Langstadt

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Langstadt
Früheres Gemeindewappen
Koordinaten: 49° 55′ 30″ N, 8° 57′ 3″ O
Höhe: 140 m ü. NHN
Fläche: 7,76 km²[1]
Einwohner: 1607 (30. Jun. 2018)[2]
Bevölkerungsdichte: 207 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 64832
Vorwahl: 06073
Karte
Lage der Babenhäuser Ortsteile

Langstadt (im lokalen Dialekt: Lengschd;[3] auch: Longschd) ist ein Ortsteil von Babenhausen im Landkreis Darmstadt-Dieburg in der südhessischen Region Starkenburg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt auf 140 m ü. NHN, an den ersten Ausläufern des nördlichen Odenwaldes. Das Umland wird zum Großteil ackerbaulich genutzt, u. a. wird Spargel angebaut. Die höchste Erhebung befindet sich im Nordosten der Gemarkung hinter dem "Wingertsberg" gelegen mit 184 m ü.NN. Der Schlierbach durchfließt den Ort aus Richtung Südosten, bildet hier den Haaggraben und vereinigt sich im Nordwesten von Langstadt mit dem Länderbach, der von Süden her den Ortsbereich schneidet. Vom Schlierbach zweigte, ausgehend von der Straßenmühle an der Grenze zum Ort Schlierbach, ein heute nur noch schwer erkennbarer Mühlgraben zur Mühle im Nordosten Langstadts ab.

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Langstadt grenzt im Nordwesten an den Babenhäuser Ortsteil Harpertshausen, im Norden an die Kernstadt Babenhausen und östlich an Schaafheim. Im Südosten grenzt es an den Ortsteil Schlierbach (Gemeinde Schaafheim) und im Süden an den Ortsteil Kleestadt (Stadt Groß-Umstadt).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf eine erste Besiedelung des Raumes bereits in der Altsteinzeit weisen Bodenfunde bei Groß-Umstadt hin. Objekte aus der Jungsteinzeit wurden auch auf dem Gebiet des heutigen Ortes gefunden.[4] Die Römerstraße als direkte Verbindung des Civitas-Hauptortes Dieburg zum Kastell Stockstadt, als Hohe Straße im Süden der Langstädter Gemarkung bekannt, lässt auf eine Nutzung des Geländes um 230 n. Chr. schließen.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründung von Orten mit der typischen Endung auf „-statt“, erfolgte häufig durch die Franken im 6. oder 7. Jahrhundert. 1223 wird ein Adliger namens Heinricius de Langenstad benannt. Um 1400 ist eine Langstädter Burg (befestigtes Haus) belegt. Die erste Erwähnung von Langstadt erfolgt 1267, als das Kloster Amorbach seine Güter an das Stift zu Aschaffenburg verkauft.[1]

Das Dorf gehörte ursprünglich zur Zent Umstadt und dem Kloster Fulda, wurde zusammen mit anderen Dörfern der Umgebung 1374 an die Herrschaft Hanau verpfändet und gehörte, nachdem die Kurpfalz in dieses Pfandgeschäft mit eingestiegen war, ab 1427 zum Kondominat Umstadt. Als die Herrschaft Hanau in Folge des Pfälzischen Erbfolgekriegs 1504 ihre Rechte im Kondominat Umstadt weitestgehend verlor, konnte es aber Langstadt halten und schlug es 1521 dem Amt Babenhausen zu.[5]

Bis 1482 gehörte Langstadt zur Pfarrei Altdorf und die Langstädter Einwohner besuchten dort den Gottesdienst. 1482 wurde im Ort eine eigene Kapelle den Heiligen Antonius, Vitus und Barbara geweiht. Das Kirchenpatronat für den Kleriker dieser Kapelle wurde abwechselnd von den Grafen von Hanau und dem Pfarrer von Altdorf ausgeübt. Das Hanauer Recht war zeitweise an die von Groschlag von Dieburg verliehen. Kirchliche Mittelbehörde war das Archidiakonat St. Peter und Alexander in Aschaffenburg, Landkapitel Montat. Mit der Reformation wurde das Dorf lutherisch.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zehntorte im Amt Umstadt im 15. und 16. Jahrhundert mit ihren verschiedenen späteren Zugehörigkeiten

Bei einem Vergleich zwischen der Landgrafschaft Hessen, der Kurpfalz und der Grafschaft Hanau-Lichtenberg 1521 schied Hanau aus dem Kondominat aus und erhielt dafür exklusiv Langstadt, Harpertshausen, Kleestadt und Schlierbach.[6] Es gliederte diese Dörfer seinem Amt Babenhausen ein.

Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., 1736, erbte Landgraf Friedrich I. von Hessen-Kassel aufgrund eines Erbvertrages aus dem Jahr 1643 die Grafschaft Hanau-Münzenberg. Aufgrund der Intestaterbfolge fiel die Grafschaft Hanau-Lichtenberg an den Sohn der einzigen Tochter von Johann Reinhard III., Landgraf Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt. Umstritten zwischen den beiden Erben war die Zugehörigkeit des Amtes Babenhausen und seiner Dörfer zu Hanau-Münzenberg oder zu Hanau-Lichtenberg. Es kam fast zu einer kriegerischen Auseinandersetzung, als Hessen-Kassel mit schon sorgsam in Hanau stationiertem Militär den größten Teil des Amtes Babenhausen besetzte, auch Langstadt. Die Auseinandersetzung konnte erst nach einem langjährigen Rechtsstreit vor den höchsten Reichsgerichten 1771 mit einem Vergleich beendet werden, dem so genannten Partifikationsrezess. Langstadt wurde darin Hessen-Kassel zugesprochen. Im Jahr 1807 kam das Amt Babenhausen infolge der Napoleonische Kriege unter französische Verwaltung. Durch einen Staatsvertrag mit Frankreich 1810 aber an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt und gehörte dann zu folgenden Verwaltungseinheiten:[1] bis 1821: Amt Babenhausen; 1821 bis 1832: Landratsbezirk Dieburg in der Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen; 1832 bis 1848: Kreis Dieburg mit der Einführung von Kreisen im Großherzogtum Hessen; 1848 bis 1852: Regierungsbezirk Dieburg während der Einteilung der Provinz Starkenburg in Regierungsbezirke; 1852 bis 1938: Kreis Dieburg mit der Aufhebung der Regierungsbezirke bis zum Ende der Provinz Starkenburg; 1938 bis 1977: Landkreis Dieburg; ab 1977: Landkreis Darmstadt-Dieburg, in welchem der Landkreis Dieburg im Zuge der Gebietsreform in Hessen aufgeht.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Langstadt:

»Langstadt (L. Bez. Dieburg) luth. Pfarrdorf; liegt 2 St. von Dieburg und 134 St. von Umstadt, hat 88 Häuser und 529 Einw., die bis auf 3 Kath. und 25 Juden lutherisch sind. Die Kirche ist aus dem 14. Jahrhundert. In der Nähe von Langstadt lag eine Burg. – Dieser Ort, dessen Namen wohl aus Lango entstanden seyn möchte, wurde 1521 vom Grafen Philipp III. von Hanau seiner Herrschaft Babenhausen einverleibt. Nach dem Ausgang der Hanau–Lichtenbergischen Linie, 1736, nahm sowohl Hessen–Darmstadt als Hessen–Cassel dieses Amt in Anspruch, das aber durch die Vergleiche von 1762 und 1771 getheilt wurde, und bei welcher Theilung dieser Ort Hessen Cassel zufiel. Im Jahr 1807 nahm Frankreich den Hessen–Casselschen Antheil am Amt Babenhausen in Beschlag, und verleibte solchen dem 1810 neu errichteten Großherzogthum Frankfurt ein. Dieses Gouvernement überließ aber noch in demselben Jahre den Ort an Hessen–Darmstadt. Die Herrn von Groschlag hatten in Langstadt ein Landsiedelgericht.«[7]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde Langstadt am 31. Dezember 1971 auf freiwilliger Basis nach Babenhausen eingemeindet und ist seither ein Stadtteil Babenhausens.[8] Für Langstadt wurde wie für die Kernstadt Babenhausen und die übrigen Stadtteile ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.[9]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Langstadt lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][10][11]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1829: 529 Einwohner, 88 Häuser[7]
• 1867: 539 Einwohner, 97 Häuser[12]
Langstadt: Einwohnerzahlen von 1829 bis 2018
Jahr  Einwohner
1829
  
