Lazarus-Effekt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Begriff in der Festkörperphysik siehe Lazarus-Effekt (Physik). Zu fiktiven Werken siehe The Lazarus Effect.

Unter dem Lazarus-Effekt versteht man die Wiederauffindung von Tierarten, die als ausgestorben galten. Der Begriff ist der biblischen Geschichte von der Wiedererweckung des Lazarus durch Jesus entlehnt.

Der Begriff wird zum ersten Mal in einem Artikel über das Massenaussterben an der Kreide-Tertiär-Grenze verwendet.[1] Hier tauchen einige Taxa zwar nicht direkt nach dem Ereignis, aber einige Millionen Jahre später in der fossilen Überlieferung wieder auf. Gründe können sowohl Lücken in der stratigraphischen Überlieferung wie auch tatsächliche Erholung nach einem Beinahe-Aussterben sein.[2] Durch diesen Effekt ist es schwerer, die tatsächlichen Gründe für das auslösende Aussterbeereignis festzumachen und Massenaussterben von „normalen“ Aussterbeereignissen zu unterscheiden. Erst später wurde der Begriff auch auf lebende (rezente) Arten, die wiederentdeckt wurden, nachdem sie lange als ausgestorben galten, übertragen,[3] obwohl es sich hier dann eigentlich nicht um einen „Effekt“ handelt.

Beispiele für Tiere[Bearbeiten]

Säugetiere[Bearbeiten]

  • Juan-Fernández-Seebär (Arctocephalus philippii): 1824 für ausgestorben erklärt, 1965 wiederentdeckt.
  • Galápagos-Seebär (Arctocephalus galapagoensis): im 19. Jahrhundert für ausgestorben erklärt, 1932 wiederentdeckt.
  • Guadalupe-Seebär (Arctocephalus townsendi): 1894 für ausgestorben erklärt, 1949 wiederentdeckt.
  • Antarktischer Seebär (Arctocephalus gazella): in den 1830er Jahren für ausgestorben erklärt, in den 1930er Jahren wiederentdeckt.
  • Hörnchenbeutler oder Leadbeaters Possum (Gymnobelideus leadbeateri): 1909 für ausgestorben erklärt, 1961 wiederentdeckt.
  • Bayerische Kurzohrmaus (Microtus bavaricus): Mitte der 1960er Jahre für ausgestorben erklärt, 2000 wiederentdeckt.
  • Parmawallaby (Macropus parma): 1966 auf der Insel Kawau und sechs Jahre später auf dem australischen Festland wiederentdeckt.
  • Chaco-Pekari (Catagonus wagneri): war lange Zeit nur aus fossilen Funden bekannt, wurde 1974 wiederentdeckt.
  • Laotische Felsenratte, nur fossil bekannt, bevor 2005 ein lebendes Exemplar entdeckt wurde.
  • Bergbilchbeutler (Burramys parvus). zuerst fossil nachgewiesen, 1966 lebende Tiere entdeckt.
  • Dinagat-Borkenratte (Crateromys australis): keine Nachweise zwischen 1975 und 2012
  • Presbytis hosei canicrus, zu den Mützenlanguren zählende Gattung, galten seit 2005 als verschollen, Anfang 2012 auf Borneo wiederentdeckt
  • Rotschopf-Baumratte (Santamartamys rufodorsalis) aus der Familie der Stachelratten, nur von zwei 1898 in Kolumbien erlegten Exemplaren bekannt; 2011 im Norden des Landes anhand eines Exemplars wieder nachgewiesen
  • Pharotis imogene, Fledermausart aus Neuguinea, keine Sichtungen zwischen 1890 und 2012.

Vögel[Bearbeiten]

  • Elfenbeinspecht (Campephilus principalis): 1944 das letzte Mal nachgewiesen, 1996 für ausgestorben erklärt, 2004 möglicherweise wiedergesichtet. Eine Expedition zur Wiederentdeckung startete Anfang Nov. 2005, konnte das Überleben des Tieres nicht bestätigen.
  • Chapmans Zwergamazone (Hapalopsittaca fuertesi): 1911 das letzte Mal nachgewiesen, 2002 wiederentdeckt.
  • Gelbscheitelpipra (Pipra villasboasi): 1957 das letzte Mal nachgewiesen, 2002 wiederentdeckt.
  • Glanzsittich (Neophema splendida): 1931 wiederentdeckt.
  • Edwardsfasan (Lophura edwardsi): keine Sichtungen zwischen 1923 und 1996.
  • Neuseeländische Sturmschwalbe (Oceanites maorianus): da es nur drei Exemplare aus dem 19. Jahrhundert gab, wurde sie für ausgestorben erklärt, jedoch 2003 wiederentdeckt.
  • Langbein-Buschsänger (Megalurulus rufus): 2003 in Fidschi wiederentdeckt. Der Singvogel galt seit 1894 als ausgestorben.
  • Südinseltakahe (Porphyrio hochstetteri): galt seit 1898 als ausgestorben, wurde 1948 wiederentdeckt.
  • Madagaskar-Schlangenhabicht (Eutriorchis astur): wurde 1930 letztmals gesichtet, bevor er 1990 wiederentdeckt wurde.
  • Banggai-Krähe (lange nur von zwei Museumsexemplaren aus dem 19. Jahrhundert bekannt, 2007 auf Peleng wiederentdeckt).
  • Flores-Zwergohreule (lange nur von drei Museumsexemplaren bekannt, 1994 wiederentdeckt).
  • Príncipe-Drossel, keine Sichtungen zwischen den 1920er-Jahren und 1997.
  • Cebuschama (Copsychus cebuensis): keine Sichtungen zwischen 1956 und 1981
  • Vierfarben-Mistelfresser (Dicaeum quadricolor): keine Sichtungen zwischen 1906 und 1992
  • Bräunling, ähnlich wie andere endemische Vogelarten Sao Tomes, darunter der Einfarbgimpel, der Zwergolivenibis und der Newton-Würger, galt auch der Bräunling jahrzehntelang als verschollen. Keine Sichtungen zwischen 1929 und 1990.

Reptilien[Bearbeiten]

Amphibien[Bearbeiten]

Rundmäuler[Bearbeiten]

  • Eine nur in Oregon heimische Neunaugen-Art (Entosphenus minimus), wurde seit 1958 für ausgestorben gehalten, jedoch in den späten 1990er Jahren wiederentdeckt.

Fische[Bearbeiten]

Insekten[Bearbeiten]

Weichtiere[Bearbeiten]

  • Leptoxis compacta, Süßwasserschnecke aus Alabama, USA: keine Nachweise zwischen 1933 und 2011

Beispiele für Pflanzen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karl W. Flessa, David Jablonski (1983): Extinction is Here to Stay. Paleobiology Vol.9 No.4: 315-321.
  2. Emmanuel Fara (2001): What are Lazarus taxa? Geological Journal (Special Issue: History of Biodiversity) Volume 36, Issue 3-4: 291–303. doi:10.1002/gj.879
  3. David A. Keith, Mark A. Burgman (2004): The Lazarus effect: can the dynamics of extinct species lists tell us anything about the status of biodiversity? Biological Conservation Volume 117, Issue 1: 41–48. doi:10.1016/S0006-3207(03)00261-1

Weblinks[Bearbeiten]