Lausche

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Dieser Artikel behandelt den Berg Lausche, für Informationen über den US-amerikanischen Politiker, siehe Frank J. Lausche.
Lausche / Luž
Lausche von Norden

Lausche von Norden

Höhe 792,6 m
Lage Grenze Sachsen (Deutschland) / Tschechien
Gebirge Zittauer / Lausitzer Gebirge
Dominanz 25,8 km → Černá hora (811 m, Jeschkengebirge, nördlicher Nachbar des Jeschken)[1]
Schartenhöhe 368 m ↓ E 442 nordöstlich von Jítrava[1]
Koordinaten 50° 50′ 56″ N, 14° 38′ 49″ OKoordinaten: 50° 50′ 56″ N, 14° 38′ 49″ O
Lausche (Sachsen)
Lausche
Typ Kegelberg
Gestein absteigend Phonolith, Tephrit, Tuff und Sandstein
Alter des Gesteins Tertiär bzw. Kreide
Besonderheiten Höchster Berg des Zittauer / Lausitzer Gebirges

Die Lausche (tschechisch Luž, obersorbisch Łysa) ist mit 793 m der höchste Berg im Zittauer Gebirge und im gesamten Lausitzer Gebirge, die höchste Erhebung der Oberlausitz und in Deutschland östlich der Elbe. Wegen dieser herausgehobenen Stellung wird der erloschene Vulkan seit Jahrhunderten von Menschen bestiegen.[2]

Lage und Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lausche erhebt sich über dem Dorf Waltersdorf auf nördlicher und der kleinen Siedlung Myslivny (Jägerdörfel) auf südlicher Seite. Direkt über den Bergrücken verläuft die Staatsgrenze zwischen Deutschland und Tschechien. 700 Meter östlich des Gipfels befindet sich der Pass Wache / Stráž.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen der augenfälligen Gestalt hieß der Berg noch 1538 im Waltersdorfer Kirchenbuch Spitzer Stein, auch Spitzberg war gebräuchlich. Erst 1631 tauchte die heutige Bezeichnung Lausche auf und verdrängte bis ins 19. Jahrhundert die vormaligen. Der Name leitete sich entweder vom alttschechischen louče für Scheidung, Trennung, Grenze ab oder von luschen, was „auf Wild lauern“, „im Verborgenen liegen“ bedeutet. Bis ins 20. Jahrhundert sprachen die Einwohner von Waltersdorf und Großschönau vom Mittagsbarg, wobei Mittag als Synonym für Süden zu verstehen ist.[3][4][5]

Vom 16. bis ins 20. Jahrhundert wurde am Nordhang in bedeutendem Umfang Sandstein abgebaut. Namen wie Wändebruchstiege und Steinbruchweg erinnern bis heute daran. Verwendung fand der Naturstein z. B. als Türstock oder für Steinmetz- und Bildhauerarbeiten. Johann Benedict Carpzov berichtete 1719 in seinem Buch Neueröffneter Ehren-Tempel merckwürdiger Antiquitäten des Marggraffthums Ober-Lausitz von mehreren Erzabbauversuchen an der Lausche und dem benachbarten Butterberg. Sie sollen bis ins Jahr 1538 zurückzuverfolgen sein, gewonnen wurde u. a. Silbererz.[2][3]

Die touristische Erschließung des Berges ist eng mit Carl Friedrich Mathes verbunden. Gab es zuvor nur einen steilen Pfad am Osthang, legte der Waltersdorfer Krämer und Schuhmacher 1805 einen weiteren Wanderweg zum und einen Rastplatz auf dem Gipfel an. Angeblich ein Traum inspiriert ihn 1823 den serpentinigen Lausitzer Weg und die Lausche-Baude, zunächst ein einfaches Holzhäuschen, zu errichten. Bis zur Erteilung der Schankkonzession am 31. Juli 1824 kam noch ein Pavillon hinzu. Zur Wasserversorgung diente der 1823 in Stein gefasste Lauscheborn, eine Quelle im mittleren Nordhang. Die 120 Höhenmeter wurden mittels Eseln überwunden. 2005 wurde die Einfassung des Borns erneuert.[4][5][6]

Mit Inseraten in den Priviligierten Zittauischen Nachrichten sprach Mathes wanderfreudige Naturfreunde an, pries besonders Aussicht, Sonnenunter- und -aufgänge. Die Werbung führte zu einem sprunghaften Anstieg der Besucherzahlen. 1825 baute er eine Kegelbahn und 1830 einen Tanzplatz hinzu. Zeitgenossen berichteten von Harfnerinnen, Drehorgelspielern und Tänzen zum Geigenspiel. Ab Mai 1831 verkaufte Ignaz Krische Glaswaren als Souvenir, am 15. Mai 1881 feierte der Steinschönauer sein 50-jähriges Gipfeljubiläum. Der Blick von der 1833 angefügten, kleinen Aussichtstribüne wurde vielfach mit jenem von der Schneekoppe gleichgesetzt.[4][5]

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts hielten Mitglieder der Freikirche Bergpredigten auf der Lausche ab. 1851 weilte Ferdinand der Gütige im Schloss Zákupy (Reichstadt) und unternahm Ausflüge in die Umgebung. Extra für den österreichischen Kaiser wurde der Böhmische Weg in Serpentinen über den Südhang geführt. Da dieser Zugang bequemer war als der nördliche, wählte ihn später nicht nur Friedrich August II., König von Sachsen, auch die Eselsgespanne holten das Wasser für die Baude jetzt vom Lauschebrunnen.[4][5]

Nach mehreren Um- und Neubauten durch die Nachkommen von Carl Friedrich Mathes konnten die Gäste der Lausche-Baude zwischen dem Sächsischen Gastzimmer und den Böhmischen Stüberl wählen. Die Namen waren nicht zufällig gewählt, denn mitten durch den Hausflur führte die Staatsgrenze zwischen dem Königreich Sachsen und dem Kaisertum Österreich. Bezahlt wurde in beiden gängigen Währungen.[4]

Im Rahmen der königlich-sächsischen Triangulation war die Lausche Station 5 des Netzes 1. Ordnung (Mitteleuropäische Gradmessung). Nach Erteilung der Baugenehmigung am 8. Mai 1863 errichtete der sächsische Gradmessungskommissar Christian August Nagel im Oktober 1863 eine der später nach ihm benannten Säulen. Der Baugrund lag auf böhmisch-österreichischem Gebiet (heute Česká republika), die Baukosten betrugen 826 Mark. Der sächsische Vermessungspfeiler wurde 1941 abgerissen, zeitweise existierte auch ein zweiter, böhmischer Pfeiler. 1936 und 1962 fanden auf dem Gipfel astronomische Beobachtungen statt.[7]

Die steigenden Besucherzahlen ließen die alte Berggaststätte zu klein werden. Dank des Einsatzes mehrerer sächsischer Vereine konnte 1892 eine neue, größere Lausche-Baude errichtet werden, getrennt in einen deutschen und einen österreichischen Teil. Im ersteren wurde Zittauer, im zweiten Böhmisch-Zwickauer Bier ausgeschänkt. Die Gasträume waren behaglich mit Kachelöfen, hölzernen Wänden und ausgestopften Vögeln ausgestattet. Gleichzeitig entstanden direkt in der Mitte des Gebäudes ein zehn Meter hoher, hölzerner Aussichtsturm sowie die heutige Ausführung des Lausitzer Wegs auf der Nordseite.[4][5]

Schon vor dem Jahr 1900 rodelten die Waltersdorfer Kinder mit ihren Kasehitschen (oberlausitzer Wort für einen einfachen, hölzernen Kinderschlitten) den steilen Nordhang herab, dies gilt als Beginn des hiesigen Wintersportgebiets. 1898 initiierte der Lauschenwirt nach Vorbildern aus dem Riesengebirge ein Hörnerschlittenrennen. Seit den 1930er Jahren beherrschten vor allem am Sonntag die Skisportler die Hänge. 1969 wurden drei alpine Skipisten angelegt, die westliche für Slalom, die mittlere für Riesenslalom und die östliche unterhalb der Hubertusbaude für Abfahrtslauf, die beiden letzteren mit Lift.[4][5][8]

