Laurent Wauquiez

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Laurent Wauquiez (2018)

Laurent Wauquiez (* 12. April 1975 in Lyon) ist ein französischer Politiker (Les Républicains). Er war von Juni 2011 bis Mai 2012 Minister für Hochschulen und Wissenschaft und ist seit Januar 2016 Präsident der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Seit 10. Dezember 2017 ist er Parteivorsitzender.

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wauquiez entstammt einer Industriellenfamilie aus der Region Tourcoing, die in der Textil- und Werftindustrie tätig war. Sein Vater Philippe Wauquiez war Direktor von Indosuez Scandinavie und leitete eine Investitionsberatungsfirma, seine Mutter Éliane Wauquiez-Motte ist Bürgermeisterin des Ortes Le Chambon-sur-Lignon. Seine Herkunftsregion ist das Département Haute-Loire in der Auvergne.

1994 schrieb sich Wauquiez in der École normale supérieure in Paris für das Fach Geschichte ein. Nach seinem ersten Abschluss und weiteren Studien an der Sciences Po gelang ihm der Einstieg in die École nationale d’administration (ENA), der Elite-Verwaltungshochschule Frankreichs, wo er Jahrgangsbester des Abschlussjahres 2001 wurde. Bei einem Praktikum in der französischen Botschaft in Kairo und weiteren Aufenthalten lernte er Arabisch.

Einstieg in die Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in den 1990er Jahren wurde der Sozialminister Jacques Barrot auf Wauquiez aufmerksam, der ihn später beim Wahlkampf für die Parlamentswahl 2002 unterstützte.

Nach dem Abgang von der ENA erhielt er eine Anstellung beim Conseil d’État. Als Jacques Barrot 2004 in die Europäische Kommission wechselte, kandidierte Wauquiez für dessen frei werdenden Parlamentssitz in der Nationalversammlung. Er gewann die Nachwahl im Département Haute-Loire und wurde mit 29 Jahren der damals jüngste Abgeordnete im Parlament. Er übernahm dort Projekte für den damaligen Erziehungsminister François Fillon.

Im Herbst 2005 schloss er sich Nicolas Sarkozy, seinerzeit Innenminister und Parteivorsitzender der Union pour un mouvement populaire, an und wurde für ein Parteiamt ernannt. 2006 veröffentlichte er ein Buch über seine Zeit als junger Abgeordneter und die Absurditäten des politischen Lebens in Frankreich, wodurch er sich als Medienpersönlichkeit etablierte.

Regierungsämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Parlamentswahl 2007 und der Bestätigung seines Abgeordnetenmandats wurde er zum Regierungssprecher im Rang eines Staatssekretärs berufen. Seit den Kommunalwahlen 2008 ist er Bürgermeister von Le Puy-en-Velay, der Hauptstadt des Départements Haute-Loire (zuletzt 2014 bestätigt). Bei einer folgenden Kabinettsumbildung wechselte er vom Regierungssprecherposten in das Ministerium für Wirtschaft, Industrie und Arbeit unter Christine Lagarde, wo er Staatssekretär für Arbeit wurde.

Im November 2010 stieg er zum beigeordneten Minister für Europaangelegenheiten unter Außenministerin Michèle Alliot-Marie auf, im Juni 2011 als Nachfolger von Valérie Pécresse zum Minister für Hochschulen und Wissenschaft. Mit der Abberufung des Premierministers François Fillon und seines Kabinetts im Mai 2012 durch den neu gewählten Präsidenten François Hollande schied Wauquiez aus der Regierung aus.

Bei der Regionalwahl in der neugebildeten Region Auvergne-Rhône-Alpes im November 2015 trat Wauquiez für die Républicains als Spitzenkandidat an, was die zentristischen MoDems als Problem ansahen, weil sie Schwierigkeiten hatten, den als rechtspopulistisch angesehenen Wauquiez zu unterstützen.[1] Wauquiez’ rechte Liste mehrerer Parteien unter der Führung der Républicains gewann die Wahl im zweiten Durchgang mit 113 von 204 Abgeordneten, sodass er am 4. Januar 2016 zum Präsidenten von Auvergne-Rhône-Alpes gewählt wurde.

Parteikarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Parlamentswahl 2012 verteidigte Wauquiez seinen Sitz in der Nationalversammlung und stellte sich im Machtkampf der UMP an die Seite François Fillons und war dessen Kandidat für das Amt des stellvertretenden Parteivorsitzenden, der aber beim Parteitag im November 2012 Jean-François Copé unterlag. In der folgenden Parteikrise wurde Wauquiez im Januar 2013 doch einer der – inzwischen sechs – stellvertretenden Vorsitzenden der UMP.[2]

Als Nicolas Sarkozy 2014 wieder die Führung der UMP übernahm, sicherte ihm Wauquiez seine Unterstützung zu, was von vielen als Verrat betrachtet wurde, da er zuvor als Kritiker des früheren Präsidenten und seiner Regierungszeit hervorgetreten war.[3] Daraufhin wurde er im Herbst 2014 Generalsekretär der UMP und hatte damit die dritthöchste Position nach dem Vorsitzenden und der stellvertretenden Vorsitzenden Nathalie Kosciusko-Morizet inne. Nach der Umgründung der UMP im Mai 2015, die seitdem Les Républicains heißt, ist er seit Anfang Juni 2015 deren Generalsekretär.[4] Im Dezember 2015 profitierte er von Kosciusko-Morizets Absetzung nach ihrer Kritik gegen Sarkozy und wurde stellvertretender Vorsitzender. Ab Ende August 2016 war er kommissarischer Vorsitzender der Partei, da Sarkozy für seine Präsidentschaftskandidatur zu den Vorwahlen zurücktrat. Nach der Wahl von François Fillon zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner Ende November 2016 wurde Wauquiez wieder zum ersten Vizepräsidenten der Partei ernannt, während Fillon de facto die Parteiführung übernahm.[5]

Am 10. Dezember 2017 wählten die Republikaner Wauquiez zu ihrem neuen Parteivorsitzenden.[6]

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wauquiez gehört dem rechten, gaullistischen Flügel der Republikaner an. 2010 gründete er den Think Tank Droite sociale, um innerhalb der Partei Ideen für eine Sozialpolitik zu entwickeln, die der Dominanz linker Parteien auf diesem Gebiet begegnen sollen.[7] Er ist als Kritiker der gleichgeschlechtlichen Ehe[8] und der Europäischen Union hervorgetreten. In seinem EU-skeptischen Buch Europe: il faut tout changer (deutsch Europa: Es muss sich alles ändern), das im Europawahlkampf 2014 erschien, forderte er, das Schengen-Abkommen aufzugeben und die Europäische Union auf einen Kern von sechs Staaten zu beschränken, was auch parteiintern scharfe Kritik hervorrief. So hielt der damalige Parteichef Copé Wauquiez Populismus vor.[9] "In der Frage der Einwanderungspolitik hat Wauquiez die Partei Nicolas Sarkozys auf Positionen festgelegt, die denen des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban nahekommen."[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Laurent Wauquiez – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Adrien Morcuende: Elections régionales: En Rhône-Alpes-Auvergne, le MoDem s’allie finalement aux Républicains. In: Le Monde, 24. Juli 2015 (französisch).
  2. Alexandre Lemarié: Hortefeux, Ciotti, Morano… L’organigramme complet de la direction de l’UMP. In: Le Monde, 15. Januar 2013 (französisch).
  3. Mael Thierry: Wauquiez soutient Sarkozy: Le retour au bercail d’un ambitieux. In: L’Obs, 11. September 2014 (französisch); Ariane Chemin, Alexandre Lemarié: Laurent Wauquiez, le « bad boy » de la droite. In: Le Monde, 21. Mai 2015 (französisch).
  4. Arthur Berdah: NKM et Wauquiez confirmés dans le nouvel organigramme des Républicains. In: Le Figaro, 2. Juni 2015 (französisch).
  5. Bernard Accoyer nommé secrétaire général du parti Les Républicains. In: Le Monde (online). 29. November 2016, abgerufen am 1. Dezember 2016 (französisch).
  6. Frankreich: Laurent Wauquiez ist neuer Republikaner-Chef. In: Spiegel Online. 11. Dezember 2017, abgerufen am 9. Juni 2018.
  7. Droite Sociale. Webpräsenz des Think Tanks; Vanessa Schneider: Wauquiez veut „lutter contre les profiteurs du haut et les profiteurs du bas“. In: Le Monde, 26. Oktober 2011 (französisch).
  8. Laurent Wauquiez sur le mariage homo: suicide médiatique ou stratégie politique? (Memento des Originals vom 3. März 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.jolpress.com In: Journalism On Line, 19. November 2013 (französisch).
  9. Matthieu Deprieck: Trop euro-critique, Wauquiez vit un grand moment de solitude à l’UMP. In: L’Express, 16. April 2014 (französisch).
  10. FAZ, 25. September 2018, S. 8.