Le Monde

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Le Monde
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Beschreibung französische Tageszeitung
Verlag Groupe La Vie-Le Monde
Erstausgabe 18. Dezember 1944
Erscheinungsweise montags bis samstags
die Ausgaben tragen das Datum des folgenden Tages
Verbreitete Auflage 219.000 (2014)[1] Exemplare
Herausgeber Louis Dreyfus
Weblink lemonde.fr
ISSN 0395-2037

Le Monde (französisch für Die Welt) ist eine französische Tageszeitung mit einer Auflage von 324.000 Exemplaren im Jahr 2011. Die überregional erscheinende Zeitung gilt neben dem Figaro als die wichtigste meinungsbildende Zeitung Frankreichs. Die politische Ausrichtung des Blattes gilt als linksliberal. Le Monde ist indirekt verbunden mit der linksgerichteten Zeitung Le Monde diplomatique.

Geschichte[Bearbeiten]

Erstausgabe, 19. Dezember 1944

Nach der Befreiung Frankreichs (La Libération) wollte General Charles de Gaulle wieder eine journalistisch anspruchsvolle Tageszeitung von internationalem Ruf erscheinen lassen. Die am 30. November 1942 von deutschen Behörden geschlossene Tageszeitung Le Temps nahm diesen Rang in der Zwischenkriegszeit als offizielle Tageszeitung des Quai d’Orsay, des französischen Außenministeriums, ein. Wegen der Kollaboration mit der deutschen Besatzungsmacht im Zweiten Weltkrieg hatte die Redaktion von Le Temps ihr Ansehen verloren. Er beauftragte seinen damaligen Informationsminister Pierre-Henri Teitgen, einen Herausgeber zu finden, welcher der Résistance angehört hatte und eine unbezweifelbare journalistische Kompetenz aufwies. Teitgen entschied sich als Herausgeber für den Gaullisten Hubert Beuve-Méry, der aus Protest gegenüber der redaktionellen Zustimmung für das Münchner Abkommen 1938 von seiner Stelle als Auslandskorrespondent in Prag zurückgetreten war. Das Redaktionsgebäude von Le Temps in der rue des Italiens wurde beschlagnahmt und deren Typographie und Erscheinungsformat übernommen. Das erste Redaktionskomitee umfasste außerdem den Rechtsprofessor René Courtin und de Gaulles ehemaligen Pressebeauftragten Christian Funck-Brentano. Am 19. Dezember 1944[2] erschien die erste Ausgabe von Le Monde.

Eigentümer[Bearbeiten]

Bis zum Juni 2010 gehörte Le Monde zu 53 Prozent seinen Angestellten und Mitarbeitern. 47 Prozent teilten sich Danone, die Bank BNP Paribas und der Milliardär François Pinault. 2004 war das schlimmste Verlustjahr der Zeitung. Die Verlagsgruppe La Vie-Le Monde konnte ihr Defizit im Jahr 2005 von rund 28 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2006 halbieren. Interesse an der Zeitung hatte unter anderem der Pariser Rüstungs-, Luftfahrt- und Medienkonzern Lagardère.

Am 25. Juni 2010 erteilte die Redaktionskonferenz der Bietergruppe des PS-nahen Unternehmers Pierre Bergé, des Bankiers Mathieu Pigasse (Vize-Präsident von Lazard-Europa)[3] und des Internetunternehmers Xavier Niel (groupe Iliad, DSL-Anbieter Free)[4] den Zuschlag für den Kauf der wirtschaftlich angeschlagenen Tageszeitung Le Monde. Bergé und seine Compagnons garantieren der Redaktion weiterhin ihre journalistische Unabhängigkeit.[5] Bergé sicherte der Redaktion nicht nur ihr Veto-Recht über die Vergabe der Chefredaktion zu, sondern rief auch eine Stiftung mit einer Einlage von zehn Millionen Euro ins Leben, die allmählich Aktienanteile für die Redakteure erwerben soll, bis eine Sperrminorität von 33 Prozent erreicht sein wird.[6]

