Langwarden

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Langwarden
Gemeinde Butjadingen
Koordinaten: 53° 36′ 13″ N, 8° 18′ 23″ O
Höhe: 2 m ü. NN
Einwohner: 286 (30. Jun. 2010)[1]
Eingemeindung: 1. März 1974
Postleitzahl: 26969
Vorwahlen: 04733, 04736
Langwarden (Niedersachsen)
Langwarden

Lage von Langwarden in Niedersachsen

Langwarden ist ein Ort auf der Halbinsel Butjadingen im Landkreis Wesermarsch, Niedersachsen in Deutschland. Zu Langwarden gehörten einst auch die Inseln Mellum und Minsener Oog.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis ins Mittelalter hinein hatte Langwarden einen Hafen, der ein Grund für Langwardens wirtschaftliche Bedeutung und Wachstum war. Das heutige Wahrzeichen Langwardens, die 850 Jahre alte St.-Laurentius-Kirche, zeugt von dieser Phase des Reichtums.

1910 hatte die Gemeinde Langwarden 1519 Einwohner.[2]

1933 entstand aus den Gemeinden Langwarden, Burhave, Eckwarden, Tossens, Waddens und Stollhamm die neue Gemeinde Burhave, die 1936 in Gemeinde Butjadingen umbenannt wurde.

1948 entstanden wieder drei selbständige Gemeinden: Langwarden mit Sitz in Tossens, Burhave und Stollhamm.

Am 1. März 1974 entstand aus den drei Gemeinden wieder die Gemeinde Butjadingen mit Sitz in Burhave.[3]

Sehenswertes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laurentiuskirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche ist ein romanischer Tuffsteinbau und wurde in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts als nicht ganz vollständige Kreuzkirche aus Langhaus, Querhaus und Apsis errichtet.

Für die kleine Gemeinde zu groß und in der Unterhaltung zu teuer, wurde sie 1844 verkleinert. Beide Querhausarme wurden abgetragen und das Giebeldreieck des Ostgiebels erneuert. Auch die heutige Gestalt der Apsis stammt von diesem Umbau, erkennbar am neuzeitlichen Ziegelformat. Innen sieht man noch die alte Vierung mit beiden Bögen der Querhausanschlüsse, von außen nur noch den nördlichen Bogen.

Neoromanischer Turm der St.-Laurentius-Kirche

1903 wurden die Reste des mittelalterlichen Westturms abgetragen und das Langhaus im Westen um sieben Meter verkürzt. Dabei wurde der heutige Turm errichtet.[4]

Die Kirche beherbergt eine rund 350 Jahre alte Orgel, die zu den bedeutendsten Instrumenten Norddeutschlands zählt. Sie wurde im Jahr 1650 von Hermann Kröger und seinem Meistergesellen Berendt Hus erbaut und von Arp Schnitger 1704/05 um drei Register erweitert.[5] Das Pfeifenmaterial stammt weitgehend aus dem Jahr 1650. Auch die Springladen sind noch original erhalten. Im Jahr 1934 machte Alfred Führer die Änderungen von Gerhard Janssen Schmid (1818) wieder rückgängig und stellte die ursprüngliche Disposition wieder her.[6] Hendrik Ahrend rekonstruierte im Jahr 2015 die fehlenden Register. Im Sommer finden hier regelmäßig Orgelkonzerte im Rahmen des Langwarder Orgelsommers statt.[7] Das Instrument verfügt über 21 Register auf zwei Manualen und Pedal.[8]

I Hauptwerk CDEFGA–c3

1. Gedackt 8′
2. Quintadena 8′
3. Praestant 4′
4. Spitzflöte 4′
5. Scharf Quint 3′
6. Oktave 2′
7. Nasatquint 113
8. Mixtur IV–VI A
9. Trompete 8′ A
II Brustwerk CDEFGA–c3
10. Gedackt 8′
11. Blockflöte 4′
12. Schweizerpfeife 4′
13. Oktave 2′
14. Cimbel III A
15. Krummhorn 8′ A
Pedal CDEFGA–d1 (= Kurze Oktave)
16. Untersatz 16′
17. Praestant 8′
18. Oktave 4′
19. Mixtur IV A
20. Posaune 16′ A
21. Cornett 2′ A
A = Register von Hendrik Ahrend

Ghert Klinghe goss für die Kirche in Langwarden im Jahr 1468 eine Marienglocke mit einem Durchmesser von 168 cm.[9] Die Glocke zersprang 1930. Im Glockenturm hängt seither eine kleine Glocke (32 cm Durchmesser), die von Rincker gegossen wurde.[10] Die alte Glocke erhielt im Jahre 2000 einen Platz vor dem Kirchengebäude.

