Laubenvögel

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Laubenvögel
Männlicher Seidenlaubenvogel (Ptilonorhynchus violaceus)

Männlicher Seidenlaubenvogel (Ptilonorhynchus violaceus)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Laubenvögel
Wissenschaftlicher Name
Ptilonorhynchidae
Gray, 1841
Laube des Seidenlaubenvogels (Ptilonorhynchus violaceus); um die Laube sind blaue Strohhalme und Plastikflaschenverschlüsse verteilt

Die Laubenvögel (Ptilonorhynchidae) sind eine Familie in der Ordnung der Sperlingsvögel (Passeriformes). Namengebend für die Familie ist der Laubenbau, der Balzplatz der unscheinbar gefärbten Männchen, mit denen sie versuchen, ein Weibchen anzulocken. Diese Lauben werden von 17 der insgesamt 20 Arten innerhalb der Familie gebaut und mit Objekten geschmückt, die die Männchen häufig nach ihrer Farbe sammeln. Dieses Balzverhalten ist so einzigartig in der Vogelwelt, dass der Ornithologe Ernest Thomas Gilliard festhielt, man könne die Ordnung der Vögel eigentlich in zwei Gruppen unterteilen: Laubenvögel und alle anderen Vogelarten.[1] Laubenvögel werden häufig zu den intelligentesten Arten unter den Vögeln gezählt. Sie haben im Verhältnis zum Körpergewicht sehr große Gehirne, werden vergleichsweise alt und brauchen mehrere Jahren bis sie geschlechtsreif sind.[1] Die meisten Arten sind polygam.

Es besteht eine enge Verwandtschaft zu den Paradiesvögeln. Wie diese kommen die Laubenvögel auf Neuguinea, den benachbarten Inseln und in Australien vor.

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laubenvögel verbringen viel Zeit am Boden. Gebrütet wird auf den Bäumen. Ihre Nahrung suchen sie am Boden und auf den Bäumen und Büschen. Sie verfügen über einen kräftigen Schnabel und kräftige Beine. In der Gefiederfarbe sind die Weibchen überwiegend braun oder grau gefärbt. Bei den unscheinbar gefärbten Männchen gibt es einige Arten, bei denen das Männchen eine in den Kopffedern verborgene auffallende Kopfhaube besitzt, die nur für eine kurze Zeit während der Balz aufgestellt wird.

Anstatt der für Singvögel typischen 9–10 Armschwingen einschließlich der Schirmfedern haben Laubenvögel 11–14. Auch das Gehirn, besonders das der Lauben bauenden Arten, ist größer als bei anderen Singvögeln der Region. Die Lebenserwartung dieser Arten liegt zwischen 20 und 30 Jahren, allerdings brauchen die polygamen Arten sieben Jahre zur Ausbildung des Adultgefieders.

Laubenbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Laubenbau variiert von Art zu Art. Je unscheinbarer ein Männchen gefärbt ist, umso prachtvoller fällt die Laube aus. Da die Weibchen sich mit den Baumeistern der schönsten Lauben paaren, kann die Befähigung zur Errichtung solcher Baue als „sekundäres Geschlechtsmerkmal“ angesehen werden. Der Laubenbau als „alternative Strategie“ zur sexuellen Selektion – gegenüber einem bunten Gefieder – hat den Vorteil, dass die Männchen für die Fressfeinde weniger auffällig sind. Gebaut werden die Lauben auf einen freien, ebenen Platz im Dickicht.[2]

Jared Diamond sieht, wie er in seinem Buch Der dritte Schimpanse erläutert, den Laubenbau als sehr effektives Merkmal zur sexuellen Selektion, da dieser Weibchen ermöglicht, sehr viele Eigenschaften des potentiellen Paarungspartners zu beurteilen – unter anderem auch die, seine Laube vor der Zerstörung durch einen Rivalen zu bewahren.[3]

Die Baue der Laubenvögel können in drei Typen eingeteilt werden:

  • Der Hof oder die Tenne besteht aus einem gereinigten Platz, der mit Blättern ausgelegt wird.
  • Der Maibaum ist ein aus Stöcken gefügter Turm, der um einen dünneren Baumstamm oder um einen Baumfarn angelegt wird. Zu den Maibäumen zählen auch die äußerst komplexen überdachten Hütten des Hüttengärtners.
  • Eine Allee besteht aus zwei parallelen, aus Stöcken verflochtenen Wänden (z. B. Laube des Seidenlaubenvogels).

Farbliche Gestaltung durch Auslegen von ähnlich farbigen Gegenständen (z. B. durch den Seidenlaubenvogel) und auch Bemalen der Lauben (z. B. durch den Gelbnacken-Laubenvogel)[4][5] kommen vor. Zum Farbauftrag benutzt der Gelbnacken-Laubenvogel nach Art eines Pinsels geeignete Gegenstände, diese Pinselbenutzung zum Farbauftrag stellt einen Werkzeuggebrauch bei Tieren dar.

Gattungen und Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jennifer Ackerman: The Genius of Birds. Corsair, London 2016, ISBN 978-1-59420-521-7.
  • C. B. Frith, D. W. Frith: Bowerbirds: Nature, Art & History. Malanda, 2008.
  • Herausgeber: Forshaw, Joseph: Enzyklopädie der Vögel. 1999, ISBN 3-8289-1557-4.
  • Christopher Perrins: Die BLV Enzyklopädie Vögel der Welt. BLV Verlagsgesellschaft, München 2004, ISBN 3-405-16682-9.
  • Jared Diamond: Der dritte Schimpanse. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-596-17215-2.
  • Laura Kelly, John Endler: Illusions Promote Mating Success at Great Bowerbirds. In: Science Magazine. 20. Januar 2012, S. 335–338.
  • Uta de Lippe, Fotos: Philip Green: Laubenvogel: Das blaue Wunder. In: Geo-Magazin. 1, Hamburg 1979, S. 60–70. ISSN 0342-8311 (Informativer, ornithologischer Erlebnisbericht über viele Laubenvogelarten mit evolutionären Hintergründen. "Mit Tricks besteht er den Kampf ums Dasein.")

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Laubenvögel – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Ackerman: The Genius of Birds. 2016, S. 159.
  2. Alles eine Frage der Perspektive. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. 2. Januar 2012, S. 57.
  3. Jared Diamond: Der dritte Schimpanse. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-10-013912-7, Kapitel 9 „Wie die Kunst dem Tierreich entsprang“ S. 217 ff., Beleg auf S. 223.
  4. K. R. L. Hall: Tool-using performances as indicators of behavioral adaptability. In: Current Anthropology. Band 4, Nr. 5, 1963. (Zusammenfassung)
  5. A. H. Chisholm: The use by birds of „tools“ or „instruments“. In: Ibis. Band 96, Nr. 3, 1954, S. 380–383. doi:10.1111/j.1474-919X.1954.tb02331.x