Lauter (Donau)

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Große Lauter
mäandernd im breiten Tal, Hang mit NSG-geschützter Wacholderheide vor Buttenhausen

mäandernd im breiten Tal, Hang mit NSG-geschützter Wacholderheide vor Buttenhausen

Daten
Gewässerkennzahl DE: 1134
Lage Landkreis Reutlingen, Alb-Donau-Kreis
Flusssystem Donau
Abfluss über Donau → Schwarzes Meer
Quelle bei Offenhausen
48° 23′ 58″ N, 9° 22′ 8″ O
Quellhöhe 665,1 m ü. NHN[1]
Quellschüttung MQ
200 l/s
Mündung gut ein Kilometer südlich von Lauterach in die DonauKoordinaten: 48° 14′ 40″ N, 9° 34′ 54″ O
48° 14′ 40″ N, 9° 34′ 54″ O
Mündungshöhe 507,5 m ü. NHN[1]
Höhenunterschied 157,6 m
Sohlgefälle 3,7 ‰
Länge 42,4 km[1]
Einzugsgebiet 328,637 km²[1]
Abfluss am Pegel Lauterach[2] MNQ
MQ
410 l/s
1,65 m³/s
Gemeinden Gomadingen, Hayingen, Ehingen, Lauterach

Die Lauter (auch Große Lauter) ist ein 42 km langer linker Zufluss der Donau im Bereich der Schwäbischen Alb im südlichen Baden-Württemberg.

Das romantische Flusstal der Großen Lauter ist auf seiner ganzen Strecke wegen zahlreicher flussgeschichtlicher, historischer und landschaftlicher Sehenswürdigkeiten ein sehr beliebtes Ausflugsziel.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man erreicht die Quelle der Großen Lauter von Reutlingen kommend, nach dem Albaufstieg bei Honau. Die Große Lauter ist ein 44 km langer, heute kleiner Fluss der Schwäbischen Alb. Das Flusstal durchquert das Albplateau nach Südost, mit zwei Abschnitten, die von West nach Ost führen: die ersten ca. 8 km eines Lauter-Trockentals bis zur Quelle in Offenhausen (Gomadingen) und der 2,3 km lange Abschnitt bis Lauterach. Kurz hinter Obermarchtal im Alb-Donau-Kreis mündet der Fluss in die Obere Donau. Die Große Lauter ist heute ein kleines Flüsschen, mit einem überwiegend engen, oft schluchtartig eingeschnittenen breiten Tal, aber auch mit mehreren weiten, sanften Talabschnitten, wo das Flüsschen gemächlich mäandernd fließt. Zahlreiche Burgruinen an Engstellen säumen das Tal. Eine Autostraße folgt mit zwei Ausnahmen immer durch das Tal und verbindet die Orte.

Am Fluss-Oberlauf liegen drei Orte in großer Nähe oder direkt am Fluss, die auch nach ihrer Größe zum regional-wirtschaftlichen Zentrum Münsingen gehören: Groß- und Klein-Engstingen mit ca. 5000 Einwohnern, Gomadingen mit ca. 2300 Einwohnern und Buttenhausen (Münsingen) mit ca. 600 Einwohnern. Die zahlreichen weiteren Siedlungen im Tal sind in der Regel kleiner oder höchstens gleichgroß wie Buttenhausen.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Große Vergangenheit eines Urflusses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Südwestdeutschland gibt es viele Flüsse, die den Namen „Lauter“ führen. Davon fließen die Große Lauter und fünf kleinere direkt auf der Schwäbischen Alb, oder beziehen ihr Quellwasser ganz oder teilweise von der Alb und entspringen nahe am Albtrauf. Die Große Lauter und ihr Vorläufer, die Urlauter, gehört neben noch vier weiteren in die Donau mündenden Flüssen auf der Schwäbischen Alb[3] zu denen, die auch heute noch die gesamte Schwäbische Alb nahezu gänzlich oberirdisch durchqueren. Diese Flüsse waren schon Gerinne im mehr als 10 Mill Jahre zurückreichenden Miozän. Die Große Lauter entwässerte damals auch noch das um viele Kilometer weiter nach Norden reichende Plateau der Schwäbischen Alb.[4]

Das breite Lautertal mit seinem kleinen kaum 4 m breiten Flüsschen wurde von einem gewaltige Wassermassen führenden Fluss in den Massenkalk des Oberjura eingetieft. Die zahlreichen Nebenflüsse der Lauter speisten den Fluss zusätzlich. Heute sind die Seitentäler aufgrund einer „reifen“ Verkarstung der gesamten Alb nahezu alle vollständig trockengefallen. Die Unterläufe der Gächinger Lauter und des Dolderbachs bei Marbach, führen dem Flüsschen periodisch noch ein bisschen Wasser zu.

