Lausitzer Radfahrer-Bund

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Logo des Lausitzer Radfahrer-Bunds, 1906 bis 1933
Werbeschild „Radfahrer Station. – Pauli's Handbuch der Radfahrer Sachsens“
Handbuch 1925 - Lausitzer Radfahrer-Bund e.V., Bezirke, Bundesvereine und Bundeseinkehrstellen des LRB, S. 11–31.

Der Lausitzer Radfahrer-Bund (LRB) wurde 1906 in Demitz-Thumitz von Georg Pauli und 28 Mitgliedern seines lokalen Radfahrervereins gegründet.[1] Die Bundesgeschäftsstelle des LRB befand sich bis mindestens 1906 in Demitz-Thumitz[2] und später in Pulsnitz. Mitglieder des LRB waren Einzelpersonen und Radfahrvereine der Oberlausitz.[3]

Die Vorsitzenden des LRB waren Georg Pauli aus Demitz-Thumitz 1906–1920, Emil Thieme aus Pulsnitz 1920–1922, Max Lehmann aus Bautzen 1922–1923 sowie Max Keul aus Steinigtwolmsdorf ab 1924.[4]

Zu den Leistungen des LRB für Mitglieder zählten Versicherungs- und Rechtsschutz, Grenzkarten, Hand- und Liederbücher, Prämierungen für das Tourenfahren sowie Kunst-, Reigen- und Rennfahrten, Wegekarten, Beratung, Vergünstigungen und die Bundeszeitung. Regelmäßig veranstaltet wurden Bundesfeste, Meisterschaften wie das Straßenfahren um die Meisterschaften der Lausitz, Pfingst-, Bundes- und Kreisausfahrten. Mit einer Liste bevorzugt empfohlener Bundeseinkehrstellen wurde für Gasthäuser, Restaurants und Hotels geworben, die dem LRB nahestanden und deren Inhaber vermutlich selbst LRB-Mitglieder waren – als Radfahrer oder, um als LRB-Bundesmitglied Radfahrer zur Einkehr zu animieren.

Die Deutsche Radler Post wurde ab 1911 als Fachzeitschrift für die Gesamtinteressen des Radfahrsports und der Fachindustrie und gemeinsam mit dem Hauptkonsulat Lausitz der Allgemeinen Radfahrer-Union herausgegeben.[5] Die Zeitung gibt 1913 die Auflage mit 1600 Exemplaren an.[6] Später, vermutlich nach dem Ersten Weltkrieg, erschien das Blatt unter dem Namen Lausitzer Radlerpost in weiteren 23 Jahrgängen.[7] Mitglieder des Lausitzer Radfahrer-Bund waren nicht automatisch Mitglieder der Allgemeinen Radfahrer-Union. Das Hauptkonsulat kündigte in der Radler Post auch eigene Ausfahrten für ARU-Mitglieder an. Nach der Neugründung der ARU als Deutsche Radfahrer-Union (DRU) sind in der Verbandszeitschrift Rad-Union ab 1920 bis mind. keine Meldungen des LRB und Lausitzer Radsportvereine zu finden.

1932 nannte sich der LRB laut eines Mitgliedsausweises Lausitzer Rad- und Kraftfahrer-Bund e. V. Ab 2. Juli 1924 gehörte der LRB der Vereinigung Deutscher Radsport-Verbände an.[8] Der VDRV wurde 1924 in Kassel gegründet und umfasste 1925 elf Verbände. Auch der Oberlausitzer Radfahrer-Bund mit Sitz in Zittau war – wie der LRB – Mitglied in der Vereinigung.[9]

Der LRB wurde 1933 wie viele andere Vereine aufgelöst.

Paulis Handbuch der Rad- und Motorradfahrer Sachsens 1906, I. Teil

Nach Aussage Georg Paulis breitete sich der LRB nach 1906 „bald über die sächsische und preussische Lausitz aus“ mit „zuletzt über 6000 Mitgliedern und ca. 200 Vereinen“.[10]

Geschichte ab 1906[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orte der Bundes-Feste 1906 bis 1924 sind im Handbuch 1925 dokumentiert.[11]

Bundesfeste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1910er[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundesfeste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitgliedsvereine 1913–1915[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die im Folgenden genannten Vereine veröffentlichten 1913–15 Nachrichten in der Deutschen Radler Post oder wurden als Neuaufnahmen begrüßt:

