Lars Patrick Berg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Lars Patrick Berg (2019)

Lars Patrick Berg (* 22. Januar 1966 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher Politiker (LKR, vorher AfD) und seit 2019 Mitglied des Europäischen Parlaments. Zuvor war er von 2016 bis 2019 Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berg wuchs als Sohn einer Engländerin und eines Deutschen zweisprachig im Raum Böblingen auf. Er legte sein Abitur 1988 am Kolleg St. Blasien ab. In Tübingen, Heidelberg und München studierte er osteuropäische Geschichte. Nach beruflichen Stationen in Herrenberg und Frankfurt studierte er von 2007 bis 2009 in Leipzig und Moskau internationale Energiewirtschaft. Danach war er als selbstständiger PR-Berater tätig. Von 2013 bis 2014 war Berg Pressesprecher des Landratsamtes Sigmaringen. Anschließend arbeitete er als Pressesprecher der AfD im Europäischen Parlament in Brüssel.[1][2]

Berg ist verheiratet und wohnt in Heidelberg. Er ist Oberstleutnant der Reserve bei der Bundeswehr und seit dem Studium Mitglied des KDStV Arminia Heidelberg und der katholischen Studentenverbindung AV Guestfalia Tübingen.[3]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berg war seit März 2013 Mitglied der Alternative für Deutschland. Er war Mitglied im AfD Landesvorstand Baden-Württemberg von April 2013 bis Oktober 2014 und von Juli 2015 bis März 2016.[4] Er wurde bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg 2016 mit 15,9 Prozent der Stimmen im Wahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen (Wahlkreis 55) in den Landtag von Baden-Württemberg gewählt.[5] Dort war er als innenpolitischer Sprecher[6] der AfD-Fraktion sowie als Mitglied im Ausschuss für Inneres, Digitalisierung und Migration sowie im Ausschuss für Europa und Internationales tätig.[7] Berg war Stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ).[8] Nach seiner Wahl ins Europäische Parlament legte er sein Landtagsmandat nieder. Für ihn rückte Doris Senger nach.

Berg war zudem stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung.

Berg wurde bei der Europawahl 2019 über den Listenplatz 4 der Alternative für Deutschland in das Europäische Parlament gewählt.[9] Dort gehörte er der Fraktion Identität und Demokratie (ID) an und war Mitglied im Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten (AFET), Unterausschuss Menschenrechte (DROI), Unterausschuss für Sicherheit und Verteidigung (SEDE) und in der Delegation für die Beziehungen zu den Maghreb-Ländern und der Union des Arabischen Maghreb, unter anderem in den Gemischten Parlamentarischen Ausschüssen EU-Marokko, EU-Tunesien und EU-Algerien (DMAG).[10] Durch seine Mitgliedschaft im Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten nahm er häufig an Treffen mit Repräsentanten anderer Länder teil, z. B. im Oktober 2019 in Delhi mit dem indischen Premierminister Narendra Modi.[11][12]

Im Mai 2021 erklärte Berg seinen Austritt aus der AfD und aus der ID-Fraktion; er kritisierte die Beschlüsse des AfD-Parteitags vom April 2021, in denen unter anderem ein EU-Austritt Deutschlands gefordert wurde. Zwischenzeitlich war er fraktionslos, bevor er sich am 23. Juni 2021 der Fraktion Europäische Konservative und Reformer anschloss.[13]

Berg ist seit Juli 2021 Mitglied der Liberal-Konservativen Reformer.[14]

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Landtagsabgeordneter

Ein Schwerpunkt seiner politischen Arbeit im Wahlkreis lag auf der Erhaltung des Polizeipräsidiums in Tuttlingen, das im Zuge der Evaluation der Polizeistrukturreform 2012 geschlossen werden soll.[15][16][17] Zudem sprach er sich für den Erhalt des Tuttlinger Donau-Aufstaus in den Sommermonaten aus.[18] Kleine Anfragen Bergs hatten unter anderem illegale Einreisen über die Grenzen zwischen Baden-Württemberg und der Schweiz sowie Frankreich,[19] die Anzahl der Kinderehen[20] sowie den Salafismus in Deutschland[21] zum Thema, den er als „eine akute Bedrohung für unsere Demokratie“ bezeichnete. In der 16. Wahlperiode des Landtags stellte er die zweitmeisten Kleinen Anfragen aller Abgeordneten.[22]