Das hohe Alter der erst zur Graupensandrinne, danach zur Urdonau und sodann zur Oberen Donau entwässernden Großen Lauter ist durch geologische Publikationen in Bild und Text belegt. In mehreren, langen Zeitabschnitten musste sich die Große Lauter – immer der Eintiefung und dem wechselnden Verlauf der Donau folgend – im harten Massenkalk eintiefen. Auf die Eintiefungen folgten seit dem späten Pleistozän zeitweise meterdicke, feinere Sedimentationen und Hochwassersedimente. Im letzten Interglazial der Würm-Eiszeit (spätes Pleistozän) und in der Warmzeit des Atlantikums kam es auch zu starken Kalktuffablagerungen. So entstand eine fruchtbare, teilweise breite, ebene Talaue-Landschaft.

Sichtbare Relikte erdgeschichtlich früherer Zeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der „rheinischen“ Echaz angezapfte danubische Große Lauter (heute 7,9 km Trockental bis zur Quelle)
breites Trockental der plio-pleistozänen Großen Lauter hinter Kohlstetten

Alte Quelläste, die sicher auch bis ins Albvorland reichten und mehrere der Urlauter zufließende Nebentäler bestimmten lange die Größe des Oberlauf der Großen Lauter bis zur heutigen Karstquelle in Offenhausen. Da der Albtrauf weiter nördlich lag, war das Entwässerungsgebiet zudem wesentlich größer. Klimaschwankungen, aber generell sinkende Durchschnittstemperaturen, die „aggressiv“ in das Albplateau vorschreitenden „rheinischen“ Nebentäler – darunter die Echaz – drängten den Albtrauf zurück und schmälerten das Einzugsgebiet der Urlauter. Eine bedeutende Zwischenphase verdeutlichen die zwei Fotos. Das breite, flache plio-pleistozäne Trockental der Großen Lauter ist am Echaztobel (lokaler Albtrauf) und 7 km weiter, rund 1 km vor der heutigen Karstquelle, gut erkennbar.

Die Flussdynamik bildete auf der frühen Oberfläche des Albplateaus Mäander. Große Erosionskräfte und schwankende Wassermengen tieften den Fluss im harten Massenkalk allmählich ein und zwangen dabei die Mäanderschlinge – auch wenn sie ihre Schlingenform mehrfach variierte – sich ebenfalls einzutiefen. So entstanden allmählich Schlinge und Umlaufberg von Gundelfingen. Dabei entstand ein mächtiger, ca. 100 m hoher Prallhang (siehe weiter unten).

Stationen des Flusses bis zur Mündung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die rheinische Echaz hat bis heute eine über 100 m tiefe Traufbucht in den Albkörper getrieben und den Albtrauf bis zum Bahnhof Lichtenstein weit zurückverlegt. Von hier aus setzt sich der Talboden der alten Großen Lauter bis zur aktuellen Karstquelle in Offenhausen als leicht terrassiertes Trockental fort.[5]

Große Lauter-Quelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lauterquelle innerhalb der Klostermauern
Schattiger Ruhepunkt am Quelltümpel der Großen Lauter

Die zu einem Quelltopf angestaute, als Geotop geschützte, Karstquelle entspringt aus der rechten Wand des von Kohlstetten kommenden Trockentals der Großen Lauter aus dem Unteren Massenkalk (Niveau der Unteren Felsenkalk-Formation / Kimmeridgium / ki2), in Offenhausen. Der Quellsee liegt idyllisch innerhalb eines großen Areals, welches an drei Seiten von der noch intakten Mauer eines ehemaligen Frauenklosters umgeben ist. Die früher als Heuscheune entwidmete Klosterkirche (heute Gestütsmuseum), die Pferdeställe und landwirtschaftliche Gebäude gehören zum Haupt- und Landgestüt Marbach.


