Langenleuba-Niederhain

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Langenleuba-Niederhain
Langenleuba-Niederhain
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Langenleuba-Niederhain hervorgehoben
50.95916666666712.595833333333205Koordinaten: 50° 58′ N, 12° 36′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Altenburger Land
Verwaltungs­gemeinschaft: Wieratal
Höhe: 205 m ü. NHN
Fläche: 39,65 km²
Einwohner: 1816 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 46 Einwohner je km²
Postleitzahl: 04618
Vorwahlen: 034497 u.a.Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: ABG, SLN
Gemeindeschlüssel: 16 0 77 023
Gemeindegliederung: 8 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Platz der Einheit 4
04618 Langenleuba-Niederhain
Webpräsenz: http://www.wieratal.de/
Bürgermeister: Jürgen Schneider (CDU)
Lage der Gemeinde Langenleuba-Niederhain im Landkreis Altenburger Land
Altenburg Nobitz Langenleuba-Niederhain Altkirchen Dobitschen Drogen Fockendorf Frohnsdorf Gerstenberg Göhren (bei Altenburg) Göllnitz Göpfersdorf Gößnitz Haselbach (bei Altenburg) Heukewalde Heyersdorf Jonaswalde Jückelberg Kriebitzsch Löbichau Lödla Lucka Lumpzig Mehna Meuselwitz Monstab Nöbdenitz Ponitz Posterstein Rositz Nobitz Schmölln Starkenberg Thonhausen Treben Vollmershain Wildenbörten Windischleuba Ziegelheim Thüringen Landkreis Greiz Sachsen-Anhalt SachsenKarte
Über dieses Bild

Langenleuba-Niederhain ist eine Gemeinde im thüringischen Landkreis Altenburger Land und ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Wieratal, die die östlichste des Bundeslandes darstellt. Die Einwohnerdichte ist deshalb so gering, weil der überwiegende Teil des größten Waldes des Landkreises, der Leinawald, nahezu die Hälfte der Gemeindefläche ausmacht. Weiterhin verläuft durch den nordöstlichsten Zipfel der Kommune die Bundesstraße 95.

Geografie[Bearbeiten]

Penig liegt 9 km östlich, die Kreisstadt Altenburg 11 km westlich, Frohburg 11 km nördlich und Glauchau 16 km südlich.

Im Ort mündet der aus dem sächsischen Langenleuba-Oberhain kommende Leubabach in die Wiera. Unterhalb des Dorfes Langenleuba-Niederhain wird die durch den Ort fließende Wiera in der Talsperre Schömbach aufgestaut. Das Gewässer fasst 7,71 Mio. m³ und erstreckt sich nordwärts bis Altmörbitz, einem Ortsteil von Kohren-Sahlis in Sachsen.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind (im Uhrzeigersinn) die Stadt Kohren-Sahlis mit den Ortsteilen Dolsenhain, Altmörbitz, der Kernstadt Kohren-Sahlis und Jahnshain im sächsischen Landkreis Leipzig, die Stadt Penig mit den Ortsteilen Langenleuba-Oberhain und Niedersteinbach im ebenfalls zu Sachsen gehörenden Landkreis Mittelsachsen sowie Jückelberg, Frohnsdorf, Ziegelheim, Nobitz und Windischleuba im Landkreis Altenburger Land.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Gemeindegliederung

Ortsteile sind Langenleuba-Niederhain,

  • das am 15. Juni 1965 umgemeindete Beiern, welches seit 1. Juli 1950 zu Flemmingen gehörte,
  • die am 1. Juni 1965 eingegliederte Gemeinde Neuenmörbitz mit dem am 1. Juli 1950 angegliederten Ort Schömbach sowie
  • die Gemeinde Lohma mit dem 1923 eingegliederten Ortsteil Zschernichen und die am 1. Juli 1950 angeschlossenen Gemeinden Boderitz und Buscha am 1. Januar 1973

Geschichte[Bearbeiten]

Ersterwähnung bis Mitte des 16. Jahrhunderts[Bearbeiten]

Der Ort Langenleuba wurde 1290 in einer Urkunde der Vögte von Weida als „Longa luben“ erstmals urkundlich erwähnt. Auf Bitten seines Schwagers Heinrich von Wolkenburg übertrug Burggraf Heinrich II. von Altenburg dem Bergerkloster zu Altenburg 1 Talent Silber im Dorf Langenluben als Sühne für den Mord an Heinrich von Kaufungen. Der deutsche König Rudolf I. nahm am 10. November 1290 das Bergerkloster in seinen Schutz. In der Bestätigung der Privilegien, Rechte und der einzelnen Aufführung aller Einkünfte und Besitzungen wurde in dem Schriftstück ausdrücklich von „Luben major" geschrieben. Zusätzlich erschien als Zeuge einer Urkunde Johannes „plebanus" (Pfarrer) in Langenluben.[2]

