Landkreis Verden

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Landkreises Verden Deutschlandkarte, Position des Landkreises Verden hervorgehoben52.979.18Koordinaten: 52° 58′ N, 9° 11′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Verwaltungssitz: Verden (Aller)
Fläche: 787,7 km²
Einwohner: 132.459 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 168 Einwohner je km²
Kfz-Kennzeichen: VER
Kreisschlüssel: 03 3 61
Kreisgliederung: 11 Gemeinden
Adresse der
Kreisverwaltung:
Lindhooper Straße 67
27283 Verden (Aller)
Webpräsenz: www.landkreis-verden.de
Landrat: Peter Bohlmann (SPD)
Lage des Landkreises Verden in Niedersachsen
Landkreis Göttingen Landkreis Holzminden Landkreis Schaumburg Landkreis Goslar Region Hannover Landkreis Hildesheim Salzgitter Landkreis Wolfenbüttel Braunschweig Landkreis Wolfenbüttel Landkreis Peine Landkreis Hameln-Pyrmont Landkreis Helmstedt Wolfsburg Landkreis Gifhorn Landkreis Nienburg/Weser Landkreis Northeim Landkreis Osterode am Harz Landkreis Diepholz Freie Hansestadt Bremen Freie Hansestadt Bremen Hamburg Hamburg Königreich der Niederlande Nordrhein-Westfalen Hessen Thüringen Schleswig-Holstein Mecklenburg-Vorpommern Brandenburg Sachsen-Anhalt Osnabrück Landkreis Osnabrück Delmenhorst Oldenburg (Oldenburg) Landkreis Wesermarsch Landkreis Vechta Landkreis Emsland Landkreis Grafschaft Bentheim Landkreis Leer Emden Landkreis Leer Landkreis Cloppenburg Landkreis Ammerland Wilhelmshaven Mellum Landkreis Aurich Landkreis Aurich Landkreis Wittmund Landkreis Aurich Landkreis Friesland Landkreis Oldenburg Landkreis Cuxhaven Landkreis Osterholz Landkreis Verden Landkreis Stade Landkreis Harburg Landkreis Lüneburg Landkreis Lüchow-Dannenberg Landkreis Heidekreis Landkreis Uelzen Landkreis Celle Landkreis Rotenburg (Wümme)Karte
Über dieses Bild

Der Landkreis Verden ist ein Landkreis in der Mitte von Niedersachsen im südöstlichen Bremer Umland. Er gehört zur Metropolregion Bremen-Oldenburg. Kreisstadt ist Verden (Aller), größte Stadt ist Achim.

Geographie[Bearbeiten]

Nachbarkreise[Bearbeiten]

Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Landkreise Osterholz, Rotenburg (Wümme), Heidekreis, Nienburg/Weser und Diepholz (alle in Niedersachsen) sowie an die Stadtgemeinde Bremen (Land Freie Hansestadt Bremen).

Großstädtische Einzugsbereiche[Bearbeiten]

Der Landkreis Verden ist ein Sektoralkreis der Großstadt Bremen und wird in einen von der Nähe zu Bremen geprägten Nordkreis (Ottersberg, Oyten, Achim, Riede, Emtinghausen, Thedinghausen und Westteil der Gemeinde Langwedel) und einen eher ländlichen Südkreis (Verden, Dörverden, Kirchlinteln, Blender und Ostteil der Gemeinde Langwedel) unterteilt. Der Landkreis hat sich zum Zwecke der Infrastruktur- und Wirtschaftsplanung der Metropolregion Bremen/Oldenburg angeschlossen, insgesamt rechnet sich der gesamte Kreis, also auch dessen ländliche Bereiche, zum Bremer Umland und richtet entsprechend seine Infrastruktur aus, was sich beispielsweise in der Zugehörigkeit des gesamten Kreisgebietes zum Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen äußert. Ein weiteres wichtiges Zentrum sowohl in administrativer Hinsicht wie auch für Pendlerströme ist die etwas weiter als Bremen entfernte Landeshauptstadt Hannover. Für Hamburg gilt dies in weit geringerem Ausmaß, da lediglich die Gemeinden Oyten und Ottersberg über die Bundesautobahn 1 und die Eisenbahnverbindung von Bremen über Rotenburg (Wümme) direkt an Hamburg angebunden sind.