529
1834
  
514
1840
  
545
1846
  
563
1852
  
536
1858
  
521
1864
  
551
1871
  
550
1875
  
554
1885
  
469
1895
  
638
1905
  
657
1910
  
631
1925
  
648
1939
  
650
1946
  
978
1950
  
1.059
1956
  
1.037
1961
  
1.189
1967
  
1.528
1970
  
1.636
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
1.503
2014
  
1.474
2018
  
1.607
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; Website Babenhausen:2014–2018[2]; Zensus 2011[13]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1829: 501 lutheranische (= 94,71 %), 25 jüdische (= 4,73 %) und 3 katholische (= 0,57 %) Einwohner[7]
• 1961: 886 evangelische (= 74,52 %), 293 katholische (= 24,64 %) Einwohner[1]

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den historischen Dokumenten ist der Ort im Laufe der Jahrhunderte unter wechselnden Ortsnamen belegt:[1] 1223 wurde der Name Langestad verwendet, 44 Jahre später (1267) erscheint die Form Langenstad. Um 1346 wird Langestad verwendet, aber bereits 13 Jahre später (1359) schon Langestat. Dann um 1414 ein Langstad, dem bereits 30 jahre später ein Langestadt (1444) folgt. Um 1450 ist dann ein Langstait erwähnt.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbeirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Langstadt besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Langstadt) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung.[9] Der Ortsbeirat besteht aus sieben Mitgliedern. Seit den Kommunalwahlen 2016 gehören ihm ein Mitglied der SPD, 4 Mitglieder der CDU und ein Mitglied dem Bündnis 90/Die Grünen an. Ortsvorsteher ist Günther Eckert (CDU).[14]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 15. Juni 1967 wurde der Gemeinde Langstadt im damaligen Landkreis Dieburg ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In geteiltem und oben gespaltenen Schild im ersten Feld ein steigender schwarzer Löwe in Silber mit roter Umrandung, im zweiten Feld drei rote Sparren in Gold und im dritten Feld, der unteren Wappenhälfte, in Blau ein stiliserter silberner Kessel.[15]

Altes Langstädter Wappen

Das Wappen wird historisch wie folgt erläutert. Einer der Schutzpatronen der ersten Kapelle, der hl. Veit, wurde als Märtyrer in einen Kessel mit siedendem Öl getaucht. Dieser Kessel war auch auf dem alten Gerichtssiegel Langstadts (Landsiedelgericht). Im Hessischen Wappenbuch von 1956[16] findet man auf dem Wappen einen dreibeinigen, gelben Kessel mit zwei Griffen. Das Gemarkungszeichen, das auf der Langstädter Seite der Grenzsteine eingemeißelt ist, zeigt eine offene Acht. Diese Acht könnte den Kessel darstellen und die beiden Strahlen rechts und links könnten das Feuer bedeuten, gegen das der Hl. Veith Schutz bietet. Das Gemarkungszeichen wurde in das Wappen übernommen[4]. Die drei roten Sparren auf gelbem Feld des oberen rechten Viertels entstammen dem Wappen der Grafschaft Hanau. Das Familienwappen der Herrschaft Lichtenberg, ein aufrecht schreitender schwarzer Löwe auf silbernem Grund mit einer roten Einrahmung, nimmt das linke Viertel ein.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Turn- und Sportverein Langstadt 1909 e. V. bietet die Abteilungen Fußball, Turnen und Karneval sowie eine Tischtennisabteilung. Der Tischtennisabteilung gelang in der Spielzeit 2017/2018 der bisher größte Erfolg in der Vereinsgeschichte. Die 1. Damenmannschaft schaffte den Aufstieg in die 1. Bundesliga und stellt damit die Höchstklassigste Damenmannschaft Hessens.
  • Die Ortsgruppe[17] des NaBu besteht in Langstadt seit 1958 und betreut viele Projekte in der Region, unter anderem das Landschaftsschutzgebiet Wingertsberg.[18]
  • Der Gesangverein Liederkranz e. V. Langstadt wurde 1869 als Männerchor gegründet und hat 2008 einen Männerchor mit 40 Sängern und einen Kinderchor mit 30 Aktiven.[19]
  • Die evangelische Frauenhilfe konnte 2006 ihr 80-jähriges Bestehen feiern.[20]
  • Die Freiwillige Feuerwehr Langstadt organisiert unter anderem zusammen mit der Markwaldschule Projektwochen für die Schüler. 2008 wurde das 75-jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr gefeiert.[21]
  • Seit 1988 bereichert der Club SC Kentucky mit seinen Aktivitäten das gesellige Leben im Ort.[22]
  • Ebenso bietet seit 1995 der Veloclub-Langstadt die Möglichkeit von Freizeitaktivitäten in der Region.
  • Die Initiative „Langstadt-aktuell.de“ stellt neben aktuellen lokalen Informationen und Terminen auch Details zur Langstädter Geschichte bereit.
  • Weiterhin sind in Langstadt der Schützenverein Diana[23], der Angelsportverein[24], ein Kirchenchor[25] und der evangelische Posaunenchor[26] aktiv.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsnecknamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen von „joking relationships“ werden Orten und Stadtteilen sogenannte Ortsnecknamen zugeordnet. Die Langstädter führen hier den recht ungewöhnlichen Namen: Doudeplätscher oder in Hochdeutsch Totenschläger (nicht Totschläger). Der Name bezieht sich auf eine länger zurückliegende Begebenheit, als Langstadt noch keinen eigenen Friedhof hatte und die Toten nach Altdorf gebracht wurden (der sogenannte „Leichtweg“ bestand noch bis zur Flurbereinigung). Einer dieser Transporte betraf einen in Armut Verstorbenen, so dass der Transport der Leiche nicht bezahlt wurde. Zusätzlich geriet der Wagen auf der schlechten Strecke derart ins Schwanken, dass der Sarg herabfiel und aufsprang. Nun mussten die schlechtgelaunten Langstädter Fuhrleute auch noch zusätzlich den Leichnam wiederaufladen und den Sarg verschließen. Dies geschah notdürftig durch das Einschlagen der Nägel mit am Weg gefundenen Steinen. Dieser Vorfall wurde aus der Entfernung von den Bewohnern anderer Dörfer beobachtet und in Kenntnis des Verstorbenen und der Situation als Heimzahlung des ganzen Aufwandes an der Leiche missverstanden.

