Landkreis Ziegenrück

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Der preußische Landkreis Ziegenrück bestand in der Zeit zwischen 1816 und 1945. Er umfasste drei Städte und 35 Gemeinden. Daneben bestanden bis 1929 im Kreis elf Gutsbezirke.

Verwaltungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Königreich Preußen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der preußischen Verwaltungsreformen nach dem Wiener Kongress wurden zum 15. Juni 1816 die bei Preußen gebliebenen Teile des vormals königlich sächsischen Neustädtischen Kreises dem Regierungsbezirk Erfurt in der preußischen Provinz Sachsen als Kreis Neustadt zugeteilt. Das Landratsamt war auf der Burg Ranis.

Zunächst war Preußen der ganze Neustädtische Kreis zugesprochen worden. Da es sich aber in Art. 37 der Kongreßakte verpflichtet hatte, dem Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach an dessen Fürstentum Weimar angrenzende oder benachbarte Gebiete mit mindestens 50.000 Einwohnern abzutreten, einigten sich Preußen und Sachsen-Weimar-Eisenach unter anderem auf die Abtretung der östlichen Teile des Neustädtischen Kreises, benannt in Neustädter Kreis, sodass nur ein Rest, d.h. die Westteile der Ämter Ziegenrück (mit Ziegenrück und den Saaleübergängen) und Arnshaugk (mit der Gegend um Ranis und der Exklave Kamsdorf), bei Preußen blieb. Es waren weniger wirtschaftliche Beweggründe, die Preußen veranlassten, sich für diesen so entlegenen Kreis zu interessieren, vielmehr waren es größtenteils militärische Gründe. Mit dem Besitz des Kreises hatte Preußen die wichtigen Brückenköpfe über die Saale und den Weg nach Franken in seiner Hand. Kurz darauf, noch vor 1820, wurde der Name des Kreises in Kreis Ziegenrück geändert.

Die Exklaven des vogtländischen Amts Plauen, d.h. die Stadt Gefell und die Gemeinden Blintendorf, Sparnberg und Blankenberg kamen 1815 ebenfalls als Exklaven zum preußischen Kreis Ziegenrück, der selbst eine Exklave der Provinz Sachsen war. Als Folge des verlorenen Deutschen Kriegs von 1866 fiel die zu dieser Zeit zum Königreich Bayern gehörende Exklave Kaulsdorf an der Saale wieder an Preußen und wurde dem Kreis Ziegenrück zugeordnet.

Norddeutscher Bund / Deutsches Reich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis – wie das ganze Königreich Preußen – zum Norddeutschen Bund und ab 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich.

Zum 30. September 1929 fand im Kreis Ziegenrück entsprechend der Entwicklung im übrigen Preußen eine Gebietsreform statt, bei der alle bisher selbständigen Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden. Zum 1. Januar 1939 führte der Kreis Ziegenrück entsprechend der jetzt reichseinheitlichen Regelung die Bezeichnung Landkreis. Nach Auflösung der Provinz Sachsen zum 1. Juli 1944 gehörte der Kreis zwar weiter zum Land Preußen, war aber nunmehr – in Angleichung an die Reichsverteidigungsbezirke – der Verwaltung des Reichsstatthalters für Thüringen in Weimar unterstellt.

Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet zunächst durch die amerikanischen Streitkräfte besetzt, fiel dann aber an die Sowjetische Besatzungszone.

Sowjetische Besatzungszone[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 1. Juli 1945 wurden Blankenberg, Blintendorf, Gefell und Sparnberg an den Landkreis Schleiz sowie Goßwitz, Großkamsdorf, Kaulsdorf und Kleinkamsdorf an den thüringischen Landkreis Saalfeld abgegeben.[1] Mit Wirkung vom 1. Oktober 1945 wurde der Landkreis Ziegenrück aufgelöst und bis auf zwei Gemeinden in den Landkreis Saalfeld eingegliedert. Lediglich die Gemeinden Eßbach und Külmla kamen zum Landkreis Schleiz.[2]

Kommunalverfassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Landkreis Ziegenrück gliederte sich in Städte, in Landgemeinden und – bis zu deren Auflösung im Jahre 1929 – in selbständige Gutsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt. Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Quelle
1816 8.112 [3]
1843 12.826 [4]
1871 14.823 [5]
1890 15.906 [6]
1900 17.400 [6]
1910 19.328 [6]
1925 19.457 [6]
1933 20.786 [6]
1939 21.414 [6]

Städte, Gemeinden und Gutsbezirke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor 1815 zum Amt Ziegenrück (Neustädter Kreis) gehörig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadt
Gemeinden
Gutsbezirke (bis 1929)

Vor 1815 zum Amt Arnshaugk (Neustädter Kreis) gehörig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadt
Gemeinden
Gutsbezirke (bis 1929)

Vor 1815 zum Amt Plauen (Vogtländischer Kreis) gehörig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadt
Gemeinden
Gutsbezirk (bis 1929)
  • Sparnberg

Vor 1866 zum Königreich Bayern gehörig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde

Landräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Landkreis Ziegenrück – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erste Verordnung über die Kreiseinteilung des Landes Thüringen
  2. Dritte Verordnung über die Kreiseinteilung des Landes Thüringen
  3. Christian Gottfried Daniel Stein: Handbuch der Geographie und Statistik des preußischen Staats. Vossische Buchhandlung, Berlin 1819, Der Regierungsbezirk Erfurt, S. 359 (Digitalisat [abgerufen am 5. Januar 2017]).
  4. Handbuch der Provinz Sachsen. Rubachsche Buchhandlung, Magdeburg 1843, S. 324 (Digitalisat [abgerufen am 6. Juli 2016]).
  5. Königlich Statistisches Büro Preußen (Hrsg.): Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung. Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Sachsen. Verlag d. Königl. Statist. Bureaus, Berlin 1873 (Digitalisat [abgerufen am 5. Juli 2016]).
  6. a b c d e f Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte: Landkreis Ziegenrück. Abgerufen am 2. Juli 2016.