Historische und institutionelle Einzugsbereiche[Bearbeiten]

Bezogen auf die historische Entwicklung gehört der größte Teil des Landkreises Verden zum früheren Territorium Bremen-Verden, das sich über das Elbe-Weser-Dreieck erstreckte. Zu diesem gehören neben dem Landkreis Verden die heutigen Landkreise Cuxhaven, Osterholz, Rotenburg (Wümme) und Stade. Viele Einzugsbereiche kirchlicher, kultureller, gesellschaftlicher oder sozialer Institutionen wie Handelskammer, evangelischer Kirchensprengel, Landschaftsverband und andere orientieren sich bis heute an den Grenzen dieses historischen Gebietes. Das Territorium Bremen-Verden bildete später mit der Landdrostei Stade und dem Regierungsbezirk Stade eine Kontinuität. Letzterer ging 1978 im seit 2004 ebenfalls nicht mehr existierenden vergrößerten Regierungsbezirk Lüneburg auf.

Naturräumliche Gegebenheiten[Bearbeiten]

Der Landkreis Verden liegt im geographischen Zentrum von Niedersachsen und repräsentiert auch eine der landestypischsten Regionen dieses Bundeslandes. Geografisch-naturräumlich gehört das Kreisgebiet größtenteils zur Mittelweserregion (Weser-Aller-Flachland) und zur Stader Geest, die hier die Achim-Verdener Geest bildet. Es ist damit leicht gewelltes Flachland mit breiten Flussniederungen. Das Kreisgebiet wird landschaftlich hauptsächlich von den Flüssen Aller und Weser geprägt. Randbereiche des Landkreises haben Anteil an anderen landschaftlichen Räumen. So liegt die nördlichste Gemeinde Ottersberg in der Wümmeniederung, die ebenfalls zur Stader Geest gehört. Das südöstlich im Kreisgebiet gelegene Kirchlinteln gehört landschaftlich zum Urstromtal der Aller und zur Lintelner Geest.

Naturschutzgebiete[Bearbeiten]

Im Landkreis Verden gibt es elf Naturschutzgebiete.[2][3] Das größte (Fischerhuder Wümmeniederung) hat eine Fläche von 772 ha[4], das kleinste (Auequelle) eine Fläche von 5 ha.

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter und frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Im Mittelalter und der frühen Neuzeit gehörte das Kreisgebiet zu den Herzogtümern Verden und Bremen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg war der Landstrich Teil des schwedischen Territoriums Bremen-Verden mit Verwaltungssitz in Stade.

Zugehörigkeit zu Hannover[Bearbeiten]

1714 verlor Schweden das Gebiet an Dänemark, bereits kurz darauf wurde es 1715 an das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg, aus dem 1814 das Königreich Hannover wurde, verkauft. Nach verschiedenen Verwaltungsreformen im Königreich Hannover bestanden seit 1859 auf dem heutigen Kreisgebiet die beiden Ämter Verden und Achim sowie die selbständige Stadt Verden. Nach dem Deutschen Krieg 1866 war das Königreich Hannover von Preußen annektiert worden und wurde 1867 zur preußischen Provinz Hannover.

Deutsches Reich[Bearbeiten]

Im Rahmen der Einführung der neuen Kreisordnung für die Provinz Hannover wurde am 1. April 1885 aus der Stadt und dem Amt Verden der Kreis Verden gebildet. Gleichzeitig wurde aus dem Amt Achim der Kreis Achim.[5]

Bei der preußischen Kreisreform von 1932 wurde aus dem Kreis Verden, dem Kreis Achim sowie der Gemeinde Oiste des Kreises Hoya der neue Landkreis Verden gebildet.[6] Mit den beiden Gemeinden Hemelingen und Mahndorf musste der Landkreis Verden am 1. November 1939 einen Teil des Altkreises Achim an die Stadt Bremen abgeben und verlor dadurch wieder einen Teil der 1932 hinzugewonnenen Einwohner.[7]

In der Zeit des Nationalsozialismus existierten auf dem Gebiet des Landkreises verschiedene Einrichtungen wie die Sprengstofffabrik Eibia G.m.b.H. für chemische Produkte in Barme, die Zwangsarbeiter beschäftigten. Die jüdischen Einwohner wurden, wie im übrigen Reichsgebiet, verfolgt, deportiert und ermordet, ihre Synagogen wurden zerstört. Im Zweiten Weltkrieg waren insbesondere die durch das Kreisgebiet verlaufenden Eisenbahnstrecken heftig zwischen zurückweichender Wehrmacht und vorrückender Britischer Armee umkämpft. So kam es im Februar 1945 zu einem Bombardement eines Flüchtlingszuges nahe der Ortschaft Scharnhorst bei Verden. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden aus der preußischen Provinz Hannover das Land Hannover und schließlich das Land Niedersachsen gebildet, zu dem fortan auch der Landkreis Verden gehörte.

Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Der Landkreis Verden unterhält seit 1955 eine Patenschaft zur Kreisgemeinschaft Preußisch Eylau in Ostpreußen.[8] Hieraus hat sich eine Partnerschaft zum Rajon Bagrationowsk in Russland und zur Kommune Górowo Iławeckie in Polen entwickelt.

Die Gebietsreform in Niedersachsen begann im Landkreis Verden mit einer Reihe von einzelnen Gemeindefusionen im Verlauf der 1960er Jahre. Eine umfassende Neugliederung sowie eine Vergrößerung des Landkreises brachte das Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Verden am 1. Juli 1972:[9]

Seit der Eingliederung der Gemeinde Morsum in die Gemeinde Thedinghausen am 1. November 2006 besteht der Landkreis aus elf Gemeinden, von denen Achim und Verden (Aller) das Stadtrecht besitzen.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner Quelle
1890 25.125 [10]
1900 26.392 [10]
1910 27.638 [10]
1925 28.177 [10]
1939 68.107 [10]
1950 87.704 [10]
1960 87.704 [10]
1970 89.500 [11]
1980 110.300 [12]
1990 117.716 [13]
2000 132.820 [13]
2010 133.368 [13]

Religionen[Bearbeiten]

Traditionell ist das Gebiet des Landkreises Verden evangelisch-lutherisch geprägt. Die Gemeinden gehören zur Landeskirche Hannover. Die Größe des Kirchenkreis Verden entspricht der des Landkreises Insbesondere nach dem Krieg haben sich durch Zuzug vieler Heimatvertriebener, Gastarbeiter aus Südeuropa und Aussiedler aus Ostmittel- und Osteuropa große katholische Gemeinden gebildet, die zum Bistum Hildesheim gehören. Katholische Gemeinden bestehen in Verden (Propsteikirche St. Josef) und Achim/Oyten (St. Matthias). Durch die hohe Zahl der Kirchenaustritte sind beide großen christlichen Kirchen Umstrukturierungsprozessen unterworfen.

Ferner leben im Kreisgebiet viele Muslime, Angehörige von Freikirchen und Zeugen Jehovas.

Politik[Bearbeiten]

Kreistagswahl 2011
Wahlbeteiligung: 55,30 %
 %
40
30
20
10
0
37,16 %
36,25 %
17,87 %
3,31 %
2,16 %
1,55 %
1,66 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
-2,08 %p
-0,98 %p
+7,84 %p
-3,68 %p
+2,16 %p
-1,20 %p
-2,07 %p
Sitzverteilung im Kreistag
1
19
9
1
1
18
1
19 18 
Von 50 Sitzen entfallen auf:

Politisch wurde der Landkreis bis 2005 aus der „Doppelspitze“ aus Oberkreisdirektor als Leiter der Landkreisbehörde und dem ehrenamtlichen Landrat mit repräsentativen Aufgaben geführt. Letzter Oberkreisdirektor war Werner Jahn, Nachfolger von Rainer Mawick, letzter ehrenamtlicher Landrat war Hans-Jürgen Wächter.[14]

Nach Einführung der eingleisigen Verwaltungsspitze in den Kommunen mit der Reform des Kommunalverfassungsrechts im Jahr 1996 hat der Landkreis Verden als letzte Kommune in Niedersachsen erstmals 2005 einen direkt gewählten, hauptamtlichen Landrat ernannt.

Der Kreistag setzt sich wie folgt zusammen:

Parteien und Wählergemeinschaften Prozent
2011[15]
Sitze
2011
Prozent
2006[16]
Sitze
2006
Prozent
2001[17]
Sitze
2001
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 37,16 19 39,24 20 40,1 21
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 36,25 18 37,23 19 39,4 21
Grüne Bündnis 90/Die Grünen 17,87 9 10,03 5 8,8 5
FDP Freie Demokratische Partei 3,31 2 6,99 3 8,4 4
Linke Die Linke 2,16 1 - - - -
NPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands 1,55 1 2,75 1 - -
WGA LV Wählergemeinschaft Achim Landkreis Verden (WGA LV) 1,04 - 1,53 1 - -
UBL Unabhängige Bürgerliste in der Samtgemeinde Thedinghausen im Landkreis Verden (UBL) 0,62 - - - - -
NÖL Neue ökologische Linke, Wähler/innenvereinigung im Landkreis Verden (NÖL) - - 1,41 1 - -
FBO Freie Bürger Ottersberg (FBO) - - 0,79 - - -
WG Wählergemeinschaften - - - - 3,3 -
Gesamt 100 50 100 50 100 51
Wahlbeteiligung in Prozent 53,44 54,84 54,8
  • Wählergemeinschaften, da sich das Ergebnis von 2001 nicht auf einzelne Wählergemeinschaften aufschlüsseln lässt.
  • Neben den gewählten Kreistagsabgeordneten gehört der Landrat dem Kreistag an.

Der Abgeordnete der NPD trat 2012 zu Die Rechte über.[18]

Landräte[Bearbeiten]

  • 1885 bis 1888 Carl Roscher
  • 1888 bis 1890 Paul Bugisch
  • 1890 bis 1924 Max Seifert
  • 1924 bis 1932 Adolf Varain
  • 1932 bis 1933 Landratsamt an Landrat Otto Eichhorn aus Waldbröl übertragen
  • 1933 bis 1945 Karl Weber (NSDAP)

Vorschlag einer Verwaltungsreform[Bearbeiten]

Eine Fusion der Landkreise Rotenburg (Wümme) und Verden wurde zuletzt vom Gutachter J. J. Hesse vorgeschlagen, zuvor auch schon vom Gutachter G. Cassing. Insbesondere bei den Unionspolitikern vor Ort stößt die vorgeschlagene Fusion jedoch auf Ablehnung.[19]

Wappen[Bearbeiten]

Wappen von Landkreis Verden
Blasonierung:

„In Blau ein goldener Wellenbalken, darüber ein springendes silbernes Pferd, unten aus dem Schildrand wachsend drei goldene Ähren, gefächert, die beiden äußeren mit je einem Blatt.“[20]

Beschreibung:

Im Wappen dominiert ein springendes Pferd, das dem Wappen des Landes Niedersachsen entlehnt ist (Sachsenross) und auf die Bedeutung der Region als Mittelpunkt der Pferdezucht hinweist. Durch die goldenen Ähren wird die Verbindung zur Landwirtschaft und durch das goldene Band zum Wasser (Weser, Aller) hergestellt. Daher auch der blaue Hintergrund.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Landschaftsverband[Bearbeiten]

Zur Pflege kultureller Einrichtungen wurde der Landschaftsverband Stade als eingetragener Verein gegründet. Zu dessen Wirkungsbereich zählt auch der Landkreis Verden.

Verden[Bearbeiten]

Eine beliebte Touristenattraktion in der Region ist die Altstadt von Verden (Aller) mit dem Dom und weiteren Kirchen. Das landschaftlich reizvoll an der Aller gelegene Verden liegt an Weser- und Aller-Radweg, ist ein Zentrum der Pferde- und Rinderzucht und des Reitsports.

Jüdische Friedhöfe[Bearbeiten]

Im Landkreis Verden gibt es drei Jüdische Friedhöfe: in Achim, Otterstedt und Verden.[21] Es sind schützenswerte Kulturdenkmäler – steinerne Zeugen für ehemals existierende jüdische Gemeinden und eines regen jüdischen Gemeindelebens bis in die 1930er Jahre. Die Friedhöfe sind meist schlecht aufzufinden, zumal sie sich vorwiegend am Rande der Gemeinden befinden. In Thedinghausen gab es ebenfalls einen jüdischen Friedhof, der bis 1934 belegt wurde. Er wurde aber in der NS-Zeit 1941 verkauft, 1942 zerstört und die Grabsteine entfernt.

Schlösser[Bearbeiten]

Es befinden sich verschiedene Schlösser und schlossartige Gebäude auf dem Kreisgebiet. Hierzu gehören das Schloss Etelsen, der Amtshof Ottersberg – eine ehemalige Burg – und der Erbhof Thedinghausen. Die genannten Gebäude sind nicht öffentlich zugänglich, lediglich der Schlosspark Etelsen ist für Besucher geöffnet.