Als Europaabgeordneter

Anlässlich der Umbildung der italienischen Regierung vom Kabinett Conte I zu Kabinett Conte II lobte Berg die Politik des bisherigen Innenministers Matteo Salvini (Lega): Seenotrettung auf dem Mittelmeer sei „absolut unterstützenswert“, aber die aufgegriffenen Menschen sollten anschließend in nordafrikanische Länder gebracht werden. In Europa könne der Großteil der Geretteten nämlich langfristig weder seinen Lebensunterhalt verdienen noch sich integrieren, so Berg: „Die Vollbremsung unter Salvini war ok.“[23] Beim Thema Syrienkonflikt hat Berg die Militäraktionen der Türkei gegen die kurdische Bevölkerung scharf kritisiert. So hat Berg während einer Debatte im EU-Parlament davon gesprochen, dass die Kurden verraten wurden, nachdem diese den IS für uns bekämpft haben.[24]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stuttgarter Zeitung, Stuttgart, Germany: Landtagswahl Baden-Württemberg: Kandidaten aus Main-Tauber, Balingen, Tuttlingen-Donaueschingen, Heilbronn und Singen - Stuttgarter Zeitung. In: stuttgarter-zeitung.de. Abgerufen am 8. Juni 2016.
  2. Südkurier: "Lars Patrick Berg gefällt der Job im Landratsamt"
  3. CV-Gesamtverzeichnis 2015 V - 296
  4. AfD Baden-Württemberg: Landtagskandidaten (Memento vom 24. März 2016 im Internet Archive)
  5. Gewählte Bewerberinnen und Bewerber, Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, abgerufen am 14. März 2016.
  6. Rohheitsdelikte unter Asylbewerbern, Fraktion der AfD Baden-Württemberg, abgerufen am 6. Juni 2017.
  7. Die Abgeordneten der AfD Landtagsfraktion Baden-Württemberg, Fraktion der AfD Baden-Württemberg, abgerufen am 6. Juni 2017.
  8. Mitglieder des SEZ-Stiftungsrates, Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg, abgerufen am 12. Juli 2017.
  9. Kandidatinnen und Kandidaten der deutschen Parteien zur Europawahl 2019. Abgerufen am 6. April 2020.
  10. Home | Lars Patrick BERG | MEPs | European Parliament. Abgerufen am 6. April 2020 (englisch).
  11. Delegation in Delhi/Indien. In: Lars Patrick Berg. 28. Oktober 2019, abgerufen am 6. April 2020 (deutsch).
  12. ‘We are not Muslim-hating Nazis’: EU lawmaker on delegation visiting Kashmir. 30. Oktober 2019, abgerufen am 6. April 2020 (englisch).
  13. AfD verliert weiteren Europa-Abgeordneten, stuttgarter-nachrichten.de, 11. Mai 2021
  14. Europaabgeordneter Berg schließt sich Kleinpartei LKR an. In: Die Zeit. 2. Juli 2021, abgerufen am 2. Juli 2021 (deutsch).
  15. Schwäbische Zeitung: Berg schreibt an Innenminister, abgerufen am 9. Juni 2017.
  16. Stuttgarter Nachrichten: Jeder will ein Präsidium haben, abgerufen am 9. Juni 2017.
  17. Südkurier: Weitere Stellungnahmen gegen ein künftiges Polizeipräsidium in Konstanz, abgerufen am 9. Juni 2017.
  18. Donau-Abstau: Berg kritisiert Untersteller. In: Schwäbische.de. (schwaebische.de [abgerufen am 10. August 2017]).
  19. Verlagshaus Jaumann: Mehr unerlaubte Einreisen, abgerufen am 9. Juni 2017.
  20. SWR: 187 minderjährige Verheiratete in BW, abgerufen am 9. Juni 2017.
  21. Stuttgarter Nachrichten: Zahl der Salafisten im Südwesten steigt an, abgerufen am 9. Juni 2017.
  22. Heilbronner Stimme: Parlamentarier auf Rekordkurs, abgerufen am 9. Juni 2017.
  23. Ende der Odysseen? In: evangelisch.de. 12. September 2019, abgerufen am 18. September 2019.
  24. Debate: MEPs call for action following Turkey's military operation in Syria | News | European Parliament. 23. Oktober 2019, abgerufen am 3. September 2020 (englisch).