Langwedel (Holstein)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Langwedel
Langwedel (Holstein)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Langwedel hervorgehoben
54.2117249.9303830Koordinaten: 54° 13′ N, 9° 56′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Rendsburg-Eckernförde
Amt: Nortorfer Land
Höhe: 30 m ü. NHN
Fläche: 24,22 km²
Einwohner: 1503 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 62 Einwohner je km²
Postleitzahl: 24631
Vorwahl: 04329
Kfz-Kennzeichen: RD, ECK
Gemeindeschlüssel: 01 0 58 094
Adresse der Amtsverwaltung: Niedernstr. 6
24589 Nortorf
Webpräsenz: www.amt-nortorfer-land.de
Bürgermeister: Holger Spießhoefer (BfL)
Lage der Gemeinde Langwedel im Kreis Rendsburg-Eckernförde
Karte
Blick vom Waldheim auf den Brahmsee
Gedenkstein Dorfjubiläum
„Schoolkat“ mit Dorfmuseum
Bronzezeitliches Hügelgrab, Sandberg
"Goldbarg", Grabhügel in Blocksdorf
Soldaten-Denkmal

Langwedel ist eine Gemeinde im Kreis Rendsburg-Eckernförde in Schleswig-Holstein.

Geographie[Bearbeiten]

Langwedel liegt im Naturpark Westensee in hügeliger Landschaft. Seen im Gemeindegebiet sind der Brahmsee, Lustsee, Manhagener See, Großer Pohlsee und der Kleine Pohlsee. Langwedel liegt an der L 298, zwischen Nortorf und der A 215 nach Kiel.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Groß Vollstedt Westensee Schierensee, Blumenthal
Warder Nachbargemeinden Sören
Eisendorf Borgdorf-Seedorf Dätgen

Geschichte[Bearbeiten]

Langwedel wurde 1197 in einer Urkunde des holsteinischen Grafen Adolfs III erstmals erwähnt. Dort ist von einem Ritter „Volquinius de Lancwedele“ die Rede, der sich nach dem Dorf benannte. Zwischen 1376 und 1383 gelangte der Ort in den Besitz des Klosters Itzehoe und wurde von dort aus verwaltet. Dieses Verhältnis endete 1867, als Preußen die Herzogtümer Schleswig und Holstein annektierte und zu seiner Provinz erklärte. 1928 wurde der Gutsbezirk Deutsch-Nienhof in eine Landgemeinde umgewandelt, dabei wurde der Wohnplatz Manhagen nach Langwedel eingemeindet. Bereits ein Jahr später schlossen sich die nördlichen Ortsteile Deutsch-Nienhof, Krähenberg und Wrohe der Gemeinde Westensee an, während die Ortsteile Enkendorf und Blocksdorf bei Langwedel blieben. Langwedel hat nach der Stadt Nortorf die meisten Einwohner im Amt Nortorfer Land. Das Dorf erhielt seine heutige Größe durch zwei Neubaugebiete (An der Mühlenau und Olendiekskamp) am südlichen Ortsausgang, die seit 2002 erschlossen wurden.

Dorfordnung[Bearbeiten]

Am 10. Februar 1700 unterzeichneten in Langwedel 15 "Leute" eine hochdeutsch abgefasste Beliebung,[2] und zwar Hanß Blunk als Vogt und 14 weitere Hufener. Unterschrieben haben außerdem Friedrich von Reventlow, der Verbitter als öffentlicher Vertreter des Adeligen Konvents, sowie Nicolaus Pflueg als Schreiber und Syndikus dieses Konvents in Itzehoe. Der eigentliche Vertragstext besteht aus 31 Absätzen, die das Zusammenleben der Hufener, Kätener und Insten im Dorf regelten.     Bei Verfehlungen waren Strafen in Bier oder in Geld an das Bauerlag, manchmal zusätzlich "willkürliche Brüche" an den Konvent als Obrigkeit zu leisten. Zum Beispiel bestimmte der Absatz 25: "Niemand soll auf dem Heisch treiben oder iagen, ehe= und bevor das Baurlag darüber einig, beÿ Strafe einer Tonne Bier." Bereits das Eingangsprotokoll verwies auf eine öffentliche Verlesung, nachdem die fürstliche Äbtissin Dorothea Louyse die Urkunde am 15. Februar 1700 in Itzehoe besiegelt und bestätigt hatte. – Erläuterungen: Heisch bezeichnet braches Buschland. Das Bauerlag meinte die stimmberechtigten Hufener. Die Rendsburger Tonne fasste 127,5 Liter.[3] Außergewöhnlich ist, dass das Landesarchiv Schleswig-Holstein neben dem rechtskräftigen Dokument einen teilweise abweichenden Entwurf verwahrt.[4]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Oktober 1975 löste sich die Gemeinde Deutsch-Nienhof auf. Sie wurde in die Gemeinde Langwedel eingegliedert.[5]

