Lastensegler

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Lastensegler genannten Flugzeugen; zu dem Schiffstyp siehe Segelschiff.
Airspeed AS 51 Horsa an einem Albermarle-Schleppflugzeug
Britische Soldaten in der Normandie am zweiten Tag der Operation Overlord, 7. Juni 1944; im Hintergrund ein intakter, rechts ein zerstörter Horsa-Lastensegler
Lastensegler DFS 230 bei der Landung (1943)

Lastensegler sind militärische Segelflugzeuge, die in der Lage sind, Luftlandetruppen mit ihrer Ausrüstung und Bewaffnung, bei größeren Modellen aber auch Lastkraftwagen oder ganze Panzer zu transportieren. Sie wurden im Zweiten Weltkrieg eingesetzt und nach dessen Ende durch die neu entwickelten Hubschrauber ersetzt.

Geschichte[Bearbeiten]

Anfang der 1930er Jahre fanden im Deutschen Reich und in der Sowjetunion die ersten Projektstudien und der Bau von Versuchsmodellen statt. Im Deutschen Reich entstand für Forschungszwecke der Kleinlastensegler OBS bei der DFS in Darmstadt. Ernst Udet, dem der OBS vorgeflogen wurde, gab daraufhin die Weisung zur Entwicklung eines militärischen Lastenseglers, woraufhin die DFS 230 konstruiert wurde. Vorteil eines Lastenseglers gegenüber einem Transportflugzeug war, dass dieser eine Infanteriegruppe geschlossen am Ziel anlanden konnte und dass für den Einsatz keine ausgebildeten Fallschirmspringer notwendig waren. Ein Fallschirmsprung barg immer die Gefahr, dass die Springer durch den Wind abgetrieben werden konnten. Ansonsten erforderte der Schlepp einer DFS 230 eine Transportmaschine, die die gleiche Anzahl von Fallschirmjägern hätte transportieren können.

In der Sowjetunion entstand 1934 der für sechs Soldaten ausgelegte Lastensegler Groschew G-4. Nach dem erfolgreichen Einsatz der DFS 230 bei der Eroberung von Eben-Emael begannen sowohl die Alliierten (Hotspur, Großbritannien) als auch die Achsenmächte (Ku-1, Japan und TM-2, Italien) mit der Entwicklung von Lastenseglern. Auch die zu diesem Zeitpunkt noch neutralen USA entwickelten das erste Modell (CG-3A). Andere Länder, wie Schweden (Fi-3), die Türkei (THK-1), Australien und Indien zogen nach, erzielten jedoch keine nennenswerten Ergebnisse.

Im Zweiten Weltkrieg kamen Lastensegler wiederholt zum Einsatz. Sie wurden durch Schleppflugzeuge bis in die Nähe ihrer Ziele geschleppt und dann am oder im Zielgebiet durch den Piloten gelandet. Die meisten Lastensegler wurden bewusst zum einmaligen Gebrauch gebaut und nach dem Einsatz nicht geborgen oder wiederverwendet. Im Verlaufe des Krieges wurden die konstruierten Typen immer größer, so dass neben Soldaten vor allem auch leichtes militärisches Gerät befördert werden konnte. Im Deutschen Reich (Me 323) und in der Sowjetunion (MP) wurde versucht, den Lastensegler durch den Einbau von Motoren eigenstartfähig und somit unabhängig von Schleppflugzeugen zu machen. Ungewöhnliche Konstruktionen waren die als Amphibien-Lastensegler ausgelegten Modelle XLRA-1 (USA) und XLRQ-1 (Großbritannien). Eine doppelrümpfige Experimentalausführung des Typs „Hotspur“ („Twin Hotspur“) existierte ebenfalls.

Deutsche Lastensegler wurden später auch als Transportflugzeuge verwendet, insbesondere um bei Luftverlegungen von Luftwaffen-Einheiten Transportraum zur Verfügung zu stellen. Schleppflugzeuge waren dann meistens die ohnehin eingesetzten Flugzeuge, z. B. Junkers Ju 52 oder Junkers Ju 87. Im Laufe der Weiterentwicklung während des Krieges wurden aus den Großraumlastenseglern wie der Messerschmitt Me 321 Gigant das Großraumtransportflugzeug Messerschmitt Me 323 Gigant entwickelt.

Die Westalliierten setzten bei militärischen Operationen den Lastensegler in großen Mengen ein. Von der Sowjetunion wurden Lastensegler in erheblich geringerem Ausmaß genutzt. Die restlichen kriegführenden Staaten benutzten diese überhaupt nicht oder nur in sehr geringem Maße (Japan). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Rolle der Lastensegler von den zu Punktlandungen fähigen Hubschraubern übernommen, so dass Lastensegler außer Gebrauch gerieten. Die Sowjetunion und die ČSSR setzten die nach Kriegsende entwickelten Typen Jak-14 und Z-25 noch bis in die 1950er-Jahre hinein ein. Die in Frankreich (C.M.-1) den USA (XG-14, XG-18 und XG-20) und Jugoslawien („Sostaric“) geschaffenen Typen blieben Versuchsmuster.

In der bemerkenswerten Operation Beggar wurden 27 Horsa Lastensegler über 5100 Kilometer von England nach Tunesien geflogen, wobei die Segler der No. 2 Wing, Glider Pilot Regiment von Halifax der No. 295 Squadron, Royal Air Force, gezogen wurden. Von Tunesien aus wurden sie für die Alliierte Landung auf Sizilien eingesetzt, welche bei stürmischem Wetter erfolgte und dementsprechend für die Gleiter desaströs verlief.

