Leapfrogging

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Leapfrogging, auch Leap-Frogging, (engl. leap frogging: Bockspringen) bezeichnet in den Wirtschaftswissenschaften das (freiwillige) Auslassen einzelner Stufen im Laufe eines Entwicklungsprozesses.[1]

Das Prinzip kann im Großen auf ganze Wirtschaftssektoren oder Nationalwirtschaften (z. B. Entwicklungsländer) angewandt werden, oder im Kleinen z. B. im Marketing oder in der Marktforschung. Das Phänomen ist unter anderem im IT-Bereich beobachtbar, wenn es um die Anschaffung oder Modifikation von Software und Hardware geht – sowohl in Unternehmen als auch im privaten Bereich.

Marketing[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bereich des Marketing ist speziell der bewusste Entschluss eines Verbrauchers gemeint, eine Innovation nicht zu kaufen, um die Kaufentscheidung auf die nächste Produktgeneration zu vertagen. Der Grund für dieses Verhalten ist, dass der relative Nutzen der aktuell angebotenen Innovation dem Verbraucher noch nicht groß genug erscheint. Aus der abwartenden Haltung des Konsumenten resultiert die Verschiebung einer Kaufentscheidung auf eine neue in der Zukunft erwartete Generation an Produkten.

Leapfrogger werden oft als „abwartende Sachverständige“ charakterisiert. Sie verfügen über ein hohes Maß an Wissen über Information und Kommunikation (IuK), jedoch nur über eine geringe Innovationsbereitschaft.

Insbesondere durch die Ankündigung von Innovationen, die noch nicht auf dem Markt sind und sich noch in der Entwicklung befinden („Pre-Announcement-Politik“), wird dieses Konsumentenverhalten durch die Unternehmen verstärkt. Einen Ausweg bietet die bewusste Verlangsamung des Innovationsprozesses in Kooperation mit anderen Unternehmen, die im gleichen Sektor tätig sind.

Entwicklungszusammenarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Entwicklungszusammenarbeit tritt das Phänomen des Leapfrogging häufig auf – sowohl bewusst herbeigeführt als auch durch die Umstände hervorgerufen. Der positive Effekt hierbei besteht häufig darin, dass neuere Innovationen die Lebensqualität erheblich verbessern können und dabei ineffiziente, teure und umweltschädliche Zwischenstufen in der Entwicklung der Innovationen auslassen.[2]

Als Beispiel wird häufig der direkte Übergang zu erneuerbaren Energien ohne den Zwischenschritt über fossile Brennstoffe angegeben. Aber auch der direkte Übergang zu Smartphones ohne die Zwischenstufen der Kommunikation wie das Kabeltelefon wird zu Leapfrogging gezählt.

Viele NGOs versuchen, Leapfrogging aktiv herbeizuführen, um für die Gesellschaft oder Umwelt als schädlich angesehene Zwischenschritte zu vermeiden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Backhaus, Markus Voeth: Industriegütermarketing. Vahlen, 2007, ISBN 3-8006-3351-5.
  • Silke-Annette Kaulfuss: Ein Ansatz zur Erfassung des Leapfrogging-Phänomens. Grundkonzept, modelltheoretische Basis und empirische Befunde. DUV, 2007, ISBN 3-8350-0182-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Leapfrogging – Definition beim Gabler Wirtschaftslexikon
  2. Leapfrogging Africa. Abgerufen am 19. Dezember 2020 (britisches Englisch).