Zum Namen der Siedlung am Leubabach könnte deren slawischer Ursprung herangezogen werden, da "luba" bzw. "luwa" - freiübersetzt Borke / Rinde bedeutet und hier zu dieser Zeit Waldlandschaft vorherrschend war. Als der Wald am Oberlauf des Leubabachs urbar gemacht wurde, erhielt dieser Ortsteil den Zusatz „Oberhain“, während der Ortsteil im Mündungsbereich des Leubabachs in die Wiera den Zusatz „Niederhain“ erhielt. In Langenleuba-Niederhain ist seit dem 11. Jahrhundert eine Burg erwähnt,[3] deren Besitzer und vermutlich auch Erbauer die Burggrafen von Altenburg waren.

Mit dem Aussterben der Burggrafen von Altenburg im Jahr 1329 wurden die Wettiner die Lehnsherren über das Pleißenland und somit auch über Langenleuba. Ab 1329 besaßen die wettinischen Markgrafen von Meißen die Lehnshoheit über die Burg in Langenleuba-Niederhain. Im Laufe der Zeit wurde die Burg an die Burggrafen von Leisnig, später an die Herren von Creutzen, von Zschadras, von Schauroth und von Kuntsch verlehnt. Nachdem die Markgrafschaft Meißen im Jahr 1423 die Kurwürde erlangt hatte, gehörte Langenleuba zum Kurfürstentum Sachsen. Nach der Leipziger Teilung 1485 verblieb der Ort beim ernestinischen Kurfürstentum Sachsen. Bei der Einführung der Reformation wurde 1543 das Altenburger Bergerkloster aufgelöst. Mit der Wittenberger Kapitulation 1547 gehörte Langenleuba zum nun albertinischen Kurfürstentum Sachsen. Spätestens zu dieser Zeit verlief zwischen Langenleuba-Oberhain und Langenleuba-Niederhain eine Verwaltungsgrenze. Im Jahr 1551 stand Langenleuba-Oberhain unter der Gerichtsbarkeit des Ritterguts Sahlis, das mit seinen Orten um 1696 zum kursächsischen Amt Borna gehörte.[4] Dadurch teilte der Ort die Geschichte Sachsens, während Langenleuba-Niederhain in der Folgezeit zu den Thüringischen Staaten gehörte.

Mitte des 16. Jahrhunderts bis 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Langenleuba-Niederhain gehörte, wie auch seine heutigen Ortsteile, zum Amt Altenburg,[5] das mit dem Naumburger Vertrag 1554 wieder ernestinisch wurde und in der Folge zu verschiedenen Ernestinischen Herzogtümern gehörte: Herzogtum Sachsen (1554 bis 1572), Herzogtum Sachsen-Weimar (1572 bis 1603), Herzogtum Sachsen-Altenburg (1603 bis 1672), Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg (1672 bis 1826). Die Familie von Kuntsch ließ 1707 die Wasserburg in Langenleuba-Niederhain abreißen und ein Schloss errichten, das durch den 1838 erfolgten Abriss des Südflügels als „Halbes Schloss“ bekannt ist. [6]

Bei der Neuordnung der ernestinischen Herzogtümer im Jahr 1826 kam Langenleuba-Niederhain zum wiedergegründeten Herzogtum Sachsen-Altenburg. Nach der Verwaltungsreform im Herzogtum gehörte der Ort juristisch zum Amtsgericht Altenburg und bezüglich der Verwaltung zum Ostkreis (bis 1900)[7] bzw. zum Landratsamt Altenburg (ab 1900).[8]

20. Jahrhundert bis zur Gegenwart[Bearbeiten]

1901 erhielt Langenleuba-Niederhain mit dem Bahnhof Beiern-Langenleuba Anschluss an die Bahnstrecke Altenburg–Langenleuba-Oberhain. Die Bahnstrecke bestand bis 1995. Langenleuba-Niederhain gehörte ab 1918 zum Freistaat Sachsen-Altenburg, der 1920 im Land Thüringen aufging. Seit 1922 gehörte der Ort zum thüringischen Landkreis Altenburg.