Die 1923 oder 1928 errichtete Lausche-Sprungschanze ermöglichte nach Umbauten 1955/56 Weiten von 50 Meter. Der obere Teil des Aufsprungs bestand aus einer Holzkonstruktion. 1972 wurde die Sportstätte wegen Baufälligkeit abgebrochen. Erhalten blieb der hölzerne Kampfrichterturm, der heute als Skiheim des Alpinen Skivereins Lausche e. V. dient.[4][6][5]

Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939–1945) sperrten Stacheldrahtzäune die Staatsgrenze ab. Der Touristenstrom auf den Gipfel und ins Berggasthaus, damalige Eigentümerin Alma Goldberg, versiegte. Am 8. Januar 1946 besuchten viele Waltersdorfer eine Landfilmvorstellung. Beim Wechsel der Filmrollen gegen 18 Uhr sprach sich die Schreckensnachricht schnell herum – die Lausche-Baude brennt. Nach dem weithin sichtbaren Feuer blieben nur die bis heute erkennbaren Grundmauern übrig. Die Unglücksursache konnte und sollte nie geklärt werden, vermutet wurde Brandstiftung. Pläne zum Wiederaufbau bestanden seit den 1960er Jahren, wurden aber nie umgesetzt. 1967 wurden die am nördlichen Mittel- und Oberhang erhalten gebliebenen Rest des montanen Mischwaldes zum 11,7 Hektar großen Naturschutzgebiet Lausche erklärt. Nach der Entfernung der Grenzbefestigungen in den 1970er Jahren war der Gipfel wieder von beiden Seiten zugänglich.[4][5][2][7]

Die Sage vom Wundervogel auf der Lausche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nur ausgesprochen selten lässt sich auf der Lausche ein Vogel von wunderlicher Gestalt beobachten. Sein Kopf und Schnabel scheinen von einem Lämmergeier zu stammen, die großen Fittiche vom Fregattvogel, der Schwanz vom Sekretär und der Ständer vom Storch. Das wunderschöne Gefieder ist von einzigartiger Farbenpracht. Dieses so seltsame anmutende Tier ist nichts anderes als ein mit einem bösen Fluch belegter Prinz aus dem Böhmerlande. Der Jüngling galt wegen seines schönen Gesichtes und der reizenden Gestalt, der Fertigkeit in allen Künsten und Wissenschaften seiner Zeit, der menschenfreundlichen und wohltätigen Wesensart als das vollkommene Leitbild eines Fürsten. Nur ein Laster haftete ihm an, er frönte etwas zu übereifrig der Jagd.[9]

Es geschah bei einem Streifzug an den Ausläufern der Lausche. Zur Mittagsstunde umkreiste ein majestätischer Adler den Berg. Vom Bogen des Prinzen ausgesandt traf ein weit wie niemals zuvor fliegender Pfeil den König der Lüfte und dieser stürzte aus dem Himmel gen Boden. Der unglückliche Zufall wollte es, dass er in einen damals auf der Lausche befindlichen Garten eines Zauberers fiel. Der in den schwarzen Künsten bewanderte Mann schreckte durch das dabei verursachte Getöse aus seinem Mittagsschlaf empor und ward wütend über die Schäden an den Sträuchern und Blumen. Als er den Schützen mit seinem Bogen gewahr, griff der Magier zu seinem Zauberstab, berührte ihn damit und sprach die Worte: „Sei einer des Geschlechts, wovon du einen getötet, so lange, bis dich ein Jäger, der seiner Herrschaft nie etwas veruntreut hat, erlegt!“ Der Prinz wartet bis zum heutigen Tag auf seine Erlösung.[9]

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Sockel der Lausche bildet kreidezeitlicher Quader-Sandstein, erkennbar an den diversen Sandsteinblöcken und am besten aufgeschlossen in den ehemaligen Steinbrüchen am Nordhang. In den Lauschewiesen am Nordosthang finden sich einige dünne Sandsteinsäulen. Ihre Entstehung an der Kontaktfläche zur Lava verweist auf die eigentliche Herausbildung des Bergs im Tertiär, als ein Vulkan die Sandsteinplatte durchbrach.[2][6]

Als Initialzündung stieß ein Schlot Vulkanasche aus, die sich als dünne Schicht aus Basalt-Tuff ablagerte. Das ziegelrot bis bräunlich, lehmartig verwitternde Gestein gab dem Roten Hübel an der Nordostflanke seinen Namen. An der wasserstauenden Sandstein-Tuff-Grenze entspringen heute einige Schichtquellen. Derselbe Schlot blieb aktiv und lagerte eine ebenso geringmächtige Schicht aus Olivin-Augit-Tephrit ab. In der Geologie werden dem Hauptbestandteil des Gesteins (Tephrit), weitere wichtige Mineralgemengeteile (Olivin, Augit) vorangestellt. Nicht im Namen erwähnt sind die Bestandteile Plagioklas, Glas und Nephelin.[2][10]

Über die beiden Gesteinsschichten setzte schließlich ein zweiter Schlot eine Staukuppe aus Phonolith an. An den Hängen bildet das graugrün, plattig verwitternde Gestein einige Blockhalden. Am besten lässt es sich an der Steilwand vom Hickelstein, ein 690 m hoher Vorgipfel am Nordwesthang, untersuchen. Durch die basaltisch-vulkanischen Aktivitäten überragt der Berg heute das Sandsteingebiet, besonders steil zur sächsischen Seite hin. Die geologischen Besonderheiten der Lausche wurden bereits 1785 durch Nathanael Gottfried Leske beschrieben. Am Nordfuß, knapp südlich von Ottoberg und Butterberg verläuft in West-Ost-Richtung die Lausitzer Überschiebung.[2]

Flora und Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die geografische Breite und Höhe der Lausche ist zwar relativ gering, trotzdem herrscht das montanen Klima des oberen Mittelgebirges. Die klimatologische Sonderstellung zeigt sich in niedrigeren Jahresmitteltemperaturen als in der Umgebung, hohen Niederschlagsmengen, langer Schneebedeckung und extremer Windbelastung. In der Pflanzen-, Pilz- und Tierwelt schlägt sich dies in der Anwesenheit mittel- bis hochmontaner und sogar subalpiner Arten nieder, die hier als Eiszeitrelikte überleben. An der Flora der Lausche lässt sich außerdem der Wechsel der Bodenverhältnisse gut ablesen.[11][12][13]

Wo sich heute am Nordhang unterhalb der einstigen Sandsteinbrüchen lichtere Wälder aus Hänge-Birken und Wald-Kiefern präsentieren, zeigen ältere Ansichtskarten und Fotografien waldfreie Sandhalden. Die Lauschewiesen auf der Nordostflanke sind am Bergfuß trotz des Sandsteinuntergrunds nährstoffreich, daher dominieren hier typische Grünlandarten wie Löwenzahn, Wiesen-Fuchsschwanz, Gewöhnliches Knäuelgras, Schlangen-Knöterich, Wiesen-Sauerampfer und Großer Wiesenknopf. Die mageren Flächen hangaufwärts zeigen einen größeren Artenreichtum an Gräsern, z. B. Draht-Schmiele, Rot-Schwingel, Rotes Straußgras und Mittleres Zittergras, sowie Wiesenblumen, u. a. Rundblättrige und Wiesen-Glockenblume, Acker-Hornkraut, Wiesen-Margerite, Geöhrtes-, Kleines und Orangrotes Mausohrhabichtskraut, Knöllchen-Steinbrech und Acker-Witwenblume. Auf einer Fläche oberhalb der Lausitzer Hütte hat sich ein sog. Borstgrasrasen entwickelt, hier wachsen neben dem namensgebenden Borstgras auch Arnika, Blutwurz, Echtes Johanniskraut und Pracht-Nelke.[6][13]