Fischerhude[Bearbeiten]

Ein beliebtes Ausflugsziel ist die im Flecken Ottersberg liegende Ortschaft Fischerhude mit seiner Künstlertradition.

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Wichtige Arbeitgeber[Bearbeiten]

Der Landkreis Verden ist einer der wirtschaftsstärksten Landkreise im norddeutschen Raum, gekennzeichnet durch seine zentrale Lage in Niedersachsen, durch seine günstigen Verkehrsverbindungen und durch seine unmittelbare Nachbarschaft zur Großstadt Bremen – letzteres gilt speziell für Achim, Ottersberg und Oyten im Nordkreis. So befindet sich im Ottersberger Ortsteil Posthausen ein großes Einkaufszentrum (Dodenhof). Neben vielen klein- und mittelständischen Betrieben sind im Landkreis Verden auch international bedeutende Unternehmen der Ernährungswirtschaft, der Tierzucht- und Vermarktung, des Maschinenbaus und der Logistik ansässig. Verden und Achim sind Standorte der Aller-Weser-Klinik. Die im Süden und Südosten gelegenen Gemeinden Kirchlinteln, Dörverden und die Samtgemeinde Thedinghausen gelten als eher strukturschwach. Dies gilt insbesondere für die Gemeinde Dörverden, die unter dem Abzug der Bundeswehr zu leiden hat und auf deren Gebiet viele ehemalige Militärareale liegen, deren Nachnutzung noch offen ist. Verden ist Sitz der Kreissparkasse Verden. Im Genossenschaftsbanksektor sind die Volksbank Aller-Weser, die Volksbank Oyten, die Bremische Volksbank, die Volksbank Syke und die Volksbank Wümme-Wieste tätig.

Fremdenverkehr[Bearbeiten]

Aus Gründen des Regionalmarketings wird der Landkreis teilweise als Reiterkreis bezeichnet, womit auf die Pferdezuchttradition der Region abgezielt wird. Durch den Landkreis führt der Aller-Radweg, der Weserradweg und der Radfernweg Hamburg-Bremen. Von Bedeutung ist ferner der ländliche Tourismus (Reiturlaub, Wasserwandern, Jagd) im Bereich Thedinghausen-Verden-Dörverden-Kirchlinteln. Es bestehen Museumseisenbahnen in Thedinghausen und zwischen Verden und Kirchlinteln-Stemmen.

Verkehr[Bearbeiten]

Eisenbahn[Bearbeiten]

Heute befinden sich Personenbahnhöfe in Achim, Achim-Baden, Dörverden, Langwedel, Langwedel-Etelsen, Ottersberg, Oyten-Sagehorn und Verden (Aller). Durch das Kreisgebiet verlaufen heute die Bahnstrecke Wanne-Eickel–Hamburg („Rollbahn“), Bahnstrecke Wunstorf–Bremen, die Bahnstrecke Uelzen–Langwedel, die Bahnstrecke Verden–Rotenburg („Weser-Aller-Bahn“) und die im Güterverkehr betriebene Bremen-Thedinghauser Eisenbahn und die Verden-Walsroder Eisenbahn mit dem Abschnitt Verden–Stemmen. Mitte Dezember 2011 wurde die Verbindung von Bremen nach Verden in das Netz der Regio-S-Bahn Bremen/Niedersachsen integriert.[22] Aktuell ist die Wiedereinrichtung eines Haltepunktes in Kirchlinteln vorgesehen [23].

Geschichte der Eisenbahn[Bearbeiten]

Der Kreis Verden wird schon 1847 von der Bahnstrecke Wunstorf–Bremen der Hannoverschen Staatsbahn durchzogen. Von ihr zweigt in Langwedel eine Linie nach Soltau–Uelzen (–Stendal–Berlin/–Magdeburg) ab, die unter dem Namen „Amerikalinie“ bekannt geworden ist und die von der Hansestadt Bremen 1873 in Betrieb genommen wurde.

Im Norden des Kreises eröffnete die Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft 1874 mit der Bahnstrecke Wanne-Eickel–Hamburg eine Verbindung der beiden Hafenstädte Bremen und Hamburg nebst einer Umgehungsbahn für Bremen.

Die Verbindung zwischen der Strecke Bremen–Hamburg und der Strecke Hannover–Bremen kam erst 1928 zwischen Verden und Rotenburg (Wümme), damals Rotenburg in Hannover, durch die Deutsche Reichsbahn zustande.

