Lavizzara

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Kreis siehe Lavizzara (Kreis).
Lavizzara
Wappen von Lavizzara
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Vallemaggiaw
Kreis: Kreis Lavizzara
BFS-Nr.: 5323i1f3f4
Postleitzahl: 6692-6696
Koordinaten: 693858 / 14391446.448.66763Koordinaten: 46° 26′ 24″ N, 8° 39′ 36″ O; CH1903: 693858 / 143914
Höhe: 763 m ü. M.
Fläche: 187,21 km²
Einwohner: 572 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 3 Einw. pro km²
Website: www.lavizzara.ch
Karte
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Lavizzara ist eine politische Gemeinde im Kreis Lavizzara, im Bezirk Vallemaggia des Kantons Tessin in der Schweiz. Die Gemeinde entstand durch die Fusion der früheren Gemeinden Broglio, Brontallo, Fusio, Menzonio, Peccia und Prato-Sornico am 4. April 2004.

Geographie[Bearbeiten]

Brontallo

Die Gemeinde umfasst den gesamten nordöstlichen Teil des Bezirks Vallemaggia. Haupttal ist das Val Lavizzara, an welches sich nördlich das Val Sambuco anschliesst. Die wichtigsten Seitentäler sind das Val di Peccia, ein westliches Seitental, welches bei Peccia abbiegt und das Val di Prato östlich von Prato. Im Nordwesten der Gemeinde liegt der Lago del Narèt (2'240 m ü. M.), welcher die Quelle des Flusses Maggia bildet. Die Maggia fliesst dann durch das Val Sambuco in den Stausee Lago del Sambuco (1'461 m ü. M.), welcher erst im 20. Jahrhundert entstand.

Die Laghetti östlich vom Lago di Naret, der Lago di Mognola (2'003 m ü. M.) östlich des Weilers Mogno und der Lago di Tomeo (1'692 m ü. M.) im Südosten der Gemeinde sind weitere grössere Seen. Grösster Zufluss für die obere Maggia ist der Peccia-Bach, welcher bei Peccia von links einmündet. Es gibt zahlreiche kleinere Bäche auf Gemeindegebiet. Ein Grossteil der Gemeinde besteht aus Hochalpen und Gebirge. Das gesamte Tal wird von einem Gebirge umschlossen, welches wie ein nach Südwesten orientiertes liegendes Hufeisen aussieht.

Die bedeutendsten Gipfel sind der Cristalina (2'912 m ü. M.), der Campo Tencia (3'072 m ü. M.), die Corona di Redorta (2'804 m ü. M.) und der Monte Zucchero (Zuckerberg; 2'736 m ü. M.). Zwischen dem Val Bavona, dem Val di Peccia und dem Val Lavizzara (von West nach Ost) liegt ein weiteres hufeisenförmiges Gebirge, das meist eine Höhe von 2'600 m ü. M. erreicht. Der höchste Gipfel dieser Gruppe ist der Poncione di Braga mit 2'864 m ü. M.

Vom gesamten Gemeindeareal von über 187 km² sind mehr als die Hälfte, nämlich 53,9 %, unproduktive Flächen (meist Gebirge und Seen). Weitere 30,2 % sind von Wald und Gehölz bedeckt. Nur 15,2 % der Gemeindefläche können landwirtschaftlich genutzt werden; überwiegend sind dies Hochalpen, welche nur Viehzucht (Schafe, Ziegen und Kühe) zulassen. Das restliche Gebiet von 0,7 % ist Siedlungsfläche.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Im Ortsteil Fusio, Pfarrkirche Santa Maria Assunta[2]
  • Turmhaus (1898)[2]
  • Albergo Pineta (1905)[2]
  • Siedlung bei Mott d’Orei.[3]
  • Im Ortsteil «Fontaned», Oratorium Santa Maria delle Grazie[2]
  • Im Ortsteil «Mogno, Pfarrkirche San Giovanni Battista, Architekt: Mario Botta[2]
  • Im Ortsteil «Piani di Peccia», Oratorium Madonna della Neve mit Renaissancefresken[2]
  • Im Ortsteil «San Carlo», Säule mit Kruez aus Stein[2]
  • Im Ortsteil «Veia», Oratorium Madonna del Carmine[2]
  • Im Ortsteil «Peccia», Pfarrkirche Sant’Antonio Abate[2]
  • Im Ortsteil «Sornico», Kirche San Martino[2]
  • Gemeinschaftshaus (1500)[2]
  • Wohnhaus Moretti (XVII Jahrhundert)[2]
  • Im Ortsteil «Prato», Pfarrkirche Santi Fabiano und Sebastiano[2]
  • Im Ortsteil Broglio, Pfarrkirche Santa Maria Lauretana und Beinhaus[2]
  • Wohnhaus Pometta ehemalig Coreggione d’Orello[2]
  • Im Ortsteil «Rima», Oratorium Madonna della Neve und vier Betkapellen[2]
  • Im Ortsteil Menzonio, Pfarrkirche Santi Giacomo und Filippo[2]
  • Oratorium Vergine Assunta mit Werken von Bildhauer Gianfredo Camesi[2]
  • Im Ortsteil Brontallo, Pfarrkirche San Giorgio und Beinhaus.[2]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Das Gebiet konnte niemals viele Menschen ernähren. Deshalb wanderten schon vor Jahrhunderten Bewohner aus. Viele zogen nur saisonal nach Italien, Frankreich und Holland. Dort verdingten sie sich als Kaminfeger, Maurer, Flechter und Handlanger. Erst im 19. Jahrhundert begann eine dauerhafte Massenauswanderung. Hauptziele waren Kalifornien und Australien. Etliche Siedlungen haben sich so entvölkert. Wegen der Abgeschiedenheit und den fehlenden wirtschaftlichen Möglichkeiten haben im 20. Jahrhundert die jungen Leute ihre Heimat verlassen und sich in Locarno, Lugano und anderen Wirtschaftsräumen des Tessins niedergelassen. In vielen Weilern leben mehrheitlich betagte Menschen. Die Orte sterben aus. Dies zwang die Gemeinden des Kreises Lavizzara zum Zusammenschluss zu einer einzigen Gemeinde.

