Lawrence Carroll

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Lawrence W. Carroll (* 26. Oktober 1954 in Melbourne, Australien; † 21. Mai 2019[1] in Köln[2]) war ein australisch-US-amerikanischer Maler und Objektkünstler.[3]

Lawrence Carroll, 2014

Lawrence Carroll wurde in Melbourne in ein australisch-irisches Elternhaus hineingeboren und wuchs in Kalifornien auf. In den 1970er Jahren studierte er am Art Center College of Design in Los Angeles und zog später nach New York. Ende der neunzehnhundertachtziger Jahre wurde er in Deutschland bekannt, als ihn Harald Szeemann für die Ausstellung „Einleuchten“ (1989) in die Deichtorhallen in Hamburg einlud. 1992 nahm Carroll auf Einladung von Jan Hoet an der documenta IX in Kassel teil.[4] Lawrence Carroll war Hochschullehrer für Malerei an der Universität Venedig.[5] 2013 wurde Carroll eingeladen im Pavillon des Vatikans der 55. Biennale von Venedig auszustellen[6]. 2014 richtete das MAMbo - Museo d'Arte Moderna di Bologna Lawrence Carrolls Retrospektive Ghost House aus[7]. 2017 hatte Carroll eine umfangreiche Ausstellung im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg mit Arbeiten aus den 1980er Jahren bis 2017. Ein aufwändig gestalteter Katalog mit Texten von Uwe Gellner, David Carrier and Terry R. Myers, erschienen im Verlag für Moderne Kunst Wien, begleitete die Ausstellung[8]. Ebenfalls 2017 fand eine Ausstellung im Museo Vincenzo Vela, Ligornetto, CH, statt, die von einem ausführlichen Katalog begleitet wurde[9]. 2018 drehte Simona Ostinelli die Dokumentation Lawrence Carroll, Finding a place, in der der Künstler auch bei den Vorbereitungen zu seiner Ausstellung im Museo Vincenzo Vela in Ligornetto zu sehen ist. David Carrier veröffentlichte 2018 Aesthetic Theory, Abstract Art and Lawrence Carroll, die erste theoretische Monographie über den Künstler.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lawrence Carrolls Arbeiten entwickeln die zentralen Traditionen der amerikanischen modernistischen Abstraktion kühn weiter und setzen sich mit einer grundlegenden Frage der ästhetischen Theorie, der Frage nach der Natur des Mediums Malerei, auf höchst originelle und erfolgreiche Weise auseinander[10]. Die Arbeiten changieren zwischen Malerei und Skulptur und gehen mit ihrer Plastizität über den traditionellen Werkbegriff eines Bildes hinaus. Der Betrachter kann die Arbeiten erst in ihrer Gesamtheit erfassen, wenn er sich um das Werk herum begibt. Die Arbeiten zeigen sich als „malerische Konstruktion“, in deren Struktur oder Oberfläche der Künstler Objekte einarbeitet und sie auf diese Weise aufbricht, zugleich aber wieder neu zusammensetzt oder sie „repariert“, wie er selbst sagt.[11]

Seit den 1980er Jahren sind rund ein Dutzend verschiedene Bildgattungen entstanden. Die Bezeichnungen verweisen beispielsweise auf den Entstehungsprozess wie Cut Paintings, Insert Paintings und Stacked Paintings oder verleihen den Arbeiten einen lebendigen Charakter, wie Sleeping Paintings und Freezing Paintings. Auch die Präsentation an sich wird reflektiert, wie bei den Shelf Paintings, Corner Paintings oder Table Paintings[12].

Die bekannten „White Paintings“ umfassen Werke, die unterschiedlich hergestellt sind. Die „Cut Paintings“ sind Gemälde, aus denen ein Stück Leinwand herausgeschnitten wurde, welches dann wieder eingesetzt wurde. „Golden Shadow“ bestehen aus Leinwand und Holz, die „Calendar Paintings“ sind so an der Wand befestigt, dass sie einem Kalender ähneln. „Sleeping Paintings“ sind große Gemälde aus verschiedenen Stücken Leinwand.[13]

Carroll versah seine nuancenreichen monochromen Malereien nicht mit Titeln, in Klammern gab er aber gerne an was ihre Form prägte: „Window Painting“, „Insert Painting“ oder was sie atmosphärisch ausstrahlen: „Light Painting“, „Dust Painting“, „Drinking the Rain“.[14]

Sammlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lawrence Carroll ist in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten, darunter das Solomon R.Guggenheim Museum, New York, Museum of Contemporary Art MOCA, Los Angeles, Los Angeles County Museum of Art, Los Angeles, Museum of Fine Arts, Houston, Museum of Contemporary Art, San Diego, Margulies Collection, Miami, Rubell Family Collection, Miami, Chase Manhattan Bank, New York, Städtisches Museum Abteiberg, Mönchengladbach, Kunstmuseum Kloster Unser lieben Frauen, Magdeburg, Kunsthalle Mannheim, Schaufler Foundation Schauwerk Sindelfingen, Germany, LAC Lugano Arte e Cultura, Switzerland, Museo di Arte Moderna e Contemporanea di Rovereto Palazzo Ducale, Sassuolo, Italy (permanent installation), Panza Collection, Mendrisio, CH, EMMA Museum, Espoo, Finland, Sara Hildén Art Museum, Tampere Finland, Fundación Jumex Arte Contemporáneo, Mexico City, Museo de Bellas Artes, Caracas, Venezuela, National Museum of Modern Art, Tokyo, Art Gallery of New South Wales, Sydney, Australia, Long Museum, Shanghai, China. Museum Abteiberg Mönchengladbach Deutschland, Museo Cantonale d'Arte, Lugano, Sammlung Wemhöner, Herford/Berlin, und weitere[15].

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

David CarrierAesthetic Theory, Abstract Art and Lawrence Carroll, Bloomsbury Academic, 2018, 208 Seiten, Englisch, ISBN 978-1-350-00956-1. Dieser philosophische Kommentar ist die erste Monografie, die Lawrence Carroll gewidmet ist und bedient sich der Mittel der analytischen Ästhetik. Aesthetic Theory, Abstract Art, and Lawrence Carroll erklärt, wie Carroll das Medium der Malerei versteht; zeigt, was seine Kunst über die Identität der Malerei als Kunst aussagt; diskutiert den Platz seiner Bilder in der Entwicklung der Abstraktion; und bietet schließlich eine Interpretation seiner Kunst[16].

I Have Longed to Move Away: Lawrence Carroll, Works 1985–2017, Museo Vincenzo Vela, Ligornetto, CH – 5 Continents Editions, 2017, 208 Seiten, Italienisch / Englisch, ISBN 978-88-7439-772-3, Herausgegeben von Gianna A. Mina, mit Texten von David Carrier, Lara Conte, Petra Giloy-Hirtz, Gianna A. Mina und einem Gespräch mit dem Künstler und Barbara Catoir

Lawrence CarrollAs the Noise Falls Away, Kunstmuseum Magdeburg – Verlag für Moderne Kunst Wien, 2018, Veröffentlicht anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg, Herausgegeben von Annegret Laabs und Uwe Gellner, 112 Seiten Deutsch / Englisch, ISBN 978-3-903228-77-1, mit Texten von David Carrier, Uwe Gellner und Terry R. Myers

Arbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lawrence Carroll (1954–2019) artforum.com, abgerufen am 21. Mai 2019
  2. www.kunstforum.de.
  3. Documenta IX: Kassel, 13. Juni–20. September 1992 – Katalog in drei Bänden, Band 1, Stuttgart 1992, ISBN 3-89322-380-0, S. 127.
  4. faz, 24. Juni 2013, Bettina Wohlfahrt Als Maler trägt er tausend Maler in sich, abgerufen am 19. Dezember 2016.
  5. An interview with artist Lawrence Carroll for SACI, abgerufen am 19. Dezember 2016 (englisch).
  6. Der Vatikan nimmt erstmals an der Biennale in Venedig teil | DOMRADIO.DE. Abgerufen am 3. Juni 2021.
  7. Lawrence Carroll. Ghost House - Mambo. Abgerufen am 3. Juni 2021.
  8. VfmK Verlag für moderne Kunst GmbH: VERGRIFFEN - Lawrence Carroll. 10. Juni 2021, abgerufen am 10. Juni 2021.
  9. Museo Vincenzo Vela: «I Have Longed To Move Away». Abgerufen am 3. Juni 2021 (englisch).
  10. bücher de IT and Production: Aesthetic Theory, Abstract Art, and Lawrence Carroll (eBook, ePUB). Abgerufen am 3. Juni 2021.
  11. Lawrence Carroll. Abgerufen am 4. Juni 2021 (deutsch).
  12. Lawrence Carroll Back to the Cave auf artnet. Abgerufen am 3. Juni 2021.
  13. Eastmen Gallery Lawrence Carroll, abgerufen am 19. Dezember 2016 (englisch).
  14. faz 20. Dezember 2010 Poesie des Zerfalls, abgerufen am 19. Dezember 2016.
  15. Lawrence Carroll | Buchmann Galerie. Abgerufen am 4. Juni 2021 (englisch).
  16. David Carrier – Aesthetic Theory, Abstract Art and Lawrence Carroll | Buchmann Galerie. Abgerufen am 3. Juni 2021 (englisch).
  17. Lawrence Carroll | Buchmann Galerie. Abgerufen am 3. Juni 2021 (englisch).