Mäanderndes Tal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Marbach bis zum Eintritt in den harten Massenkalk vor Hundersingen und erneut nach dem Gundelfinger Umlaufberg bis zur kleinen Gefällestufe beim „Hohen Gießel“ / Karstquelle „Blaubrunnen“ hat die Lauter schöne Mäander gebildet. Mäander bilden sich immer, wenn bei relativ geringem Sohlengefälle, verhältnismäßig breitem Tal mit Abschwemmmassen von saisonalen oder sonstwie klimatisch bedingtem größeren Wasserreichtum und keinen massiven Hindernissen, die Flusswasserdynamik lange genug wirkt. Aber auch in den felsigen Abschnitten haben sich ursprünglich oberflächennahe Mäander, je nach den Schichtverhältnissen des Reliefs ins Gelände eingetieft. Heute ist in diesen Abschnitten die Topografie der Lauter durch Gebirgsmäander geprägt.

Einer der typischten Ausblicke auf einen verkarsteten Albfluss bietet sich in Bichishausen. Am Horizont biegt die Lauter nach rechts in die große Schlinge, die sie um den nicht ganz abgeschnürten Umlaufberg beim Dorf Gundelfingen führt. Unter der Oberfläche des fruchtbaren Talbodens befinden sich Aufschüttungssedimente, u. a. Kalk-Gerölle, Hangschutt, Grobkies, mehr oder weniger organische Substanz, steiniger Lehm, Torf. Ein Phänomen ist die unterschiedlich starke, durchgehende Kalktuffbarre, die sich in der Warmzeit der letzten Eiszeit-Epoche gebildet hat. Das geologisch markante Kalktuffsediment setzte sich auch nach dem Horizont noch über weitere 2 km ab – über die ganze Gundelfinger Schlinge bis zur Mündung des Heiligentals, südlich des Fleckens Wittsteig. Die für die heute kleine Große Lauter große Talbreite geht auf erdgeschichtliche Epochen zurück, in denen der Fluss nicht nur in Hochwasserzeiten erheblich größer war. Im Vordergrund des Fotos steht der Turm der 1735 im Barockstil erbauten katholischen Pfarrkirche.

Umlaufberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick von Bichishausen über das breite Lautertal
Fast abgeschnürter Umlaufberg der Lauter bei Gundelfingen

Eine Mäanderschlinge einer frühen, auf einer noch kaum eingetieften Alboberfläche fließenden Großen Lauter grub sich an der Gundelfinger Lauterschlinge sukzessive im harten Massenkalk ein. Das modellierte allmählich den Umlaufberg und den mächtigen Prallhang heraus. Die rechte Flanke des Prallhangs, eine Bürzel genannte Wacholderheide, diente der Beweidung durch Schafherden. Das heute klein geschrumpfte Lauterbett und der besonders an den beiden Flanken des Umlaufbergs aufgeschüttete Gleithang boten viel Platz für Acker- und Weideflächen und für das kleine Dorf Gundelfingen. Die Nord-Süd-Autostraße des Lautertals überwindet auf kürzestem Wege den nur noch wenige Meter über dem Flusstal liegenden Sporn des Umlaufberges.

Schluchtartiges Tal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mäander im ersten Lautertalabschnitt
„Hoher Gießel“, Geländestufe im ersten Lautertalabschnitt

Die beiden Talabschnitte Anhausen-Unterwilzingen-Laufenmühle (5,4 und 2,3 km), wo sich die Lauter durch Massenkalkfelsen erodieren muss (mit 1,3 km Unterbrechung eines flach-breiten Talabschnitts), können und dürfen nur per pedes oder mit dem Fahrrad bewältigt werden. Die Lauter hat hier steile Hänge produziert. Vom Talweg sichtbare schroffe Felsen verdeutlichen, dass die Flusseintiefung im felsig-harten Gelände schwierig war, sie zwingen den Fluss immer wieder zu mäandernden Richtungswechseln. Meistens verbirgt ein dicht bis zum Talboden reichender und auch jeden humosen Felsvorsprung nutzender Bewuchs mit Laubbäumen und Büschen den Blick auf schroffe Felswände. Ein flacher sedimentierter Talboden mit dem armseligen Lauter-Rinnsal lässt gerade mal Platz für einen Wiesenteppich und einen Schotterweg.

