Leaky-Gut-Syndrom

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Das Leaky-Gut-Syndrom (deutsch Syndrom des durchlässigen Darms) ist ein alternativmedizinisches Konzept, für dessen Existenz es keine wissenschaftlichen Beweise gibt. Beim Leaky-Gut-Syndrom soll die Barrierefunktion der Darmschleimhaut im Bereich des Dünndarms gestört sein, sodass Bakterien und Toxine aus dem Darm in den Blutkreislauf gelangen und diverse Erkrankungen auslösen.[1] Hintergrund ist die Tatsache, dass bei entzündlichen Darmkrankheiten wie Morbus Crohn oder Zöliakie oder bei Chemotherapie oder bei der Einnahme schädlicher Substanzen wie Alkohol tatsächlich in geringem Maße als Symptom die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut erhöht sein kann. Erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut (intestinale Permeabilität) hat unter Umständen nützliche Effekte, wie eine verbesserte Aufnahme von Wasser und Nahrungsstoffen sowie immunsystemaktivierende Eigenschaften. Ein schädlicher Effekt wurde bisher nicht nachgewiesen.[2]

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlreiche Ursachen sollen das Leaky-Gut-Syndrom begünstigen, beispielsweise Pilze, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Erkrankungen des Verdauungstraktes, Viren, Bakterien, Parasiten, Stress, Medikamente oder Alkoholkonsum.[3][4] Diese Faktoren sollen unter anderem zu einem Ungleichgewicht in der Darmflora und einer Erhöhung der Durchlässigkeit der Darmschleimhaut führen. Die Vertreter dieses Konzepts nehmen an, dass die Durchlässigkeit der in der Darmschleimhaut befindlichen Tight Junctions (lateinisch Zonulae occludentes ‚dichte Verbindungen‘) bei Patienten mit Leaky-Gut-Syndrom erhöht ist. Stoffe könnten in den Blutkreislauf eintreten, die sonst über den Stuhlgang ausgeschieden würden. Beispiele hierfür sind Giftstoffe, Pilze oder unverdaute Partikel. Eine Immunreaktion sei die Folge. Antikörper und Entzündungsstoffe würden gebildet, um die eintretenden Fremdkörper unschädlich zu machen. Es sei dann möglich, dass diese Antikörper auch die körpereigenen Zellen befallen.

Keine dieser Behauptungen konnte je wissenschaftlich nachgewiesen werden.[2]

Symptome[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bereich des Verdauungstraktes soll das Leaky-Gut-Syndrom sich durch Symptome wie Blähungen, Durchfall oder Verstopfung äußern. Durch eine angedeutete Autoimmunreaktion sollen Beschwerden am gesamten Körper möglich sein. Genannt werden verschiedene Hauterkrankungen, Nahrungsmittelintoleranzen sowie Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates, wie Rheuma oder Arthritis. Des Weiteren sollen auch Asthma, chronische Müdigkeit, Migräne oder Stimmungsschwankungen bis hin zur Depression auftreten können.

Der Zusammenhang dieser Symptome mit dem sogenannten Leaky-Gut-Syndrom ist jedoch rein spekulativ und konnte nie wissenschaftlich nachgewiesen werden.[2]

Diagnostik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alternativmediziner bieten zur Diagnose des Leaky-Gut-Syndroms Blut- und Urinuntersuchungen an. Beim Lactulose-Mannitol-Test nimmt der Patient eine Lösung ein, die den Zweifachzucker Lactulose und den Zuckeralkohol Mannitol enthält. Nach einer bestimmten Zeit wird der Urin hinsichtlich dieser Bestandteile untersucht. Eine unübliche Menge der beiden Stoffe weise auf das Vorhandensein eines Leaky-Gut-Syndroms hin. Dieser Test wird von Ärzten in der Regel nicht verwendet und seine Zuverlässigkeit über die Aussage einer etwaigen intestinalen Permeabilität wurde wissenschaftlich als unzureichend eingestuft.[2]

Eine weitere Möglichkeit, das sogenannte Leaky-Gut-Syndrom zu diagnostizieren, sei der Zonulin-Test. Zonulin ist ein Protein, das bei bestimmten Reizen von der Darmschleimhaut abgesondert wird und ihre Durchlässigkeit erhöht.[5] Durch einen Serumtest wird die Menge des Zonulins im Blut bestimmt. Ein erhöhter Wert könne laut einiger Alternativmediziner auf ein Leaky-Gut-Syndrom hinweisen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • M. A. Odenwald, J. R. Turner: Intestinal permeability defects: is it time to treat? In: Clinical Gastroenterology and Hepatology. Band 11, Nummer 9, September 2013, S. 1075–1083, doi:10.1016/j.cgh.2013.07.001, PMID 23851019, PMC 3758766 (freier Volltext) (Review).
  • Obrenovich, M.E.M.: Leaky Gut, Leaky Brain? In: Microorganisms. Band 6, Nummer 4, Dezember 2018, Article Number: 107, doi:10.3390/microorganisms6040107 (freier Volltext) (Review).

Quellen und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Seth C. Kalichman: Denying AIDS: Conspiracy Theories, Pseudoscience, and Human Tragedy. Springer Science & Business Media, 16. Januar 2009, ISBN 978-0-387-79476-1, S. 167.
  2. a b c d Debunking the Myth of ‘Leaky Gut Syndrome’. (en) In: badgut.org. Gastrointestinal Society, abgerufen am 4. Dezember 2020.
  3. Günther Heepen: Hilfe aus der Natur bei Leaky-Gut-Syndrom, Darmpilzen, Reizmagen, Allergien und Verstopfung. Gräfe und Unzer Verlag, 7. August 2017, ISBN 978-3-833-86294-6, S. 107.
  4. Biovis Diagnostik MVZ GmbH (2018): Fachinformationen 9/2018: Leaky Gut – Die erhöhte Durchlässigkeit des Darms.
  5. T. Vanuytsel, S. Vermeire, I. Cleynen: The role of Haptoglobin and its related protein, Zonulin, in inflammatory bowel disease. In: Tissue barriers. Band 1, Nummer 5, Dezember 2013, S. e27321, doi:10.4161/tisb.27321, PMID 24868498, PMC 3943850 (freier Volltext) (Review).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]