Der Barbier von Sevilla (Beaumarchais)

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Der Barbier von Sevilla (frz.: „Le Barbier de Séville ou la Précaution inutile“, dt.: „Der Barbier von Sevilla oder Die nutzlose Vorsicht“) ist ein Schauspiel in vier Akten von Beaumarchais, das am 23. Februar 1775 von der Troupe des Comédiens français im Théâtre des Tuileries in Paris uraufgeführt wurde.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1. Akt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Graf Almaviva will in der Verkleidung als Student und unter dem Namen Lindor Rosina, dem Mündel von Dr. Bartolo, den Hof machen, nachdem er sie lange Zeit aus der Ferne verehrt hat und sie seine Zuneigung erwidert. Dabei soll ihm Figaro, sein ehemaliger Diener und jetzt Barbier in Sevilla helfen; da dieser regelmäßig Zugang zum Hause Bartolos hat, will er den Grafen als Soldaten auf der Suche nach einer Unterkunft einschleusen. Dr. Bartolo hingegen hat selber vor, Rosina noch am folgenden Tag zu heiraten.

2. Akt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Figaro kann unbemerkt mitanhören, wie Dr. Bartolo zusammen mit Rosinas Musiklehrer Bazile den Grafen Almaviva bei Rosina durch Ausstreuen von bösen Gerüchten schlechtmachen will. Er warnt Rosina vor der durch Dr. Bartolo geplanten Hochzeit. Figaros Plan, den Grafen als Soldaten einzuquartieren, misslingt.

3. Akt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Graf erscheint als vorgebliche Krankheitsvertretung Baziles und gibt Rosina eine Klavierstunde. Figaro erscheint um Dr. Bartolo zu rasieren und versucht ihn vergeblich von Rosina und Almaviva wegzulocken. Als Bazile erscheint, kann er von Almaviva bestochen werden. Er und Rosina verabreden sich für die folgende Nacht.

4. Akt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bazile verrät Dr. Bartolo trotz der Bestechung, dass seine angebliche Krankheitsvertretung Graf Almaviva war. Dr. Bartolo aber kann Rosina glaubhaft machen, dass Lindor ein Handlanger des Grafen Almaviva ist, der sie entführen lassen will. Rosina ist so wütend darüber, dass sie der Heirat mit Dr. Bartolo doch zustimmt. Während dieser einen Richter für die Heiratszeremonie suchen geht, schließt sich Rosina ein, um nicht entführt werden zu können. Almaviva und Figaro erscheinen und klären Rosina über die wahren Umstände auf. Der von Dr. Bartolo vorausgeschickte Richter erscheint und Almaviva und Rosina lassen sich von diesem trauen. Dr. Bartolo lässt sich mit einem großzügigen Geldbetrag abspeisen.

Werkgeschichte, Varianten und Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beaumarchais vollendete den „Barbier de Séville“ zuerst als Opera-comique. Die Musik hatte er selbst aus Stücken arrangiert, die er bei seiner Reise durch Spanien gesammelt hatte. (Von dieser Version hatten sich bis zu Loménies Sichtung der Papiere Beaumarchais in den 1850er Jahren noch einige wenige Reste erhalten). Diese Opera-comique wurde jedoch von den Schauspielern nicht zur Aufführung angenommen. Beaumarchais arbeitete daraufhin das Stück für die Comedie Française zu einer Komödie in vier Akten um, deren geplante Uraufführungen 1773 und wieder 1774 durch gerichtliche und polizeiliche Untersuchungen und Maßnahmen gegen Beaumarchais verhindert bzw. unterbunden wurden. Am 23. Februar 1775 schließlich kam das Stück in einer vollständig überarbeiteten und auf fünf Akte vermehrten Form zur Uraufführung, die ein vollkommener Mißerfolg war. Schon für die zweite Aufführung am 26. Februar arbeitete Beaumarchais das Stück erneut um, u.a. kehrte er durch Einkürzung und Zusammenziehung zweier Akte wieder zur vieraktigen Form zurück. In dieser Version schließlich hatte das Stück durchschlagenden Erfolg (die 13 Vorstellungen bis zur Osterpause spielten 29.044 Livres ein). Als mögliche Quellen kommen Sedaines Libretto zur Oper „On ne s’avise jamais de tout“ (UA:1761) und PanardsLe comte de Belfior“ (UA:1740) in Betracht.

