Landwirtschaftliche Hochschule Berlin

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Hauptgebäude in der Invalidenstraße, um 1890
Campus in Dahlem (1921)
Siegelmarke Königliche Landwirthschaftliche Hochschule zu Berlin

Die Landwirtschaftliche Hochschule Berlin war eine dem preußischen Landwirtschaftsministerium unterstellte und durch Vereinigung des landwirtschaftlichen Lehrinstituts und des landwirtschaftlichen Museums offiziell im Jahr 1881 entstandene Hochschule für Agrarwissenschaft und verwandte Fächer in Berlin. An der Umwandlung war maßgeblich Hugo Thiel beteiligt.[1] Sie gehört seit April 2014 unter dem Namen Albrecht Daniel Thaer-Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften zur Lebenswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die landwirtschaftliche Akademie Proskau, um 1860

Im Schloss und auf dem Gut Proskau in Oberschlesien richtete der preußische Staat 1847 eine höhere landwirtschaftliche Lehranstalt ein, die spätere Landwirtschaftliche Akademie Proskau. Diese wurde 1881 aufgelöst und ihre Sammlungen in das etwa 400 km entfernte Museum der Landwirtschaftlichen Hochschule nach Berlin, Invalidenstraße 42, verlegt.[2]

Die Hochschule, die von 1881 bis 1896 durch keine Gliederung eingeteilt war [3], erhielt 1897 satzungsgemäß folgende drei Abteilungen:[4]

  • Abtheilung I für Landwirthschaft
  • Abtheilung II für Geodäsie und Kulturtechnik
  • Abtheilung III für die landwirthschaftlich-technischen Gewerbe

Bereits 1906 bemerkte Ludewig Wittmack, dass es „der Enkel Thaers, Dr. Albrecht Thaer (war), der nach Berlin kam, als Möglin aufgelöst wurde. Er hat die gleiche Lehre, die er in Möglin vorgetragen, hier fortgesetzt, und so können wir in gewissem Sinne das Berliner Institut als die Fortsetzung der Mögliner Anstalt betrachten.[5] Entsprechend bot den preußischen Ministern Georg von Rheinbaben und Victor von Podbielski das Jahr 1906 auch ein „Jahrhundertfest der Begründung des ersten landwirthschaftlichen Hochschulinstituts der Mark Brandenburg, der akademischen Lehranstalt des Ackerbaues zu Möglin, aus welcher die landwirthschaftliche Hochschule hervorgegangen ist.[6]

1919 beschloss die preußische Regierung auf Betreiben von Staatssekretär Eberhard Ramm, einen Großteil der Institute auf das Gelände der Domäne Dahlem zu verlegen, womit sie dem Willen des verstorbenen Begründers entsprach. Nach dem Entwurf von Heinrich Straumer entstand dort zwischen 1921 und 1929 ein moderner Hochschul-Campus in schlichten Formen norddeutscher Backsteinarchitektur.

Die Geodätische Abteilung wurde im Herbst 1927 an die Königliche Technische Hochschule Charlottenburg (TH) ausgegliedert.

Mit der Einrichtung eines Instituts für Gartengestaltung entstand 1929 der erste universitäre gartenbauliche Studiengang in Deutschland. Bekannte Gartenarchitekten wie Erwin Barth, Heinrich Wiepking-Jürgensmann und Georg Pniower wirkten dort als Professoren.[7] Als Abschlüsse wurden zuletzt Diplom-Landwirt und Doktor der Landwirtschaft (Dr. agr.) angeboten.

Nach Preußens Landwirtschaftsminister Ernst von Hammerstein-Loxten wurde die Hochschule im Wintersemester 1896/97 „von über 600 Studirenden besucht“ und hatte von „April 1881 bis Ende Dezember 1895 2941 Zuhörer in den verschiedenen Zweigen der Landwirthschafts-Wissenschaft und in der Feldmeßkunst und Kulturtechnik ausgebildet. Von denselben haben 59 Landwirthe, 4 Lehrer der Landwirthschaft, 419 Landmesser und 153 Kulturtechniker die vorgeschriebenen Prüfungen abgelegt und bestanden.[8]

Laut Schreiben des preußischen Landwirtschaftsministers Paul von Eisenhart-Rothe vom Juli 1918 an Kaiser und König Wilhelm II. „wurde die Hochschule im Sommersemester 1881 von 126 Studierenden, darunter 38 Landwirte, im Wintersemester 1913/14 von 844 Studierenden, darunter 435 Landwirte“ besucht.[9]

Rektoren der Landwirtschaftlichen Hochschule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1881 bis 1920 wurden die Rektoren der Hochschule für eine zweijährige Amtszeit von Anfang April bis Ende März gewählt, von 1922 bis 1933 für eine Amtszeit von einem Jahr ebenso von April bis März.[10]

Zweijährige Amtszeit:

1881/83 Hans Heinrich Landolt, 1883/85 Hermann Settegast, 1885/87 Albert Orth, 1887/89 Hermann Settegast, 1889/91 Ludewig Wittmack, 1891/93 Leopold Kny, 1893/95 Hugo Werner, 1895/97 Albert Bernhard Frank, 1897/98 Moritz Fleischer (nur ein Jahr im Amt), 1898/1900 Max Delbrück, 1900/1902 Christian August Vogler, 1902/04 Hans Gruner, 1904/06 Albert Orth, 1906/08 Nathan Zuntz, 1908/10 Richard Börnstein, 1910/12 Ludewig Wittmack, 1912/14 Gustav Fischer, 1914/16 Otto Lemmermann, 1916/18 Emil Krüger, 1918/20 Otto Auhagen, 1920/22 ebenso Otto Auhagen.

Einjährige Amtszeit:

1922/23 Richard Heymons, 1923/24 Hugo Miehe, 1924/25 Johannes Hansen, 1925/26 Arthur Binz, 1926/27 Friedrich Schucht, 1927/28 Otto von Baeyer, 1928/29 Gustav Fischer, 1929/30 Kurt Opitz, 1930/31 Friedrich Aereboe, 1931/32 Ernst Mangold, 1932/33 ebenso Ernst Mangold, April bis Dezember 1933 Wilhelm Freckmann, Januar bis Oktober 1934 Friedrich Schucht.

Universitätsfakultät[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1934 wurde die Landwirtschaftliche Hochschule gemeinsam mit der 1790 als Tierarzneischule gegründeten Tierärztlichen Hochschule zwangsweise in die Friedrich-Wilhelms-Universität eingegliedert, wo sie ab 1937 eine eigene Fakultät bildete. Im Zweiten Weltkrieg entstanden beträchtliche Schäden an den Institutsgebäuden, auch wurden etwa 80 Prozent der Bücher- und Zeitschriftenbestände der landwirtschaftlichen Bibliothek vernichtet.

Nach Kriegsende entstanden im Zuge der Teilung Berlins zwei getrennte Agrarfakultäten in Ost- und Westberlin, die 1992 unter dem Gründungsdekan Erwin Reisch als Landwirtschaftsfakultät der Humboldt Universität wieder vereinigt wurden. Die in Kooperation mit dem Institut für Gärungsgewerbe entwickelten Disziplinen verblieben bei der Technischen Universität Berlin.

Seit einer Umstrukturierung und Umbenennung zur Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät 1997 werden Agrarwissenschaften und Gartenbauwissenschaften auch als Bachelor-Studiengänge angeboten.

Master-Studiengänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gartenbauwissenschaften
  • Agrarökonomie
  • Pflanzenbauwissenschaften
  • Nutztierwissenschaften
  • Internationale Agrarwissenschaften (deutsch und englisch)
  • Nachhaltige Landnutzung
  • Fischwirtschaft und Gewässerbewirtschaftung (deutsch und englisch)

Hochschullehrer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe: Kategorie:Hochschullehrer (Landwirtschaftliche Hochschule Berlin)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Volker Klemm: Von der Königlichen Akademie des Landbaus in Möglin zur Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. Berlin 1998, S. 161.
  2. L. Wittmack (Hrsg.): Die Königliche Landwirtschaftliche Hochschule in Berlin. Festschrift zur Feier des 25jährigen Bestehens. Berlin 1906, S. 76.
  3. Vgl. GStA PK I. HA Rep. 89 Nr. 31929, fol. 62 v
  4. Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat für das Jahr 1898, S. 174
  5. L. Wittmack (Hrsg.): Die Königliche Landwirtschaftliche Hochschule in Berlin. Festschrift zur Feier des 25jährigen Bestehens. Berlin 1906, S. 283.
  6. GStA PK I. HA Rep. 89 Nr. 31929, fol. 138 r
  7. Landesdenkmalamt Berlin
  8. GStA PK I. HA Rep. 89 Nr. 31929, fol. 61 r
  9. GStA PK I. HA Rep. 89 Nr. 31930, fol. 27 r
  10. L. Wittmack: Die Königliche Landwirtschaftliche Hochschule in Berlin. Festschrift zur Feier des 25jährigen Bestehens, Berlin 1906, S. 45 f., Handbuch für den Königlich preußischen Hof und Staat für die Jahre 1881 bis 1933, GStA PK I. HA Rep. 87 B Nr. 20068