Landratsbezirk Kirtorf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Der Landratsbezirk Kirtorf war ein Landratsbezirk im Großherzogtum Hessen. Er bestand von 1821 bis 1832.

Umfang des Landratsbezirks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1821/1822 wurden die Ämter im Großherzogtum aufgelöst und in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen Landratsbezirke gebildet. Der Landratsbezirk Kirtorf wurde 1821 gebieldet und bestand aus

Am 15. September 1821[1], also noch vor Inkrafttreten der Neugliederung, wurde zunächst der Ort Leusel, und am 4. Dezember 1822[2] der Ort Zell dem Landratsbezirk Romrod zugeordnet.

Verwaltungseinheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Administrative Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Administrative Einteilung legte die Bürgermeistereien fest, welche dem Landrat unterstanden. Dabei wurden mehrere kleinere Ortschaften häufig durch eine Bürgermeisterei verwaltet. Seit 1822 konnten die Hessischen Gemeinden ihre Bürgermeister selbst wählen und es wurden keine Schultheiße mehr eingesetzt. Die folgenden 33 Bürgermeistereien wurden im Landratsbezirk bestimmt:[3] Der Bezirk wurde in 21 Bürgermeistereien eingeteilt:
1) Angerod 2) Appenrod mit Dannerod 3) Arnshain mit Bernsburg 4) Büßfeld mit Bleidenrod und Schadenbach 5) Burggemünden 6) Deckenbach mit Höingen 7) Ehringshausen mit Oberndorf 8) Elpenrod mit Hainbach 9) Erbenhausen mit Lehrbach 10) Ermenrod 11) Gleimenhain 12) Heimertshausen mit Billertshausen 13) Homberg 14) Kirtorf 15) Maulbach 16) Niedergemünden mit Otterbach 17) Niederofleiden 18) Obergleen 19) Oberofleiden mit Gontershausen und Haarhausen 20) Rülfenrod 21) Wahlen.
Die Administrativ Rechte die aus dem Eußergericht in den Bürgermeistereien Arnshain, Erbenhausen, Obergleen und Wahlen so wie in dem Orte Rülfenrod werden im Namen der Patrimonialgerichtsherrschaft vom Landrat verwaltet.

Justizverwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gleichzeitig mit der Bildung der Landratsbezirke wurden Landgerichte installiert, die jetzt unabhängig von der Verwaltung waren. Mit dem Landratsbezirk Kirtorf wurde das Landgericht Homberg/Ohm als Gericht erster Instanz geschaffen. Die Gerichtsbarkeit in den patrimonialgerichsherrlichen Bürgermeistereien Arnshain, Erbenhausen, Obergleen und Wahlen wurden in Homberg an bestimmten Amtstagen von dem Landrichter und dem von „Schenkischen Amtsverweser“ gemeinschaftlich ausgeübt.[4]

Die Freiherrn Schenck zu Schweinsberg verzichteten am 13. März 1822 zugunsten der landesherrlichen Behörde auf die Ausübung ihrer standesherrlichen Polizei-, Verwaltungs- und Gerichtsrechte im Gericht Rülfenrod und im Eußergericht[5]. Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 alle standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.[6]

Finanzverwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Einnahmen aus Staatseigentum (den sogenannten Domanialen) waren die Rentämter zuständig. Alle Orte Bezirks war dem Rentamt Homberg zugeteilt.[3]

Davon getrennt war die Steuerverwaltung. Für den Landratsbezirk war die Ober-Einnehmerei Romrod zuständig. Der Steuerbezirk Kirtorf waren in drei Distrikts-Einnehmereien gegliedert denen die folgenden Bürgermeister zugeordnet waren.[3]

  1. Ehringshausen mit Angerod, Billertshausen, Burggemünden, Elpenrod, Ermenrod, Haimbach, Helmertshausen, Niedergemünden, Oberndorf, Otterbach und Rülfenrod
  2. Homberg mit Bleidenrod, Büßfeld, Deckenbach, Gontershausen, Haarhaufen, Höingen, Maulbach Niederofleiden, Oberofleiden und Schadenbach
  3. Kirtorf mit Appenrod, Arnshain, Bernsburg, Dannerod, Erbenhausen, Gleimenhain, Lehrbach, Obergleen und Wahlen

Der Bezirk gehörte zum Hauptzollamt Alsfeld und hatte die Nebengrenzzollämter II. Klasse in Arnshain, Lehrbach und Niederofleiden.

Forstverwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus dem Landratsbezirk gehörten zum „Forst Burggemünden“ die folgenden Forstreviere:

  1. Haimbach mit Burggemünden, Elpenrod, Ermenrod, Niedergemünden, Oberndorf, Otterbach und Schadenbach
  2. Homberg mit Bleidenrod, Büßfeld, Deckenbach, Gontershausen, Haarhausen, Hoingen, Niederofleiden und Oberofleiden
  3. Maulbach mit Appenrod, Dannerod, Ehringshausen, Erbenhausen, Heimerlihausen, Obergleen und Rülfenrod
  4. Wahlen mit Arnshain, Bernsburg, Gleimenhain, Kirtorf und Lehrbach

Kirchenverwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die die Orte des Landratsbezirks bilden 13 evangelische Pfarreien die zum „Inspektorat Kirtorf“ gehören:

  1. Bernsburg mit Arnshain
  2. Billerlshausen mit Angerod, Gethürms, Heimertshausen und Zell (sud Landratsbezirk Romrod)
  3. Burggemünden mit Bleidenrod
  4. Ehringshausen mit Oberndorf und Rülfenrod
  5. Ermentod
  6. Homberg
  7. Kirtorf
  8. Lehrbach mit Erbenhausen
  9. Maulbach mit Appenrod und Dannerod
  10. Niedergemünden mit Elpenrod, Haimbach und Otterbach
  11. Obergleen
  12. Oberofleiden mit Büßfeld, Deckenbach, Gontershausen, Haarhausen, Höingen, Niederofleiden und Schadenbach
  13. Wahlen mit Gleimenhain

Historische Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen“ berichtet 1829 über den Landratsbezirk Kirtorf:[3]
Die Lage wird beschrieben als: »Der Bezirk liegt zwischen dem 50° 39′ und 50° 51′ nördlicher Breite und zwl schen dem 26° 34 und 26° 54 östliche Länge. Die Grenzen sind gegen Norden das Churfürstenthum Hessen, gegen Osten der Bezirk Romrod, gegen Süden der Bezirk Grünberg, gegen Westen das Churfürstenthum Hessen, Die Bezirke Kirtorf und Alsfeld schließen mehrere Churhessische Orte ein.«
Die Natürliche Beschaffenheit als: »a) Oberfläche und Boden: Die Höhen, die das Feldaer Thal begleiten, und vom Oberwald ausgehen, durchziehen den Bezirk von Südosten nach Nordwesten, bis Homberg, wo sie in ziemlicher Breite gegen die große Ebene abfallen. Der Holzberg bei Homberg liegt 1486 Hess. Fuß (0,25m), Homberg selbst 1266 Hess. Fuß und das Gethürms 1408 Hess. Fuß über der Meeresfläche erhaben. In einem Theil des Bezirks findet sich ein feuchter, und daher kaltgrundiger Lehmboden, der oft nur mit großer Anstrengung zu bearbeiten ist, besonders in dem westlichen Theile. Der Boden des übrigen Theils ist mehr mit Sand gemischt, und besonders hat Lehrbach viel Sand; jedoch ist der Boden im Ganzen ergiebig. b) Gewässer: 1) die Ohm; 2) die Felda; 3) die Andreft; 4) der Kleinbach.«
Die Bevölkerung als: »Diese beträgt 13,639 Seelen; hierunter sind 13,186 Evangelische, 25 Katholiken, 46 Mennoniten und 382 Juden, welche zusammen 2 Städte, 1 Marktflecken, 30 Dorfer, überhaupt 2212 Häuser bewohnen.«
Die Naturprodukte als: »423 Pferde; 95 Fohlen; 54 Bullen; 1158 Ochsen; 3679 Kühe; 1480 Rinder; 3701 Schweine; 16,348 Schaafe; 604 Ziegen; 87 Esel. Korn, Gerste, Waizen, Hafer, Kartoffel, Hülsenfrüchte, Futterkräuter, Flachs. An einigen Orten wurde früher etwas Bergbau getrieben. Bei Homberg finden sich thonartige Eisensteine, so wie auch Anzeichen von Quecksilber. Basalte haben namentlich die Gemarkungen von Appenrod, Dannerod, Ermenrod, Maulbach, Homberg, Kirtorf, Wahlen, und Sandsteine finden sich zu Dannerod, Lehrbach, Niederofleiden, Oberofleiden, Homberg, Wahlen, Obergleen, von welchen besonders die Lehrbacher zu Mühlsteinen brauchbar, so wie alle Sandsteine von weißer Farbe.«
Das Gewerbe und Handel als: »Ackerbau, Viehzucht, Handwerke. Die Spinnerei und Leineweberei ist besonders zu Angerod, Billertshausen, Ehringshausen, Deckenbach, Ermenrod, Oberleen und Oberofleiden nicht unbedeutend, und es verfertigen mehrere dieser Orte große Quantitäten von Leinewand. Homberg hat mehrere Gerber und Wollweber. Niedergemünden treibt einen starken Handel mit Schaafen, die die Einwohner in Hanovrischen aufkaufen und hierauf wieder in der Umgegend absetzen. Mühlen hat der Bezirk gegen 40, welche Mahl- und Oelmühlen sind. Die Chaussee von Giessen nach Alsfeld berührt nur den einzigen Bezirks er Ermenrode.«

Auflösung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Edikt vom 6. Juni 1832 und die Ausführungsverordnung vom 20. August 1832[7] wurde der Landratsbezirk aufgehoben und mit dem Landratsbezirk Romrod zum Kreis Alsfeld zusammengefasst. Lediglich der Ort Ermenrod kam zum neuen Kreis Grünberg.

Landräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sammlung grhzgl. Gesetze u. VO II, S. 504
  2. Samml. III, S. 189
  3. a b c d Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3, Darmstadt 1830, S. 131ff (Online bei google books)
  4. Die Eintheilung des Landes in Landraths- und Landgerichtsbezirke betreffend vom 20. Juli 1821. In: Großherzog von Hessen und bei Rhein (Hrsg.): Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1821 Nr. 33, S. 403–415 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 56,7 MB]).
  5. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1822, S. 168
  6. Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren vom 7. August 1848. In: Großherzog von Hessen (Hrsg.): Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1848 Nr. 40, S. 237–241 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 42,9 MB]).
  7. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1832, S. 365ff. und 561–563
  8. Großherzoglich hessisches Regierungsblatt, 1824, S. 27, online