Die Preußische Staatsbahn eröffnete im Jahre 1904 von Wahnebergen bei Verden eine Nebenbahn alleraufwärts nach Schwarmstedt.

Auch die Verden-Walsroder Eisenbahn GmbH richtete 1910 eine Querverbindung zur Bahnlinie Soltau–Hannover ein. Der Rest dieser Verbindung (Verden–Stemmen) wird heute als Museumseisenbahn betrieben. Im gleichen Jahr erschloss die Strecke Bremen-Huchting–Leeste–Riede–Thedinghausen der Bremisch-Hannoverschen Eisenbahn AG das bis 1945 zu Braunschweig gehörende Amt Thedinghausen. Auch diese Verbindung wird im Museumsverkehr betrieben und gehört heute der Bremen-Thedinghauser Eisenbahn. Auf einem Teil dieser Bahn wird in Zukunft die Bremer Straßenbahn mit der Linie 8 fahren.

Von dem nun 118 km umfassenden Schienennetz wurden von 1936 bis 1969 38 km für den Personenverkehr stillgelegt:

  • 1936: Stemmen–Otersen–Walsrode 4 km
  • 1955: Bremen-Huchting–Leeste–Thedinghausen 8 km
  • 1966: Wahnebergen–Hülsen–Rethem 14 km
  • 1969: Verden–Stemmen 12 km

Davon sind 20 km noch als Museumsbahn in Betrieb.

Straße[Bearbeiten]

Durch den Norden des Kreisgebietes im Raum Ottersberg/Oyten verlaufen die Autobahn A 1 und die Bundesstraße 75. Die Hauptsiedlungsachse zwischen Achim und Verden wird durch die A 27 erschlossen, im Südosten durchquert die Bundesstraße 215 das Kreisgebiet.

Binnenschifffahrt[Bearbeiten]

Die binnenschifffahrtstauglichen Flüsse Weser und Aller fließen durch das Kreisgebiet. Von Bedeutung für die Binnenschifffahrt ist jedoch nur noch die Weser.

Flugverkehr[Bearbeiten]

Beim Verdener Stadtteil Scharnhorst befindet sich ein Verkehrslandeplatz. Die wichtigsten Verkehrsflughäfen in der Umgebung sind der Flughafen Bremen und der Flughafen Hannover.

Schulen[Bearbeiten]

Der Landkreis Verden ist Schulträger der Berufsbildenden Schulen des Landkreises Verden (BBS Verden) sowie der vier Gymnasien, dem Cato Bontjes van Beek-Gymnasium (Achim), Gymnasium am Markt in Achim, dem Domgymnasium Verden und dem Gymnasium am Wall Verden. Zudem ist er Schulträger der beiden Förderschulen Andreasschule Verden und Erich Kästner-Schule Achim.

Die Schulträgerschaft der vier Haupt-, der vier Real- und der vier Oberschulen hat der Landkreis Verden an die Städte und Gemeinden übertragen. Der Landkreis leitet die Kreisschulbaukasse, mit der die Städte und Gemeinden bei großen Investitionsmaßnahmen finanziell entlastet werden. Alle Kommunen sind Beitragszahler der Schulbaukasse.

Städte und Gemeinden[Bearbeiten]

(Einwohner am 31. Dezember 2013)[24]

Emtinghausen Riede Dörverden Blender Ottersberg Oyten Achim Bremen Langwedel Thedinghausen Verden (Aller) Kirchlinteln Landkreis Verden Niedersachsen Landkreis Diepholz Landkreis Nienburg/Weser Landkreis Heidekreis Landkreis Osterholz Landkreis Rotenburg (Wümme)Municipalities in VER.svg
Über dieses Bild

Einheitsgemeinden

  1. Achim, Stadt, selbständige Gemeinde (29.991)
  2. Dörverden (8933)
  3. Kirchlinteln (10.065)
  4. Langwedel, Flecken (14.359)
  5. Ottersberg, Flecken (12.250)
  6. Oyten (15.413)
  7. Verden (Aller), Kreisstadt, selbständige Gemeinde (26.668)

Samtgemeinde mit ihren Mitgliedsgemeinden:

* Sitz der Samtgemeindeverwaltung

Samtgemeinde Thedinghausen (14.780)

  1. Blender (2883)
  2. Emtinghausen (1529)
  3. Riede (2694)
  4. Thedinghausen * (7674)

Ehemalige Gemeinden[Bearbeiten]

Die folgende Liste enthält alle ehemaligen Gemeinden des Landkreises sowie die Daten ihrer Eingemeindungen.[10][25][26]

Gemeinde eingemeindet
nach
Datum der
Eingemeindung
Ahnebergen Wahnebergen 1. Februar 1971
Allerdorf Hintzendorf 1. September 1960
Armsen Kirchlinteln 1. Juli 1972
Baden Achim 1. Juli 1972
Barme Dörverden 1. Juli 1972
Barnstedt Westen 1. Februar 1971
Bassen Oyten 1. Juli 1972
Bendingbostel Kirchlinteln 1. Juli 1972
Benkel Otterstedt 1. Juli 1968
Beppen Morsum 1. Juli 1972
Bierden Achim 1. Juli 1972
Bockhorst Oyten 1. Januar 1963
Bollen Achim 1. Juli 1972
Borstel Verden (Aller) 1. Juli 1972
Brunsbrock Kirchlinteln 1. Juli 1972
Cluvenhagen Etelsen 1. Juli 1968
Dauelsen Verden (Aller) 1. Juli 1972
Daverden Langwedel 1. Juli 1972
Deelsen Kirchlinteln 1. Juli 1968
Diensthop Dörverden 1. Januar 1971
Döhlbergen Verden (Aller) 1. Juli 1972
Eckstever Otterstedt 1. Juli 1968
Einste Blender 1. Juli 1972
Eissel Dauelsen 1. Januar 1970
Eitze Verden (Aller) 1. Juli 1972
Embsen Achim 1. Juli 1972
Etelsen Langwedel 1. Juli 1972
Fischerhude Ottersberg 1. Juli 1972
Giersdorf-Schanzendorf Posthausen 1. Juli 1968
Grasdorf Posthausen 1. Juli 1968
Groß Hutbergen Verden (Aller) 1. Juli 1972
Haberloh Langwedel 1. Juli 1972
Hagen-Grinden Etelsen 1. Juli 1968
Heins Kirchlinteln 1. Juli 1972
Hemelingen Bremen 1. November 1939
Hintzendorf Posthausen 1. Juli 1968
Hintzendorf-Stellenfelde Hintzendorf 1. September 1960
Hohenaverbergen Kirchlinteln 1. Juli 1972
Holtebüttel Langwedel 1. Juli 1972
Holtum (Geest) Kirchlinteln 1. Juli 1972
Holtum (Marsch) Blender 1. Juli 1968
Hönisch Verden (Aller) 1. Juli 1972
Intschede Blender 1. Juli 1972
Klein Hutbergen Verden (Aller) 1. Juli 1972
Kreepen Kirchlinteln 1. Juli 1972
Kükenmoor Kirchlinteln 1. Juli 1972
Luttum Kirchlinteln 1. Juli 1972
Mahndorf Bremen 1. November 1939
Meyerdamm Oyten 1. Januar 1963
Morsum Thedinghausen 1. November 2006
Narthauen Ottersberg 1. Juli 1972
Neddenaverbergen Kirchlinteln 1. Juli 1972
Oiste Blender 1. Juli 1972
Otersen Kirchlinteln 1. Juli 1972
Otterstedt Ottersberg 1. Juli 1972
Oyterdamm Oyten 1. Januar 1963
Posthausen Ottersberg 1. Juli 1972
Quelkhorn Fischerhude 1. Juli 1968
Ritzenbergen Blender 1. Juli 1968
Sagehorn Oyten 1. Januar 1963
Schafwinkel Kirchlinteln 1. Juli 1972
Schaphusen Oyten 1. Juli 1968
Scharnhorst Verden (Aller) 1. Juli 1972
Sehlingen Kirchlinteln 1. Juli 1972
Stedebergen Wahnebergen 1. Februar 1971
Stedorf Dörverden 1. Oktober 1962
Stemmen Kirchlinteln 1. Juli 1972
Uesen Achim 1. Juli 1972
Uphusen Achim 1. Juli 1972
Verdenermoor Kükenmoor 1. Januar 1961
Völkersen Langwedel 1. Juli 1972
Wahnebergen Dörverden 1. Juli 1972
Walle Verden (Aller) 1. Juli 1972
Weitzmühlen Kirchlinteln 1. Juli 1972
Westen Dörverden 1. Juli 1972
Wittlohe Kirchlinteln 1. Juli 1972
Wulmstorf Morsum 1. Juli 1972
Wümmingen Posthausen 1. Juli 1968

