Leaky-Gut-Syndrom

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Das Leaky-Gut-Syndrom (deutsch Syndrom des durchlässigen Darms) ist ein pathogenetisches Konzept (die Pathogenese, also die Entstehung einer Krankheit betreffend) aus der Alternativmedizin. Demzufolge soll die Barrierefunktion der Darmschleimhaut im Bereich des Dünndarms gestört sein, sodass Bakterien und Toxine aus dem Darminhalt in den Blutkreislauf gelangen und verschiedenartige chronische Krankheiten auslösen, etwa Arthritis, Migräne, Autismus,[1] ADHS, Multiple Sklerose, das chronische Erschöpfungssyndrom (CFS), Hautprobleme und viele mehr. Sachlicher Hintergrund ist die Beobachtung, dass entzündliche Darmkrankheiten wie Morbus Crohn oder Zöliakie die Durchlässigkeit der Darmwand erhöhen.[2] Als Behandlungsmaßnahmen werden im außermedizinischen Bereich zahlreiche Diäten und Nahrungsergänzungsmittel empfohlen.

Ähnliche pathogenetische Konzepte sind in der Medizin der Autoimmunerkrankungen gängig. Für das Leaky-Gut-Syndrom wurden allerdings keine wissenschaftlichen Untersuchungen oder Nachweise vorgelegt.

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlreiche Ursachen sollen das Leaky-Gut-Syndrom begünstigen, beispielsweise Pilze, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Erkrankungen des Verdauungstraktes, Viren, Bakterien, Parasiten, Stress, Medikamente oder Alkoholkonsum.[3][4]

Diese Faktoren sollen unter anderem zu einem Ungleichgewicht in der Darmflora und einer Erhöhung der Durchlässigkeit der Darmschleimhaut führen. Die Vertreter dieses Konzepts nehmen an, dass die Durchlässigkeit der in der Darmschleimhaut befindlichen Tight Junctions (lateinisch Zonulae occludentes ‚dichte Verbindungen‘) bei Patienten mit Leaky-Gut-Syndrom erhöht ist. Stoffe könnten in den Blutkreislauf eintreten, die sonst über den Stuhlgang ausgeschieden würden. Beispiele hierfür sind Giftstoffe, Pilze oder unverdaute Partikel. Eine Immunreaktion sei die Folge. Antikörper und Entzündungsstoffe würden gebildet, um die eintretenden Fremdkörper unschädlich zu machen. Es sei dann möglich, dass diese Antikörper auch die körpereigenen Zellen befallen.

Symptome[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bereich des Verdauungstraktes soll das Leaky-Gut-Syndrom sich durch Symptome wie Blähungen, Durchfall oder Verstopfung äußern. Durch eine angedeutete Autoimmunreaktion sollen Beschwerden am gesamten Körper möglich sein. Genannt werden verschiedene Hauterkrankungen, Nahrungsmittelintoleranzen sowie Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates, wie Rheuma oder Arthritis. Des Weiteren sollen auch Asthma, chronische Müdigkeit, Migräne oder Stimmungsschwankungen bis hin zur Depression auftreten können.

Diagnostik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alternativmediziner bieten zur Diagnose des Leaky-Gut-Syndroms Blut- und Urinuntersuchungen an. Beim Lactulose-Mannitol-Test nimmt der Patient eine Lösung ein, die den Zweifachzucker Lactulose und den Zuckeralkohol Mannitol enthält. Nach einer bestimmten Zeit wird der Urin hinsichtlich dieser Bestandteile untersucht. Eine unübliche Menge der beiden Stoffe weise auf das Vorhandensein eines Leaky-Gut-Syndroms hin. Eine weitere Möglichkeit, das Leaky-Gut-Syndrom zu diagnostizieren, ist der Zonulin-Test. Zonulin ist ein Protein, das bei bestimmten Reizen von der Darmschleimhaut abgesondert wird und ihre Durchlässigkeit erhöht.[5] Durch einen Serumtest wird die Menge des Zonulins im Blut bestimmt. Ein erhöhter Wert könne auf ein Leaky-Gut-Syndrom hinweisen.

Behandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Therapie des Leaky-Gut-Syndroms erfolgt mit dem Ziel der Regeneration der Darmschleimhaut. Das Vermeiden unverträglicher Lebensmittel, Medikamente und Stress, sowie eine Umstellung der Ernährung sollen dazu beitragen, eine gesunde Darmflora wiederherzustellen. Es werden hierbei vor allem Nahrungsmittel empfohlen, denen eine positive Wirkung auf das Darmmilieu zugeschrieben wird. Zu diesen gehören Leinsamen, verdauungsfördernde Tees, Vollkorn aus Hafer und Gerste, sowie probiotische und präbiotische Lebensmittel bzw. Lebensmittelzusätze[6]. Eine medikamentöse Therapie erfolgt nur bei Vorliegen von Pilzen im Darm. In diesem Fall kann ein Antimykotikum ergänzend angewandt werden. Wie lange es dauert, bis sich die Darmflora regeneriert hat, hänge vom individuellen Fall ab.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alternativmedizin
  • Axe, Josh. Eat Dirt: Why Leaky Gut May Be the Root Cause of Your Health Problems and 5 Surprising Steps to Cure it. HarperCollins Publishers, 2016.
  • Heepen, Günther. Chaos im Darm: Hilfe aus der Natur bei Leaky-Gut-Syndrom, Darmpilzen, Reizmagen, Allergien und Verstopfung. Gräfe und Unzer Verlag, 2017.
  • Schaenzler, Nicole. Magen & Darm: Natürlich behandeln. Gräfe und Unzer Verlag, 2016, S. 26.
  • Smith, Melanie. Leaky Gut Syndrome STOP!: A Complete Guide To Leaky Gut Syndrome Causes, Symptoms, Treatments & A Holistic System To Eliminate LGS Naturally & Permanently. Enlightened Publishing, 2015.
Medizin
  • Obrenovich, M.E.M.: Leaky Gut, Leaky Brain? In: Microorganisms. Band 6, Nummer 4, Dezember 2018, Article Number: 107, doi:10.3390/microorganisms6040107 (freier Volltext) (Review).
  • M. A. Odenwald, J. R. Turner: Intestinal permeability defects: is it time to treat? In: Clinical Gastroenterology and Hepatology. Band 11, Nummer 9, September 2013, S. 1075–1083, doi:10.1016/j.cgh.2013.07.001, PMID 23851019, PMC 3758766 (freier Volltext) (Review).

Quellen und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Seth C. Kalichman: Denying AIDS: Conspiracy Theories, Pseudoscience, and Human Tragedy. Springer Science & Business Media, 16. Januar 2009, ISBN 978-0-387-79476-1, S. 167.
  2. James R. Gray / Canadian Society of Intestinal Research (2013): Debunking the Myth of ‘Leaky Gut Syndrome’.
  3. Günther Heepen: Hilfe aus der Natur bei Leaky-Gut-Syndrom, Darmpilzen, Reizmagen, Allergien und Verstopfung. Gräfe und Unzer Verlag, 7. August 2017, ISBN 978-3-833-86294-6, S. 107.
  4. Biovis Diagnostik MVZ GmbH (2018): Fachinformationen 9/2018: Leaky Gut – Die erhöhte Durchlässigkeit des Darms.
  5. T. Vanuytsel, S. Vermeire, I. Cleynen: The role of Haptoglobin and its related protein, Zonulin, in inflammatory bowel disease. In: Tissue barriers. Band 1, Nummer 5, Dezember 2013, S. e27321, doi:10.4161/tisb.27321, PMID 24868498, PMC 3943850 (freier Volltext) (Review).
  6. Q. Mu, J. Kirby, C. M. Reilly, X. M. Luo: Leaky Gut As a Danger Signal for Autoimmune Diseases. In: Front Immunol. Band 8, Mai 2017, Article Number 598, doi:10.3389/fimmu.2017.00598, PMID 28588585, PMC 5440529 (freier Volltext) (Review).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]