Auf dem örtlichen Friedhof wurden 1945 14 jüdische Frauen aus dem Außenlager Penig des KZ Buchenwald in Langenleuba-Oberhain begraben, die während des Zweiten Weltkrieges bei der Zwangsarbeit für die zu den Junkerswerken gehörige Firma Max Gehrt in Penig umgekommen waren. Ein Mahnmal erinnert an sie.[9]

Im Zuge der Bodenreform in der SBZ wurden die Nachfahren der Familie von Kuntsch im Jahr 1946 enteignet und die 1926 gegründete Familienstiftung aufgehoben. Auf den Gutsflächen entstanden elf Neubauernstellen. Im Schloss selbst fand unter anderem Schulunterricht statt. Seit ca. 1980 verfällt das leer stehende Schlossgebäude, während die Wirtschaftsgebäude, einschließlich des ehemaligen Ritterguts-Gasthofes, erhalten geblieben sind.

Bei der zweiten Kreisreform in der DDR wurden 1952 die bestehenden Länder aufgelöst und die Landkreise neu zugeschnitten. Langenleuba-Niederhain wurde dem Kreis Altenburg zugeteilt, der wiederum nun zum Bezirk Leipzig gehörte. Bei der Neugründung des Freistaats Thüringen im Jahr 1990 kam Langenleuba-Niederhain mit dem Kreis Altenburg wieder zu Thüringen. Seit 1994 ist der Ort Teil des Landkreises Altenburger Land.

Kirche[Bearbeiten]

St. Nikolai (Langenleuba-Niederhain)

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (Stand jeweils 31. Dezember):

  • 1994: 2236
  • 1995: 2236
  • 1996: 2201
  • 1997: 2173
  • 1998: 2171
  • 1999: 2153
  • 2000: 2118
  • 2001: 2095
  • 2002: 2091
  • 2003: 2072
  • 2004: 2067
  • 2005: 2071
  • 2006: 2044
  • 2007: 2032
  • 2008: 1989
  • 2009: 1974
  • 2010: 1928
  • 2011: 1888
  • 2012: 1874
  • 2013: 1851
  • 2014: 1816
Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Gemeinderat[Bearbeiten]

Seit der Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 setzt sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:

  • CDU - 4 Sitze (36,0 %)
  • SPD - 4 Sitze (33,2 %)
  • Unabhängige Wählergemeinschaft Wieratal (UWGW) - 2 Sitze (19,6 %)
  • DIE LINKE - 2 Sitze (11,3 %)

Die Wahlbeteiligung lag bei 58,5 %.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Langenleuba-Niederhain besaß einen Bahnhof an der inzwischen stillgelegten Bahnstrecke Altenburg–Langenleuba-Oberhain, das weiter westlich gelegene Boderitz einen Haltepunkt. Zwischen dem Haltepunkt Wiesebach (zu Frohnsdorf) und dem Bahnhof Langenleuba-Niederhain wird das Tal der Wiera durch die 330 Meter lange und 17 Meter hohe Wiesebacher Brücke überspannt. Vor 1945 war die Schlauchfabrik Friedemann im Ort ansässig, das Holzsägewerk Gleitsmann, eine Ziegelei (zum Rittergut gehörend), mehrere Mühlen, Handwerker und Landwirtschaftsbetriebe. Nach 1949 entstand aus der Schlauchfabrik die Verbandsmittelfabrik, das Sägewerk wurde verstaatlicht (die einstigen Eigentümer als Verwalter eingesetzt), die ehemaligen Pächter der Ziegelei wurden Landwirte - später in einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft Typ I - welche in die Groß-LPG überging. Heute gibt es keinerlei Industrie, wenige Handwerksbetriebe sind noch vorhanden; vorherrschend ist die Groß-Landwirtschaft.

Wiesebacher Brücke

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Oskar Bonde (1825–1898) geboren in Zschernichen, gründete eine Verlagsbuchhandlung und wurde 1862 Sachsen-Altenburgischer Hofbuchhändler.

Kurioses[Bearbeiten]

Die von Karl May erfundene Figur Tante Droll, stammt aus Langenleuba-Niederhain.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik (Hilfe dazu).
  2. Geschichte der Mühlen von Langenleuba-Oberhain
  3. Geschichte des Halben Schlosses von Langenleuba-Niederhain
  4. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 62 f.
  5. Das Amt Altenburg im Buch „Geographie für alle Stände“, S.206
  6. Thomas Bienert: Mittelalterliche Burgen in Thüringen. Wartberg Verlag 2000, ISBN 3-86134-631-1, S. 18
  7. Der Ostkreis des Herzogtums Sachsen-Altenburg im Gemeindeverzeichnis 1900
  8. Das Landratsamt Altenburg im Gemeindeverzeichnis 1900
  9. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S.20, ISBN 3-88864-343-0

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Langenleuba-Niederhain – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien