Lauenförde

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Lauenförde
Lauenförde
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Lauenförde hervorgehoben
Koordinaten: 51° 40′ N, 9° 23′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Holzminden
Samtgemeinde: Boffzen
Höhe: 97 m ü. NHN
Fläche: 17,27 km2
Einwohner: 2451 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 142 Einwohner je km2
Postleitzahl: 37697
Vorwahl: 05273
Kfz-Kennzeichen: HOL
Gemeindeschlüssel: 03 2 55 026
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Heinrich-Ohm-Straße 21
37691 Boffzen
Bürgermeister: Werner Tyrasa (SPD)
Lage der Gemeinde Lauenförde im Landkreis Holzminden
Hessen Nordrhein-Westfalen Landkreis Hameln-Pyrmont Landkreis Hildesheim Landkreis Northeim Arholzen Bevern (Landkreis Holzminden) Bevern (Landkreis Holzminden) Bodenwerder Boffzen Boffzen Derental Derental Derental Derental Boffzen (gemeindefreies Gebiet) Brevörde Deensen Deensen Deensen Grünenplan (gemeindefreies Gebiet) Grünenplan (gemeindefreies Gebiet) Grünenplan (gemeindefreies Gebiet) Delligsen Dielmissen Eimen Eimen (gemeindefreies Gebiet) Eschershausen Eschershausen (gemeindefreies Gebiet) Eschershausen (gemeindefreies Gebiet) Fürstenberg (Weser) Golmbach Halle (Weserbergland) Hehlen Hehlen Heinade Heinade Heinade Heinsen Heyen Holenberg Holzen (bei Eschershausen) Holzminden Holzminden Holzminden (gemeindefreies Gebiet) Kirchbrak Lauenförde Lenne (Niedersachsen) Lüerdissen Merxhausen (gemeindefreies Gebiet) Negenborn Ottenstein (Niedersachsen) Pegestorf Polle Stadtoldendorf Vahlbruch Wangelnstedt Wenzen (gemeindefreies Gebiet)Karte
Über dieses Bild

Der Flecken Lauenförde ist eine Gemeinde im Süden von Niedersachsen (Deutschland) und gehört zur Samtgemeinde Boffzen des Landkreises Holzminden.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lauenförde (Niedersachsen) liegt am Oberlauf der Weser, nahe dem Dreiländereck Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen im Westen vom Solling. Die nächsten Ortschaften sind Beverungen (Nordrhein-Westfalen) am gegenüberliegenden Weserufer, Würgassen, Herstelle (beide Stadt Beverungen), Bad Karlshafen (Hessen) und Meinbrexen (gehört als Ortsteil zu Lauenförde).

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lauenförde liegt – wie viele Gemeinden westlich des Sollings und östlich der Weser – auf Schichten des mittleren und unteren Buntsandsteins der unteren Trias. Diese für diese Region typischen terrestrischen Sedimentgesteine sind überwiegend rötlich gefärbt und können an vielen Aufschlüssen gesehen werden. Der mittlere Buntsandstein unterteilt sich in die 100 m mächtige Hardegsen-Folge, welche von der ebenfalls 100 m mächtigen Detfurth-Folge unterlagert wird. Von 200 m bis etwa 430 m Teufe findet sich die Volpriehausen-Folge. Von 430 m bis 890 m Teufe überlagert der untere Buntsandstein das Zechstein, welches sich dort vor etwa 245–260 Millionen Jahren abgelagert hat.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung und Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lauenförde ist eine im Vergleich zu anderen Orten der Gegend junge Siedlung. Wann sie genau gegründet wurde, ist nicht bekannt. Sehr wahrscheinlich wurde zuerst eine Burg errichtet, von der 1348 berichtet wird, dass Herzog Ernst von Braunschweig-Göttingen das Erbburglehen uppe deme hus to Lewevord an drei Brüder derer von Hagen vergab.[3] Dies ist die erste schriftliche Nachricht über Lauenförde.[4] Die nicht mehr erhaltene Burg diente den welfischen Herrschern als Gegenstück zu der unmittelbar gegenüber der Weser gelegenen Burg Beverungen des Bischofs von Paderborn, es ist allerdings nicht sicher, welche der beiden Burgen zuerst errichtet wurde. Der Ort Lauenförde wird erstmals 1447 als Lewenfurde schriftlich erwähnt, als er im Zusammenhang mit der Soester Fehde in Brand gesetzt wurde.[3] Wahrscheinlich hat sich Lauenförde als Burgflecken entwickelt. Es lag im Fürstentum Calenberg und hatte ein eigenes Gericht mit sehr kleinem Gerichts- bzw. Amtsbezirk, der im 19. Jahrhundert in das Amt Nienover eingegliedert wurde. Durch die verkehrsgünstige Lage an der Weserfurt konnten sich seit dem Spätmittelalter einige Handwerker und Schiffer im Ort ansiedeln, seit 1534 war Lauenförde auch Weserzollstation, die heute noch vorhandene Kirche wurde 1569 gebaut. Neuen wirtschaftlichen Aufschwung brachte 1878 der Anschluss an das Eisenbahnnetz. Lauenförde erreichte aber nie die Größe und Bedeutung des benachbarten Beverungen.[5] 1909 wurde eine Schule gebaut. 1956 wurde die Schule neu gebaut.