Der o. g. Quellhorizont führt zu einem Wasserreichtum. Die Lauschewiesen sind im oberen Bereich daher punktuell vernässt. Aus der hier auftretenden Pflanzenvielfalt seien Sumpf-Dotterblume, Kuckucks-Lichtnelke, Wiesen-Schaumkraut, Hohe Schlüsselblume und Braun-Segge erwähnt. Im Wald werden die Ufer der kleinen Quellbäche von einer entsprechenden Quellflur gesäumt, besonders gut ausgeprägt am Schwarzen Graben. Hier gedeihen Arten wie Sumpf-Dotterblume, Behaarter Kälberkropf, Gegenblättriges Milzkraut, Bach-Nelkenwurz, Weiße Pestwurz, Sumpf-Pippau, Bitteres Schaumkraut Hain- und Sumpf-Sternmiere.[13]

Im Quellbereich der Bäche lebt der Alpenstrudelwurm, der sehr kaltes und außergewöhnlich reines Wasser benötigt. Daher wird das Relikt der letzten Eiszeit bereits wenig bachabwärts vom Dreieckstrudelwurm abgelöst. Die beiden Planarien teilen ihr Biotop mit den Flussmützenschnecken und den Larven der Köcherfliegen. Die Amphibien sind mit dem Grasfrosch vertreten.[12]

Auf dem frischen bis sickerfeuchten und relativ nährstoffreichen Boden über dem Klingstein stockt ein mesophiler Buchen-Mischwald aus Rot-Buchen, Berg- und Spitz-Ahorn, Gemeinen Eschen und Berg-Ulmen. Die Krautschicht weist zahlreiche anspruchsvolle Waldbodenpflanzen auf, darunter Wald-Bingelkraut, Ähriges Christophskraut, Purpur-Hasenlattich, Weiße Pestwurz, Hain-Sternmiere, Waldmeister und Wald-Veilchen. Aufwärts wird der Boden stetig flachgründiger, nährstoffärmer und kann schlechter Wasser speichern. Der Wald wird daher farnreicher, dominierende Arten sind Buchenfarn, Eichenfarn, Wald-Frauenfarn, Dorniger- und Echter Wurmfarn. Im Gipfelbereich zeigen die Bäume mit ihrem kleineren Wuchs sowie den durch Wind und Schneebruch gelichteten Baumkronen die harten Bedingungen an. Die hiesigen Rasen auf feinerdarmen Böden der Steilhänge bildet hauptsächlich das Wollige Reitgras, besonders auffällig sind die Horste des Wald-Reitgrases. In der flachen Senke vor dem Hickelstein blühen im Juni große Bestände an Quirlblättriger Weißwurz.[13]

Ab den 1970er Jahren ließen die Luftverschmutzung durch die Braunkohlekraftwerke die Fichtenforste im Zittauer Gebirge großflächig absterben, dazu kam der strenge Winter 1979/80. Besonders dramatisch war der exponierte Lausche-Kamm betroffen. Als Ergebnis ließ sich bis in die 1990er über dem Sandstein eine eigentümliche Pflanzengemeinschaft beobachten. Zwischen gedrungenen, verkrüppelten Birken, Lärchen, Rot-Buchen und Vogelbeeren wuchsen Adlerfarn, Heidekraut, Weiches Honiggras, Draht-Schmiele, Wiesen-Wachtelweizen, Heidel- und Preiselbeere. Die wärme- und lichtliebenden Arten der Bodenflora sind inzwischen weitgehend verschwunden, nur das Pfeifengras ist noch häufiger anzutreffen. Der nachgewachsene, gesunde Nadelwald hat nur noch mit dem rauen Standortverhältnissen zu kämpfen. Neben Fichten, Lärchen und Wald-Kiefern zeigen sich vereinzelt Berg-Kiefern. Die eingestreuten Küsten-Kiefern sind Reste einer Wiederaufforstung in den 1920er Jahren, durch eine Massenvermehrung der Nonne waren große Kahlflächen entstanden. Auch in den 1980er Jahren sollte diese nordamerikanische Art die baumleeren Bereiche füllen, erwies sich aber als anfällig für Schneebruch.[6][14][13]

Auf der Lausche überschneiden sich die Verbreitungsgebiete von Tierarten der Alpen sowie der Sudeten und Karpaten. Zu ersteren zählen die sonst in den Ostalpen heimische Regenwurmart Eisenia lucens sowie die hier erst 1981 entdeckte Alpenspitzmaus. Das Habitat der versteckt lebenden Spitzmaus ist mit circa 10 Hektar sehr klein und beginnt bei etwa 700 Höhenmetern. In Sachsen steht sie auf der Roten Liste, das nächste deutsche Vorkommen liegt in der Rhön, näher sind die auf den benachbarten tschechischen Bergkuppen von Tannenberg und Kleis. Die Riesenspringschwanzart Tetrodontophora bielanensis besitzt ihren Verbreitungsschwerpunkt in den Karpaten, westlich markiert die Elbe die Grenze. Auf der Lausche lässt sich das tief blaugrau gefärbte Urinsekt ab 500 Höhenmetern an feuchten Tagen auf Moosen, Farnen und den Blättern der Pestwurz beobachten.[12][11]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Wintersportsaison locken die steilen nordseitigen Pisten und gespurten Loipen die Skiläufer an. Die abwechslungsreiche Geologie und Biologie, besonders aber das Panorama ziehen jährlich mehr als zehntausend Wanderer auf die Lausche. Die Aussicht umfasst Iser-, Riesen-, Jeschken- und Böhmisches Mittelgebirge, Sächsisch-Böhmische Schweiz sowie Lausitzer Bergland. Mögliche Ausgangspunkte für den Aufstieg sind Waltersdorf und Myslivny, auf deutscher Seite zweigt vom Kammweg und heutigen Oberlausitzer Bergweg der Lausitzer Weg zum Gipfel ab, auf tschechischer Seite vom Europäischen Fernwanderweg E3 der Böhmerweg.[5][2][1]

Aussicht Richtung Waltersdorf
Blickpunkte vom Gipfel[6][2]
Osten bis nach Südosten versperren hohe Laubbäume die Sicht, nur Teile des Isergebirges und Schneekoppe erkennbar
Südosten Jeschken
Süden Bösige, Grünberg, Ortelsberg, Dürrer Berg, Horní Světlá (Oberlichtenwalde), Daubaer Schweiz
Südwesten Česká Lípa (Böhmisch Leipa), Wilschberg, Kleis, Geltschberg, Zinkenstein, Milleschauer
Westen Finkenkoppe, Kaltenberg, Tannenberg, Großer Winterberg, Lilienstein, Kleiner Winterberg, Fernsehturm Dresden
Nordwesten Weberberg, Seen bei Rybniště (Teichstatt), Tanzplan, Unger, Lausitzer Bergland
Norden Varnsdorf (Warnsdorf), Varnsdorfský Špičák (Warnsdorfer Spitzberg), Kottmar, Löbauer Berg
Nordosten Waltersdorf, Großschönau, Rotstein, Königshainer Berge, Landeskrone, Hainewalde, Breiteberg, Olbersdorfer See, Zittau, Kraftwerk Turów

