Landsmannschaft Spandovia Berlin

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Die Landsmannschaft Spandovia im CC zu Berlin ist eine Landsmannschaft (Studentenverbindung) im Coburger Convent (CC). Sie ist pflichtschlagend und farbentragend und wurde am 28. Oktober 1878[1] in Spandau als Verein ehemaliger Spandauer Gymnasialabiturienten gegründet.

Couleur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landsmannschaft trägt die Farben weiß-blau-gold mit blauer Perkussion und die Fuxenfarben sind weiß-blau-weiß. Die Studentenmütze wird als Mittelkopfformat getragen und ist blau[2].

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegründet wurde der "Verein ehemaliger Spandauer Gymnasialabiturienten" im bis 1920 selbständigen Stadtkreis Spandau im Lokal "von Linke" in der Havelstraße. Die ersten Mitglieder waren: Ferntheil, Pachnicke, Maas, Braune, Karst und Bruder. Die Genehmigung und Eintragung als "Akademischer Verein Spandauer Gymnasialabiturienten" erfolgte am 1. Dezember 1882 durch die Universitätsbehörde mit den Farben weiß-blau-gold (gewählt am 14. August 1882). In das Jahr 1882 fiel auch die Wahl des Zirkels. Bis zu diesem Zeitpunkt trugen die Mitglieder, die sich noch als "Kommilitonen" bezeichneten, die Stadtfarben Spandaus (blau-weiß) im Bierzipfel.

Nach der Eintragung als akademischer Verein knüpften die Aktiven immer intensivere Beziehungen zu ähnlichen Vereinen, insbesondere zum "Akademischen Turnverein Borussia" (später: Turnerschaft Borussia). Als Folge nahm der Verein im Jahre 1882 den Paukbetrieb auf, was am 14. Mai 1883 in der ersten Mensur des Bundesbruders (Bbr.) Leppin mündete (als ungenügend beurteilt). Trotz abgelehnter Anträge des Bbr. Rößler, der sich um eine Straffung des Bundes bemühte, etablierte sich in den Folgejahren das Satisfaktionsprinzip und wurden die akademischen Schutz- und Trutzwaffen angeschafft.

Bisher dem strengen landsmannschaftlichen Prinzip verhaftet, beschloss der Convent des Vereins am 4. Dezember 1885, „dass jeder an einer der Berliner Hochschulen immatrikulierte Student in den Verein aufgenommen werden könne“. Am Ende des Sommersemesters (SoSe) 1886 lehnte der Verein den Vorschlag der Landsmannschaft Alsatia auf Verschmelzung ab und konstituierte sich als freie Verbindung, die nunmehr ihr Farben öffentlich tragen sollte.

Durch den Übergang des Vereins in eine freie Verbindung straffte sich der Betrieb und die Anzahl der Veranstaltungen und Verpflichtungen der Aktiven wuchs: die Convente fanden regelmäßig, die Paukstunde fand sechsmal in der Woche statt. So wurden in den ersten acht Semestern des Bestehens 133 Schläger- und 8 Säbelpartien geschlagen. Voraussetzung zur Inaktivierung waren zu diesem Zeitpunkt fünf Schlägerpartien sowie ein Säbelkurs.

Aufnahme in den Coburger LC[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1888 gründete sich der Altherrenverband und die freie Verbindung schloss sich dem Corporationsverband (C.V.) der Berliner Universität an. Spandovia wurde auf ihr Eintrittsgesuch hin am 6. August 1890 in den Coburger Landsmannschafter Convent (Coburger L.C.) admittiert und im Jahre 1892 rezipiert (endgültig als vollwertiges Mitglied aufgenommen). Die zeitweilige Auflösung des Coburger L.C. durch die Pomerania Halle führte zum Austritt Spandovias (26. Januar bis 21. Februar 1898).

Von den heute bestehenden vier Freundschaftsverhältnissen kam das älteste mit der Landsmannschaft Darmstadtia Gießen 1893 ohne formale Abmachung durch den Austausch von Bundesbrüdern und durch doppelte Mitgliedschaften zustande.

Wie bei den meisten Korporationen herrschte auch bei Spandovia in den Jahren von 1906 bis 1914 starker Mangel an aktiven Mitgliedern, sodass die Suspension auf dem Generalconvent erwogen wurde. Trotz dessen fiel in diese Zeit (1907) der Erwerb der ersten Konstante in der Elsässer Straße 76 in Berlin, die bis zum Umzug 1928 nach Potsdam das erste eigene Heim darstellte.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit des Ersten Weltkrieges ruhte das Bundesleben völlig, sodass nach dessen Beendigung am 7. Dezember 1918 die Wiedereröffnung des Bundes gefeiert und im SoSe 1919 der Paukbetrieb wiederaufgenommen wurde. Aufgrund der vielen im Krieg Gefallenen musste Spandovia im Semester 1919/1920 auf das Präsidium des Coburger L.C. verzichten. Der Aktivenmangel führte schließlich am 5. November 1923 zur Fusion Spandovias mit der Berliner Landsmannschaft Suebia zu Potsdam und dem Umzug nach Potsdam. Da in den Folgejahren nur ungenügend Nachwuchs gewonnen werden konnte, beschloss Spandovia den erneuten Umzug nach Berlin an einen Ort, der von Potsdam und der Berliner Universität gleichgut zu erreichen sein sollte. Spandovia bezog 1925 das dritte Heim: In der Berliner Straße 164 setze man, durch Umlagen und laufende Beiträge finanziert, dem Haus ein fünftes Stockwerk auf, in dem zwei Aktive wohnen konnten.