Nachspiel (29. März 1775 und 1776)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die letzte Vorstellung der Uraufführungsserie verfasste Beaumarchais ein das übliche Compliment de clôture ersetzende, sechs Auftritte umfassendes Nachspiel, das 1776 bei gleicher Gelegenheit wiederholt wurde. Die handelnden Personen sind die Schauspieler des Bartolo (Herr Desessarts), Figaro (Herr Préville), Almaviva (Herr Bellecour), die Schauspielerin Frau Luzzi (eine Sängerin des Soubrettenfachs, als sie selbst), Basile (Herr Auger), sowie ein Schauspieler des sich anschließenden eigentlichen Schlußstückes des Abends.

1. Auftritt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Desessarts tritt auf und beschwert sich über Beaumarchais, der das bestellte Compliment de clôture nicht wie versprochen geschrieben hat, so dass er selbst nun gezwungen ist dieses im letzten Augenblick zu improvisieren. Nach einigen Anläufen dazu gibt er auf.

2. Auftritt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Préville und Bellecour kommen hinzu, machen sich über Desessarts Notlage lustig und geben eine Reihe von unnützen Ratschlägen. Anschließend erörtern sie die notwendigen Bestandteile des Compliment de clôture und ihr richtiges Maß. Dies führt zu einer kritischen Rückschau auf die in der zurückliegenden Saison an der Comédie-Française gegebenen Theaterstücke.

3. Auftritt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luzzi tritt auf und fragt nach dem Compliment de clôture. Sie wird von den übrigen darüber aufgeklärt, dass Beaumarchais die Rede nicht geschrieben hat, weil die Schauspielerin der Rosina eine für sie vorgesehene Arie in den Vorstellungen nicht singen wollte. Luzzi erbietet sich diese Arie zu singen, die alle sehr schön finden.

4. Auftritt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auger kommt zu den Vorigen und bereitet sich darauf vor, wie sonst auch, dem Publikum das Stück des folgenden Abends anzukündigen, da er schlichtweg vergessen hat, dass die Theater zwei Wochen geschlossen bleiben. Alle machen sich darüber lustig und schicken ihn nach Hause ins Bett. (Eine Anspielung auf die entsprechende Szene im Theaterstück.)

5. und 6. Auftritt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vorigen ohne Auger. Desessarts ist kaum vorangekommen und fragt wiederholt die anderen Schauspieler um Rat. Bellecour hält nun eine lange improvisierte Rede als Beispiel, über deren Wert sich Desessarts, Luzzi und Préville streiten, bis ein verärgerter Schauspieler des eigentlichen Schlußstückes sie von der Bühne vertreibt, indem er das Orchester anweist, ohne Rücksicht auf die Anwesenden auf der Bühne, die Ouvertüre zu spielen.

Vertonungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sowohl das von Giuseppe Petrosellini verfasste Libretto zu Giovanni Paisiellos Oper Il barbiere di Siviglia (1782) als auch das von Cesare Sterbini für Rossinis komische Oper Il barbiere di Siviglia (1816) verfasste Libretto beruhen auf Beaumarchais’ Theaterstück. Weitere Vertonungen stammen von Alexander Reinagle und Samuel Arnold (beide 1794), Nicolas Isouard (1796) und Francesco Morlacchi (1816).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Der Barbier von Sevilla (Beaumarchais) – Quellen und Volltexte (französisch)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Louis de Loménie: Beaumarchais et son temps, Paris 1856; Beaumarchais and His Times, Übers. v. Henry S. Edwards (Digitalisat)
  • G. D'Heylli: Théâtre complet de Beaumarchais, Paris 1869 (Digitalisat)