Eigenschaften[Bearbeiten]

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Lastensegler haben gegenüber Landungen mit Fallschirmen oder konventionellen Flugzeugen einige Vor- und Nachteile:

Wahrnehmung
Lastensegler fliegen nahezu lautlos und sind bei geeigneter Bauweise selbst (von ihrer Ladung abgesehen) für Radar kaum zu erfassen. Konventionelle Flugzeuge sind durch ihre Bauweise und durch Motorengeräusche wesentlich besser ortbar. Fallschirmjäger müssen mit Flugzeugen über die Landungsposition gebracht werden.
Mobilität
Lastensegler können gewisse Strecken selbst fliegen und müssen nicht unmittelbar über das Zielgebiet geschleppt werden. Fallschirmjäger müssen sehr nahe an das Ziel herangebracht werden.
Landung
Lastensegler machen es möglich, Gruppen von Soldaten exakt am selben Ort zu landen. Fallschirmjäger werden oft durch den Wind zerstreut und sind unmittelbar nach der Landung auf sich allein gestellt und verwundbar.
Allerdings besteht bei unmotorisierten Landungen stets eine erhöhte Bruchlandungsgefahr, da ein Abbruch des Landemanövers („Durchstarten“) nicht möglich ist.
Platzbedarf
Lastensegler benötigen keine konventionellen meist bewachten Flugplätze, nur gewisse Landeplätze, wobei in der Regel eine Wiese genügt. In der Normandie ließen die Deutschen tausende Pfähle in den Boden rammen, die sogenannten Rommelspargel, die Lastensegler behindern sollten. Fallschirmjäger hingegen können senkrecht auf fast jedem Boden landen.
Nutzlast
Ein Lastensegler kann nicht nur Soldaten transportieren, sondern auch deren Ausrüstung (Fahrzeuge, Waffen), soweit sie ladbar ist und Balance und Gleitzahl des Lastenseglers gewährleistet sind. Fallschirme für große Gegenstände müssen speziell angefertigt werden und sind in der Anwendung problematisch. Mit der so ermöglichten Lastkapazität förderte das Vorhandensein von Lastenseglern auch die Entwicklung von Luftlandepanzern.
Ausbildung
Zwar benötigen Lastensegler kompetente Piloten, jedoch müssen die eingesetzten Soldaten keine ausgebildeten Fallschirmjäger sein.

Einsätze[Bearbeiten]

Einsatz von Lastenseglern beim Unternehmen Eiche
Entladung eines Jeeps aus einem britischen Airspeed Horsa (22. April 1944)

Der erste Kampfeinsatz von Lastenseglern, deren Existenz bis zu diesem Zeitpunkt streng geheim gehalten worden war, war der deutsche Angriff auf die belgische Festung Eben-Emael am 10. Mai 1940. Dabei wurden Lastensegler DFS 230 eingesetzt.

Der größte Einsatz von Lastenseglern von deutscher Seite fand Mitte Mai 1941 während der Luftlandeschlacht um Kreta statt. Die Luftwaffe konnte dazu 80 bis 100 Gleiter einsetzen. Lastensegler spielten ebenfalls eine entscheidende Rolle bei der deutschen Befreiung des verhafteten italienischen Diktators Benito Mussolini im sogenannten „Unternehmen Eiche“.

Die deutsche Messerschmitt Me 321 „Gigant“ war für eine deutsche Invasion in Großbritannien entwickelt worden („Operation Seelöwe“), die durch die deutsche Niederlage in der Luftschlacht um England unmöglich wurde.

Von alliierter Seite wurden vor allem bei der gescheiterten Operation Market Garden, bei der Landung in der Normandie (Operation Overlord) und bei der Überquerung des Rheins (Operation Varsity) Lastensegler in großer Zahl eingesetzt. US-Truppen verwendeten das Modell Waco CG-4A, die Briten die größeren Airspeed Horsa und General Aircraft Hamilcar.

Auch in der Sowjetunion wurden zwei Lastenseglertypen gebaut, die Antonow A-7 und die Gribowski G-11. Sie kamen hauptsächlich zur Versorgung von Partisanen im deutschen Hinterland zum Einsatz.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Manfred Jurleit: Die lautlose Waffe, FliegerRevue 5–7/75
  • Timothy Lynch: Silent skies: the glider war 1939–1945, Pen & Sword Military, Barnsley 2008, ISBN 1-84415-736-9
  • James E. Mrazek: Lautlos in den Kampf: der Luftlandekrieg mit Lasten-, Kampf- und Sturmseglern, Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1982, ISBN 3-87943-860-9
  • Klaus Neetzow, Georg Schlaug: Deutsche Lastensegler 1938–1945 : eine Chronik in Bildern, Verlag Grütter, Ronneburg 1993, ISBN 3-9801063-3-0
  • Georg Schlaug: Die deutschen Lastensegler-Verbände 1937–1945: eine Chronik aus Berichten, Tagebüchern, Dokumenten, Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1985, ISBN 3-613-01065-8
  • Alan Wood: History of the world's glider forces, Verlag Stephens, Wellingborough/Northamptonshire 1990, ISBN 1-85260-275-9

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lastensegler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien