Lautertal (Odenwald)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Lautertal (Odenwald)
Lautertal (Odenwald)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Lautertal (Odenwald) hervorgehoben
Koordinaten: 49° 43′ N, 8° 42′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Kreis: Bergstraße
Höhe: 200 m ü. NHN
Fläche: 30,76 km²
Einwohner: 7193 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 234 Einwohner je km²
Postleitzahl: 64686
Vorwahlen: 06254, 06251 (Elmshausen)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: HP
Gemeindeschlüssel: 06 4 31 014
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Nibelungenstraße 280
64686 Lautertal (Odenwald)
Webpräsenz: www.lautertal.de
Bürgermeister: Jürgen Kaltwasser (SPD)
Lage der Gemeinde Lautertal (Odenwald) im Kreis Bergstraße
Groß-Rohrheim Zwingenberg (Bergstraße) Biblis Viernheim Lampertheim Bürstadt Einhausen (Hessen) Lorsch Bensheim Lautertal (Odenwald) Lindenfels Heppenheim (Bergstraße) Heppenheim (Bergstraße) Fürth (Odenwald) Grasellenbach Rimbach (Odenwald) Mörlenbach Wald-Michelbach Birkenau (Odenwald) Abtsteinach Gorxheimertal Hirschhorn (Neckar) Neckarsteinach Michelbuch (gemeindefreies Gebiet) Rheinland-Pfalz Baden-Württemberg Kreis Groß-Gerau Landkreis Darmstadt-Dieburg OdenwaldkreisKarte
Über dieses Bild
Ortsteil Reichenbach mit evangelischer Kirche – dahinter sind die Felsenmeerschule und am rechten oberen Bildrand eine Natursteinfabrik zu sehen

Lautertal (Odenwald) ist eine Ende 1971 neu geschaffene Gemeinde im hessischen Odenwald im Kreis Bergstraße. Die Gemeindeverwaltung liegt im Ortsteil Reichenbach.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Lautertal beginnt bei der Quelle des Baches Lauter an der Neunkircher Höhe und verläuft in westliche Richtung zunächst breiter, dann recht schmal und steil bis an die Bergstraße, wo die Lauter in Bensheim ihren Namen in Winkelbach ändert. Außerdem gehören zu Lautertal mehrere Höhenzüge zu beiden Seiten des eigentlichen Tales.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lautertal grenzt im Norden an die Gemeinden Seeheim-Jugenheim und Modautal im Landkreis Darmstadt-Dieburg, im Osten an die Stadt Lindenfels, im Süden an die Gemeinde Fürth und die Stadt Heppenheim sowie im Westen an die Stadt Bensheim.

Ortsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lautertal besteht aus den elf Ortsteilen Reichenbach (Sitz der Gemeindeverwaltung), Lautern, Gadernheim, Raidelbach, Knoden mit dem Weiler Breitenwiesen, Schannenbach, Elmshausen, Beedenkirchen, Staffel und den benachbarten Weilern Schmal-Beerbach und Wurzelbach.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Lautertal entstand am 31. Dezember 1971 im Rahmen der Gebietsreform in Hessen durch den freiwilligen Zusammenschluss von vier bis dahin selbstständigen Gemeinden: Elmshausen (ohne den Ortsteil Wilmshausen), Gadernheim (mit Raidelbach, aber ohne den Ortsteil Kolmbach), Lautern und Reichenbach, in die am gleichen Tag die Gemeinde Beedenkirchen (mit Staffel) eingegliedert wurde.[2] Am 1. August 1972 wurden die Gemeinden Knoden und Schannenbach sowie Teile der zur Stadt Bensheim gehörigen Gemarkung Reichenbach kraft Gesetzes in die neu entstandene Gemeinde eingegliedert.[3] Am 1. Januar 1977 folgte der Weiler Schmal-Beerbach, das bis dahin der Gemarkung Ober-Beerbach und der Gemeinde Seeheim (Landkreis Darmstadt) angehörte.[4][5]

Für die Ortsteile Reichenbach, Elmshausen, Lautern, Gadernheim, Raidelbach, Knoden mit Breitenwiesen, Schannenbach und Beedenkirchen mit Schmal-Beerbach, Staffel und Wurzelbach wurde je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.[6]

Der Ursprung der einzelnen Gemeindeteile liegt zum Teil bereits in römischer Zeit (siehe Felsenmeer) und im Mittelalter (von einer vermutlich einmal bestehenden Burg bei Gadernheim haben sich jedoch keine Reste erhalten).

