Langmauer

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Dieser Artikel behandelt das Bauwerk in Rheinland-Pfalz. Siehe auch: Lange Mauern, Athen.

Die Langmauer in Rheinland-Pfalz ist eine römerzeitliche Befestigungsanlage aus dem 4. Jahrhundert, die unter dem spätrömischen Kaiser Valentinian I. (364 – 375 n. Chr.) errichtet wurde.

Geschichtliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mauer hatte eine Gesamtlänge von ungefähr 72 km und sollte einen spätantiken kaiserlichen Domänenbezirk, der eine Fläche von zirka 220 km² umfasste, schützen. Zwei Schenkungen des fränkischen Königs Dagobert I. aus dem 7. Jahrhundert belegen, dass die kaiserliche Domäne später in den Besitz der fränkischen Könige übergegangen war.

Die genaue Schutzfunktion dieser Mauer ist heutzutage nicht eindeutig geklärt. Da die Befestigungsanlage eine Maximalhöhe von ungefähr 2 m hatte, geht man davon aus, dass sie mehr dem Schutz gegen einfallendes Wild denn rein militärischen Zwecken diente. Diese These wird dadurch gestützt, dass die Mauer ein Gebiet mit Kalkböden einschließt, das zu den fruchtbarsten des Trierer Landes zählt.[1]

Mehrere innerhalb des Mauerbezirks oder nahe dabei gelegene Villae rusticae hatten wahrscheinlich die Aufgabe, den kaiserlichen Hof in Trier (Augusta Treverorum) zu versorgen. Darunter sind die Villa rustica Newel und die Villa Welschbillig. Letztere ist bekannt für den prachtvollen „Hermenweiher“, ein Bassin vor der Hauptfront der Anlage, an dem 112 Hermen von antiken Persönlichkeiten aufgestellt waren. Die Stücke befinden sich heute im Rheinischen Landesmuseum Trier. Im Mittelalter entstand auf den Ruinen der Villa eine Burg der Trierer Kurfürsten. Die nachrömische Geschichte besitzt damit große Ähnlichkeit zu der des Palatiolums in Trier-Pfalzel.

Aussehen der Langmauer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelbruchstücke bzw. Reste dieser Befestigungsanlage sind in Kordel und Butzweiler (beide im Landkreis Trier-Saarburg) erhalten. In Herforst (Eifelkreis Bitburg-Prüm) wurde aus originalem Steinmaterial ein Teilstück der Mauer rekonstruiert.

Die durchschnittliche Breite der Mauer betrug 60 cm. Sie war durch in alternierender Folge in den Boden integrierter Lisenen, mit einer Breite von 40 bis 48 cm und einer Länge von 7,40 m, verstärkt. Diese Stützpfeiler ragen bis 42 cm in den Boden. In der Mauer wurden zwei Inschriften gefunden, die zusammen mit militärischen Fundobjekten auf eine Erbauung durch die militärische Einheit der Primani hinweisen.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinz Cüppers: Die Langmauer. Domänenbezirk. In: H. Cüppers (Hrsg.): Die Römer in Rheinland-Pfalz. Lizenzausgabe, Nikol, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-60-0, S. 436f.
  • Thomas H.M. Fontaine: Das Trierer Umland im 4. Jahrhundert. In: Alexander Demandt, Josef Engemann (Hrsg.): Konstantin der Große. Imperator Caesar Flavius Constantinus. Philipp von Zabern, Mainz 2007, ISBN 978-3-8053-3688-8, S. 333–338.
  • Karl-Josef Gilles: Butzweiler, Kreis Trier-Saarburg. In: Rheinisches Landesmuseum Trier (Hrsg.): Führer zu archäologischen Denkmälern des Trierer Landes. Trier 2008, ISBN 978-3-923319-73-2 (Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums Trier 35) S. 96f.
  • Karl E. Becker: Speicher. Raum und Zeit. Paulinus, Trier 1981, S. 51–54.
  • Heimat- und Kulturverein Herforst Heerbischda Beschkläpa (Hrsg.): Auf den Spuren der Langmauer. Östliches Teilstück. Weiler, Bitburg 2004.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas H.M. Fontaine: Das Trierer Umland im 4. Jahrhundert. In: A. Demandt, J. Engemann (Hrsg.): Konstantin der Große. Imperator Caesar Flavius Constantinus. Philipp von Zabern, Mainz 2007, S. 335f.
  2. CIL 13, 4139; CIL 13, 4140.

Koordinaten: 49° 49′ 2″ N, 6° 38′ 19″ O