Laurie Penny

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Laurie Penny auf der Leipziger Buchmesse 2016
Laurie Penny (2013)

Laurie Penny (geboren am 28. September 1986 in London) ist eine britische Journalistin, Autorin, Bloggerin und Feministin. Sie schreibt für The Independent, The Guardian, The Times und den New Statesman. International bekannt wurde sie mit ihrem Buch Meat Market. Female Flesh Under Capitalism (2011), das 2012 in deutscher Übersetzung unter dem Titel Fleischmarkt erschien.

Leben und Themen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laurie Penny wuchs in Brighton auf. Sie besuchte das Brighton College[1][2] und studierte Englische Literatur am Wadham College der Universität Oxford. Sie schloss ihr Studium 2007 ab. Seitdem betreibt sie das Weblog Penny Red, welches 2011 für den Orwell Prize nominiert war.[3] Pennys Blog-Texte sind in dem 2011 erschienenen Band Penny Red. Notes from the New Age of Dissent versammelt. Sie versteht sich als sozialistische Feministin; linke Politik und Feminismus gehören für sie zusammen.

Laurie Penny ist Kolumnistin und Reporterin bei der britischen Tageszeitung The Independent.[4] Sie schreibt regelmäßig für The Guardian, The Times und New Statesman. Ihre Themen sind Popkultur, Politik und Feminismus.[5][6][7]

Im April 2014 erhielt Penny ein Nieman-Stipendium für das Studienjahr 2014–2015.[8]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In ihrem 2011 erschienenen Buch Meat Market[9] (deutscher Titel: Fleischmarkt) analysierte Laurie Penny die Strategien, mit denen Frauenkörper im Spätkapitalismus entmachtet und kontrolliert werden. Sie lege den alltäglichen Sexismus des Mainstreams offen, von den Medien bis hin zu sexistischer Werbung, Schlankheitswahn und Pornografie. Das Buch sei ein „zorniges Manifest“, das unter Frauen ein Bewusstsein für die eigene Unterdrückung schaffen soll, um ihnen den Ausbruch daraus zu ermöglichen, so die Rezensentin Antonia Kurz in der Süddeutschen Zeitung.[10] Laurie Penny, die selbst Ex-Anorektikerin ist, sei dabei ebenso pointiert wie präzise, schreibt Sabine Rohlf in ihrer Rezension für die Frankfurter Rundschau. Sie sei eine junge Autorin, „die den Nerv für klare Worte hat und sich eine bessere Welt immerhin vorstellen kann“.[11] Der Spiegel bezeichnete das Buch als „brillantes Plädoyer für einen neuen Feminismus“.[12] Die Zeit-Rezensentin Marie Schmidt zieht das Fazit: Am utopischen Horizont des Feminismus, den Laurie Penny vertritt, liege eine Gesellschaft, in der es so viele verschiedene Geschlechteridentitäten gäbe wie Menschen. Laurie Penny fordere deshalb Solidarität zwischen „all jenen, die in der heutigen Welt an Geschlechtszuschreibungen leiden“. Ihr Buch sei eine starke Ermutigung für einen jungen, lebendigen Feminismus.[13]

Im Vorwort eines Readers mit Texten von Pussy Riot und deren Briefen aus dem Gefängnis, erinnert Laurie Penny an die Physikerin und Dichterin Irina Ratuschinskaja (geboren 1954), die 1983 wegen „antisowjetischer Agitation und Propaganda“ zu sieben Jahren Straflager und fünf Jahren Verbannung verurteilt wurde.[14]

2014 veröffentlichte Laurie Penny ihr fünftes Buch Unspeakable Things. Sex, Lies and Revolution (deutscher Titel: „Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution“), in dem sie die ihrer Meinung nach dominierenden Vorstellungen von romantischer Liebe und Partnerschaft sowie die sexuelle Unterdrückung von Frauen kritisiert.[15][16] Sie sieht das kapitalistische System als Ursache dafür, dass der Feminismus „seit ungefähr einem Vierteljahrhundert auf der Stelle tritt“ und „bis zur Unkenntlichkeit zu einer Hochleistungsmaschinerie verdreht worden“ ist.[17][18] Vom feministischen Mainstream halte sie nichts, weil es ihm nur um die Aufstiegschancen (Konzernvorstände) von Mittelschichtsfrauen gehe.[19] Die Genderzwangsjacke treffe auch Männer in all ihrer Härte, doch sei das Perfektionismusgebot für Aussehen, Ernährung und Interaktionsmuster für die Frauen deutlich einschränkender.[19] Besonders wirtschaftlich gescheiterte, heterosexuelle junge Männer, von denen es viele gebe, ließen ihre Frustration an den gesellschaftlichen Gruppen aus, über die der Kapitalismus ihnen noch Macht zugestehe, nämlich Frauen und Schwule; so werde eine „Männlichkeit in der Krise“ verkauft, wo es laut Penny in Wahrheit um eine Krise des Kapitalismus gehe.[17][18]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zeit nannte Penny die „derzeit wichtigste junge Feministin“.[20] Im Guardian schrieb die damalige Orwell-Prize-Jurorin Gaby Hinsliff in ihrer Rezension zu Pennys Buch Unspeakable Things (2014): „We shortlisted her because – then as now – she wrote like a dream: she had such a raw, bright, urgent voice and she was telling such different stories to everyone else.“ (deutsch: „Wir nominierten sie, weil sie – damals wie heute – wie im Traum schrieb: sie hatte solch eine raue, intelligente, eindringliche Stimme und erzählte Geschichten, die so anders waren als die aller anderen.“)[21]

Im Zuge der Kampagne #ausnahmslos gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus nach den sexuellen Übergriffen von Köln, zu deren Erstunterzeichnerinnen auch Penny gehörte, wurde von der Amadeu Antonio Stiftung u. a. mit Blick auf Aufrufe Pennys zum Boykott Israels kritisiert, dass „eine Sensibilisierung beim Thema Antisemitismus bei den Initiator_innen der Kampagne nicht im ausreichenden Maße vorhanden“ sei.[22] In der linken Wochenzeitung Jungle World wurde Penny für ihre Haltung und ihre Unterstützung der BDS-Kampagne kritisiert.[23][24]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buchbeiträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lisa Appignanesi, Rachel Holmes, Susie Orbach (Hrsg.): Fifty Shades of Feminism. Virago, London 2013, ISBN 978-1-84408-945-1, S. 28 f.
  • Vorwort von Laurie Penny zu: Pussy Riot a punk prayer for freedom: letters from prison, songs, poems, and courtroom statements. New York Feminist, New York 2013, ISBN 978-1-55861-834-3.
    • Vorwort von Laurie Penny zu: Ein Punkgebet für die Freiheit. Pussy Riot! Edition Nautilus, Hamburg 2012, ISBN 978-3-89401-769-9.

Zeitschriftenartikel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Feminismus: Die Befreiung der Männer. In: Blätter für deutsche und internationale Politik. Nr. 6, 2015, ISSN 0006-4416, S. 81–90.

Blogs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Laurie Penny – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Laurie Penny: Shut up, little girl, don't you know grown-ups are talking?. In: pennyred.blogspot.com. Laurie Penny. 16. November 2009. Abgerufen am 8. Juli 2015.
  2. Laurie Penny: Laurie Penny: Yes, Mr Gove, I enjoyed an expensive education, but I'm still not on your team. In: The Independent, 11. Mai 2012. Abgerufen am 8. Juli 2015. 
  3. a b The Orwell Prize: Penny Red – The Orwell Prize. In: theorwellprize.co.uk. The Orwell Prize, 2011; abgerufen am 1. Juli 2015 (englisch).
  4. The Independent: Laurie Penny. In: The Independent. Abgerufen am 1. Juli 2015 (englisch).
  5. Zero Books: Laurie Penny. In: zero-books.net. Zero Books; abgerufen am 1. Juli 2015 (englisch).
  6. The Guardian: Laurie Penny. In: The Guardian. Abgerufen am 1. Juli 2015 (englisch).
  7. New Statesman: Laurie Penny. In: New Statesman. Abgerufen am 1. Juli 2015 (englisch).
  8. Redaktion: Nieman Foundation announces the 77th class of Nieman Fellows. In: nieman.harvard.edu. Harvard University, 30. April 2014; abgerufen am 3. Juli 2015 (englisch).
  9. Sophie Jones: Reviewed: Laurie Penny, Meat Market. In: feministlibrary.co.uk. Feminist Library, 22. Januar 2012; abgerufen am 1. Juli 2015 (englisch).
  10. Antonia Kurz: Feministisches Manifest "Fleischmark" von Laurie Penny. In: Süddeutsche Zeitung. 23. Oktober 2012; abgerufen am 1. Juli 2015.
  11. Sabine Rohlf: Feminismus: Aufstehen statt abnehmen! In: Frankfurter Rundschau. 20. April 2012; abgerufen am 1. Juli 2015.
  12. Christoph Twickel: Britische Feministin Laurie Penny im Interview. In: Spiegel Online. 17. Dezember 2012; abgerufen am 1. Juli 2015.
  13. Marie Schmidt: Feminismus: Schlachtfeld Frau. In: Zeit Online. 8. März 2012; abgerufen am 1. Juli 2015.
  14. Sonja Vogel: Pussy-Riot-Statements vorgelesen: Den neuralgischen Punkt getroffen. In: Die Tageszeitung. 12. Dezember 2012; abgerufen am 1. Juli 2015.
  15. Natascha Wey: Laurie Penny über Feminismus: Frauen ist nicht erlaubt, rumzuvögeln. In: Die Tageszeitung. 23. Dezember 2014; abgerufen am 1. Juli 2015.
  16. Liz Hoggard: Unspeakable Things review – Laurie Penny's dissection of modern feminism. In: The Guardian. 13. Juli 2014; abgerufen am 1. Juli 2015 (englisch).
  17. a b Susan Vahabzadeh: Der Körper als Kapital. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 74, 2015, ISSN 0174-4917, S. 12.
  18. a b Susan Vahabzadeh: Laurie Penny und der Feminismus – Der Körper als Kapital. In: Süddeutsche Zeitung. 29. März 2015; abgerufen am 1. Juli 2015.
  19. a b Nadine Lange: Rebellinnen wie wir, in: Der Tagesspiegel, 7. März 2015, S. 27
  20. Laurie Penny: Lebe wild und frei! In: zeit.de. 15. März 2015; abgerufen am 27. März 2016.
  21. Gaby Hinsliff: Unspeakable Things: Sex, Lies and Revolution by Laurie Penny – review. In: The Guardian. 9. Juli 2014; abgerufen am 1. Juli 2015 (englisch).
  22. #ausnahmslos: Antisemitismus darf nicht übersehen werden ~ Amadeu Antonio Stiftung. In: amadeu-antonio-stiftung.de. Abgerufen am 27. März 2016.
  23. Feministin gegen Israel. In: jungle-world.com. 17. März 2016; abgerufen am 27. März 2016.
  24. Wir sind die Besseren. In: jungle-world.com. 28. Januar 2016; abgerufen am 27. März 2016.
  25. Alison Flood: New prize for radical writing announces shortlist. In: The Guardian. 6. März 2012; abgerufen am 1. Juli 2015 (englisch).