Landpomeranze

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Der Begriff Landpomeranze stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert und ist ein Kunstbegriff wie die ebenfalls in dieser Zeit entstandenen Begriffe „spazieren gehen“, „Romantik“, „Biedermeier“, „höchste Eisenbahn“ oder „blümerant“.

Herkunft und Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff steht im Zusammenhang mit der Südfrucht Pomeranze (Bitterorange). Er gilt als studentische Wortschöpfung aus Süddeutschland in der Biedermeierzeit, als Bezeichnung für junge Mädchen vom Land, die unbedarft waren und deren Wangen die frische, rötlich leuchtende Farbe von Pomeranzen hatten.[1] Später wurde die Verwendung des Begriffs ausgeweitet auf eine Frau mit ungewandtem Benehmen und ohne Kenntnis von Anstandsregeln.[2]

Die erste literarische Verwendung ist in Wilhelm Hauffs Der Mann im Mond aus dem Jahr 1825 nachgewiesen:

„[…] nein es war zu unverschämt; bei andern hatte er nach den ersten Präliminarien beinahe ohne Schwertstreich gesiegt, und dieses Landpomeränzchen hatte ihm so imponiert, daß er es nicht wagte, nachdem sie ihn einmal mit Verachtung abgewiesen hatte, noch einmal einen Versuch zu machen [...].“[3]

Der Begriff wird inzwischen geschlechtsneutral auch für Männer mit ländlich-provinziellem Hintergrund verwendet.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Landpomeranze – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Wolfgang Seidel: Es geht um die Wurst: Was hinter unseren Wörtern steckt. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2012, ISBN 978-3-423-41302-2 (240 S., eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. Christoph Gutknecht: Pustekuchen! Lauter kulinarische Wortgeschichten, S. 21, C.H. Beck Verlag, 2002, ISBN 3-406-47621-X
  3. Wilhelm Hauff: Der Mann im Mond, in: W. Hauffs sämmtliche Werke. Ausgabe in 10 Bänden, 7. Band, Stuttgart 1837