Langenthal (Hirschhorn)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Langenthal
Koordinaten: 49° 28′ 20″ N, 8° 50′ 46″ O
Höhe: 181 m ü. NHN
Fläche: 6,36 km²[1]
Einwohner: 320 (7. Sep. 2013)[2]
Bevölkerungsdichte: 50 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. April 1972
Postleitzahl: 69434
Vorwahl: 06272

Langenthal ist ein Stadtteil von Hirschhorn im südhessischen Kreis Bergstraße.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Langenthal liegt etwa fünf Kilometer nordwestlich von Hirschhorn im Naturpark Bergstraße-Odenwald. Nur rund anderthalb Kilometer weiter nordwestlich liegt inmitten derselben Rodungsinsel im Tal des Ulfenbachs die Gemeinde Heddesbach in Baden-Württemberg, zu der früher enge Verbindungen bestanden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der früheste erhalten gebliebene urkundliche Nachweis belegt das Bestehen des Ortes seit 1322. Langenthal, ein Wormser Lehen, war ein Besitz der Herren von Harfenberg und kam dann an die Landschaden von Steinach.

Der Zehnte ging je zur Hälfte an die Landschad von Steinach und die Pfarrei in Heddesbach bzw. Neckarsteinach. Im späten 18. Jahrhundert gingen drei Viertel des Zehnten an die Wormser Hofkammer und ein Viertel an den Pfarrer in Neckarsteinach.

Wie das benachbarte Hirschhorn dürfte auch Langenthal stark unter den Folgen des Dreißigjährigen Kriegs gelitten haben. Nach dem Krieg war das Gebiet nahezu entvölkert. Ab 1700 übte Kurmainz die Herrschaft aus. Bereits 50 Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Krieges hatte die Region erneut schwer unter Kriegsfolgen zu leiden, als Frankreich versuchte seine Grenzen nach Osten zu verschieben. Erst mit dem Frieden von Rijswijk 1697, zogen sich die Franzosen hinter den Rhein zurück. Mit dem „Reichsdeputationshauptschluss“ vom 25. Februar 1803 wurden die territorialen Verhältnisse im Reich neu geregelt. Anlass waren die Eroberungen Napoleons, der die französische Staatsgrenze bis an den Rhein ausgedehnt hatte. Dieses letzte Gesetzeswerk des alten Reiches setzte Bestimmungen des Frieden zu Luneville um, nach denen die Reste des Bistums Worms und damit Langenthal in der Herrschaft Neckarsteinach zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt kam. Während der Napoleonische Kriege entsteht unter Druck Napoleons 1806 das Großherzogtum Hessen, in dem die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt aufging. Das Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 ein Mitgliedstaat des Deutschen Bundes und danach ein Bundesstaat des Deutschen Reiches. Es bestand bis 1919, nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Großherzogtum zum republikanisch verfassten Volksstaat Hessen. 1945 nach Ende des Zweiten Weltkriegs befand sich das Gebiet des heutigen Hessen in der amerikanischen Besatzungszone und durch Weisung der Militärregierung entstand das Bundesland Hessen in seinen heutigen Grenzen.

In der Statistik des Grossherzogthums Hessen wird der Ort 1863 als Höfe von Hirschhorn mit 8 Häusern und 53 Einwohnern geführt.[3]

Langenthal schloss sich anlässlich der Gebietsreform in Hessen am 1. April 1972 der Stadt Hirschhorn an.[4]

Historische Beschreibungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Langenthal[5]:
»Langenthal (L. Bez. Hirschhorn) evangel. Protest. und kathol. Filialdorf, liegt an dem Ulvenbach und 3/4 St. von Hirschhorn, und hat 34 Häuser und 235 Einw., unter welchen 199 Evangel. Protest. und 36 Kath. sich befinden. Hier hatten die Herrn von Hirschhorn 1628 noch Leibeigene. Der Ort gehörte zum vormaligen Ritterkanton Odenwald und kam 1802 von Mainz an Hessen.«

Aus Das Großherzogthum Hessen nach Geschichte, Land, Volk, Staat und Oertlichkeit von 1854[6]:
»Langenthal, ev. und kath. Filialort am Ulvenbach mit 1 Mühle, kam 1802 von Worms an Hessen. Gemarkung: 2348 Morgen (250 Acker, 104 Wiesen, 1994 Wald) Einw.: 255«

Verwaltung und Gerichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der hessischen Zeit wechselten die zuständigen Verwaltungseinheiten mehrfach infolge von Verwaltungsreformen. Im Großherzogtum Hessen gehörte der Orte zunächst zum Amt Hirschhorn, in das das wormsische Amt Neckarsteinach eingegliedert wurde.[7] 1821 wurden im Rahmen einer umfassenden Verwaltungsreform die Amtsvogteien in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen des Großherzogtums aufgelöst und Landratsbezirke eingeführt, wobei Langenthal dem Landratsbezirk Hirschhorn zugeteilt wurde. Im Rahmen dieser Reform wurden auch Landgerichte geschaffen die jetzt unabhängig von der Verwaltung waren. Für Landratsbezirk Hirschhorn war das Landgericht Hirschhorn als Gericht erster Instanz zuständig.