Bäume bis zum Talboden
Sichtbare große Verwerfung (100–115 m,) bei Oberwilzingen
Stufiger Wasserfall über großer Kalktuffbarre an der Laufenmühle

Abgesehen davon, dass der Bau einer Autostraße hier ein sehr kostspieliges Unterfangen gewesen wäre, wenn dadurch die Landschaft nicht zerstört werden soll, hat hier die Vernunft, vielleicht auch die Ehrfurcht vor der Grandiosität der Natur, gesiegt. Wo anderswo im Tal Autostraße vorhanden ist, ermahnen Warnschilder insbesondere einem Geschwindigkeitsrausch verfallende Motorradfahrer, die Tal-Bewohner nicht durch Motorlärm zu nerven. Vor allen an Wochenenden scheint der Text seine Berechtigung zu haben: „Langsam und leise fahren, sonst droht Fahrverbot!“

Im ersten Schluchtteil liegen auf halber Strecke der ca. 4 m hohe, durch eine Kalktuffterrasse abgestufte Geotop Hoher Gießel und geologisch mit dieser Gefällstufe zusammenhängend an der Unterkante der Kalktuffterrasse die Karstquelle Blaubrunnen. Weiterführende geologische Publikationen zu diesen Erscheinungen sind sehr rar.[6]

3 km hinter Anhausen quert die „Lautertal-Störung“, eine in drei Bewegungs- und Altersstufen gegliederte ca. 15 km lange Verwerfung. Der jüngste, obermiozäne, Teil der Verwerfung, südlich des Lautertals bei Oberwilzingen, hat hier eine Abschiebungsstufe von 100–115 m hinterlassen. Die Verwerfung der südlichen Scholle ist sogar mit dem bloßen Auge gut erkennbar. Die Verwerfung wirkte sich aber auf Fluss und Tal nicht aus.[7]

Am Ende des zweiten straßenfreien Abschnitts (bis zur Laufenmühle) endet die zweite, 1,7 km lange, Kalktuffbarre der Unteren Großen Lauter. Auf dem Foto (Wasserfall an der Laufenmühle), ein ca. 7 m hoher, gestufter Karstwasserfall, ist das dicke Kalktuff-Sediment noch deutlich erkennbar. Hier an der Laufenmühle wurde auch bis ca. 1950 in einem Steinbruch eine ca. 60 m starke Kalktuffschicht abgebaut.

Besonderheiten in Orten am Fluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Offenhausen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reaktiviertes Wasserkraftwerk (restauriert) mit Wasser der hinter der Klostermauer liegenden Lauterquelle

Wasserkraftwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unmittelbar hinter dem gestauten Quellsee der Lauterquelle und der Klostermauer stürzt das Wasser der Quelle mit einer Schüttung von ca. 200 bis 1500 l/s 3 m tiefer. Ein halbes Jahrtausend wurde die Wasserkraft für den Mühlenbetrieb genutzt, dann wurde an gleicher Stelle ein Pumphaus errichtet. Der Betrieb einer Wasserturbine im kleinen Wasserkraftwerk lieferte von 1955 bis 1976 Energie zur Stromerzeugung. Maschinenhaus und Technik wurden vom „Verein zur Reaktivierung und Betrieb des Kraftwerks Offenhausen (KWO) e.V.“ restauriert, auch mit Mitteln eines PLENUM-Projektes. Seit 2006 fließt wieder Strom (siehe unten Weblink Wasserkraftwerk Offenhausen). Fenster erlauben den Blick ins überschaubare Innere des Maschinenhauses; Tafeln an der Außenseite mit vier Informationenbereichen ermöglichen zu jeder Zeit vertiefte Informationen zur Thematik Wasserkraft im Lautertal.