Bis 1932 noch zum Kreis Uslar gehörend, danach bis zum 31. Dezember 1972 zum Landkreis Northeim. Von Juli 1950 bis Oktober 1986 war August Brinkmeier (1915–2016) Bürgermeister des Flecken Lauenförde.

1996 lebten 2.692 Einwohner in der Gemeinde.

Lauenförde in den Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 22. Februar 2007 wurden in einem Vorgarten im Ortsgebiet von Lauenförde 110 Gramm angereichertes Uran gefunden. Der Eigentümer des Gartens hatte die zuständigen Behörden über Jahre hinweg über das radioaktive Material in Kenntnis gesetzt, war jedoch nicht ernst genommen worden. Die nicht beschossenen Pellets stammen wahrscheinlich aus dem ehemaligen Siemens-Werk in Hanau.

Der Mann war nach Angaben seines Anwalts in psychiatrischer Behandlung gewesen. Bei dem Material handelte es sich um 14 Pellets zu je 7,8 Gramm Uran mit 3,7-prozentiger Anreicherung, wie sie für die Herstellung von Brennstäben verwendet werden. Nach seinen Angaben hatte er die Pellets 1991 von einem Bekannten erhalten, der diese wiederum aus der 1995 stillgelegten MOX-Brennelementefabrik der Firma Siemens in Hanau entwendet hatte. Durch den Diebstahl und dessen Offenlegung habe er auf die mangelhafte Sicherheitslage in der Fabrik aufmerksam machen wollen.[6]

Die Nähe des Fundortes zum Kernkraftwerk Würgassen und die Tatsache, dass der Mann dort zeitweise als Reinigungskraft tätig war, hatte Spekulationen ausgelöst, das Material könne von dort stammen. Dem steht entgegen, dass nach Angaben des Kraftwerksbetreibers, die von den Behörden bestätigt wurden[7] niemals Pellets in der gefundenen Zusammensetzung in Würgassen eingesetzt wurden. Hingegen entsprechen sie genau dem Typ, der in Hanau verarbeitet wurde. Das stützt die Angaben des Mannes. Bisher konnte nicht aufgeklärt werden, auf welchem Wege die Pellets aus der Fabrik geschmuggelt wurden.[6]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1973 wurde die Nachbargemeinde Meinbrexen eingegliedert.[8]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindewahl 2011
Wahlbeteiligung: 58,25 %
 %
40
30
20
10
0
37,95 %
22,01 %
13,63 %
11,12 %
8,17 %
7,12 %

Der Gemeinderat setzt sich nach der Kommunalwahl vom 11. September 2011 zusammen aus:

Bürgermeister ist Werner Tyrasa (SPD). Gemeindedirektor ist Tino Wenkel.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „Aus blauem Wellenschildfuß, der mit drei silbernen Wellenleisten belegt ist, aufsteigend ein blau gezungter, goldener Löwe.“ 1927 erhielt Lauenförde vom Preußischen Staatsministerium dieses Wappen, es stellt eine Nachbildung des Siegels des hannoverschen Amtes Lauenförde dar und basiert auf einem Abdruck eines Amtsprotokolls aus dem Jahr 1779.[9] Der Löwe bezeugt die Zugehörigkeit zu verschiedenen Linien des Welfenhauses des Ortes mit dem verwaltungsmittelpunkt Uslar seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Zusammen mit den Wellen im Schildfuß symbolisiert der Löwe, ähnlich wie beim Flecken Lemförde die Ableitung des ehemaligen Amtes und Ortsnamens von Löwenfurt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansässige Unternehmen und Gewerbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Holzverarbeitende Betriebe, Glasverarbeitung, Landmaschinenhandel sowie andere Mittelbetriebe, Landwirtschaft, Handwerk und Handel. Die holzverarbeitende Industrie ist mit der Schließung der Fa. Herlag vor wenigen Jahren fast bedeutungslos geworden. Noch vor 25 Jahren beschäftigte diese Firma, als einer der bekanntesten Kinderwagen- und Freizeitmöbelhersteller Europas, mit dem dazugehörigen Werk im benachbarten Beverungen über 800 Beschäftigte.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesstraße 241 auf der Weserbrücke verbindet Lauenförde mit dem nordrhein-westfälischen Nachbarort Beverungen. Die Stabbogenbrücke wurde 1950 gebaut und 2003 zuletzt saniert [10]

Straße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesstraße 241, von Westen nach Osten Verlaufend, führt durch den Flecken Lauenförde. Hierüber sind auch die Bundesautobahnen 7 und die Südharzautobahn 38 im Osten und die A 44 im Südwesten mittels Anschlussstellen erreichbar, wie auch die Bundesstraßen 3, 27, 64, 80 und 83. Der Abschnitt der B 241 zwischen Lauenförde und Hardegsen wurde erst zwischen 1828 und 1832 als Teil der nach Nörten-Hardenberg weiterführenden Solling-Chaussee ausgebaut.

Für Motorradfahrer ist Lauenförde nicht zuletzt aufgrund der bewaldeten und kurvenreichen Solling-Bergstrecke der B 241 sehr beliebt, die dennoch auch viele langgezogene Geraden aufweist.

Bootsverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über Beverungen besteht Anbindung im Weser-Personenbootsverkehr zwischen Hann. Münden und Hameln. In Lauenförde selbst gibt es einen kleinen Yachthafen und Kanu-Anleger.

Bahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bahnstation an der 1878 eröffneten, nicht elektrifizierten Sollingbahn heißt wegen der geringen Entfernung zum Nachbarort Lauenförde-Beverungen. Der Bahnhof in Lauenförde verfügt über ein Ausweichgleis; er wird durch ein Elektronisches Stellwerk in Göttingen gesteuert.

Auf der Strecke verkehren Nahverkehrszüge im Stunden-Takt von Paderborn über die Bahnstrecke Altenbeken–Kreiensen nach Ottbergen, wo sie nach Holzminden-Kreiensen oder Bodenfelde-Göttingen geflügelt werden. Die Sollingbahn führt weiter über Bad Karlshafen nach Bodenfelde und von dort als Oberweserbahn zum Bahnhof Göttingen.

Differenz der wahren Ortszeit gegen Berliner Zeit (Berlin Stadtmitte)

Am Bahnhof Lauenförde-Beverungen findet sich an der Bahnsteigseite ein zwischen 1848 und 1893 angebrachter historischer Hinweis „Differenz der Ortszeit gegen Berlinerzeit ‚10 Minuten‘“, der auf die Abweichung der Ortszeit vom Fahrplan zwischen der örtlichen und der Berliner Zeit hinweist. Die örtlichen Uhren gingen den Berliner Uhren 10 Minuten nach.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kragstuhlmuseum / TECTA-Archiv Lauenförde. Die umfassende Sammlung dokumentiert die Evolution modernen Möbeldesigns vom Stabrahmen über das Stabkreuz bis zur federnden Kragkonstruktion.[11] Bis 2004 war es in Beverungen untergebracht.

Das Motorradfahrerhotel Villa Löwenherz

Im Ort gibt es mit der 1905 erbauten Villa Löwenherz auch ein Motorradfahrerhotel. Vor der Villa Löwenherz befindet sich ein Stolperstein, benannt nach der jüdischen Bürgerin Toni Löwenherz (1876–1942) (Ehefrau des Kommerzienrats Hermann Löwenherz), die 1942 in ihrem Stadthaus in Göttingen, Friedländer Weg 26, den Freitod fand.

Evangelisch-lutherische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche

Der Bau der St. Markus Kirche begann 1569 und Kirchen-Stifter war der Burgdroste Rabotto de Wrede, dessen Wappen auf dem Taufstein von 1581 zu sehen ist. Die Kirche wurde nach Osten 1664 erweitert. An der Westseite wurde 1783 der Kirchturm angebaut. 1962 bekam der Innenraum seine heutige Gestalt.

Jüdischer Friedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Jüdische Friedhof ist ein geschütztes Kulturdenkmal.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • August Brinkmeier (1915–2016), Bürgermeister 1950 bis 1986 und Ehrenbürger (ab 1989)
  • Hermann Löwenherz († 1916), Kommerzienrat, Unternehmer, Gründer der Löwenherz'schen Holzwarenfabrik (der späteren Herlag).[12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lauenförde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 100 Bevölkerungsfortschreibung – Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. Werner Käß, Hanna Käß (Hrsg.): Deutsches Bäderbuch. Schweizerbart'sche, 2008, ISBN 978-3-510-65241-9, S. 1232.
  3. a b Gerhard Streich (Hrsg.): Historisch-Landeskundliche Exkursionskarte von Niedersachsen. Blatt Höxter. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 1996, ISBN 3-89534-187-8, S. 82.
  4. Kirstin Casemir, Uwe Ohainski: Die Ortsnamen des Landkreises Holzminden. In: Jürgen Udolph (Hrsg.): Niedersächsisches Ortsnamenbuch (NOB). Teil VI. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2007, ISBN 978-3-89534-671-2, S. 140 f.
  5. Gerhard Streich (Hrsg.): Historisch-Landeskundliche Exkursionskarte von Niedersachsen. Blatt Höxter. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 1996, ISBN 3-89534-187-8, S. 62.
  6. a b Spiegel Online vom 2. März 2007: Uran im Garten – Herr der Pellets>
  7. Welt Online vom 2. März 2007: Rätselhafter Uran-Fund beschäftigt Behörden in Niedersachsen
  8. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 214.
  9. Klemens Stadler: Deutsche Wappen Bundesrepublik Deutschland. Die Gemeindewappen der Bundesländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Band 5. Angelsachsen-Verlag, Bremen 1970, S. 54.
  10. TAH (Memento vom 14. September 2012 im Webarchiv archive.is) Täglicher Anzeiger Holzminden; 19.April 2003
  11. Kragstuhlmuseum / TECTA-Archiv
  12. http://www.lauenfoerde.com/stolpersteine/familie-l%C3%B6wenherz/