Larry Siedentop

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Larry Siedentop, Mai 2013.

Larry Alan Siedentop CBE (* 1936 in Chicago) ist ein US-amerikanischer Politikwissenschaftler, Historiker und Philosoph. Er war Inhaber des ersten Lehrstuhls für Ideengeschichte an der Universität von Sussex in Falmer. Danach lehrte er politische Philosophie am Keble College der Oxford Universität in Oxford.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siedentop beschäftigte sich besonders mit dem französischen Liberalismus des 19. Jahrhunderts. Er ist auch ein Biograph von Alexis de Tocqueville und Autor des Buches Democracy in Europe (Penguin Press 2000), das 2002 ins Deutsche übersetzt wurde. Darin vergleicht er die europäische Demokratie und Einigung mit der Entwicklung des US-amerikanischen Bundesstaates.[1] Er wirkte auch bei der Financial Times mit. 2014 erschien sein letztes Werk Inventing the Individual. The Origins of Western Liberalism, das 2015 auch in Deutschland erschienen ist.

Die Erfindung des Individuums. Der Liberalismus und die westliche Welt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siedentop beschreibt, begründet und belegt in seinem 476-seitigen Buch, dass der westliche Liberalismus und Säkularismus aus christlichen Glaubensinhalten wie Gleichheit und Freiheit entstanden sei. Durch Nächstenliebe und Überzeugungskraft hätte sich der christliche Glaube im spätrömischen Reich ausgebreitet und habe die europäische Kultur danach maßgeblich geprägt. Kirchen und Klöster hätten nebst Bildung auch Gleichheit und Individualität der Personen vorangetrieben und die antike Familienstruktur unter der autoritären Führung des Pater familias mit ihrer religiös motivierten Ungleichheit aufgebrochen. Diese über lange Zeiträume errungenen moralischen Werte würden heute durch Fundamentalismus und autoritäre Regimes gefährdet.

Siedentop verweist für die Antike vorwiegend auf das Werk Der antike Staat des französischen Historikers Fustel de Coulanges, für das Frühchristentum auf den irischen Historiker und Augustinus-Spezialisten Peter Brown und für das Mittelalter auf den französischen Schriftsteller François Guizot. Mit seinen Thesen hat er grosse Resonanz gefunden, einerseits durch breite Zustimmung, andererseits durch Kritik und Ablehnung. Kritiker haben ihm vorgeworfen, zu viele Sekundärquellen benutzt zu haben, doch Siedentop begründete seine Wahl der Quellen.[2][3][4][5][6][7]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tocqueville, 1994
  • Francois Guizot, The History of Civilization in Europe. Edited with an introduction by Larry Siedentop, 1997
  • Democracy in Europe, Penguin Press 2000
  • Inventing the Individual: The Origins of Western Liberalism, Allen Lane, 2014, ISBN 0-713-99644-7
    • Die Erfindung des Individuums. Der Liberalismus und die westliche Welt, Klett-Cotta, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-608-94886-8

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Larry Siedentop – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.perlentaucher.de/buch/larry-siedentop/demokratie-in-europa.html
  2. Guido Kalberer: Revolutionäres Christentum. Der amerikanische Philosoph und Politologe Larry Siedentop hebt die Bedeutung des christlichen Denkens für den westlichen Liberalismus hervor. Eine längst fällige Rehabilitation. Berner Zeitung 9. Januar 2016
  3. Clemens Klünemann: Rezensionen. Christ in der Gegenwart, 14. Februar 2016
  4. http://www.inkultura-online.de/siedentop.html
  5. Anne Christin Klotz: Freiheit hat einen Grund. pro - Christliches Medienmagazin, Wetzlar Januar 2016, Seiten 12-13
  6. http://www.prozukunft.org/v1/2015/12/siedentop/
  7. http://www.b-republik.de/archiv/christliche-erfindung-liberalismus Marc Schattenmann: Christliche Erfindung Liberalismus. Republik Debattenmagazin 3.2014