Ehemaliges Kloster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mauern des ehemaligen Frauenklosters „Maria Gnadenzell“ des Dominikaner-Ordens sind noch weitgehend intakt, während der Betrieb als Kloster schon um 1600 zugunsten eines Gestüts aufgegeben wurde. Der Lauter-Ursprung liegt innerhalb der Klostermauern. Lange wurde das Gebäude der gotischen Klosterkirche als Scheune genutzt und vor wenigen Jahren zum Gestütsmuseum umgebaut. Das Museum, Ställe für Pferdezucht und weitere Gebäude sind heute eine landwirtschaftliche Zweigstelle des Landesgestüts in der Siedlung Marbach weiter unten am Fluss.

Marbach / Grafeneck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landesgestüt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es ist das Landesgestüt des Landes Baden-Württemberg in Marbach an der Lauter mit Zweigbetrieben in Offenhausen und St. Johann. Mit seiner Jahrhunderte alten Tradition ist es eine Anlaufstelle für Pferdezüchter und Reitsportler. Im Mai finden eine jährliche Leistungsdemonstration, verschiedene Wettbewerbe und Paraden auf eigenem Platz statt. Die Betriebe bearbeiten auch diverse landwirtschaftliche Flächen und Nutzviehhaltung.

Tötungsanstalt Grafeneck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2,6 Straßenkilometer von Fluss und Gestüt ein Seitental aufwärts liegt im Abseits das ehemalige evangelische „Samariter-Stift Grafeneck für behinderte krüppelhafte Männer“. Im Oktober 1939 hat das NS-Regime durch den Münsinger Landrat das Schlossgebäude „für Zwecke des Reiches“ offiziell beschlagnahmt, um es als erste Tötungsanstalt des NS-Regimes zu nutzen. Anfang 1940 wurde das Schloss ein Jahr lang als Tötungsanstalt von Menschen, die aus Krankenanstalten und Heimen verlegt wurden, genutzt. Bis zur Schließung im Dezember 1940 wurden 10.654 Menschen mit Behinderung in einer als Duschraum getarnten Gaskammer, die sich in einer „Garage“ befand, getötet.[8]

Buttenhausen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roßbachquelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roßbachquelle Buttenhausen vor 1914

Das Naturdenkmal „Karstquelle-Roßbach-Ursprung“ kommt am linken Talrand aus den Weißjura-Schichten (Kimmeridgium, ki1 und ki2) des Galgenbergs zutage – unterhalb des 1816 erbauten Weidenbach Schlosses des örtlichen Adels (heute Bruderhausdiakonie). Die Quelle ist durch ein mit einem Metallgitter versehenen Gewölbe geschützt. Bis 1909 war diese Quelle die Haupttrinkwasserversorgung des Ortes. Der Bach, der nach 300 m in der Lauter mündet, war eine ideale Viehtränke.

Jüdisches Leben in Buttenhausen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gebäude der ehemaligen „Bernheimer’schen Realschule“ ist seit 2013 das Jüdische Museum untergebracht. In Buttenhausen bot ein Judenschutzbrief von 1787 zunächst 25 jüdischen Familien eine Ansiedlung. Ein friedliches christlich-jüdisches Zusammenleben entwickelte sich. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts umfasste die jüdische Gemeinde die Hälfte der gesamten Dorfbevölkerung. Das NS-Regime hat die Jüdische Gemeinde ausgelöscht. (siehe den Weblink unten: Juden in Buttenhausen)

Der Ikarus vom Lautertal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gustav Mesmer, geboren 1903 in Altshausen (bei Ravensburg), starb 1999, 92-jährig, in Buttenhausen, wo er seit 1964 als Korbflechter arbeitete und lebte. Er hatte in den ersten 61 Jahren seines Lebens ein schweres Schicksal. Nach einer „Störung“ eines Gottesdienstes und „auffälliger Verhaltensweisen“ wird er aufgrund eines hausärztlichen Berichts im März 1929 in die Heilanstalt Bad Schussenried eingewiesen. Nach mehreren, letztlich erfolglosen Ausbruchsversuchen und einem insgesamt 35-jährigen (!) Aufenthalt kommt er 1964 frei und lebt seitdem in der Bruderhausdiakonie Buttenhausen (siehe auch den Weblink unten: Mesmer in der Bruderhausdiakonie). Der offensichtlich zeichnerisch und handwerklich geschickte Träumer wurde wegen seiner zahlreichen fantastischen Zeichnungen und seiner mit Fahrrad und Holzkonstruktionen fahrenden Fluggeräte als „Ikarus vom Lautertal“ bekannt. Seine Werke werden immer wieder – auch aktuell – als Kunstwerke in Ausstellungen gezeigt.