Sprachen[Bearbeiten]

Früher sprachen die Bewohner westlombardische Dialekte („Ün, Dü, Tri“ statt „Uno, Due, Tre“ für „Eins, Zwei, Drei“). Obwohl der Dialetto den meisten Bewohnern geläufig ist, hat er geringe Überlebenschancen. Dies hängt mit der Abwanderung der Jungen zusammen. Zugewandert sind einige Italiener und Deutschschweizer, die den dialetto erst erlernen müssen. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 498 (= 93,79 %) der 531 Bewohner Italienisch, weitere 20 Personen (= 3,77 %) Deutsch als ihre Hauptsprache an.

Religionen – Konfessionen[Bearbeiten]

In früheren Zeiten waren alle Einwohner Mitglied der Römisch-Katholischen Kirche. Auch heute (Stand 2000) sind noch 92,28 % römisch-katholische Christen. Daneben gibt es 2,82 % Konfessionslose und 2,26 % evangelisch-reformierte Christen.

Herkunft – Nationalität[Bearbeiten]

Ende 2004 waren von den 579 Einwohnern 558 (= 96,37 %) Schweizer Staatsangehörige. Bei der letzten Volkszählung waren 95,6 % Schweizer Bürger. Darunter waren 21 Doppelbürger. Bis auf wenige Ausnahmen sind sowohl die Doppelbürger wie die Ausländer italienischer Herkunft.

Politik[Bearbeiten]

Der Gemeinderat besteht aus sieben Personen. Diese sind:

  • Michele Rotanzi (Gemeindepräsident)
  • Gabriele Dazio (Vizepräsident)
  • Mauro Anzini
  • Sergio Donati
  • Giovanna Foresti
  • Dolores Margaroli
  • Romano Vedova

Wirtschaft[Bearbeiten]

In früheren Zeiten lebte der Grossteil der Bevölkerung von der Landwirtschaft. Viele Leute arbeiten heute in anderen Gemeinden des Vallemaggia und in der Region um Locarno. Die Zahl der von der Landwirtschaft lebenden Personen hat sich von 1970 bis 2000 von 89 auf 20 verringert. Auch die Zahl der in Industrie und Gewerbe Tätigen ist zurückgegangen, wenn auch nicht so stark. Heute arbeitet die Mehrzahl der Leute in Dienstleistungsberufen. Die Zahl der Wegpendler hat in den letzten zwanzig Jahren massiv zugenommen. Nur noch in Peccia und Prato-Sornico arbeitet die Mehrzahl der Erwerbstätigen in der eigenen Gemeinde. Der Tourismus spielt in diesem Teil des Maggiatals keine bedeutende Rolle.

Im Ortsteil Peccia befindet sich eine Bildhauerschule (Scuola di Scultura di Peccia).

Verkehr[Bearbeiten]

Teile der Gemeinde sind mit Postautokursen erschlossen. Allerdings verkehren diese nur mit wenigen Kursen pro Richtung und nur tagsüber. Daher benutzten die meisten Bewohner ihr Privatauto. Die Strasse hinunter nach Locarno ist in gutem Zustand und auch im Winter befahrbar.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lavizzara – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 262–268.
  3. Siedlung bei Mott d’Orei