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eberhard Garbe, Peter Hennig: Lausche-Baude in Waltersdorf. In: Bergbauden und Aussichtstürme der Oberlausitz – einst und jetzt. Oberlausitzer Verlag Frank Nürnberger, Spitzkunnersdorf 2011, ISBN 978-3-941908-15-4, S. 8–10.
  • Interessengemeinschaft Nagelsche Säulen, Staatsbetrieb Geobasisinformationen und Vermessung Sachsen (Hrsg.): Station Lausche Luž. In: Historische Vermessungssäulen in Sachsen. Schütze Engler Weber Verlags GbR, Dresden 2012, ISBN 978-3-936203-18-9, S. 51.
  • Andreas Gerth: A 75 (T) – Die Gegend von Waltersdorf und der Lausche. In: Reise in die Erdgeschichte der Oberlausitz, des Elbsandsteingebirges und Nordböhmens. Teil 2 (Tertiär bis Quartär). Oberlausitzer Verlag Frank Nürnberger, Spitzkunnersdorf 2013, ISBN 978-3-941908-44-4, S. 721–725.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Luž/Lausche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Geografische Angaben nach TK 25 unter Zuhilfenahme von Elevation Contours in Google Maps. Die Scharte ist etwa 425 m hoch.
  2. a b c d e f g h Andreas Gerth: A 75 (T) – Die Gegend von Waltersdorf und der Lausche. In: Reise in die Erdgeschichte der Oberlausitz, des Elbsandsteingebirges und Nordböhmens. Teil 2 (Tertiär und Quartär). Oberlausitzer Verlag Frank Nürnberger, Spitzkunnersdorf 2013, ISBN 978-3-941908-44-4, S. 721–725.
  3. a b Ernst Gäbler: Wanderungen um Waltersdorf. In: Jonsdorf Waltersdorf. (= Brockhaus Wanderheft. Heft 69). 6. Auflage. VEB F. A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1971, S. 50.
  4. a b c d e f g h i Eberhard Garbe, Peter Hennig: Lausche-Baude in Waltersdorf. In: Bergbauden und Aussichtstürme der Oberlausitz – einst und jetzt. Oberlausitzer Verlag Frank Nürnberger, Spitzkunnersdorf 2011, ISBN 978-3-941908-15-4, S. 8–10.
  5. a b c d e f g h i Christa Rölke, Alfred Rölke, Karin Rölke, Peter Rölke: Die Lausche und ihre Bergbaude. In: Wander- & Naturführer Zittauer Gebirge. 2. Auflage. Berg- & Naturverlag Rölke, Dresden 2014, ISBN 978-3-934514-17-1, S. 132–133.
  6. a b c d e f Christa Rölke, Alfred Rölke, Karin Rölke, Peter Rölke: Über Weberberg, Dreiacker und Kammweg auf den Gipfel der Lausche. In: Wander- & Naturführer Zittauer Gebirge. 2. Auflage. Berg- & Naturverlag Rölke, Dresden 2014, ISBN 978-3-934514-17-1, S. 90–105.
  7. a b Interessengemeinschaft Nagelsche Säulen, Staatsbetrieb Geobasisinformationen und Vermessung Sachsen (Hrsg.): Station Lausche Luž. In: Historische Vermessungssäulen in Sachsen. Schütze Engler Weber Verlags GbR, Dresden 2012, ISBN 978-3-936203-18-9, S. 51.
  8. Buchstabe K. Kasehitsche. In: Oberlausitzer Wörterbuch. Hans Klecker Eisenbahnstraße 43 02763 Zittau, abgerufen am 13. Juni 2015.
  9. a b Frank Nürnberger: Die Sage vom Wundervogel auf der Lausche. In: Großes Oberlausitzer Sagenbuch. Oberlausitzer Verlag Frank Nürnberger, Spitzkunnersdorf 1998, ISBN 3-933827-01-9, S. 34–35.
  10. Klaus Thalheim: Zur Geologie des Zittauer Gebirges. In: Wander- & Naturführer Zittauer Gebirge. 2. Auflage. Berg- & Naturverlag Rölke, Dresden 2014, ISBN 978-3-934514-17-1, S. 10–21.
  11. a b Andreas Gerth: A 28 ff. (K) – Naturpark Zittauer Gebirge. In: Reise in die Erdgeschichte der Oberlausitz, des Elbsandsteingebirges und Nordböhmens. Teil 1 (Proterozoikum bis Kreide). Oberlausitzer Verlag Frank Nürnberger, Spitzkunnersdorf 2012, ISBN 978-3-941908-22-2, S. 434–436.
  12. a b c Hermann Ansorge: Die Lausche und ihre Tierwelt – von Ur-Insekten und Eiszeitrelikten. In: Wander- & Naturführer Zittauer Gebirge. 2. Auflage. Berg- & Naturverlag Rölke, Dresden 2014, ISBN 978-3-934514-17-1, S. 114–116.
  13. a b c d e Andreas Jedzig: Botanische Exkursion durch die Wiesen und Wälder der Lausche. In: Wander- & Naturführer Zittauer Gebirge. 2. Auflage. Berg- & Naturverlag Rölke, Dresden 2014, ISBN 978-3-934514-17-1, S. 114–116.
  14. Hermann Ansorge: Spechte – Baumeister am Totholz. In: Wander- & Naturführer Zittauer Gebirge. 2. Auflage. Berg- & Naturverlag Rölke, Dresden 2014, ISBN 978-3-934514-17-1, S. 96–97.