Lauteracher Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steinsäge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Beginn des Wolfstals (ein Tal vor dem Ort Lauterach) wurde ein historisches Steinbruch-Werkzeug wieder aufgestellt: Eine restaurierte Steinsäge aus dem Kalktuff-Steinbruch bei der Laufenmühle. Die Säge diente zum Schneiden von Steinquadern, die, weil sehr geeignet, früher gerne für den lokalen Hausbau genutzt wurden.

Wolfstal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wolfstal, ein beliebtes linksseitiges Wanderer-Nebental der Lauter, ist ein enges, tiefeingekerbtes Durchbruchstal zur Großen Lauter. Besonders zur Blütezeit wächst hier ein extensiver Märzenbecher-Teppich. Aber auch zu anderen Jahreszeiten ist es ein ruhiger Wanderpfad (außer an Wochenenden) mit Felsen und einer „Bärenhöhle“ im Kalkgestein.

Lautermündung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da sich die sehr wasserreiche Aaredonau und danach die kleinere Donau bis heute etwa 200 m eingetieft hatte, musste die Große Lauter im Laufe ihrer Erdgeschichte ihr Gefälle auf den letzten 20 % ihrer Strecke am Unterlauf bei Lauterach um 33 % erhöhen, damit sie, durch eine bewaldete Schlucht stürzend, die Mündungstiefe der Donau erreichen konnte!

Wacholderheiden / Magerrasen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wacholderheide Eichhalde, vor Buttenhausen. Der Zaun zeigt die Verbuschungsgefahr ohne Weidung

Im 18. und 19. Jahrhundert war die Schafehütung eine flächendeckende Kulturtätigkeit vor allem an Hängen der ganzen Schwäbischen Alb. Der kalkige, meistens nährstoffarme Untergrund eignet sich gut für ausgedehnte Buchenwälder[9] oder eben für Beweidung. Der Verbiss durch Schafe und Ziegen hat alle wohlschmeckenden Pflanzen kurzgehalten. Pflanzen, wie Wacholder oder stachelige Disteln, wurden von den Tieren gemieden. So bildete sich die für die Schwäbische Alb typische Wacholderheiden-Landschaft. Heute werden die noch nicht aufgegebenen Schafbetriebe subventioniert, damit sie zur Pflege beitragen. Magerrasen oder Halbtrockenrasen, die nur ein- bis zweimal, aber auch nicht mehr als zweimal, jährlich eine „Maht“ brauchen, gibt es noch zahlreich, wenn früher und heute ansonsten keine Beweidung stattfand. Aber auch ebene Flächen und Talauen werden gerne als Weideland oder für Viehfutter genutzt. Die Bestände dieser Offenlandschaften sind aber wegen tendenziell nicht ausreichender Pflege gefährdet.

An den Hängen des Oberen und Mittleren Lautertals gibt es noch diese Landschaften: Am auch trockenen Oberlauf, in Gomadingen, Dapfen, Wasserstetten, Buttenhausen, Hundersingen, Bichishausen, Gundelfingen, Weiler.

Halbtrockenrasen auf dem Talboden, geschützte Wacholderheide am Hang
Fluss- und Quellfeuchtes Tal der Oberen Großen Lauter in Gomadingen, gepflegte Wacholderheide „Schömberg“

Burgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

15 Burgruinen in schluchtartigen Teilen des Mittleren und Unteren Großen Lautertals zeugen von bewegten Herrschaftsverhältnissen des Mittelalters. Der durchschnittliche Abstand zwischen den Ruinen beträgt nur 1,4 Kilometer.

Wassersport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Lauter ist in beschränkten Zeitzonen Kanufahren mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden möglich. Oberhalb Buttenhausen ist der Fluss ganzjährig gesperrt, von Buttenhausen bis Unterwilzingen im Zeitraum vom 15. März bis 30. Juni. Ausnahmegenehmigungen für Einzelfahrer können für den Abschnitt Anhausen bis Unterwilzingen von der Naturschutzbehörde Ulm erteilt werden. Organisierte Fahrten, gewerblicher Verleih und Veranstaltungen benötigen ganzjährig eine behördliche Erlaubnis.