Im Anklang zum Ortsnecknamen, sei noch auf das bis 2014 existierende und in Langstadt ansässige Unternehmen, die „Schmitt & Deußer GmbH“ in der Kleestädter Str. 3, hingewiesen. Die lokale Benennung „Sargfabrik“ beschrieb treffend die Funktion dieser Großschreinerei und die Art ihrer Produkte.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die neugotische Kirche Langstadts: Blick zum Eingangsportal
  • Das Dorf war während des Dreißigjährigen Krieges als Wehrdorf befestigt. Hierbei wurde ein kreisförmiger Grundriss mit entsprechend abschließenden Gebäuden verwendet. Zusätzlich existierten ein Graben (der Haaggraben) und ein Wall um das Dorf. Die Gebäude (Scheunenrückseiten) wurden zum Graben hin mit möglichst wenigen Öffnungen oder nur mit schlitzförmigen Fenstern versehen.
  • Neugotische Evangelische Kirche, erbaut 1878–1880.
  • Die Synagoge in der Friedhofstraße 1+2 wurde 1820 erbaut und am 9. November 1938 während der Novemberpogrome zerstört. 1964 wurden die noch bestehenden Reste abgerissen. Es existiert eine kleine Gedenktafel.[28]
  • Im Rahmen des Dorferneuerungsprogrammes wurde der Dorfanger (die Hauptstraße) und viele alte Fachwerkhäuser wiederhergerichtet.
  • Um das Jahr 1400 herum hatte sich eine Burg Schlierbach zwischen Schlierbach und Langstadt befunden, der Standort liegt jedoch mittlerweile auf der Langstädter Gemarkung.

Naturflächen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Landschaftsschutzgebiet Wingertsberg wurde am 7. Juli 1987 ausgewiesen und hat eine Größe von 20,58 Hektar. Der Zweck der Unterschutzstellung ist die Erhaltung und Förderung der Streuobstwiesen und der heckenbestandenen Raine wegen ihrer besonderen Bedeutung für das Landschaftsbild sowie für den Biotop- und Artenschutz. Extensiv genutzte Obstwiesen beherbergen zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und gehören damit zu den vielfältigsten mitteleuropäischen Kulturlandschaften.

