Lauffen (Ettikon)

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Blick Rheinaufwärts vom Deutschen Ufer aus

Der Lauffen bei Ettikon auch Ettikoner Lauffen, Kadelburger Lauffen, in der Schweiz zumeist Koblenzer Lauffen und im Vergleich zum Rheinfall (Grosser Lauffen) und zum Kleinen Lauffen bei Laufenburg auch Mittlerer Lauffen, früher auch Schiessen oder Schussen, sind Stromschnellen im Rhein nahe der Stadt Waldshut-Tiengen im Klettgau und der Schweiz im Aargau. Für seine Erhaltung setzte sich der Rheinaubund ein.

Geschichte und Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benannt ist er nach Ettikon, einem ursprünglich kleinen Weiler und Ortsteil von Küssaberg. Der Rhein weist in diesem Abschnitt ein Gefälle von etwa 2,32 ‰ auf, das Maximum dürfte sogar etwas höher liegen.[1]

Der Lauffen bei Ettikon ist ein beliebtes Ausflugsziel. Der Lauffen und der Rheinfall sind die einzigen noch intakten Stromschnellen im Rhein zwischen Schaffhausen und der Rheinmündung in den Niederlanden. Alle anderen Wasserfälle, Stromschnellen und Felsenriffe wurden für die Schifffahrt gesprengt oder für Kraftwerke gestaut bzw. überbaut. Bei Niedrigwasser sind hier die Felsen und Platten des Muschelkalk im Wasser sichtbar.

Crinoidenkalkbänke durchziehen das Gestein. Das Ufer und die schöne Natur verlockte schon manchen Schwimmer. Auch Kanufahrer unterschätzen oftmals die Gefahr der Riffe und Strudel, so gab es hier schon Todesopfer. Das Baden und damit auch das Befahren auf deutscher Seite ist daher verboten. Der Rhein bildet hier mit der Flussmitte die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz. Am Schweizer Ufer führt die Bahnstrecke Winterthur–Koblenz der SBB entlang. Der untere Uferbereich ist seit vielen Jahren als Treffpunkt für FKK-Anhänger bekannt.[2]

Das Gebiet ist seit der Römerzeit besiedelt. Zwischen der Mitte des 1. bis zum 3. Jahrhundert bestand bei Koblenz AG eine Villa rustica. 1914 kamen bei Grabungsarbeiten eine Badeanlage, importierte Terra Sigillata und Ziegelstempel zum Vorschein. Gut erhalten sind die Grundmauern eines im Jahr 371 errichteten Burgus, der sich rund einen Kilometer östlich des heutigen Dorfes beim Kleinen Lauffen befand und den Namen summa rapida («(an) der Schnelle») trug. Ein weiterer Wachturm befand sich weiter westlich im Gebiet Rütenen.[3] Nach dem Rückzug der Römer im ersten Jahrzehnt des 5. Jahrhunderts war die Gegend weitgehend unbewohnt.

Die Sage berichtet von einem Furtübergang der Kelten und Alemannen.

1963 wurden Tunnelbauten zum Bau eines Flusskraftwerks begonnen und auch abgeschlossen. Die Arbeiten kosteten 15 Millionen DM.[4] Letztlich wurde der Kraftwerksbau eingestellt, vorgeblich da die aufkommenden Atomkraftwerke mehr Rendite versprachen, auch die Schiffbarmachung wurde nie verwirklicht.

Schutzgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet ist mit der Nr. 3.192 als „Kadelburger Lauffen-Wutachmündung“ mit 38,5 ha seit dem 9. März 1993 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Der Kadelburger Lauffen ist außerdem Teil des 269,4 Hektar großen FFH-Gebiets Hochrhein östl. Waldshut.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Emil Müller-Ettikon: Kurzer Überblick über die Geschichte Küssabergs. Gemeinde Küssaberg (Hrsg.), 1981.
  • Josef Haas: Wildwasserperlen. Wildwasserfahren im Schwarzwald. Südkurier, Konstanz 1989, ISBN 3-87799-016-9.
  • Hans Schneider: Über junge Krustenbewegungen in der voralpinen Landschaft zwischen dem südlichen Rheingraben und dem Bodensee. In: Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft Schaffhausen, 1973 und 1975

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Koblenzer Laufen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans Schneider: Über junge Krustenbewegungen in der voralpinen Landschaft zwischen dem südlichen Rheingraben und dem Bodensee. In: Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft Schaffhausen, 1973 und 1975, (Sonderdruck S. 76–77)
  2. nacktbaden.de
  3. Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 177.
  4. Emil Müller-Ettikon: Kurzer Überblick über die Geschichte Küssabergs. S. 144

Koordinaten: 47° 36′ 52″ N, 8° 15′ 41″ O; CH1903: 661868 / 274074