Der Name der Gemeinde wurde am 1. Juli 1980 amtlich in Lautertal (Odenwald) geändert.[7]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden silbernen Sterne im oberen Bereich des Wappens haben ihren Ursprung im Wappen der Fürsten von Erbach-Schönberg. Das Wellenband, das sich in der Mitte des Wappens befindet, soll das Flüsschen Lauter, das durch Lautertal fließt, darstellen. Das Goldene Kreuz im unteren Wappenteil ist das Kreuz von Sankt Andreas, dem die 1426 erbaute Kirche in Reichenbach geweiht wurde.[8]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[9] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[10][11]

Sitzverteilung in der Gemeindevertretung 2016
    
Von 31 Sitzen entfallen auf:
  • SPD: 9
  • GLL : 3
  • CDU: 9
  • LBL : 10
Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 30,6 9 45,5 14 50,6 16 51,8 16
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 27,6 9 33,6 11 33,7 10 30,8 10
GLL Grüne Liste Lautertal 10,6 3 17,1 5 6,4 2 7,1 2
LBL Lautertaler Bürgerliste 31,2 10
UBL Unabhängige Bürgervertretung Lautertal 3,8 1
FWGL Freie Wählergemeinschaft Lautertal 7,0 2 10,3 3
FDP Freie Demokratische Partei 2,2 1
gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31
Wahlbeteiligung in % 58,7 53,8 54,3 59,2

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jürgen Kaltwasser (SPD) ist seit 1996 erster direkt gewählter Bürgermeister von Lautertal. Er wurde zuletzt am 22. September 2013 im ersten Wahlgang mit 55,9 Prozent der Stimmen für eine vierte sechsjährige Amtszeit wiedergewählt. Die Wahlbeteiligung betrug 77,1 Prozent.[12]

Erster Bürgermeister der neu geschaffenen Gemeinde Lautertal wurde Karl Germann (SPD), der zuvor seit 1962 Bürgermeister von Reichenbach war. Ihm folgte Josef Weitzel (SPD), der von 1973 bis 1985 amtierte. Nächster Amtsinhaber war von 1985 bis 1991 Gottfried Beyß (CDU). Von 1991 bis 1996 kehrte noch einmal Josef Weitzel (SPD) als Rathauschef zurück.[13]

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Wegweiser am Waldgasthaus Am Borstein verweist auf alle touristischen Ziele: Kaiserturm, Kuralpe, Ohlyturm, OWK-Ehrenmal, Borstein, Neunkircher Höhe, Felsberg, Hohenstein, Zehnes, Reichenbach, Felsenmeer, Fürstenlager, E1

Der Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald ist ein Naherholungsgebiet für zahlreiche Tagestouristen des bevölkerungsreichen Rhein-Main- und Rhein-Neckar-Gebiets. Neben zahlreichen lokalen Wanderwegen kreuzen sich in Lautertal die Europäischen Fernwanderwege E1 und E8. Der Nibelungensteig, ein 124 Kilometer langer, mit dem Gütesiegel "Wanderbares Deutschland" zertifizierter Wanderweg, führt ebenfalls durch die Gemeinde.

Felsenmeer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Felsenmeer (Lautertal)

Bei Familien und Wanderern beliebt ist das überregional bekannte Felsenmeer oberhalb des Ortsteils Reichenbach. Es handelt sich um einen mit abgerundeten Granitblöcken überzogenen Berghang, der auch von Kindern leicht durchklettert werden kann. Die Römer nutzten das Felsenmeer zur Gewinnung von Baumaterial. Davon zeugt unter anderem die so genannte Riesensäule.

Hohenstein und Borstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ortsteil Reichenbach liegen zwei vom Deutschen Alpenverein anerkannte Kletterfelsen, der 17 m hohe Hohenstein und der 8 m hohe Borstein beim Waldgasthaus Am Borstein, einem ehemaligen Naturfreundehaus. Beide Felsen haben auch über Aufstiegsmöglichkeiten mit geringem Schwierigkeitsgrad und werden von vielen Kletterkursen genutzt.

Historische Häuser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrere Ortsteile haben ihre alten Fachwerkrathäuser bewahrt, zumeist aus dem 16.–17. Jahrhundert: Elmshausen mit dem 1777 erbauten Fachwerkrathauses, Reichenbach und Gadernheim (dort ist heute das Heimatmuseum untergebracht). In Gadernheim gab es bereits 1608 eine Schmiede, heute das älteste Gebäude des Lautertals und eine der ältesten unveränderten Schmieden Hessens. Sie ist jedoch in schlechtem Zustand und wird wohl nicht mehr lange zu erhalten sein.

Kaiserturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kaiserturm

Vorgänger war ein 24 m hoher Holzturm, der 1888 von Adam Fleischman erbaut und am 11. Februar 1904 in einer Sturmnacht umgerissen wurde. Der Kaiserturm (zur Erinnerung an Kaiser Wilhelm I.) auf der Neunkircher Höhe ist der höchste Punkt im Lautertal. Er steht auf Gadernheimer Gemarkung. In seiner heutigen Ausführung wurde er von den Architekten Hacker und Jaide als Aussichtsturm mit einer Höhe von 34 m entworfen. Maurermeister Adam Arras aus Gadernheim erbaute den Turm 1906/07. Die Initiatoren nahmen das 25-jährige Bestehen der Ortsgruppe Darmstadt des Odenwaldklubs zum Anlass, den Turm am 7. Juli 1907 in einer Einweihungsfeier förmlich an die Bevölkerung zu übergeben. 1982 wurde der Kaiserturm aufwändig saniert. Doch schon wenige Jahre später zeigten sich wieder Risse im Turm, die, durch „riesige Antennen“ von Post und Polizei verursacht, das Regenwasser eindringen und im Innern Fäulnisprozesse in Gang setzen ließen. Im November 1986 waren Dank der finanziellen Unterstützung durch die Kreise Darmstadt-Dieburg und Bergstraße sowie der Stadt Darmstadt alle Schäden behoben. Im Kaiserturm befindet sich „die höchste Wirtschaft“ des Odenwaldes.[14]