Die Flurbezeichnungen "Der Wingertsberg" und "Vor den Weinbergen" weisen darauf hin, dass hier früher Weinbau betrieben wurde. Bis 1890 war der Wingertsberg noch mit Rebstöcken bepflanzt. Doch die um 1850 nach Europa eingeschleppte Reblaus erreichte auch den Wingertsberg und verursachte große Schäden. Das kleine Weinbaugebiet wurde 1907 endgültig aufgegeben und die Anpflanzung von Obstbäumen begann. Wie überall in Deutschland schwand gegen Ende der 1940er Jahre das Interesse am Streuobstbau immer mehr. Viele Bäume wurden gerodet, und es blieb nur auf dem Wingertsberg ein gewisser, wenn auch lückiger Bestand übrig. 1951 wurden bei der Zählung in der Gemarkung Langstadt noch 4.339 Obstbäume vorgefunden. 1965 waren es bereits nur noch 2.007 und bei einer Kartierung 1983/84 waren nur noch 771 Obstbäume in der Feldgemarkung zu finden. Hierbei mitgezählt waren allerdings schon die ersten Neupflanzungen durch den NABU Langstadt und der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz. In der Zwischenzeit sind eine erhebliche Menge neuer Bäume gepflanzt worden; vorwiegend Apfelsorten, hier insbesondere alte und bewährte Sorten, aber auch Birne, Kirsche, Zwetschge, Walnuß, Speierling, Mispel und Maulbeere.

Von den bemerkenswerten Arten die in der Wingert heimisch sind, sind aus dem Reich der Käfer der Großer Goldkäfer, der Nashornkäfer und der Stierkäfer zu finden. Großer Fuchs, Goldene Acht, Kleiner Perlmuttfalter und Schwalbenschwanz sind Vertreter der dortigen Schmetterlinge. Vierfleckameise und Stöpselkopfameise sowie die Holzbiene, die Feldgrille, das Weinhähnchen und die Tapezierspinne finden dort Unterschlupf. Berg- und Teichmolch sowie Feuersalamander, wie auch die Blindschleiche und Zauneidechse streichen durch das dortige Unterholz. Von den ansässigen Vögeln wären Gartenrotschwanz, Neuntöter, Grau-, Grün- und Kleinspecht, sowie Wendehals, Steinkauz und Rebhuhn zu nennen.

Der Untergrund der Wingert besteht, wie in der Umgebung üblich, aus rotem Granit und Hornblendeschiefer. In der Gemarkung gibt es nur einen sehr kleinen Steinbruch, ein Aufschluss im Hornblendeschiefer in der Wingert.

Panorama hinter der Straßenmühle zwischen Langstadt und Schlierbach: im Bild links das Landschaftsgebiet "Wingertsberg von Langstadt" auf der Kuppe nördlich der Straßenmühle, und eine der vermutet Plätze der ehemaligen Burg Schlierbach, im Bild rechts der Mitte die Baumgruppe, die von verlandetem Wassergraben umgeben ist und östlich der Straßenmühle liegt und ebenfalls ein vermuteter Standort der Burg ist.

Direkt im Südosten grenzt der Markwald an Grundschule, Sportplatz und Mehrzweckhalle.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehrsverbindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anschluss an die Eisenbahn erhielt Langstadt 1870 mit dem Bau der Odenwaldbahn. Heute verbindet die Linie RE/RB 64 des Rhein-Main-Verkehrsverbundes Langstadt mit Frankfurt (Main) Hauptbahnhof, über Offenbach (Main) Hauptbahnhof und Hanau Hauptbahnhof, mit Groß-Umstadt (Wiebelsbach) und weiter bis nach Erbach im Odenwald.

Der regionale Busverkehr mit der Linie K65 läuft von Babenhausen und Hergershausen über Langstadt nach Schaafheim.

Auf der Radwander-Hauptroute 14[29] wird Langstadt auf dem Weg von Harpertshausen nach Schaafheim in Ost-West-Richtung durchquert. Babenhausen, Kleestadt und Harpertshausen sind über gut ausgebaute Radwege parallel zur Landstraße erreichbar, in Harpertshausen besteht Anschluss an den Hessen-Radweg R4. Schaafheim wird über einen teilweise nicht voll ausgebauten Waldweg angebunden.

Die Bundesstraße 26 ist leicht über Harpertshausen und Babenhausen erreichbar.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Markwaldschule, Grundschule 1.–4. Klasse
  • Katholische Kirche St. Nepomuk (Architektur der 60er, am 3. Dezember 1967 geweiht)