Südflügel der Pastorei, ein friesisches Steinhaus

Steinhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Westende des Dorfes und der Dorfwurt liegt auf dem Friesenhügel der Friesenkirchhof. Zeitweise stand hier eine zweite Dorfkirche. Noch heute steht hier die Pfarrei. Deren Südflügel ist ein friesisches Steinhaus. Im Gegensatz zu vielen anderen, deren aufragendes Mauerwerk ganz aus Backstein besteht, wurde hier das Erdgeschoss in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts überwiegend aus Sandstein und Tuffstein errichtet, weist allerdings an der Südseite zwei kleine vermauerte Spitzbogenfenster auf. Das Obergeschoss entstand Anfang des 16. Jahrhunderts aus Backstein. Später wurden der einst steile Giebel abgetragen und die meisten Fenster vergrößert.

Mit auf dem Friesenhügel steht eine Stele zum Gedenken an die Toten des Krieges von 1870/1871.[11]

Zehn-Mark-Banknote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wirtshaus, in dem Carl Friedrich Gauß 1825 übernachtet hat, heute Kulturhaus Langwarden
Ausschnitt von der 10 Deutsche-Mark-Note mit Langwarden als Messpunkt

Die hoch gelegene Kirche in Langwarden hatte 1825 eine wichtige Funktion im Rahmen der Landesvermessung, die damals im Wege der Triangulation durch Carl Friedrich Gauß (1777–1855) erfolgte. Gauß hielt sich vom 27. Juni bis 12. Juli 1825 in Langwarden auf.[12] Auf dem letzten 10-Deutsche-Mark-Schein, der von 1991 bis 2001 gesetzliches Zahlungsmittel war, ist ein Ausschnitt des Vermessungsnetzes abgebildet, in dem auch der Messpunkt Langwarden markiert ist.[13]

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fährverbindungen bestehen über die Weser von Nordenham nach Bremerhaven und, in den Sommermonaten, über den Jadebusen von Eckwarderhörne nach Wilhelmshaven.

Von Nordenham gibt es eine Bahnverbindung nach Bremen.

Die Gemeinde ist über den Wesertunnel südlich von Nordenham an die A 27 angeschlossen. Über Varel und Jaderberg ist die A 29 zu erreichen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Bernd Rödiger, Waldemar Reinhardt: Friesische Kirchen. Band 4: Rüstringen, Friesische Wehde, Butjadingen, Stedingen und Stadt Wilhelmshaven. Verlag C. L. Mettcker & Söhne, Jever 1982, DNB 880476478, S. 58 ff.
  • Wolfgang Runge: Kirchen im Oldenburger Land. Band 1: Kirchenkreise Butjadingen, Brake, Elsfleth : mit Anmerkungen zu Ludwig Münstermann. Holzberg, Oldenburg 1984, ISBN 3-87358-167-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einwohner im Umland von Wilhelmshaven (PDF; 406 kB), abgerufen am 17. Mai 2013.
  2. Deutsches Gemeindeverzeichnis 1900: Amt Butjadingen
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/ Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 276.
  4. Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Band: Bremen/Niedersachsen. 1992, ISBN 3-422-03022-0, S. 827/828.
  5. Siehe den Restaurierungsbericht von Fritz Schild: Denkmal-Orgeln. Dokumentation der Restaurierung durch Orgelbau Führer 1974–1991. Florian Noetzel, Wilhelmshaven 2005, ISBN 3-7959-0862-0, S. 585–613.
  6. Weitere Informationen zur Kröger/Schnitger-Orgel, abgerufen am 7. Juni 2011.
  7. NWZ: Zweites Konzert des Langwarder Orgelsommers
  8. Orgel der St.-Laurentius-Kirche auf Organ index, abgerufen am 1. Oktober 2018.
  9. A. Rauchheld: Glockenkunde Oldenburgs. In: Oldenburger Jahrbuch. 29, 1925, S. 110.
  10. Wolfgang Runge: Kirchen im Oldenburger Land. Band 1, Holzberg, Oldenburg 1984, S. 82.
  11. Denkmalprojekt.org: Langwarden
  12. G. Waldo Dunnington: Carl Friedrich Gauss: Titan of Science. The Mathematical Association of America, 2004, S. 133.
  13. Bargeld der Deutschen Mark