Ausgliederungen[Bearbeiten]

Am 1. August 1976 wurde ein Teilgebiet der Gemeinde in die Nachbargemeinde Westensee umgegliedert. Hierbei handelt es sich um einen Teil der ehemaligen Gemeinde Deutsch-Nienhof.[5]

Politik[Bearbeiten]

Von den 13 Sitzen in der Gemeindevertretung hat seit der Kommunalwahl 2013 die Wählergemeinschaft Bürger für Langwedel (BfL) sieben Sitze, die SPD drei und die Unabhängige Wählergemeinschaft Langwedel (UWL) drei Sitze. Holger Spießhoefer (BfL) wurde wieder zum Bürgermeister gewählt. Ehedem Kandidat der CDU, versieht er das Amt seit April 1984.[6]

Bei der Kommunalwahl 2008 hatte die CDU sechs Sitze, die UWL drei und die SPD zwei Sitze erzielt; zwei Gemeindevertreter waren parteilos.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Rot ein erhöhter silberner Wellenbalken, begleitet oben von einem liegenden silbernen Schwert, unten von einem wachsenden silbernen Krummstab.“[7]

Dabei steht das Schwert für die Ritter, denen Langwedel bis 1379 gehörte, während der Stab den Äbtissinenstab des Adeligen Klosters Itzehoe symbolisiert. Der Wellenbalken steht für die Olendieksau, die durch die Gemeinde fließt. Die Farben des Wappens rot und weiß sind die Farben des Herzogtums Holstein.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ist stark rückläufig. Im Jahre 1995 waren noch 16 Vollerwerbs- und drei Nebenerwerbsbetriebe vorhanden, die zusammen eine Fläche von 1.479 ha bewirtschafteten. Stattdessen werden südlich des Ortes viele Flächen für den Kiesabbau genutzt.

In Langwedel gibt es mehrere Gaststätten und eine Getränkehandlung mit Imbiss sowie einen Landmaschinenhändler mit einer angeschlossenen Reparaturwerkstatt. Im Gemeindegebiet befindet sich zwei Campingplätze, Ferienhaussiedlungen und das Jugendfreizeitheim Waldheim am Brahmsee.

Waldheim am Brahmsee[Bearbeiten]

Das Waldheim am Brahmsee ist die evangelische Jugendfreizeitstätte des gleichnamigen Vereins, der 1921 vom Bund deutscher Jugendvereine (BDJ) zu diesem Zweck gegründet wurde. Die ehrenamtlich geführte Einrichtung bietet jungen Menschen vielfältige Möglichkeiten für Freizeitgestaltung, Kurse und Tagungen. Das Angebot richtet sich an kirchliche Gruppen, Schulklassen, Sportvereine und Jugendorganisationen. Der Verein ist Mitglied im Verband Deutscher Schullandheime und im Diakonischen Werk Schleswig-Holstein, Landesverband Innere Mission. Das Waldheim besteht aus mehr als einem Dutzend Einzelgebäuden und aus verschieden großen Flächen zum Zelten; es liegt am Südufer des Brahmsees und hat ganzjährig geöffnet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Hügelgräber[Bearbeiten]

Nahe dem Ortsteil Sandfeld, unmittelbar östlich der Kreisstraße 36, sind fünf Hügelgräber aus der Nordischen Bronzezeit (1700 – 500 v. d. Z.) erhalten. Die großen Grabhügel bergen gebrannte, unglasierte Urnen mit der Asche der Toten. Als Beigaben fanden sich Werkzeuge und Waffen, auch Armspiralen, Haarnadeln, Lampen und Schermesser.[8] Von den um 1900 gezählten 31 Hügelgräbern im Ortsteil Blocksdorf hat der "Goldbarg" sichtbar überdauert.[9]

Manhagen[Bearbeiten]

Zwischen Ortskern und Sandberg liegt das Gut Manhagen; es wurde 1926 Langwedel „zugeordnet“ und 1928 eingemeindet.[10] Neben dem Betriebshof stehen vier Gebäudedenkmale: Englisches Landhaus, Fischerhaus, unterschlächtige Wassermühle und flügellose Windmühle.