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Barbara Demandt: Die mittelalterliche Kirchenorganisation in Hessen südlich des Mains = Schriften des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde 29 (1966), S. 141.
  • Max Herchenröder: Die Kunstdenkmäler des Landkreises Dieburg. 1940, S. 187f.
  • Wilhelm Müller: Hessisches Ortsnamenbuch. Band 1: Starkenburg. 1937, S. 418f.
  • Hans Georg Ruppel (Bearb.): Historisches Ortsverzeichnis für das Gebiet des ehem. Großherzogtums und Volksstaats Hessen mit Nachweis der Kreis- und Gerichtszugehörigkeit von 1820 bis zu den Veränderungen im Zuge der kommunalen Gebietsreform = Darmstädter Archivschriften 2. 1976, S. 134.
  • Dagmar Söder: Kulturdenkmäler in Hessen. Kreis Offenbach = Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. 1987, S. 99ff.
  • Literatur über Langstadt in der Hessischen Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Langstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Langstadt, Gemeinde Babenhausen. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Zahlen und Fakten. In: Webauftritt. Stadt Babenhausen, archiviert vom Original; abgerufen im Februar 2019.
  3. Darmstädter Echo, Freitag, 14. September 2018, S. 22.
  4. a b Festschrift 125 Jahre Evangelische Kirche Langstadt. (PDF; 7 MB) Evangelischen Kirchenvorstand Langstadt, abgerufen im Oktober 2019.
  5. Uta Löwenstein: Grafschaft Hanau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900-1806 = Handbuch der hessischen Geschichte 3 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 63. Marburg 2014. ISBN 978-3-942225-17-5, S. 196–230 (205).
  6. Willi Alter (Hrsg.): Pfalzatlas. Textband I. Speyer: Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften 1964, S. 426: Oberamt Umstadt: Text (Memento vom 29. Oktober 2013 im Internet Archive), Oberamt Umstadt: Karte (Memento vom 29. Oktober 2013 im Internet Archive).
  7. a b c Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg. Band 1. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt Oktober 1829, OCLC 312528080, S. 136 (Online bei google books).
  8. Karl-Heinz Gerstemeier, Karl Reinhard Hinkel: Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Hrsg.: Hessischer Minister des Inneren. Bernecker, Melsungen 1977, DNB 770396321, OCLC 180532844, S. 223.
  9. a b Hauptsatzung. (PDF 338 kB) § 7. In: Webauftritt. Stadt Babenhausen, abgerufen im Oktober 2019.
  10. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  11. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 1. Großherzoglicher Staatsverlag, Darmstadt 1862, DNB 013163434, OCLC 894925483, S. 43 ff. (Online bei google books).
  12. Ph. A. F. Walther: Alphabetisches Verzeichniss der Wohnplätze im Grossherzogtum Hessen. G. Jonghaus, Darmstadt 1869, OCLC 162355422, S. 52 (Online bei google books).
  13. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  14. Ortsbeirat Langstadt. In: Webauftritt. Babenhausen, abgerufen im Oktober 2019.
  15. Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Langstadt (Punkt 654) vom 15. Juni 1964. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1967 Nr. 27, S. 779 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,9 MB]).
  16. Wappen Langstadt. Heraldry of the World, abgerufen im Oktober 2019.
  17. NaBu Ortsgruppe Langstadt. In: Webauftritt. Abgerufen im Oktober 2019.
  18. Wingertsberg Langstadt. In: Webauftritt. NaBu Ortsgruppe Langstadt, abgerufen im Oktober 2019.
  19. Gesangverein Liederkranz e.V. Langstadt. In: Webauftritt. Abgerufen im Oktober 2019.
  20. Frauenhilfe. In: Webauftritt. Evangelische Kirchengemeinde Langstadt-Schlierbach, abgerufen im Oktober 2019.
  21. Freiwillige Feuerwehr Langstadt. In: Webauftritt. Abgerufen im Oktober 2019.
  22. Club SC Kentucky. In: Webauftritt. Abgerufen im Oktober 2019.
  23. Schützenverein Diana. In: Webauftritt. SV "Diana" Langstadt 1959 e.V., abgerufen im Oktober 2019.
  24. ASV Langstadt 1969 e.V. In: Webauftritt. Abgerufen im Oktober 2019.
  25. Kirchenchor. In: Webauftritt. Evangelische Kirchengemeinde Langstadt-Schlierbach, abgerufen im Oktober 2019.
  26. Posaunenchor Posaunenchor Langstadt e.V. In: Webauftritt. Abgerufen im Oktober 2019.
  27. Darmstädter Echo, Dienstag, 22. September 2015, S. 21
  28. Jüdische Gemeinde Langstadt. In: www.alemannia-judaica.de. Abgerufen im Oktober 2016.
  29. Freizeitkarte Darmstadt/Dieburg, Magistrat der Stadt Darmstadt, 1. Auflage