Um eine Übernutzung des Gewässers zu vermeiden, ist die Befahrung der Lauter zwischen Buttenhausen und Anhausen an Wochenenden und Feiertagen im Zeitraum vom 1. Juli bis 30. September nicht gestattet. Weiterhin bestehen für die Befahrung Mindest- und Höchstwerte für den Wasserstand: Als Mindestpegel gilt in Indelhausen an der Getreidemühle 30 cm, empfohlen wird ein Mindestpegel von 45 cm. Für den Abschnitt zwischen Unterwilzingen bis zur Mündung in die Donau ist eine Befahrung bei einem Pegel von 75 cm und mehr am Pegel Lauterach nicht gestattet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons Bildmaterial[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bildmaterial zur Großen Lauter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • H. Prinz: Die Geologie des Unteren Großen Lautertals und des angrenzenden Donaugebietes. Arbeiten d. Geologisch-Paläontologischen Instituts, TH Stuttgart, 1959.
  • Stadt Münsingen (Hrsg.): Münsingen. Geschichte, Landschaft, Kultur. Festschrift zum 500. Jahrestag des Münsinger Vertrages von 1482. Sigmaringen 1982.
  • O. F. Geyer, M. P. Gwinner: Geologie von Baden-Württemberg. 3. Auflage. Stuttgart 1986
  • E. W. Bauer, P. Enz-Meyer: Hinter der blauen Mauer, Bilder von der Schwäbischen Alb. Stuttgart 1993.
  • H. Dongus: Die Oberflächenformen Südwestdeutschlands. Stuttgart 2000.
  • M. Strasser, A. Sontheimer: Die Laierhöhle und die Ur-Lone – Ein landschaftsgeschichtlicher Überblick. In: Mitteilungsblatt des Kahlensteiner Höhlenvereins. 38, Bad Überkingen 2005, S. 85 ff.
  • T. Huth, B. Junker: Geotouristische Karte von Baden-Württemberg 1:200000 – Südost, Erläuterungen. Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau, Freiburg 2005.
  • H. Speck: Kanuführer Württemberg: Flusskarten und -beschreibungen. (= DKV-Regionalführer). hrsg. von Kanu-Verband Württemberg. 3. Auflage. Wirtschafts- und Verlags-Gesellschaft, Duisburg 2005, ISBN 3-924580-99-5.
  • R. Deigendesch: Ritter und Bauern im Lautertal: 900 Jahre Bichishausen, Gundelfingen, Hundersingen. herausgegeben vom Festausschuss 900 Jahre Bichishausen. Gundelfingen/ Hundersingen 2005.
  • J. Eberle, B. Eitel, D. Blümel, P. Wittmann: Deutschlands Süden vom Erdmittelalter zur Gegenwart. Heidelberg 2007.
  • W. Rosendahl, B. Junker, A. Megerle, J. Vogt (Hrsg.): Wanderungen in die Erdgeschichte. Band 18: Schwäbische Alb. 2. Auflage. München 2008.
  • M. Geyer, E. Nitsch, T. Simon (Hrsg): Geologie von Baden-Württemberg. 5., völlig neu bearbeitete Auflage. Stuttgart 2011.
  • R. Enkelmann, D. Ruoff, W. Wohnhas: Im Herzen der Alb, Natur und Kultur im Biosphärengebiet. Zübingen 2015.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Kartendienste der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) (Hinweise)
  2. Hochwasser-Vorhersage-Zentrale Baden-Württemberg
  3. Bära, Schmiecha/Schmeie, Lauchert, Ur-Brenz. Der Faulenbach ist nur noch ein kümmerlicher Rest der verschwundenen großen danubischen Eschach
  4. Der im Miozän aktive Vulkanschlot in Scharnhausen, belegt einen 20 km weiter nördlichen Albtrauf bei Stuttgart oder noch weiter nördlich, denn in seinem Schlot wurde Weißer Jura gefunden.
  5. Dongus 2000.
  6. Geotouristische Karte 2006, S. 329.
  7. H. Prinz, 1959.
  8. Angaben aus dem Wikipedia-Artikel „Tötungsanstalt Grafeneck
  9. Stadt Münsingen 1982, S. 549.