Lazarus Geiger

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Lazarus Geiger (* 21. Mai 1829 in Frankfurt am Main; † 29. August 1870 ebenda) war ein deutscher Sprachforscher und Philosoph.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geiger war zuerst Buchhändler und studierte später klassische Philologie an den Universitäten Marburg, Heidelberg und Bonn. Im Gegensatz zu seinem Onkel Abraham Geiger, dem Vordenker des Reformjudentums, gehörte er zu den Anhängern des orthodoxen Judentums in Deutschland. Von 1861 bis zu seinem Tode war er Lehrer am Philanthropin in Frankfurt am Main. In seinen Hauptwerken (Ursprung und Entwicklung der menschlichen Sprache und Vernunft und Der Ursprung der Sprache) suchte er, neben Steinthal, die psychologisch-philosophische Methode auf die Sprachforschung anzuwenden.

Der Vortrag Ueber den Farbensinn der Urzeit und seine Entwicklung, der Geiger auf der Konferenz in Frankfurt am Main im September 1867 gelesen hat, gilt als Beginn einer neuen sprachwissenschaftlichen Richtung, der linguistischen Archäologie. Im Jahr 1871 wurde dieser Bericht auf Deutsch veröffentlicht.

Geigers Forschung ist bemerkenswert, weil der Autor vor Charles Darwin zur Anerkennung des Evolutionsprozesses kam und die Evolutionstheorie auf das Gebiet des Denkens und der Sprache anwandte. Dem Geiger zufolge basiert die Sprache auf wenig bedeutenden Ausrufe, die an den Interjektionen nah sind (der Autor selbst nennt sie "Sprachschrei"). Laut Überlegungen des Wissenschaftlers ist die Sprache eine Quelle der menschlichen Gedankenaktivität, der Geist entwickelt sich daraus, und Geiger bestimmt in dieser Entwicklung eine bestimmende Rolle nicht dem Hören, sondern dem Sehkraft. Nach der Meining des Geigers, nur wenn sich die Menschen an die Wörter gewöhnt haben und ihre Empfänglichkeit deutlich gestiegen ist, haben sie gemerkt, dass ihre Fähigkeit, Objekte zu unterscheiden, auch zugenommen hat.

Öffentliche Vorlesungen, die Lazarus Geiger zu verschiedenen Zeiten gelesen hat, wurden von seinem Bruder, Alfred Geiger, 1871 unter der Überschrift Zur Entwicklungsgeschichte der Menschheit veröffentlicht.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ueber Umfang und Quelle der Erfahrungsfreien Erkenntniss. Frankfurt-am-Main, 1865.
  • Ursprung und Entwickelung der menschlichen Sprache und Vernunft. Stuttgart 1868–1872, 2 Bde. (Digitalisat Bd. 1, Bd. 2)
  • Der Ursprung der Sprache. Stuttgart 1869 (Digitalisat)
  • Zur Entwicklungsgeschichte der Menschheit. 1871

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brent Berlin, Paul Kay: Basic Color Terms: Their Universality and Evolution. Hrsg.: University of California Press. 1991, ISBN 978-0-520-07635-8, S. 135.