Langgutlager

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Langgutlager sind manuelle oder automatische Systeme zur Lagerung und/oder Bereitstellung von stabförmigem Material, in Fachkreisen Langgut genannt. Dabei ist speziell das Problem zu lösen, mit der unhandlichen und ggf. schweren und instabilen Form des Langguts umzugehen. Je nach konstruktivem Aufbau und eingesetzten Lagerhilfsmittel werden verschiedene Lagerarten unterschieden. Dabei wird das Langgut als Einzelstab, als Bund oder lose in Kassetten für unterschiedliche Einsatzzwecke gelagert.[1] Bei der Lagerung von sperrigen Gütern spielen neben Langgutlager auch Flachgutlager eine wichtige Rolle.

Lagerarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bodenlager[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Bodenlagerung wird das Lagergut neben- und/oder übereinanderliegend am Boden gelagert. Je nach Anordnung des Materials bzw. Lagerhilfsmittel können Linien- oder Blocklager gebildet werden.

Flächenlager[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die einfachste Form der Lagerung von Langgut ist die Flächenlagerung, bei der das Langgut am Boden liegend nebeneinander gelagert wird. Die Trennung des Materials z. B. nach Sorten oder Chargen erfolgt durch räumliche Abstände oder senkrecht stehende Teilerstangen, sogenannten Rungen. Der Nachteil dieses Lagertyps besteht in dem hohen Platzbedarf und dem Zeitbedarf für das meist manuelle Handling des Materials.

Stapeljochlager[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stapeljochlager für Langgut

Bei einem Stapeljochlagersystem erfolgt die Lagerung des Langguts in Stapeleinheiten, sogenannten Jochen. Das Material liegt dabei in mindestens zwei Jochen und wird manuell per Kran an einer Transporttraverse bewegt. Zur verbesserten Raumnutzung werden mehrere Jochpaare übereinander gestapelt. Mit dem Übereinanderstapeln der Joche geht einher, dass der Direktzugriff auf die Lagergüter entfällt bzw. ein zeitaufwändiges Umstapeln des Materials nötig ist, um Zugriff auf das gewünschte Material zu erhalten. Stapeljochsysteme arbeiten in der Regel nach dem LIFO-Prinzip (Last In – First Out), um die Anzahl der Umstapelvorgänge gering zu halten. Um trotzdem notwendige Umstapelvorgänge möglichst effizient zu gestalten, können sogenannte Mehrfach-Transporttraversen zum Einsatz kommen. Dabei ermöglichen spezielle Greifarme das Umstapeln von gleichzeitig bis zu drei Jochlagen pro Zyklus, womit sich die Zugriffszeiten deutlich verkürzen. Für die rein mechanische Greifer-Funktion der Mehrfach-Transporttraverse ist keine zusätzliche Energie erforderlich, es werden lediglich die Hub- und Senkbewegungen des Krans für das Ein- und Ausklinken genutzt.[2] Ein höherer Automatisierungsgrad kann durch den Einsatz eines Automatikkrans erreicht werden, der die Manipulation der Joche gemäß einer vorgegebenen Auftragsreihenfolge durchführt.

Regallager[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regallager nutzen zur Aufnahme der Lagereinheiten eine feststehende Regalkonstruktion, die selbsttragendes Lagergut ohne Lagerhilfsmittel oder nicht-selbsttragendes Material mittels sogenannter Kassetten oder Paletten als Lagerhilfsmittel aufnimmt. Die Regallagerung bedingt zwangsläufig den Einsatz eines Transportmittels, das die Ein-/Auslagerung der Lagereinheiten vornimmt. Mit der Regallagertechnik können sowohl einfache manuelle als auch hochdynamische vollautomatisch arbeitende Lagersysteme ausgeprägt werden. Anhand des konstruktiven Aufbaus werden

  • Kragarmlager,
  • Turmlager,
  • Überfahrlager und
  • Wabenlager unterschieden.

Kragarmregallager[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kragarmregale dienen der Lagerung langer Waren, z. B. zur Aufnahme von Einzelstäben, Stab-Bündel oder Kassetten. Sie bestehen aus senkrecht stehenden Regalstehern, an denen horizontal angebrachte Kragarme befestigt sind, auf denen selbsttragendes Material oder selbsttragende Kassetten aufliegen. Für den Umgang mit dem Langgut sind diese Lagersysteme mit einem Regalbediengerät ausgestattet, dessen Lasttraverse je nach Anwendungsfall Einzelstäbe, Bündel oder Kassetten aufnimmt.

Turmlager[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Turmlagersystem besteht aus einer ein- oder zweireihigen Regalkonstruktion mit einem (bei der zweiseitigen Ausführung inne laufenden) direkt angebauten Regalbediengerät. An den Regalstehern sind Kragarme befestigt, die selbsttragende Kassetten aufnehmen. Die Ein-/Auslagerung der Kassetten übernimmt das Regalbediengerät, das mit Hilfe eines Seil-, Ketten- oder Zahnstangen-Hubwerks die Kassetten zu einer Ein-/Auslagerstelle verbringt.