Staatspräsident Nicolas Sarkozy intervenierte mehrmals[7] und drohte schließlich der Redaktion bei einem Votum für Bergé & Co. mit einer Streichung der Subventionen für die Modernisierung der Le Monde-Druckerei.[8] Kritiker sprachen von einer Berlusconisierung von Frankreichs Medien durch Sarkozy (Der Medienunternehmer Silvio Berlusconi war damals auch Italiens langjähriger Ministerpräsident).[9] Der Aufsichtsrat der Le-Monde-Gruppe stimmte mit der Redaktionsmehrheit für das Übernahmeangebot der Investorengruppe um Bergé.[10]

Firmensitz[Bearbeiten]

Seit dem 20. Dezember 2004 hat Le Monde einen neuen Firmensitz am Boulevard Auguste Blanqui im 13. Arrondissement (Pariser Süden). Die gläserne Fassade ziert eine Zeichnung des Le-Monde-Karikaturisten Jean Plantureux (auch Plantu): Eine Friedenstaube mit Olivenzweig im Schnabel und ein Zitat des französischen Literaten Victor Hugo. Das ehemalige Gebäude der Air France wurde vom Architekten Christian de Portzamparc überdacht, die Raumverteilung und vor allem die kollektiven Arbeitsplätze entwarf seine Frau Élizabeth de Portzamparc.

Nach zehn Jahren beschloss Le Monde, in einen neuen Hauptsitz umzuziehen. Das Grundstück befindet sich nun wieder im Stadtzentrum nahe dem Gare d’Austerlitz im 13. Arrondissement.[11] Am 15. Januar 2015 wurde nach einem Architekturwettbewerb der Entwurf des norwegisch-amerikanischen Architekturbüros Snøhetta als künftiges Domizil ausgewählt.[12] Ein besonderes Merkmal des Bauplans ist pixelartige Struktur der gläsernen Fassade, die aus Elementen von unterschiedlicher Transparenz bestehen wird. Erste Stellungnahmen beschreiben den Entwurf als „Endzeitarchitektur“, die „überraschend negativ“ ausgefallen wäre („doomsday architecture“, „surprisingly dystopian“).[13] Das Bauende ist 2017 vorgesehen.

Chefredaktion[Bearbeiten]

  • Bruno Frappat (1991–1994)
  • Noël Bergeroux (1994–1996)
  • Edwy Plenel (1996–2004)
  • Gérard Courtois (2004–2006)
  • Éric Fottorino (2006 – September 2007)
  • Alain Frachon (1. September 2007 – 17. Januar 2010)
  • Sylvie Kauffmann [14] (18. Januar 2010 – Juni 2011)
  • Érik Izraelewicz (Juni 2011 – 27. November 2012)
  • Alain Frachon (kommissarisch vom 30. November 2012 – März 2013)
  • Natalie Nougayrède (März 2013 – Mai 2014)
  • Jérôme Fenoglio (19. Mai 2014)

Der Le-Monde-Chefredakteur Érik Izraelewicz starb am 27. November 2012 im Alter von 58 Jahren nach einem Schwächeanfall.[15] Zur Nachfolgerin wurde Natalie Nougayrède zum 1. März 2013 gewählt, die seit 1996 für Le Monde arbeitet.[16] Nougayrède trat im Mai 2014 nach zunehmender Kritik in der Redaktion an ihrem „erratischen Managementstil“[17] zurück. Aktueller Auslöser der Rücktritte waren Pläne für eine Umstrukturierung der Verantwortlichkeiten, vor allem die Versetzung von mehr als 50 Redakteuren von der Druck- in die Online-Redaktion.[18] Die Leitung der Druck- als auch der Online-Redaktion übernahm der bisherige Chefredakteur von lemonde.fr, Jérôme Fenoglio.[17]

Beilagen und Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Le Monde veröffentlicht folgende wöchentliche Beilagen:

  • Le Monde Radio TV
  • Le Monde Économie
  • Le Monde Argent
  • Les cahiers de la compétitivité, Spécial Entreprises & Développement
  • Le Monde des Livres
  • Le Monde Éducation (erscheint monatlich)
  • Le Monde 2, zunächst monatliches, dann wöchentliches Magazin als Beilage zur Wochenendausgabe

Darüber hinaus veröffentlicht gelegentlich Le Monde-Sondernummern. Herausgegeben wird die Zeitung nicht nur als Druckformat, sondern auch in mehreren digitalen Versionen. Le Monde ist im Internet, als Anwendung für das Mobiltelefon und für das iPad erhältlich.[19]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Le Monde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ursula Welter: Erschöpftes Weltblatt. Die Krise bei der Tageszeitung "Le Monde". In: Deutschlandradio, 7. Mai 2014.
  2. Isabell Hülsen und Stefan Simons: Geld gegen Unabhängigkeit? In: Der Spiegel, 2010, Nr. 23, S. 136, abgerufen am 17. Dezember 2010.
  3. Matthieu Pigasse, französische Wikipedia
  4. Holger Alich: Xavier Niel: Robin Hood der Netze. In: Handelsblatt, 28. Oktober 2009.
  5. Hans-Hagen Bremer: Porträt Pierre Bergé. Bald „Le Monde“-Aktionär: „Nicht vor dem Präsidenten strammstehen“. In: Tagesspiegel, 27. Juni 2010.
  6. Olga Grimm-Weissert und Holger Alich: Streitbarer Kunstliebhaber steigt bei „Le Monde“ ein. In: Handelsblatt, 30. Juni 2010.
  7. Charles Bremner: Sarkozy wants a friendly Monde. (Memento vom 16. Juni 2010 im Internet Archive). In: The Times, 14. Juni 2010.
  8. Votum für Pierre Bergé: Linker Mäzen Favorit für Kauf von Tageszeitung „Le Monde“. (Memento vom 13. Dezember 2012 im Internet Archive). In: Financial Times Deutschland, 25. Juni 2010.
    Johannes Duchrow: Traditionsblatt „Le Monde“ auf Investorensuche. Der Kampf um Geld und Unabhängigkeit@1 @2 Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung, tagesschau.de, 12. Juni 2010, mit Audio-Datei, 2:47 Min.
  9. Hans Woller: „Le Monde“ vor Verkauf In: ORF 1, 28. Juni 2010, auch als Audio-Datei, 2:54 Min.
  10. dpa: Le Monde“ vorerst gerettet. (Memento vom 30. Juni 2010 im Internet Archive). In: newsroom.de, 28. Juni 2010.
    Enguérand Renault und Marie-Catherine Beuth: Bergé, Niel et Pigasse rachètent Le Monde. In: Le Figaro, 29. Juni 2010.
  11. Kristin Hohenadel: Le Monde’s New Paris Headquarters Design Bridges the Paper With Its Readers. In: Slate, 20. Januar 2015.
  12. dd: Le Monde in Pixeln. Snøhetta baut Verlagshaus in Paris. In: BauNetz, 16. Januar 2015.
  13. Rachel B. Doyle: Doomsday Architecture: Snøhetta's Design for Le Monde's HQ Is Surprisingly Dystopian. In: Curbed, 15. Januar 2015.
  14. Sylvie Kauffmann est nommée directrice de la rédaction du "Monde". In: Le Monde, 19. Januar 2010.
  15. Le Monde-Chefredakteur Erik Izraelewicz ist tot. Süddeutsche Zeitung, 28. November 2012, abgerufen am 5. Januar 2015.
  16. Natalie Nougayrède élue à la direction du "Monde". In: Le Monde, 1. März 2013.
  17. a b Sascha Lehnartz: Warum die Chefredakteurin der "Le Monde" hinwarf. In: Die Welt, 19. Mai 2014.
  18. mxw, Reuters, AFP: Medienkrise in Frankreich: "Le Monde"-Chefin Natalie Nougayrède tritt zurück. In: Spiegel online, 14. Mai 2014.
  19. Arne Unger : Le Monde auf dem iPad. Frankreichs ehrwürdige Zeitung als App auf dem iPad. In: Beyond Print, 6. April 2010.