Lars Herrmann (Politiker)

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Klaus Lars Herrmann (* 12. April 1977 in Leisnig) ist ein deutscher fraktions- und parteiloser Bundestagsabgeordneter (bis 2019 AfD) und Polizeivollzugsbeamter der Bundespolizei.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herrmann war von März 2013 bis zum 18. Dezember 2019 Mitglied der AfD und galt bis zu deren Parteiaustritt als Anhänger von Frauke Petry. Er ist Polizeihauptkommissar in der Bundespolizeiinspektion Leipzig. Seine Rechte und Pflichten aus dem Dienstverhältnis ruhen während seiner Zeit als Mitglied des Bundestages (§ 5 AbgG). Seine Tätigkeitsbereiche umfassten Drogenkriminalität und Abschiebungen.[1] Lars Herrmann ist verheiratet und hat drei Kinder. Er lebt in Parthenstein.

2014 wurde Herrmann in den Kreistag des Landkreises Leipzig gewählt,[2] im Oktober 2016 wurde er Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes. Zur Bundestagswahl 2017 trat er für die AfD im Wahlkreis Leipzig-Land an sowie auf Platz 10 der Landesliste. Im Wahlkreis erreichte er mit 28,7 % den zweiten Platz und zog über die Landesliste in den 19. Deutschen Bundestag ein.[3] Am 18. Dezember 2018 teilte Herrmann mit, dass er nicht mehr der der AfD-Bundestagsfraktion der 19. Wahlperiode angehört.[4] Um Amt und Mandat zu trennen, trat er nach der Wahl vom Vorsitz des Kreisverbands zurück.[5] Vom 22. Februar 2018 bis zum 13. Februar 2020 gehörte er dem Gremium nach § 23c Absatz 8 Zollfahndungsdienstgesetz an. Er ist beratendes Mitglied im Ausschuss für Inneres und Heimat.

Politische Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hermann ist ehrenamtliches Mitglied im Gemeinderat der Gemeinde Panthenstein und ehrenamtliches Mitglied des Kreistages des Landkreises Leipzig mit Sitz in Borna.

Herrmann warb auf dem Nominierungsparteitag der sächsischen AfD 2017 damit, sich für die „Wiederherstellung der inneren Sicherheit“ sowie für die Abschiebung Ausreisepflichtiger einsetzen zu wollen. Er wolle als Vorsitzender eines Untersuchungsausschusses die Bundeskanzlerin für die Flüchtlingskrise in Deutschland ab 2015 „zur Rechenschaft ziehen“.[6] Im Wahlkampf versprach er den Einsatz für Abschiebungen auch ohne finanzielle Anreize, „um keine Begehrlichkeiten zu wecken“, und in der Justiz plädiert er für „Abschreckung, Vergeltung, Sühne und Wiedergutmachung statt Kuscheljustiz“.[1] Bei der Einwanderung müsse es eine „klare Trennung und Unterscheidung zwischen Asyl und qualifizierter Zuwanderung“ geben. Die „Einführung von direkter Demokratie nach Schweizer Vorbild“ nannte er als sein wichtigstes Ziel. Außerdem sei er für einheitliche Bildungsstandards in ganz Deutschland, jedoch gegen deren EU-weite Harmonisierung, und wolle sich einsetzen für „Löhne, von denen man leben kann,“ „schnelles Internet auch auf dem Land“.[2]

Als Abgeordneter gehörte er einer Arbeitsgruppe seiner Fraktion an, die die Einrichtung eines „Merkel-Untersuchungsausschusses“ vorbereiten soll.[5] Ein solcher Ausschuss kam jedoch nicht zustande.

Auf dem AfD-Bundesparteitag Ende November/Anfang Dezember 2019 in Braunschweig übte Herrmann Kritik an Björn Höcke, dem Wortführer der völkisch-nationalistischen Parteiströmung „Der Flügel“. Herrmann hatte beim Bundesparteitag gesagt, Höcke solle bei der Wahl zum Bundesvorstand kandidieren und sich dann „eine Klatsche abholen“[7] In der Folge wurde er aus seiner Landesgruppe Sachsen im Bundestag ausgeschlossen.[8] Bereits zuvor hatte er sich als Gegner der Strömung profiliert und etwa den sogenannten „Appell der 100“ unterschrieben, der Björn Höcke und den Einfluss des „Flügels“ kritisierte.[9]

Am 18. Dezember 2019 trat Herrmann aus der AfD und ihrer Bundestagsfraktion aus.[10] Herrmann begründete den Schritt mit dem Kurs der Partei und insbesondere dem Einfluss des rechtsextremen „Flügels“ in seinem Bundesland Sachsen. Die Landesgruppe Sachsen seiner Partei im Bundestag habe ihn nach eigener Aussage nach seiner Kritik an Björn Höcke und ohne vorherige Anhörung ausgeschlossen. Er sei angesichts dessen nicht mehr bereit, sich Äußerungen von „Flügel“-Vertretern zurechnen zu lassen.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Die Bundestagsabgeordneten der AfD. Die Zeit, abgerufen am 6. März 2018.
  2. a b Lars Herrmann (AfD). Mitteldeutscher Rundfunk, 27. August 2017, abgerufen am 6. März 2018.
  3. Leipzig-Land. Bundeswahlleiter, abgerufen am 6. März 2018.
  4. Deutscher Bundestag - Biografien. Abgerufen am 26. Juni 2020.
  5. a b Simone Prenzel: Lars Herrmann erklärt Rücktritt als AfD-Chef im Landkreis Leipzig. Leipziger Volkszeitung, 25. Oktober 2017, abgerufen am 6. März 2018.
  6. https://www.youtube.com/watch?v=cSbzoxQJwgQ> Kandidatenvorstellung auf dem Landesparteitag der AfD Sachsen 2017
  7. Matthias Kamann: Georg Pazderski (AfD): Höcke-Widersacher auf dem Rückzug. In: DIE WELT. 14. Januar 2020 (welt.de [abgerufen am 26. März 2020]).
  8. Bundestagsabgeordneter Herrmann verläßt AfD. Junge Freiheit, 18. Dezember 2019, abgerufen am 18. Dezember 2019.
  9. Ein Beamter flüchtet aus der AfD. FAZ, 19. Dezember 2019, abgerufen am 20. Dezember 2019.
  10. Severin Weiland: Lars Herrmann: AfD-Bundestagsabgeordneter verlässt Partei und Fraktion. In: Spiegel Online. 18. Dezember 2019 (spiegel.de [abgerufen am 19. Dezember 2019]).
  11. "Das ist nicht das, was ich mir unter AfD-Politik vorstelle". Die Zeit, 18. Dezember 2019, abgerufen am 18. Dezember 2019.