1925 löste sich die Landsmannschaft Spandovia vom Goldenen Kartell, in das sie 1921 eingetreten war. Der Versuch der Landsmannschaften Pomerania Halle und Ghibellinia Tübingen, die Freundschaftverbindung Landsmannschaft Zaringia Heidelberg aus dem Goldenen Kartell herauszudrängen, führte zu deren Austritt, dem sich Spandovia und die Landsmannschaft Darmstadtia anschlossen. Das Verhältnis dieser drei Landsmannschaften begründete den Dreibund, auch das Feingoldkartell genannt.

1930 wurde ein Verkehrsverhältnis mit der Landsmannschaft Marko-Natangia Königsberg begründet (heute: Landsmannschaft Hammonia-Marko Natangia Hamburg), das 1932 zum Freundschaftsverhältnis umgewandelt wurde. In die gleiche Zeit fällt das nicht formal beschlossene Freundschaftsverhältnis zur Landsmannschaft Silesia (heute: Landsmannschaft Alemannia-Silesia Clausthal).

Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn der 1930er Jahre war auch die Landsmannschaft Spandovia vom Rückgang der Aktiven und Neueintritte betroffen. Die sich zuspitzende Wirtschaftskrise veranlasste viele aus der Schicht der mittleren Beamten, deren Söhne bis dato den Großteil des Spandauer Nachwuchses ausmachten, ihren Kindern das Studium nicht mehr zu ermöglichen.

Das Aufkommen des Nationalsozialismus zeigte sich u. a. an Austritten und Dimissionen einiger Aktiver ab 1932 wegen ihrer Mitgliedschaft in der SA. Maßnahmen der NSDAP-Regierung wie die Durchsetzung des „Führergrundsatzes“ wurden ab dem Jahre 1933 bei Spandovia umgesetzt. Nach Richtungsstreitigkeiten trat der „Führer“ Minde-Pouet Ende 1933 zurück, da er seine Vision eines „völkischen Kameradschaftshauses“ nicht durchsetzen konnte. Zwischen 1933 und 1939 traten weitere 20 Mitglieder aus, die sich der nationalsozialistischen Bewegung verschrieben hatten und nicht akzeptieren wollten, dass die Landsmannschaft Spandovia am unpolitischen Prinzip festhielt.

Im Kampf der traditionellen Studentenverbindungen gegen den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB) besetzten Mitglieder der Landsmannschaft Spandovia 1935 nahezu alle wichtigen Positionen im Dachverband der akademischen Landsmannschaften, der Deutschen Landsmannschaft (D.L.), was dazu führte, dass der Vorsitzende („Führer“) der D.L., Meinshausen, angewiesen wurde, keine weiteren Spandauer in Führungspositionen des Verbandes zu berufen. Im selben Jahr trat Meinshausen zurück, was die D.L. führungslos machte. Zunehmender Druck durch den NSDStB führte letztlich am 10. März 1936 zur Selbstauflösung der Landsmannschaft Spandovia. Der Altherrenverband bestand hingegen weiter.

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr der Gründung des Coburger Conventes (CC) 1951 feierte die Landsmannschaft Spandovia Wiedereröffnung und die erste Aktivmeldung der Nachkriegszeit. Die Landsmannschaft fand eine neue Konstante in einem ruinösen Haus in der Motzstraße 45 (Umzug 8. März 1952), wo auch der Paukbetrieb wieder aufgenommen wurde, was schließlich trotz Verbots durch die Freie Universität Berlin (FU) zur ersten Nachkriegsmensur am 29. Juli 1953 führte. Im selben Jahr beschloss der Generalconvent der Landsmannschaft, dass drei Pflichtpartien zu schlagen seien.

1956 markierte eine neue örtliche Veränderung, indem die Landsmannschaft innerhalb Berlins an den Karolingerplatz 8 zog. 1957 wurde die Aktivensatzung der Landsmannschaft verabschiedet. Im Wintersemester 1959/1960 erfolgte der Umzug in das aktuelle Heim, in die Villa Spandovia in Berlin-Charlottenburg (Preußenallee 15).

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arthur Hübner (1878–1934), Psychiater, Rechtsmediziner und Hochschullehrer
  • Karl Kirsch (* 1938), Gravitationsphysiologe und Hochschullehrer
  • Georg Minde-Pouet (1871–1950), Germanist und Bibliothekar
  • Hermann Oncken (1869–1945), Historiker
  • Hermann Pachnicke (1857–1935), Politiker
  • Martin Stritte (1877–1963), Politiker, Bürgermeister des Bezirks Spandau, Landesvorsitzende der LDP Berlin
  • Rudolf Weber (1872–1945), Innenminister des Freistaats Oldenburg, Präsident des Oberverwaltungsgerichts Oldenburg

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Max Lindemann: Handbuch der Deutschen Landsmannschaft. 10. Aufl., Berlin 1925, S. 175–176.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Meyers Konversationslexikon. 5. Auflage, Leipzig 1896, Beilage zum Artikel Studentenverbindungen.
  2. E. H. Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 13.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Homepage der Landsmannschaft Spandovia Berlin