Evangelische Pfarrkirche Gadernheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche in Gadernheim

1912/1913 erbaute der bekannte Jugendstil-Architekt Heinrich Metzendorf diese große Kirche im sogenannten Heimatstil. Sie dominiert, auf dem höchsten Hügel des Dorfes gelegen, das obere Lautertal. Es handelt sich um einen Saalbau mit ausladender polygonaler Apsis und einem Fassadenturm, alles mit steilen Dächern gedeckt. Nach außen hin zeigt die Kirche vor allem Granit und – davon abgesetzt – Sandsteinelemente. Der obere Teil der Fassade und des Turmes ist mit graublau lackierten Holzschindeln verschalt. Die Innenausstattung (Gestühl, Kanzelaltar) ist aus der Erbauungszeit erhalten.

Striethteich Elmshausen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Naherholungsgebiet Striethteich in Elmshausen wurde vor ungefähr 40 Jahren vom Verschönerungsverein Elmshausen aus einem Sumpfgebiet geschaffen. Der Teich bietet Wasservögeln, die eine eigene kleine Insel im Teich zur Verfügung stehen haben, einen guten Lebensraum. In unmittelbarer Nähe befindet sich ein kleines Schutzhäuschen und ein kleines, wasserbetriebenes Modell der Deichertsmühle. Jedes Jahr findet dort am Himmelfahrtstag ein Frühlingsfest statt, das vom Verschönerungsverein Elmshausen und der Elmshäuser Kerwejugend organisiert wird.[15]

Das Modell der Deichertsmühle am elmshäuser Striethteich

Schulen und Kindergärten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindergärten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Evangelischer Kindergarten Beedenkirchen. Hechlergasse, Lautertal-Beedenkirchen
  • Evangelischer Kindergarten Elmshausen. Buchealdstraße 2, Lautertal-Elmshausen
  • Evangelischer Kindergarten "Arche Noah" Gadernheim. Kirchstraße 16, Lautertal- Gadernheim
  • Evangelischer Kindergarten "Drosseln & Finken" Lautern. Löserweg 12, Lautertal-Lautern
  • Evangelische Kindertagesstätte Reichenbach. Knodener Straße 32, Lautertal-Reichenbach
  • Naturkindergarten Reichenbach. Auf der Binn, Lautertal-Reichenbach[16]

Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grundschule Elmshausen. Niebelungenstraße 42,Lautertal-Elmshausen
  • Mittelpunktschule Gadernheim (Grund-, Haupt-, Realschule). Heidenbergstraße 18 Lautertal-Gadernheim
  • "Felsenmeerschule" Reichenbach (Grundschule). Knodener Straße 1, Lautertal-Reichenbach[17]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Bekanntgabe von Zusammenschlüssen und Eingliederungen von Gemeinden durch den Hessischen Minister des Innern vom 29. Dezember 1971 (StAnz. 1972 S. 84, 88) Seite 8 der PDF-Datei 5,96 MB, Nr. 82, 83 und 84 der Bekanntgabe
  3. Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Bergstraße vom 11. Juli 1972, GVBl. I S. 222, § 1 Gemeinde Lautertal
  4. zur Neugliederung der Landkreise Darmstadt und Dieburg und der Stadt Darmstadt vom 26. Juni 1974, GVBl. I S. 318, § 17 Gemeinde Lautertal
  5. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 211
  6. Einrichtung von Ortsbzirken nach der Hauptsatzung (PDF; 22 kB)
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 350.
  8. Gemeinde Lautertal: Geschichte, Zahlen, Daten, abgerufen im Juni 2016.
  9. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016
  10. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  11. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006
  12. Hessisches Statistisches Landesamt: Direktwahlen in Lautertal
  13. Verschönerungsverein Reichenbach 1974: Vom Schultheiß, Bürgermeister und Ortsvorsteher
  14. Schlagzeilen aus Bensheim zum 175-jährigen Bestehen des „Bergsträßer Anzeigers“ 2007. Der Odenwaldklub und die Türme. S. 30, archiviert vom Original am 20. Dezember 2014, abgerufen am 28. Dezember 2014 (pdf 8,61 MB).
  15. Informationen zum Striethteich: Aufbruch und Ankunft im Odenwald und der Gemeinde Lautertal
  16. Kindergärten der Gemeinde Lautertal
  17. Schulen der Gemeinde Lautertal

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lautertal (Odenwald) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien