Lange Anna

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Die Lange (rechts) und die Kurze Anna (links) 2012
Seeseitiger Blick auf die Lange Anna (um 1929–30), noch ohne Kurze Anna

Die Lange Anna (Helgoländer Friesisch: Nathurn Stak) ist ein 47 Meter hoher Brandungspfeiler im äußersten Nordwesten der deutschen Nordseeinsel Helgoland. Er ist etwa 25.000 Tonnen schwer, aus rotem Buntsandstein und hat eine Grundfläche von 180 m². Weniger prominent ist die mit dem Oberland von Helgoland verbundene Kurze Anna rund 50 Meter weiter östlich, die sich erst am 31. Januar 1976 durch den Abbruch eines großen Felsstückes bildete.[1]

Die Lange Anna ist beliebtes Ausflugsziel für Touristen und ein Wahrzeichen für Helgoland. Der Felsen ist aber nicht frei zugänglich, kann aber gut von oben vom benachbarten Klippenende des Oberlandes aus betrachtet werden. Am Felsen brüten mehrere Seevogel-Arten, vor allem Trottellumme, Dreizehenmöwe und Basstölpel.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum 16. Mai 1860[2] war der Felsen als Bestandteil eines Brandungstores noch durch eine natürliche Felsbrücke mit der eigentlichen Hauptinsel verbunden, bis diese bogenähnliche Verbindung einstürzte. 1976 entstand durch Teilabbruch des Oberlandes ein weiterer kleiner einzelstehender Felsen vor der Langen Anna, und der Klippenrandweg wurde dort aufgrund weiterer Einsturzgefahr am Nordhorn entsprechend zurückversetzt.

Von 1903 bis 1927 wurde entlang der Westküste die Preußenmauer, eine 1,3 Kilometer lange Schutzmauer, errichtet, um die Brandung vom Felssockel fernzuhalten und damit die weitere marine Erosion (Abrasion) an der Westküste Helgolands aufzuhalten. Die Lange Anna erhielt ihre Schutzmauer jedoch erst im Rahmen des Projekts Hummerschere, als eine Mole für einen Marinehafen errichtet wurde.

Erklettert wurde der Felsen nur einmal im Oktober 1965. Danach wurde das Klettern verboten. Gegen eine Besteigung spricht auch der sehr brüchige Helgoländer Buntsandstein.[3]

1969 erhielt die Felsformation den Status eines Naturdenkmals.

1979 wurde eine Brandungshohlkehle am Fuße der Langen Anna zugemauert, um einen Einsturz zu verhindern.

Der weitere Verfall durch Frostschäden ist mit technischen Mitteln kaum aufzuhalten. Das Gestein wird laut einem 1998 erstellten Gutachten der TU Harburg[4] von tiefen Spalten und Rissen durchzogen. Die notwendigen Maßnahmen zur Sicherung der Langen Anna wären enorm und könnten nicht die schleichende Verwitterung aufhalten. Daher werden keine weiteren Bemühungen unternommen; der Felsen ist seinem Schicksal überlassen. Aufgrund der hohen Anfälligkeit einer Schicht in 16 Meter Höhe, die aus Katersandlagen besteht und jetzt schon den dünnsten Teil der Langen Anna darstellt, besteht eine akute Abbruchgefahr der oberen zwei Drittel.[5]

Namensgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name des Felsens lautet auf Helgoländer Friesisch Nathurn Stak: „Nordhorn-Brandungspfeiler“.[6] Für den Felsen wurden und werden unterschiedliche Namen verwendet, wie die Bilder-Galerie unten deutlich macht. Zunächst wurden Abbildungen in Anlehnung an den Helgoländischen Namen mit „Nordspitze“ oder „Nordcap“ unterschrieben. In einem deutschnationalen Reiseführer von 1901 wird der Felsen „Schildwache“ genannt.[7] In zahlreichen Reiseführern wurde auch der Name „Hengst“ verwendet, den aber ein anderer Felsen trug, der schon 1856 ebenfalls an der Nordspitze, aber an anderer Stelle einstürzte und gänzlich verschwand.

Die Bezeichnung „Mönch“ beruht in der Regel auf einer Verwechslung mit dem ähnlichen Felsen „Mönch“, der bis zur Sprengung 1947 an der Südspitze stand. Diese Bezeichnung kann aber wie auch der „Hengst“ als Gattungsbegriff gemeint sein. In Ergänzung zu dem älteren und ursprünglich bekannteren Felsen „Mönch“ findet sich auch der Name „Nonne“ für die Lange Anna.

In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts entstand der Name „Lange Anna“, über dessen Herkunft es nur Spekulationen gibt, wobei seit der letzten Jahrtausendwende auf die schönen Kellnerinnen verwiesen wird. „Lange Anna“ kommt aber aus dem deutschen Volkshumor vor dem Ersten Weltkrieg ähnlich wie Dicke Bertha – so wurde im Ersten Weltkrieg eine Kanone und vor dem Ersten Weltkrieg der Leuchtturm Dicke Berta in Cuxhaven genannt; dort gab es auch eine Schlanke Anna aus der gleichen Zeit. „Lange Anna“ kann beispielsweise Else Lasker-Schüler in ihrem Drama Die Wupper von 1909 einen Transvestiten aus der Arbeiterklasse nennen.[8]

Die Höhe des Felsens wird mit diesem Scherznamen spöttisch-respektvoll betrachtet. Der benachbarte Pinneberg, dessen Gipfel die höchste Stelle der Insel aufweist, verdankt einem ähnlichen Humor seinen Namen. Die NSDAP Helgoland, in der vom Festland stammende Biologen und Lehrer führend waren, versuchte 1934 mit dem Titel ihrer Zeitung Nathurn eine Nähe zu den Helgoländern herzustellen.[9] In der Sprache der Einheimischen, auf Helgoländisch, heißt die Lange Anna auch heute noch Nathurn. Seitdem der Witz des Namens nicht mehr verstanden wird, ist zur Erklärung des Namens die Geschichte von der langen Kellnerin Anna im Umlauf.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Chronik von Helgoland (private Webseite)
  2. Brohm (Major): Helgoland in Geschichte und Sage. Seine nachweisbaren Landverluste und seine Erfahrungen. Cuxhaven, Helgoland, Rauschenplat, 1907
  3. Pit Schubert: Anekdoten vom Berg: Amüsante Geschichten vom Bergsteigen, Klettern und Skifahren, Bergverlag Rother, 2010, ISBN 3763370390.
  4. Rettung der Langen Anna auf Helgoland, in Projekte, abgerufen am 6. März 2017, auf umweltstiftung.allianz.de
  5. Axel Bojanowski: Die wankende Anna. sueddeutsche.de vom 17. Mai 2010, abgerufen am 3. März 2017
  6. Maren Lindstaedt, Thomas Kersten: Ein virtueller Klon für Helgolands Lange Anna durch terrestrisches Laserscanning., in: Thomas Luhmann (Hrsg.): Photogrammetrie, Laserscanning, Optische 3D-Messtechnik – Beiträge der 4. Oldenburger 3D-Tage 2005. Wichmann-Verlag, Heidelberg, ISBN 978-3-87907-420-4, S. 216–223.
  7. Helgoland – Eine Reise-Skizze. Woerl’s Reisehandbücher, 2. Auflage, Leipzig 1901.
  8. Sigrid Bauschinger: Else Lasker-Schüler. Biographie. Wallstein, Göttingen 2004, ISBN 3-89244-440-4. Vgl. auch die Entstehung des Namens im Artikel Strammer Max kurz nach dem Ersten Weltkrieg
  9. Eckhard Wallmann: Eine Kolonie wird deutsch – Helgoland zwischen den Weltkriegen. Bredstedt 2012.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lange Anna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 54° 11′ 17″ N, 7° 52′ 10″ O