedom und Wollin, 89 Landgemeinden und 38 Gutsbezirke.[7]

Zum 30. September 1929 fand im Kreis Usedom-Wollin wie im übrigen Preußen eine Gebietsreform statt, bei der die meisten Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden. Zum 1. Januar 1939 erhielt der Kreis Usedom-Wollin entsprechend der jetzt reichseinheitlichen Regelung die Bezeichnung Landkreis.

Sowjetische Besatzungszone / DDR[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet durch die Rote Armee besetzt. Nach Kriegsende wurde die gesamte Insel Wollin sowie von der Insel Usedom die Stadt Swinemünde und die Gemeinde Kaseburg unter polnische Verwaltung gestellt. Der verbliebene Teil des Landkreises wurde als Landkreis Usedom der Sowjetischen Besatzungszone angegliedert und gehörte ab 1949 zur DDR. Die Kreisverwaltung befand sich von Oktober 1945 bis März 1946 in Bansin, anschließend bis zur Auflösung des Landkreises in Ahlbeck.

Der Landkreis Usedom wurde am 25. Juli 1952 im Rahmen der Verwaltungsreform in der DDR aufgelöst. Sein Gebiet bildete zusammen mit Teilen der Landkreise Anklam und Wolgast den Kreis Wolgast, der dem Bezirk Rostock zugeordnet wurde.[8] Seit 1994 gehörte das frühere Kreisgebiet zum Landkreis Ostvorpommern und seit 2011 gehört es zum Landkreis Vorpommern-Greifswald.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Quelle
1797 16.3971 [9]
1846 31.032 [10]
1871 42.593 [7]
1890 49.035 [11]
1900 52.193 [11]
1910 55.212 [11]
1925 67.9022 [11]
1933 69.111 [11]
1939 77.236 [11]
1 davon 10.425 auf Usedom und 5972 auf Wollin
2 davon 63.644 Evangelische, 2063 Katholiken, 1080 Freikirchliche und 246 Juden

Landräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Usedom-Wollin
Usedom

Kommunalverfassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Landkreis Usedom-Wollin gliederte sich in die Städte Swinemünde, Usedom und Wollin, in Landgemeinden und – bis zu deren nahezu vollständiger Auflösung im Jahre 1929 – in selbstständige Gutsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 gab es ab 1. Januar 1934 eine einheitliche Kommunalverfassung für alle preußischen Gemeinden. Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 trat zum 1. April 1935 im Deutschen Reich eine einheitliche Kommunalverfassung in Kraft, wonach die bisherigen Landgemeinden nun als Gemeinden bezeichnet wurden. Zum 1. Januar 1940 wurde im Nordwestzipfel der Insel Usedom der Heeresgutsbezirk Peenemünde errichtet. Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.

Städte und Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stand 1939[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insel Usedom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insel Wollin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Landkreis gehörten außerdem die Forst-Gutsbezirke Friedrichsthal und Misdroy, der Usedom-Wolliner Haffanteil und seit 1940 der Heeresgutsbezirk Peenemünde.

Vor 1939 aufgelöste Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Namensänderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das anlautende C wurde 1937 in den folgenden Ortsnamen ersetzt:

  • Camminke → Kamminke
  • Caseburg → Kaseburg
  • Catschow → Katschow
  • Codram → Kodram
  • Cörtenthin → Körtenthin
  • Corswandt → Korswandt
  • Crummin → Krummin
  • Neu Codram → Neu Kodram

Amtsbezirke 1932[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landgemeinden des Kreises waren 1932 in 22 Amtsbezirke gegliedert. Die drei Städte des Kreises waren amtsfrei.

  • Ahlbeck (Seebad)
  • Bansin
  • Chinnow
  • Dargen
  • Friedrichsthal
  • Groß Mokratz
  • Haff
  • Kodram
  • Krienke
  • Krummin
  • Lebbin
  • Mellenthin
  • Misdroy
  • Neuendorf a. d. Insel Usedom
  • Ostswine
  • Peenemünde
  • Pudagla
  • Seebad Heringsdorf
  • Wartow
  • Wilhelmshof
  • Zinnowitz
  • Ückeritz

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 116–118, Ziffer 6.
  • Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstentums Rügen. Teil II, Band 1, Anklam 1865, S. 415 ff. (Online)
  • Erwin Rosenthal: Usedom und Wollin. Zwei Schwesterinseln in der Pommerschen Bucht. Demmler-Verlag, Ribnitz-Damgarten 2013, ISBN 978-3-944102-02-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Landkreis Usedom-Wollin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Denkmäler der Preußischen Staatsverwaltung im 18. Jahrhundert. Behördenorganisation und allgemeine Staatsverwaltung. In: Königliche Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Acta Borussica. Band VI. Paul Parey, Berlin 1901, Kap. Pommern, Kreisverfassung, S. 393 (Digitalisat).
  2. Fritz Curschmann, Ernst Rubow: Pommersche Kreiskarte Blatt 1. Die pommerschen Kreise vor und nach 1818. In: Landesgeschichtliche Forschungsstelle der Provinz Pommern (Hrsg.): Historischer Atlas von Pommern. 1935 (Digitalisat).
  3. Johann Ernst Fabri: Geographie für alle Stände. Schwickertscher Verlag, Leipzig 1793, Kap. Kreis Usedom, S. 413 (Digitalisat).
  4. Johann Ernst Fabri: Geographie für alle Stände. Schwickertscher Verlag, Leipzig 1793, Kap. Kreis Wollin, S. 423 (Digitalisat).
  5. Amtsblatt der Königlichen Preußischen Regierung zu Stettin: Verordnung zur neuen Kreiseintheilung vom 18. Januar 1816. Nr. 12, 1816, S. 44 (Digitalisat [abgerufen am 2. Februar 2017]).
  6. Ortschafts-Verzeichniß des Regierungs-Bezirks Stettin nach der neuen Kreis-Eintheilung. Struck, Stettin 1818 (Digitalisat).
  7. a b Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung 1871
  8. GenWiki: Kreis Wolgast
  9. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten. Die statistische Ansicht und Specialstatistik von Mitteleuropa. Vieweg, Braunschweig 1805, S. 43 (Digitalisat).
  10. Königliches Statistisches Bureau (Hrsg.): Mittheilungen des Statistischen Bureau's in Berlin, Band 2. Einwohnerzahlen der Kreise. S. 315 (Digitalisat).
  11. a b c d e f Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte: Landkreis Usedom-Wollin. Abgerufen am 2. Februar 2017.