  • Radfahrer-Klub „Wettin“, Demitz-Thumitz
  • Radfahrerverein „Rödertal“, Breitnig
  • Radfahrer-Klub „Transvaal“ Bischofswerda
  • Radfahrer-Klub „1897“ Lichtenberg
  • Radfahrer-Klub „Germania“ Tröbigau
  • Radfahrerverein Großerkmannsdorf
  • Radfahrerverein „Vorwärts“ Ebersbach
  • Radfahrerverein „Wanderlust“ Rothnausslitz
  • Radfahrer-Klub „Phönix“, Pulsnitz
  • Radfahrer-Klub „Schwalbe“, Deutsch-Ossig
  • Radfahrerverein „Schwalbe“ Oppach
  • Radfahrer-Klub „Concordia“, Deutschbaselitz[13]
  • Radfahrer-Klub „Jugendlust“ Wendisch-Ossig
  • Radfahrer-Klub „Über Berg und Tal“ Ohorn
  • Radfahrer-Klub „All Heil“ Leppersdorf
  • Radfahrer-Klub „Gemütlichkeit“, Görlitz
  • Radfahrerverein „Altstadt“, Görlitz
  • Radfahrerverein „Einigkeit“ Hermsdorf O.-L.
  • Radfahrerverein „Eintracht“, Bernbruch
  • II. Kreis Wilthen
  • Radfahrerverein Elstra
  • Radfahrer-Klub „Latona“ Malschwitz[14]
  • Radfahrerverein Grosserkmannsdorf
  • Radfahrer-Klub „Sturmvogel“, Oberneukirch
  • Radfahrerverein „Wettin“ Brauna
  • Radfahrerverein „Hohwald“ Steinigtwolmsdorf
  • Radfahrverein Friedrichsgrün
  • Radfahrerverein „Germania“ Thiemendorf (b. Leuben)
  • Radfahrerverein „Wanderlust“ Cunewalde
  • Radfahrerverein „Adler“ Altbernsdorf
  • Radfahrer-Klub „Viktoria“ Niedersteina
  • Radfahr-Verein Krießlingswalde-Rachenau
  • Radfahr-Verein Pfaffendorf
  • Radfahrerverein „Wettin“ Sohland
  • Radfahrerverein „Viktoria“ Kuhna-Thielitz
  • Radfahrerverein „Saxonica“ Großpostwitz
  • Radfahrer-Klub Germania Tröbigau
  • R.-V. Adler Gersdorf am. Queis

Darüber hinaus gab es in mehreren Orten Jugendabteilungen, teils mit eigenen Namen.

1920er[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der LRB hatte 1927 insgesamt 5532 Mitglieder in 173 Vereinen.[15]

Bundesfeste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1920 Rodewitz/Spree
  • 1921 Demitz-Thumitz
  • 1922 Görlitz
  • 1923 Schönbach b. Löbau
  • 1924 Wiesa b. Kamenz
  • 1925
  • 1926: 16. Bundesfest in Ohorn, 17. bis 19. Juli[16]

Bezirke und Bundesvereine 1925[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Namen der Ortsvertreter, deren Berufe, die Vereinslokale und, ob der Verein ein eigenes Banner hatte, sind detailliert im Handbuch 1925 des LRB aufgeführt. Sie werden auf der Diskussionsseite transkribiert.

  • 1. Bezirk: Löbau (Sa.)
  • 2. Bezirk: Sohland a. d. Spree
  • 3. Bezirk: Bischofswerda
  • 4. Bezirk: Bautzen
  • 5. Bezirk: Kamenz
  • 6. Bezirk: Pulsnitz
  • 7. Bezirk: Görlitz
  • 8. Bezirk: Lauban
  • 9. Bezirk: Rothenburg O.-L.
  • 10. Bezirk: Zittau

1930er[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1932 fand das 22. Bundesfest des Lausitzer Radfahrer-Bundes in Bollmannsdorf statt.[17], Am 9. Juli 1933 wurde in Wiednitz O/L ein weiteres Bundesfest durchgeführt. Der Radlerklub Wanderer für Bulleritz und Umgebung erhielt dort laut Vereinsgeschichte den III. Preis im „Schmuck und Blumencorso“.[18]

Meisterschaften des LRB[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Meisterschaften wurden im Reigenfahren vereinsweise und individuell im Kunstfahren, im Langsamfahren, im Straßenwettfahren[19], im Tourenfahren und im Radballspiel ausgetragen.[20]

Straßenfahren um die Meisterschaft der Lausitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 17. August 1913: Kamenz–Pulsnitz–Königsbrück–Schwepnitz–Hoyerswerda–Königswarta–Bautzen–Schirgiswalde–Oppach–Ebersbach
  • 12. Juli 1914: Görlitz–Posottendorf–Leschwitz–Deutsch-Ossig–Eulendorf–Herrenhut–Niederstrahwalde–Niederottenhain–Löbau–Nechen–Eisenrode–Plotzen–Hochkirch–Steindörfel–Jenkwitz–Bautzen–Neu-Bloaschütz–Göda–Spittwitz–Rothnausslitz–Demitz-Thumitz–Kynitzsch–Bischofswerda–Geissmannsdorf–Rammenau–Hauswalde–Bretnig–Ohorn–Pulsnitz–Weissbach–Bischheim–Gelenau–Kamenz

Weitere Meisterschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1927/28/29: Bezirk 6, Pulsnitz (Termine, Disziplinen und Ort: unsichere Quellen[21][22])

Der Sächsische Radfahrer-Bund veranstaltete die Wettfahrten Rund um die Lausitz ab 1909, 1911-1914 sowie wieder ab 1920.[23] Etwaige Zusammenarbeit von SRB und LRB geht aus den Ausschreibungen nicht hervor.[24]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Spezial-Tourenbuch für Radfahrer u. Touristen durch die Sächsische Oberlausitz. Müller, Bautzen, 1900.[25]
  • Anne-Katrin Ebert: Radelnde Nationen. Die Geschichte des Fahrrads in Deutschland und den Niederlanden bis 1940, Campus Verlag 2010.
  • Zurück in die Zukunft mit dem Lausitzer Radfahrer-Bund, In: reflektor Magazin, ADFC Sachsen, Winter 2016/17, S. 21.
  • Georg Pauli: Paulis Handbuch der Radfahrer Sachsens, 2. Jahrgang, 1902.
  • Georg Pauli: Paulis Handbuch der Radfahrer Sachsens, 3. Jahrgang, 1903.
  • Georg Pauli: Paulis Handbuch der Rad- und Motorradfahrer 1915, 15. Jahrgang, Herausgegeben von Georg Pauli, Vorsitzender des Lausitzer Radfahrer-Bundes.
  • Handbuch 1925 Lausitzer Radfahrer-Bund e. V., Angeschlossen an den Verband Deutscher Radsport-Verbände, Garantierte Auflage 6000, Druck von E. L. Försters Erben Pulsnitz i. Sa.[26]
  • Jens Bemme: Der Lausitzer Radfahrer-Bund. Spurensuche in der Sport-, Verkehrs- und Vereinsgeschichte der Oberlausitz. In: Görlitzer Magazin 29/2016, S. 82 ff., digitale Version. ISBN 978-3-944560-39-7

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nachlass Georg Paulis: autobiografische Aufzeichnungen, ca. 1944.
  2. Paulis Handbuch der Rad- und Motorfahrer Sachsens, 1906
  3. Vereine im Lausitzer Radfahrer-Bund
  4. Handbuch 1925, Lausitzer Radfahrer-Bund e. V. : Druck von E. L. Försters Erben, Pulsnitz i. Sa., S. 36.
  5. Deutsche Radler-Post, amtliches Organ des Lausitzer Radfahrer-Bundes und des Hauptkons. Lausitz d. Allgem. Radf.-Union ; Fachzeitschrift für die Gesamtinteressen des Radfahrsports und der Fachindustrie
  6. Deutsche Radler Post, 5. April 1913, S. 7.
  7. Quelle: Nachlass Georg Pauli, autobiografische Aufzeichnungen
  8. Rad-Union, 17. Juli 1924, S. 4.
  9. Merkbuch der Vereinigung Deutscher Radsport-Verbände, S. 2, Hannover, 1925.
  10. Nachlass Georg Paulis: autobiografische Aufzeichnungen, ca. 1944.
  11. Handbuch 1925, Lausitzer Radfahrer-Bund e. V. : Druck von E. L. Försters Erben, Pulsnitz i. Sa., S. 36.
  12. 1913: 7. Bundesfest in Bretnig, 1914: 8. in Oppach zitiert nach W. Schoppe, Radsportarchiv, Leipzig
  13. Deutschbaselitz.de: Geschichte(n)
  14. Der Radfahrer-Club „Latona“ Malschwitz : Festfibel 1897–1997. Verlagsort, Verlag: Görlitz, Maxroi Graphics. Stadtbibliothek Bautzen
  15. Deutsche Rad-und Kraftfahrer-Zeitung, zitiert nach W. Schoppe, Radsportarchiv, Leipzig
  16. Lausitzer Rundschau: Flachsbreche für das Zeissholzer Dorfmuseum
  17. zitiert nach W. Schoppe, Radsportarchiv, Leipzig
  18. www.bulleritz.de: Die Sportbewegung in Bulleritz Abgerufen am 11. Dezember 2016. Hinweis: Die dortige Zählung 25. Bundesfest passt nicht zur Zählung in den Vorjahren.
  19. Streckenführung laut der Ankündigungen in der Deutschen Radler-Post 1913 und 1914.
  20. Handbuch 1925, Lausitzer Radfahrer-Bund e. V. : Druck von E. L. Försters Erben, Pulsnitz i. Sa., S. 35 f..
  21. http://www.ebay.de/itm/Meisterschaft-1927-des-Lausitzer-Radfahrer-Bundes-Bez-Pulsnitz-Fahrrad-/112303520799
  22. http://www.ebay.de/itm/Sch-R-M-1928-29-Bez-6-L-R-B-Fahrrad-Lausitzer-Radfahrerbund/112303524885
  23. Stadtarchiv Freiberg: Akte X. IX. 25 Wett- und Preisfahrten (1909), Korrespondenzen des SRB in Leipzig mit dem Königlichen Ministerum der Justiz in Dresden vom 1. Februar 1912, 12. November 1913, 14. Dezember 1913.
  24. Angaben nach Wolfgang Schoppe, Radsportarchiv 2017, vgl. jensbemme.de: "Rund um die Lausitz", 7. Dezember 2017.
  25. Nachweis im Katalog der SLUB Dresden
  26. Nachweis im Katalog der SLUB Dresden