Kfz-Kennzeichen[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen VER zugewiesen. Es wird durchgängig bis heute ausgegeben.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hermann Greve: Bibliographie des Landkreises Diepholz unter Einschluß der Samtgemeinden Harpstedt (Landkreis Oldenburg), Eystrup und Grafschaft Hoya (Landkreis Nienburg) sowie Riede (Samtgemeinde Thedinghausen, Landkreis Verden). (Hrsg.: Landkreis Diepholz), Syke und Diepholz 1984, XXXVIII und 453 S. (mit 3505 Titeln).
  • Walter Kempowski, Jochen Mönch (Fotos): Der Landkreis Verden – ein Portrait. Landkreis Verden (Hrsg.), 1987, ISBN 3-9801638-0-6.
  • Wendula Dahle (Hrsg.): Im Land der Moore und Deiche. Ausflüge links und rechts der Weser. Ein Reise- und Lesebuch. Bremen 1998, 352 S. m. zahlr. Abb.; ISBN 3-86108-466-X.
  • Fischerhuder Kunstkreis e. V. (Hrsg.): Unterwegs .... im Landkreis Verden. Geschichte – Kultur – Natur. Achim 1999, 288 S. m. zahlr. Abb.
  • Harald Witt: Die schönsten Radwanderungen zwischen Hunte, Weser und Wümme. Natur – Kultur – Geschichte. Bremen 2003, 207 S. m. 96 Abb.; ISBN 3-936289-44-1.
  • Bernd Kappelhoff und Thomas Vogtherr (Hrsg.): Immunität und Landesherrschaft. Beiträge zur Geschichte des Bistums Verden. Landschaftsverband der ehem. Herzogtümer Bremen und Verden, Stade 2002, ISBN 3-931879-09-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Landkreis Verden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 102 Bevölkerung - Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2013 (Tabelle K1020014) (Hilfe dazu)
  2. [1] Landkreis Verden beim NLWKN
  3. [2] Neue Naturschutzgebiete ab 2009 beim NLWKN
  4. [3] Naturschutzgebiet „Fischerhuder Wümmeniederung“, Kennzeichen: NSG LÜ 270
  5. Kreisordnung für die Provinz Hannover (1884)
  6. Preußisches Staatsministerium, § 72, Verordnung über die Neugliederung von Landkreisen, vom 1. August 1932 Preußische Gesetzessammlung, Berlin 1932; Nr. 43 (Bildung des neuen Landkreises Verden), R. von Deckers Verlag, G. Schenk, 1932
  7. Vierte Verordnung über den Neuaufbau des Reichs vom 28. September 1939
  8. Landkreis-Verden.de
  9. Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Verden vom 6. April 1972
  10. a b c d e f g h Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatMichael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte. Abgerufen am 2. Januar 2015.
  11. Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972
  12. Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1981
  13. a b c Regionaldatenbank Niedersachsen
  14. Landrat Peter Bohlmann tritt Nachfolge von Oberkreisdirektor Werner Jahn an
  15. http://www.landkreis-verden.de/wahlen/kreistag2011/00_tabelle.html
  16. http://www.landkreis-verden.de/wahlen/kreistag2006/00_tabelle.html
  17. http://www.nls.niedersachsen.de/KW2006/361k.html
  18. Partei „Die Rechte“ tritt Nachfolge von NPD an
  19. Artikel zur Fusionsdiskussion Rotenburg-Verden
  20. § 2 Hauptsatzung des Landkreises Verden vom 17.12.2010
  21. LANDKREIS VERDEN. In: Jüdische Friedhöfe nach der heutigen Verwaltungsgliederung – Niedersachsen. In: Übersicht über alle Projekte zur Dokumentation jüdischer Grabinschriften auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland
  22. http://www.regiosbahn.de/de/aktuelles/nachricht/anzeige/fahrplanwechsel-2011-mit-neue-rs-1-ver.html
  23. Wiedereröffnung des Bahnhofs
  24. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 102 Bevölkerung - Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2013 (Tabelle K1020014)
  25. Landkreis Verden bei territorial.de
  26. Niedersächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt, Ausgabe 1960 ff.