Landtagsgebäude Nordrhein-Westfalen

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Kreisformen bestimmen das NRW-Landtagsgebäude

Das Landtagsgebäude Nordrhein-Westfalen (auch genannt: Haus des Landtages) befindet sich in der Nähe des heutigen Medienhafens an der Stromstraße im Regierungsviertel der Landeshauptstadt Düsseldorf. Das Gebäude ist Sitz des Landtages Nordrhein-Westfalens.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Bezug des neuen Landtages an der Stromstraße diente das Ständehaus als Sitz des Landtages. Von Anfang an waren die Verhältnisse dort beengt, so dass es Pläne gab, an das Ständehaus anzubauen. Diese Pläne wurden jedoch mit Rücksicht auf die Denkmalwürdigkeit des Altbaus und des ihn umgebenden Parks (Kaiserteich, Schwanenspiegel) fallen gelassen. Der Düsseldorfer Architekt und Stadtplaner Edmund Spohr regte an, einen Landtagsneubau am sogenannten Rheinknie zu errichten. 1979 lobte der Landtag einen bundesweiten Wettbewerb aus. Die Jury des Wettbewerbs, die unter der Leitung von Günter Behnisch tagte, vergab den ersten Preis an den Entwurf des Architekturbüros Eller, Moser, Walter + Partner. Dieses Büro hatte in den 1980er Jahren bereits Erfahrungen in der Konzeption von Versammlungsstätten als Baukomplex von Rundbauten gesammelt – bei den sogenannten „Keksdosen“ der heutigen Universität Duisburg-Essen auf dem Campus in Duisburg-Neudorf, die dort zu Markenzeichen avancierten.[1] Am 30. April 1981 fasste der Hauptausschuss des Landtags auf der Grundlage des Architekturwettbewerbs den Beschluss, den Neubau zu errichten.[2]

Der Neubau dauerte von 1981 bis 1988. Am 2. Oktober 1988 erfolgte die Einweihung. Das Gebäude war nach Bremen und Stuttgart das dritte Landtagsgebäude, das in der Nachkriegszeit neu erbaut wurde. Die Baukosten beliefen sich auf 280 Millionen Mark. Der Neubau des Landtags Nordrhein-Westfalen bildete den Anstoß zu einer grundlegenden Umgestaltung seiner Umgebung durch die Projekte Rheinufertunnel, Rheinuferpromenade und Rheinpark Bilk. Heute zeichnen sich die Umrisse eines Regierungsviertels ab, dessen Mittelpunkt der Landtag ist.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kuppel des Plenarsaals
Sitzanordnung im Plenarsaal
Oktocopterflug im Plenarsaal
Besucherbereich im Foyer
Kleiner Sitzungssaal

Das Landtagsgebäude wurde nach einem Entwurf der Architekten Fritz Eller, Erich Moser, Robert Walter + Partner im Stil des Strukturalismus in einer „gesamten kreisenden Struktur“[3] erbaut. Das dem Entwurf zugrunde liegende „Spiel mit Kreisen“ soll – so die Architekten – zum Ausdruck bringen, dass bei dem Parlament „die Räder ineinandergreifen wie bei einer Uhr“.[4] Bei einer Sicht von oben zeigt sich die besondere Wirkung der Kreisformen. Kreise und Kreissegmente prägen die Architektur des Gebäudekomplexes: In der Mitte steht der kreisrunde Plenarsaal.[3] Um den Plenarsaal gruppieren sich „wie Satelliten“[3] die ebenfalls kreisrunden Sitzungssäle. In „weiteren Kreisen“[3] sind dazwischen Besucheraufzug, Abgeordnetenrampe und Ausschusssäle eingesetzt. Als Dreiviertelskreis[3] öffnet sich der Haupteingang des Landtags zu einem Vorplatz. Dieser Bereich, der fließend in die Rheinuferpromenade überleitet, ist mit der Skulptur „Tzaphon“ des israelischen Bildhauers Dani Karavan gestaltet, die in Form einer großen runden Gusseisenscheibe mit der strukturalistischen Architektur des Parlamentsgebäudes korrespondiert.[5] Der Gebäudekomplex wird abgeschlossen durch Flügel mit Abgeordnetenbüros in Form von Kreissegmenten.

Der Gegensatz zwischen großflächigen transparenten Fassaden aus Glas und Kupfer sowie von massiv wirkenden Pfeiler- und Mauerstrukturen, die mit Sandsteinplatten verkleidet sind, kennzeichnet das äußere Erscheinungsbild. Den Plenarsaal bedeckt ein konzentrisches Faltdach mit Fensterbändern. Es wird getragen von kupferumhüllten monumentalen Stahlfachwerkträgern, die über der Mitte des Plenarsaals zusammenlaufen. Die offene, moderne Architektur mit reduzierter Formensprache und Materialwahl betont Funktionalität und Nähe zu den Bürgern. Diesen bietet der Bau Informationsbereiche und im Plenarsaal eine Tribüne für mehr als 350 Besucher. Fast alle für den Landtag, die Abgeordneten und die Landtagsverwaltung erforderlichen Räume sind nun – anders als im Ständehaus – in einem einzigen Gebäudekomplex untergebracht. Der taghelle Plenarsaal, in dem helles Holz dominiert, wurde ursprünglich für 214 Abgeordnete konzipiert. Die Innenarchitektur des Plenarsaals mit ihrer kreisrunden Anordnung der Sitze wurde zusammen mit der im Landtag von Rheinland-Pfalz Vorbild für den Bonner Plenarsaal und denjenigen des Berliner Reichstag.[6][7][8][9]

Einen virtuellen Rundgang durch das Gebäude bietet der Landtag über seine Homepage an.[10]

Haupteingang und Vorplatz des Landtags an der Rheinuferpromenade, im Vordergrund die Skulptur „Tzaphon“ des Bildhauers Dani Karavan

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rundbauten der Uni Duisburg – Keksdosen für Forschung und Lehre. Artikel vom 9. Februar 2014 im Portal derwesten.de, abgerufen am 27. August 2016
  2. Haus des Landtags, Webseite im Portal landtag.nrw.de, abgerufen am 27. August 2016
  3. a b c d e Roland Kanz, Jürgen Wiener (Hrsg.): Architekturführer Düsseldorf. Dietrich Reimer, Berlin 2001, ISBN 3-496-01232-3, S. 80, Objektnr. 109
  4. Die Abgeordneten im Glashaus: Der Neubau des Landtages in Nordrhein-Westfalen. Artikel vom 5. September 1988 im Portal spiegel.de, abgerufen am 27. August 2016
  5. http://www.fotos-von-duesseldorf.de/detail.php?picture_id=7104
  6. Landtag NRW (Hrsg.): Haus des Landtags
  7. Manfred Sack: Architektur: Das neue Landtagsgebäude von Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Das Haus des Souveräns. Eine schwierige große Aufgabe – glücklich gelöst. In: Die Zeit, 16. September 1988 Nr. 38.
  8. Der Spiegel: Die Abgeordneten im Glashaus. Der Neubau des Landtages in Nordrhein-Westfalen. 6/36. 5. September 1988.
  9. Drei-Scheiben hoch, hoch, hoch! Fritz Eller wird siebzig. BauNetz Media GmbH. 28. Februar 1997. Abgerufen am 7. Dezember 2009.
  10. Virtueller Rundgang

Koordinaten: 51° 13′ 8″ N, 6° 45′ 49″ O