Schulkate[Bearbeiten]

Als erstes Schulgebäude errichtete man nahe dem Dorfplatz ein niederdeutsches Fachhallenhaus mit Reetdach. Die „Schoolkat“ in Zwei-Ständer-Bauweise war Lehrerwohnung und hatte für den Unterricht eine Schulstube in der nördlichen Abseite. Das Große Tor der Schulkate zeigt nach Westen, zur Nortorfer Straße. In den Sturzbalken des Tores ist eingekerbt: „ANNO 1764 + AM 27 MERTZ + IST DIESES SHULHAUS + GEBAUT +“ – Ein Balkenstummel zeigt die die Jahreszahl 1765, vermutlich das Ende des Innenausbaus.[11] Heute dient die denkmalgeschützte Kate als Dorfmuseum, betreut vom 1994 gegründeten Kultur- und Museumsverein.[12]

Gedenkeichen[Bearbeiten]

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg pflanzte Langwedel wie viele andere Orte zwei Eichen am Rande des Dorfplatzes. Damit feierte man den Sieg und huldigte dem im Schloss Versailles zum ersten Deutschen Kaiser gekrönten Wilhelm I. Eine der Eichen wächst am Eingang zur Hörn. Vor der anderen, an der Dorfstraße, liegt ein Granit mit Datum 1870–71, umgeben von einer schweren Eisenkette. – Johannes M. Zancker, 1893–1905 Lehrer in Langwedel,[13] pflanzte 1898 mit seinen Schülern auf dem Dorfplatz eine Doppeleiche, die ein doppelter Kettenzug umgibt. Auf einem Granitsäulchen ist eingemeißelt: „Up ewig ungedeelt.“ Erinnerung an die Erhebung (1848–1851) der untrennbaren Herzogtümer Schleswig und Holstein gegen das Königreich Dänemark.[14] – Die jüngste Gedenk-Eiche fand ihren Platz neben dem Bushäuschen, wo die Mühlenstraße beginnt. Gespendet 1997 vom Amt Nortorfer Land und den Gemeinden Borgdorf–Seedorf, Dätgen, Eisendorf, Groß Vollstedt und Warder anlässlich der 800–Jahr–Feier des Dorfes.

Lokis Biotop[Bearbeiten]

Hannelore „Loki“ Schmidt kaufte 1985 mit ihrem Mann Helmut, damals bereits Ex-Bundeskanzler, ein brach liegendes Grundstück neben ihrem Ferienhaus am Brahmsee. Die sechseinhalb Hektar große Fläche wurde bewusst völlig sich selbst überlassen, sodass während der Jahre ein Stück deutscher Urwald heranwuchs. Den wilden Baumbestand von Buchen, Eichen, Traubenkirschen und Weiden beherrschen die Birken.[15] Spaziergänger gelangen in Lokis Biotop am Ende der Straße Am Sportplatz. Die Deutsche Botanische Gesellschaft würdigte 2002 Loki Schmidts Brahmsee-Projekt als „eine Pionierleistung des wissenschaftlich fundierten Naturschutzes“. Suchen: Blümchen-Loki

Storchenpaar[Bearbeiten]

An der Hörn, mitten im Dorf, nistet jedes Jahr ein Paar Weißstörche; davon wird seit 1930 berichtet. Ankunft, Wegzug und Bruterfolg werden seit 1995 registriert.[16]

Ankunft Wegzug im Jahr Junge
14.03. 27.08. 2004 2
10.03. 26.08. 2003 3
18.03. 27.08. 2002 3
10.03. 21.08. 2001 3
31.03. 30.08. 2000 0
29.03. 21.08. 1999 3
09.04. 20.08. 1998 3
27.04. 29.08. 1997 2
13.04. 27.08. 1996 0
10.04. 20.08. 1995 0
Ankunft Wegzug im Jahr Junge
13.03. 03.09. 2014 4
12.03. 02.09. 2013 0
03.03. 04.09. 2012 4
07.03. 05.09. 2011 4
26.02. 31.08. 2010 3
04.03. 03.09. 2009 1
27.02. 04.09. 2008 3
06.03. 27.08. 2007 4
26.03. 03.09. 2006 0
14.03. 23.08. 2005 3
Ankunft Wegzug im Jahr Junge
2024
2023
2022
2021
2020
2019
2018
2017
2016
24.02. >>.>>. 2015 0

Literatur[Bearbeiten]

  • Bedal Konrad: Hallenhäuser und Längsscheunen des 18. und 19. Jahrhunderts im östlichen Holstein. Wachholtz, Neumünster 1979. ISBN 3-529-02454-6.
  • Endrigkeit Anja: Bronzezeitliche Depotfunde in Schleswig-Holstein. Eine kulturhistorische Studie. Habelt, Bonn 2010. ISBN 978-3-7749-3650-8.
  • Geist Martin: Schleswig-Holstein, Land der Burgen. In: Kieler Nachrichten Nr. 220, 20. September 2013, S. 15.
  • Kultur- und Museumsverein Langwedel (Hg): Kleine Festschrift anläßlich der Einweihung der Schoolkat Langwedel am 28. Mai 1994. Langwedel 1994.
  • Kultur- und Museumsverein Langwedel (Hg): 800 Jahre Langwedel 1197-1997. Langwedel 1997.
  • Renner Robert: Langwedel, Blocksdorf - Enkendorf - Pohlsee. Bearbeitung und Gestaltung von Winfried Sarnow. Druck- und Verlagsgesellschaft Husum 1983.
  • Schul-Matrikel für die Schule zu Langwedel. Handschrift 1881, Archiv der Grundschule, Langwedel.
  • Willroth Karl-Heinz (Hg): Die Funde der älteren Bronzezeit des nordischen Kreises Dänemark, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Band 19: Kersten Karl und Willroth Karl-Heinz: Kreis Rendsburg-Eckernförde (südlich des Nord-Ostsee-Kanals) und die kreisfreien Städte Kiel und Neumünster. Wachholtz, Neumünster 2005. ISBN 3-529-01963-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Langwedel (Holstein) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2013 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Rheinheimer Martin: Die Dorfordnungen des Herzogtums Schleswig. Dorf und Obrigkeit in der Frühen Neuzeit. Bd 1: Einführung. Lucius & Lucius, Stuttgart 1999.
  3. Renner Robert 1983, S.79.
  4. Langwedel: Bauerbrief der Dorfschaft Langwedel [1700]. Landesarchiv Schleswig-Holstein, Abt. 123, Nr. 1875.
  5. a b  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 184.
  6. Saric Nora: Ein halbes Leben Bürgermeister. In: Kieler Nachrichten Nr. 79, 3. April 2014, S. 29.
  7. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  8. Renner Robert 1983, S.20–21.
  9. Renner Robert 1983, S.21.
  10. Renner Robert 1983, S.85f.
  11. Gemeinde, Grundschule, Kultur- und Museumsverein (Hg): 250 Jahre Schule in Langwedel. Ut de Schoolkat 2015. Langwedel 2015.
  12. Saric Nora: Museumsverein hat neuen Vorstand. In: Kieler Nachrichten Nr. 47, 25. Februar 2015, S. 24.
  13. Gemeinde et al. (Hg): 250 Jahre Schule in Langwedel. Ut de Schoolkat 2015. S.54.
  14. Renner Robert 1983, S.61.
  15. Schmidt Loki: Die Wildnis am Brahmsee. 9. Kapitel in: Das Naturbuch für Neugierige (Seiten 169 ff.), Rowohlt Taschenbuch 62671, Reinbek bei Hamburg 2011. ISBN 978-3-499-62671-5
  16. Informationstafel bei dem Soldaten-Denkmal: Unser Storch in Langwedel.