Überfahrlager[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überfahrlager für Langgut

Kennzeichnend für den Lagertyp ist das auf Schienen im Boden oder auf dem Lagerblock fahrende Regalbediengerät. In dem Lager ist das Material längs eingelagert, so dass die Regalgänge senkrecht zur Fahrtrichtung des Bediengerätes angeordnet sind. Das Regalbediengerät taucht mittels einer Lasttraverse zwischen den einzelnen Regalsteher ab und entnimmt das Material aus den Kragarmen. Die Breite der Gasse richtet sich dabei nach der Breite der Materiabündel oder der Einzelstäbe. Ein Regalsystem entsteht durch die gegenüberliegende Anordnung von mehreren Regalstehern. Zur Entnahme fährt das Regalbediengerät in eine der Regalgassen und die Hubeinrichtung wird vor dem vorgesehenen Regalsteher positioniert. Das Hubwerk positioniert das Lastaufnahmemittel vor dem Material und führt den Hub des Materials aus. Das Regalbediengerät bringt das entnommene Material bzw. die entnommene Kassette zu einem festgelegten Ein-/Auslagerstelle.

Wabenlager[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wabenlager für Langgut

Wabenlager sind Lagersysteme, bei denen das Material in Kassetten in einem wabenartig angeordneten Regalblock nebeneinander angeordnet ist. Ein Wabenlager eignet sich für die Lagerung von kleinen bis großen Sortimenten an Lagergut bei geringen Mengen je Artikel. Der Zugriff erfolgt mittels eines Regalbediengerätes, das stirnseitig vor dem Wabenregal horizontal, vertikal und auch diagonal verfährt. Durch die Möglichkeit der Diagonalfahrt vorm Regalblock und des direkten Zugriffs auf jede einzelne Kassette resultiert eine hohe Ein- und Auslagerleistung. Wabenlagersysteme arbeiten i. d. R. nach dem Prinzip „Ware zum Mann“, jedoch sind auch manuelle Systeme nach dem Prinzip „Mann zur Ware“ bei geringen Umschlagszahlen denkbar. Bei großem Sortiment und/oder hohem Umschlag ist ein automatisiertes Lagersystem unabdingbar. Bei zwei sich gegenüberstehenden Wabenregalen wird eine optimale Flächen- und Raumausnutzung erreicht. Das Regalbediengerät besitzt üblicherweise zwei Auszugsschächte, so dass die Ein- und Auslagerung von Kassetten unter Entfall eines zusätzlichen Fahrweges erfolgen kann. Auf diese Weise kann ein sogenanntes Wanderkassetten-Prinzip realisiert werden, das eine chaotische Lagerung der Kassetten zulässt.

Einsatzzwecke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommissionierlager[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

"Werden in einem Lager aus einer bereitgestellten Gesamtmenge [...] Teilmengen nach vor-gegebener Bedarfsinformation entnommen und zu einem Auftrag zusammengestellt, so bezeichnet man das Lager als Kommissionierlager."[3] Langgut-Kommissionierlager werden häufig im Stahl- oder Kunststoffhandel benötigt. Dabei kommen in der Regel sehr leistungsfähige hoch automatisierte Lagersysteme mit hohem Durchsatz zum Einsatz. Sie können als Überfahr-, Längs- oder Wabenlager ausgeführt sein.

Fertigungslager[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgabe eines Fertigungslagers ist es, Rohmaterial und/oder angearbeitetes Material für die Fertigung zu puffern, also die Raum-/Zeitüberbrückung zwischen dem Wareneingang und der Verwendung des Materials. Ein Fertigungslager dient in erster Linie dazu, Unterbrechungen der Produktion aufgrund fehlenden Vormaterials zu vermeiden und Auslastungs-schwankungen der Fertigung aufzufangen. Je nach Größe der Fertigung kommen alle Arten der Langgutlagerung zum Einsatz – mit Ausnahme des Wabenlagers, das aufgrund der hohen Investition für diesen Einsatzzweck in der Regel nicht wirtschaftlich ist.

Sägezentrum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sägezentrum

Zur größtmöglichen Automatisierung der ersten Wertschöpfungsstufe in der Fertigung werden vollautomatisch arbeitende Kreis- und Bandsägen zufuhrseitig mit intelligenten Magazin- oder Lagersystemlösungen verbunden. Dient eine vollautomatische Einzelstablagerung auf Kragarmregalen dabei als Vorratslager für die Versorgung einer oder mehrerer integrierter Sägen, so spricht man von einem Sägezentrum. Ein Regalbediengerät bringt das zu sägende Material an eine Ein-/Ausgabestation, die den Stab automatisch zur Säge hin und ggf. von der Säge zurück ins Lagersystem transportiert. Die Verbindung der Einzelstablagerung mit der Lagerung selbsttragender Kassetten kombiniert ggf. die Vorteile von Kragarm- und Kassettenlagerung zu einer universellen Lösung, so dass solche Systeme einer großen Zahl von Anforderungen im Bereich der Produktion, Anarbeitung und des Handels gerecht werden können.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Verein Deutscher Ingenieure e.V., VDI-Handbuch Materialfluss und Fördertechnik (2000), VDI-Richtlinie 4418, Düsseldorf.
  2. Vgl. Presse-Information der KASTO Maschinenbau GmbH & Co. KG, Stapeljochsystem spart 50 % Lagerplatz, Oktober 2004
  3. Martin, Heinrich: Transport- und Lagerlogistik, Planung Aufbau und Steuerung von Transport- und Lagersystemen, ISBN 3-528-14941-8, Verlag Vieweg, Braunschweig, Wiesbaden, 1998.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieter Spath: Sägen und Lagern von Metall. Bibliothek der Technik, Band 27, ISBN 3-478-93027-8, Verlag moderne industrie, Landsberg/Lech, 1990.