1832 wurden die Verwaltungseinheiten weiter vergrößert und es wurden Kreise geschaffen. Bei der am 20. August 1832 bekanntgegebenen Neugliederung sollte es in Süd-Starkenburg künftig nur noch die Kreise Bensheim und Lindenfels geben; der Landratsbezirk von Heppenheim sollte in den Kreis Bensheim fallen. Noch vor dem Inkrafttreten der Verordnung zum 15. Oktober 1832 wurde diese aber dahingehend revidiert, dass statt des Kreises Lindenfels neben dem Kreis Bensheim der Kreis Heppenheim als zweiter Kreis gebildet wurde, zu dem jetzt Langenthal gehörte. 1842 wurde das Steuersystem im Großherzogtum reformiert und der Zehnte und die Grundrenten (Einnahmen aus Grundbesitz) wurden durch ein Steuersystem ersetzt, wie es in den Grundzügen heute noch existiert.

Infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.[8] Darüber hinaus wurden in den Provinzen, die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch „Regierungsbezirke“ ersetzt, wobei die bisherigen Kreise Bensheim und Heppenheim zum Regierungsbezirk Heppenheim vereinigt wurden. Bereits vier Jahre später kehrte man aber zur Einteilung in Kreise zurück, wodurch neben dem Kreis Heppenheim wieder der Kreis Bensheim und vorübergehend auch wieder die Kreise Lindenfels und Wimpfen entstanden. Langenthal wurde dem neu gegründeten Kreis Lindenfels zugeordnet.[9] Am 12. Mai 1874 wurden die beiden neuen Kreise wieder aufgelöst und Langenthal dem Kreis Heppenheim zugeschlagen.

Die hessischen Provinzen Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen wurden 1937 nach der 1936 erfolgten Auflösung der Provinzial- und Kreistage aufgehoben. Zum 1. November 1938 trat dann eine umfassende Gebietsreform auf Kreisebene in Kraft. In der ehemaligen Provinz Starkenburg war der Kreis Bensheim besonders betroffen, da er aufgelöst und zum größten Teil dem Kreis Heppenheim zugeschlagen wurde. Der Kreis Heppenheim übernahm auch die Rechtsnachfolge des Kreises Bensheim und erhielt den neuen Namen Landkreis Bergstraße.[10][1]

Die zuständige Gerichtsbarkeit wechselte während der Zugehörigkeit zu Hessen ebenfalls mehrfach. Nachdem anfänglich das Landgericht Hirschhorn zuständig war wurde dieses zum 1. Oktober 1879 aufgrund des Gerichtsverfassungsgesetzes in Amtsgericht Hirschhorn umbenannte und dem Bezirk des Landgerichts Darmstadt zugeteilt. Am 1. Juli 1968 wurde das Amtsgericht Hirschhorn aufgehoben und zur Zweigstelle Hirschhorn (Neckar) des Amtsgerichts Fürth. Am 1. November 2003 wurde schließlich auch diese Zweigstelle aufgelöst.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgenden Einwohnerzahlen sind dokumentiert:[1]

  • 1961: 283 evangelische und 77 katholische Einwohner
Langenthal: Einwohnerzahlen von 1829 bis 2013
Jahr  Einwohner
1829
  
235
1834
  
251
1840
  
267
1846
  
265
1852
  
255
1858
  
242
1864
  
239
1871
  
252
1875
  
259
1885
  
256
1895
  
238
1905
  
288
1910
  
275
1925
  
266
1939
  
270
1946
  
431
1950
  
369
1956
  
332
1961
  
370
1967
  
385
1970
  
390
2013
  
320
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1][2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walther Möller und Karl Krauß: Neckarsteinach – seine Herren, die Stadt und die Burgen (Starkenburg in seiner Vergangenheit Bd. 4), Mainz 1928
  • 675 Jahre Langenthal 1322–1997, hg. von der Stadt Hirschhorn. Redaktionsleitung: Rüdiger Lenz, Hirschhorn 1997.
  • Literatur über Langenthal in der Hessischen Bibliographie

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Langenthal, Landkreis Bergstraße. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 25. Juni 2014). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Stadtteil Langenthal im Internetauftritt der Stadt Hirschhorn. Abgerufen im März 2018
  3. Beiträge zur Statistik des Grossherzogthums Hessen, Bände 1–5, Hofbuchhandlung von G. Jonghaus, Darmstadt 1862, Band 2, Seite 88 (online bei google books)
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 349.
  5. Georg W. Weber: Oktober 1829: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg, Band 1, Seite 136 (online bei google books)
  6. Philipp Alexander Ferdinand Walther: Das Großherzogthum Hessen nach Geschichte, Land, Volk, Staat und Oertlichkeit, Jonghans, Darmstadt 1854, Seite 345 (online bei google books)
  7. Neueste Länder- und Völkerkunde: Ein geographisches lesebuch für alle stände, 22. Band: Mecklenburg, Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt, Weimar 1823, Seite 382 (online bei google books)
  8. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1848, S. 237–241
  9. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1852 (No. 30) (online bei der Bayrischen Staatsbibliothek)
  10. Schlagzeilen aus Bensheim zum 175-jährigen Bestehen des „Bergsträßer Anzeigers“. Die Entstehung des Kreises Bergstraße. 2007, S. 109, archiviert vom Original am 20. Dezember 2014; abgerufen am 9. Februar 2015 (PDF; 9,0 MB).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]