Lebensmitteleinzelhandel

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Warenpräsentation in einem Supermarkt

Der Sammelbegriff Lebensmitteleinzelhandel (LEH) bezeichnet Handelsunternehmen im Einzelhandel mit einem Sortiment, das überwiegend aus Lebensmitteln besteht (institutionelle Sicht), sowie synonym auch die eigentliche Handelsaktivität, Lebensmittel an Endverbraucher zu vertreiben (funktionale Sicht).

Abgrenzung[Bearbeiten]

Aus institutioneller Sicht zählen zu den wichtigsten Betriebsformen im stationären LEH die Vertriebsformate Supermarkt, Verbrauchermarkt und Discounter. Nicht zum Lebensmitteleinzelhandel im engeren Sinne gehören hingegen Versorgungsstätten wie Tankstellenshops, Bäckereien, Fleischereien, Direktvertriebe, Versender oder Abholgroßmärkte.

Die eigentliche, funktionale Handelsaktivität, Lebensmittel über verschiedene Absatzkanäle an Endverbraucher zu vertreiben, umfasst den Verkauf aller sogenannten Fast Moving Consumer Goods (FMCG). Deshalb werden auch einige, den Lebensmitteln nahestehende Güter, die sogenannten Near-Food-Produkte im Zusammenhang mit dem Lebensmitteleinzelhandel betrachtet. Neben allen Nahrungs- und Genussmitteln zählen somit auch Drogeriewaren wie Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel, Hygieneartikel oder Körperpflegemittel sowie gelegentlich auch Non-Food-Artikel (z. B. Kaffeefiltertüten) zu den relevanten Sortimenten und Umsätzen.

Als Konsequenz dessen fließen oftmals auch Drogeriemärkte in die Umsatz- und Warenstatistiken des LEH ein.

LEH in Deutschland[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Entwicklung bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges[1][Bearbeiten]

Lebensmittelkarte, Mark Brandenburg, 1941

Ende des 19. Jahrhunderts vollzogen sich grundlegende Wandlungen in der deutschen Einzelhandelslandschaft, deren Effekte auch den Lebensmitteleinzelhandel wesentlich beeinflussten: In den Städten etablierten sich neue Betriebstypen wie die großflächigen Kauf- und Warenhäuser, das Filialprinzip entstand und das Genossenschaftswesen entwickelte sich. Neu gegründete Konsumgenossenschaften, deren Geschäftsbetrieb sich überwiegend auf Nahrungs- und Genussmittel konzentrierte, wurden zu einer starken Konkurrenz des nicht organisierten, selbständigen Einzelhandels. Die Lebensmittelindustrie begann ihrerseits mittels Reklame Markenartikel zu etablieren, die unmittelbar Einfluss auf das Kaufverhalten der Verbraucher nahmen.

Die stürmische Einzelhandelsentfaltung der vorausgegangen Jahrzehnte fand infolge der beiden Weltkriege ein abruptes Ende: Die Versorgung der Bevölkerung war zwar mangelhaft, aber mittels Warenrationierung durch Lebensmittelmarken und Bezugsscheine möglich. Erst nach dem völligen wirtschaftlichen Zusammenbruch kam es nicht selten zu lebensbedrohlichen Versorgungslücken mit Grundnahrungsmitteln.

Von der Währungsreform bis Ende der 1990er Jahre[Bearbeiten]

Nach der Währungsreform 1948 und der darauffolgenden Aufhebung der Zwangsbewirtschaftung übernahmen so genannte Tante-Emma-Läden und Kolonialwaren-Geschäfte die lokale Versorgung der westdeutschen Bevölkerung mit Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs. In der DDR betrieb die staatliche Konsumgenossenschaft die gleichnamigen Konsum-Märkte.

Selbstbedienungsladen, 1949

In der Folge der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung wuchsen die Sortimente in Tiefe und Breite. Neue Warenbereiche kamen hinzu und mit der Verbreitung der bereits 1938 aus Amerika übernommenen Idee der Selbstbedienung wurde insbesondere im Lebensmitteleinzelhandel ein Leistungsmerkmal geschaffen, das zu einem Strukturwandel in der Branche führte.[2]

In den 1960er Jahren machten sich erste Sättigungserscheinungen bemerkbar. Der Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel stieg nur noch unterdurchschnittlich stark, der Wettbewerb bremste die bisherige Zunahme der Einzelhandelsgeschäfte, wohingegen die Gesamtumsätze weiter stiegen. Zunehmender Preiswettbewerb förderte in allen Bereichen die Kooperation: Viele Einzelhändler waren mittlerweile in Einkaufsgenossenschaften wie der Edeka oder der Rewe organisiert.

Die von der Industrie geforderte Preisdisziplin führte immer öfter zu Auseinandersetzungen um die „Preisbindung der zweiten Hand“. Hersteller versuchten durch Lieferboykotte den Zerfall der Preisbindung zu unterbinden, woraufhin im Lebensmitteleinzelhandel erste Markenartikel durch Eigenmarken des Handels ersetzt wurden. Die Preisbindung der zweiten Hand wurde 1974 schließlich gesetzlich verboten und die Verbraucher profitierten vom einsetzenden Preiswettbewerb im gesamten Handel.[3]

Zwar konnten die Einzelhandelsumsätze wegen einer systematischen Ausweitung der Sortimente des Lebensmitteleinzelhandels auf Non-Food sowie die Schaffung reiner Non-Food-Betriebstypen wie Fachmärkte und Fachdiscounter in den 1980ern jährlich um 2,9 % real gesteigert werden, nach dem Einheitsboom verzeichnete man im Lebensmitteleinzelhandel 1993 jedoch einen realen Umsatzrückgang, der 1998 seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte.

Nach dem Jahr 2000[Bearbeiten]

Die Konzentration der gesamten Branche schreitet weiter voran und nähert sich im Schnitt den übrigen europäischen Ländern; die marktbestimmenden Top 8-Handelsgruppen erreichten 2005 einen Marktanteil von 98,1 %. Die Rationalisierung wird unter dem zunehmenden Wettbewerbsdruck weiter vorangetrieben, sowohl durch Größenwachstum, als auch durch Umorganisierung sowie den Einsatz technischer Hilfsmittel im Bereich von Transport, Lagerung und Disposition.

Warenpräsentation eines Lebensmitteldiscounters, 2006

Die Vertriebsform Discount befindet sich weiter auf dem Vormarsch und bedrängen mit ihrem reduzierten Sortiment die klassischen Vollsortimenter. Insbesondere werden den qualitäts- und serviceorientierten und in ihrem Markt profilierten Lebensmittelläden in guten City-Standortlagen gute Entwicklungsperspektiven zugeschrieben. Zu den Verlierern im Wettbewerb der Vertriebsformen zählen unprofilierte kleine und mittlere Lebensmittelfachgeschäfte. Als Profilierungsmerkmal entwickeln sich zunehmend die Bio-Sortimente. Der hart geführte Kampf um die Preisführerschaft im LEH führte im Jahr 2009 zu mehreren großen Preissenkungswellen, die auch 2010 weitergeführt wurden.[4]

Nach Erhebungen des EHI gab es im Jahr 2009 in Deutschland 8137 Supermärkte, d. h. Lebensmittelgeschäfte mit Vollsortiment zwischen 400 und 1500 m² Verkaufsfläche, mit einem Branchenumsatz von 29,5 Mrd. €.[5] Zum Vergleich: Die 15219 Verkaufsstellen der Discounter tätigten im gleichen Jahr einen Umsatz von 55,2 Mrd. €.[6] Vergleichsweise unbedeutend bleibt in Deutschland aus den unterschiedlichsten Gründen weiterhin der Lebensmittelhandel via Internet.[7]

Der klassische LEH entwickelt sich mit einem Marktanteil von 50 % zunehmend auch zur bedeutendsten Absatzquelle für „Bio-Lebensmittel“, deren Gesamtmarkt für 2010 auf 4,6 Mrd. € geschätzt wird. Die etwa 2000 Naturkostfachgeschäfte halten hieran einen Marktanteil von 22 %. Kaufmotive für Bio-Lebensmittel beim Verbraucher sind das Interesse an regionalen Produkten, erhöhtes Gesundheitsbewusstsein und Individualität in der Ernährung.[6]

Struktur- und Leistungsdaten[Bearbeiten]

Die Aufstellung zeigt zum Vergleich die durchschnittlichen Leistungskennziffern der bezeichneten Betriebstypen (2009).[8]

Betriebstyp Personalleistung
(je Mitarbeiter in €)
Flächenproduktivität
(in € je m² Verkaufsfläche)
Rohertrag
(in % vom Bruttoumsatz)
Betriebskosten
(in % vom Bruttoumsatz)
Betriebswirtschaftliches Ergebnis
(in % vom Bruttoumsatz)
LEH-Fachhandel/Supermarkt 160.000 bis 180.000 3.800 20,5 23,5 -3,0
LEH-Discounter 400.000 5.000 15,0 bis 16,0 13,2 1,8 bis 2,8
Naturkost-Einzelhandel 137.000 4.500 31,1 29,9 1,2

Die folgende Tabelle zeigt Struktur- und Leistungsdaten des Lebensmitteleinzelhandels für das Jahr 2006 nach Einzelhandelstypen.[9]

Einzelhandelstyp Anzahl Anteil
(%)
Umsatz ges.
(Mio. €)
Anteil
(%)
Umsatz je Markt
(in T€)
großflächiger Markt1) 3.150 5,7 33.400 26,0 10.603
Supermarkt2) 8.170 14,9 28.900 22,5 3.537
Discounter 14.806 26,9 53.850 41,9 3.637
übrige Geschäfte3) 28.900 52,5 12.300 9,6 426
gesamt 55.026 100,0 128.450 100,0 2.334

1) Lebensmittelabteilungen der Warenhäuser, SB-Warenhäuser und Verbrauchermärkte. 2) Bis 1.499 m² Verkaufsfläche. 3) Bis 399 m² Verkaufsfläche.

Rankings[Bearbeiten]

Top 10 Lebensmittelhändler[Bearbeiten]

Die Tabellen zeigen die größten Lebensmittelgroß- und Einzelhändler in Deutschland, gemessen an ihren Lebensmittelbruttoumsätzen (inkl. Umsatzsteuer). Die Lebensmittelumsätze der zehn führenden Unternehmen in Deutschland summieren sich jeweils auf rund 140 Mrd. €. Zur Rolle der Drogeriemärkte in den Rankings siehe die Abgrenzung oben. Viele Handelsgruppen bestehen dabei aus verschiedenen Teilunternehmen. So gehören zur Edeka-Gruppe im Bereich des Großhandels die sieben Regionalgesellschaften[10], die für die Belieferung der selbstständigen Kaufleute und filialisierten Geschäfte unterschiedlicher Betriebstypen (Supermarkt, Verbrauchermarkt, SB-Warenhaus) zuständig sind sowie darüber hinaus die EDEKA C&C Großhandels-Aktivitäten der Regionalgesellschaften[11]. Hier werden im Cash & Carry Abholgeschäft als auch mit einem regionalen und nationalen Lieferservice vor allem gewerbliche Kunden aus dem Bereich Gastronomie, Hotellerie und Großverbrauchern (GV), aber auch kleinflächigere Einzelhandelskonzepte, wie die unter dem Label-Konzept "SPAR Express" laufenden Shops, versorgt[12]. Im Einzelhandelsbereich werden zum Umsatz der Gruppe die Betriebe der unabhängigen Kaufleute im EDEKA-Verbund genauso wie die in Regie geführten Filialen gezählt[13]. Ebenfalls zum Umsatz gehören der Discounteinzelhandel Netto Markendiscount mit eigenen Großhandelsstrukturen sowie darüber hinaus die Umsätze aus dem Bäckerei-Geschäft [14].

Weiterhin sind in dieser Tabelle darüber hinaus auch "reine" Einzelhandelsstrukturen wie die beiden Aldi-Unternehmen zu finden, genauso wie reine Großhandelsunternehmen wie der Lekkerland[15].

2008[Bearbeiten]

Die Reihenfolge innerhalb des Rankings bleibt im Vergleich zum Jahr 2007 unverändert.[16]

Rang Unternehmen
Lebensmittel-umsatz 2008 (Mio. €) Veränderung zu 2007 (in %) Gesamt-umsatz 2008 (Mio. €) Veränderung zu 2007 (in %) Lebensmittel-anteil am Ges.Umsatz (in %)
1. Edeka-Gruppe1) 33.934 +4,3 37.606 +2,58 90,24
2. Rewe Group1) 24.678 +7,0 29.580 +4,84 83,43
3. Schwarz-Gruppe 21.495 +5,8 26.500 +5,79 81,11
4. Aldi Nord/Aldi Süd2) 19.824 +0,9 24.500 +0,93 80,91
5. Metro Group 13.636 -6,6 31.575 -0,96 43,193)
6. Tengelmann-Gruppe 8.533 -2,7 13.991 -2,64 60,99
7. Lekkerland 7.799 +1,3 7.878 +0,54 99,00
8. Schlecker 4.757 -18,9 5.115 -5,03 93,00
9. Norma 2.5713) +11,4 3.025 +2,56 85,00
10. Dm drogerie markt 2.550 +2,6 3.361 +11,40 75,873)

1) Inkl. Außenumsatz der angeschlossenen, selbstständigen Einzelhändler. 2) Die Aldi-Regionen bilden keine Gruppe im rechtlichen Sinne. 3) Inkonsistenz in den Sekundärquellen. Hier Angabe des Ergebnisses aus der Berechnung der übereinstimmenden Zahlen. Primärquelle nicht verfügbar.

2010[Bearbeiten]

Neu in den Top Ten sind die Unternehmen Rossmann und Bartels-Langness (Famila u. a.).[17]

Rang Unternehmen
Lebensmittel-umsatz 2010 (Mio. €) Veränderung zu 2009 (in %) Lebensmittel-anteil am Ges.Umsatz (in %)
1. Edeka-Gruppe1) 40.880 +3,2 90,2
2. Rewe Group1) 26.992 +2,9 71,8
3. Schwarz-Gruppe 23.030 +3,7 81,1
4. Aldi Nord/Aldi Süd2) 20.090 +4,1 82,0
5. Metro Group 11.669 -2,2 38,6
6. Lekkerland 7.821 0 99,0
7. Schlecker 3.956 -9,5 92,0
8. Dm drogerie markt 3.667 +8,7 90,0
9. Rossmann 2.596 +10,5 75,5
10. Bartels-Langness 2.343 +11,9 77,5

1) Inkl. Außenumsatz der angeschlossenen, selbstständigen Einzelhändler. 2) Die Aldi-Regionen bilden keine Gruppe im rechtlichen Sinne.

2011[Bearbeiten]

Quelle: TradeDimensions, Stand: März 2012[18]

Rang Unternehmen
Lebensmittel-umsatz 2011 (Mio. €) Veränderung zu 2010 (in %) Lebensmittel-anteil am Ges.Umsatz (in %)
1. Edeka-Gruppe1) 42.708 +4,5 90,5
2. Rewe Group1) 25.100 -7,0 70,7
3. Schwarz-Gruppe 23.236 +0,9 81,1
4. Aldi Nord/Aldi Süd2) 20.254 +0,8 82,0
5. Metro Group 11.417 -1,0 38,0
6. Lekkerland 7.601 -2,8 95,0
7. Dm drogerie markt 4.037 +10,1 90,0
8. Schlecker 3.680 -7,0 92,0
9. Rossmann 2.901 +11,7 75,5
10. TransGourmet 2.590 +7,0 86,4

1) Inkl. Außenumsatz der angeschlossenen, selbstständigen Einzelhändler. 2) Die Aldi-Regionen bilden keine Gruppe im rechtlichen Sinne.

Top 6 Lebensmitteldiscounter[Bearbeiten]

Bei den Lebensmitteldiscountern in Deutschland führte im Geschäftsjahr 2008 Aldi die Top 6 unverändert an.[19] Der seit dem 1. Januar 2009 mehrheitlich zu Netto gehörende Discounter Plus rangiert im Ranking 2008, in dem der letztmals eigenständig gewertet wird, auf Platz 4.

Das Gesamtvolumen der genannten Unternehmen beläuft sich in 2008 auf 61,607 Mrd. € Bruttoumsatz. Angegeben sind die Gesamtumsätze der Unternehmen. Abweichungen zu anderen Angaben derselben Quelle basieren teilweise auf unterschiedlichen Daten (Schätzungen) in der Sekundärquelle.

Rang
Unternehmen
Umsatz 2008 (Mio. €)[20] Umsatz 2007 (Mio. €) Anzahl Filialen
2008
Anzahl Filialen
2007
1. Aldi1) 24.500 23.398 4.267 4.235
2. Lidl (Schwarz-Gruppe) 14.725 14.280 3.036 2.902
3. Penny (Rewe Group) 6.798 6.337 2.080 2.008
4. Plus (Tengelmann-Gruppe)2) 6.734 6.997 2.700 2.766
5. Netto, Diska, NP, u. a. (Edeka-Gruppe) 5.850 4.025 1.422 1.279
6. Norma 3.000 2.925 1.355 1.316

1) Die Aldi-Regionen Nord und Süd bilden keine Gruppe im rechtlichen Sinne. 2) Seit dem 1. Januar 2009 mehrheitlich bei Netto, Edeka-Gruppe.

LEH als Arbeitgeber[Bearbeiten]

Rund 660.000 Beschäftigte zählt der Lebensmitteleinzelhandel 2005, davon sind etwa 180.000 in Minijobs oder geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen angestellt.

Die Berufsausbildung in einem der staatlich anerkannten Berufsbilder im LEH erfolgt im Dualen Berufsausbildungssystem. Zu den wichtigsten Ausbildungsberufen im Lebensmitteleinzelhandel gehören:

Institutionen und Verbände[Bearbeiten]

Die Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels sind organisiert im Bundesverband des deutschen Lebensmittelhandels, der wiederum einen Fachverband des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE) darstellt. Der HDE ist die Spitzenorganisation des deutschen Einzelhandels für rund 410.000 selbständige Unternehmen mit insgesamt 2,7 Mio. Beschäftigten und jährlich über 395 Mrd. € Umsatz.

Das EHI Retail Institute e. V. ist ein Forschungs- und Bildungsinstitut für den Handel und seine Partner mit Sitz in Köln. Bis zum Mai 2006 hieß es EuroHandelsinstitut e. V.

Kritik[Bearbeiten]

Im Ergebnis führt die hoch konzentrierte Struktur zu einem intensiven Wettbewerb der Händler untereinander, einem sehr niedrigen Preisniveau für Lebensmittel in Deutschland und einem entsprechenden Druck auf die Margen der Lebensmittelindustrie. Hierin wird von vielen Kritikern einer der Gründe für zunehmende Massenproduktion und Lebensmittelskandale gesehen.

In der Öffentlichkeit wird wiederholt auch über Lebensmittelverschwendung im Handel diskutiert. Laut dem im Jahr 2011 veröffentlichten Dokumentarfilm Taste the Waste wird in Deutschland jährlich rund die Hälfte aller Lebensmittel, etwa 20 Mio. Tonnen, über alle Produktionsstufen hinweg vernichtet.[21] Nach einer Studie des EHI wurden im Lebensmitteleinzelhandel durch Beschädigung, Verderb oder ablaufende Mindesthaltbarkeitsdaten jedoch weit weniger Waren vernichtet: Lediglich 0,31 Mio. Tonnen im Wert von knapp 1,2 Mrd. € und damit nur durchschnittlich 1,1 % aller Lebensmittel gingen für den Verbrauch verloren.[22] Weitere Zahlen zum Thema Lebensmittelverschwendung liefert die Cofresco-Studie nach deren Angaben mit etwa 6,6 Mio. Tonnen ein Großteil beim Endverbraucher vernichtet werden.[23]

LEH in Österreich[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg hielten die Konsumgenossenschaften (ab 1856), Julius Meinl (1862) und die Adeg-Genossenschaften (1929) einen Gutteil der Marktanteile. In den 1950er Jahren nahmen Spar und Billa ihre Arbeit auf, 1968 erwarb Aldi die Filialkette Hofer und 1972 stieg Tengelmann bei Löwa (dem späteren Zielpunkt bzw. Plus) ein. Die größte Zäsur war 1995 der Untergang des Konsum Österreich, rund 600 Filialen und ein Marktanteil von ca. 18 % wurden unter den Mitbewerbern aufgeteilt. Ab 1996 stieg der Rewe-Konzern bei der Billa-Gruppe ein, die sich 1998 bis 2000 den ganzen Julius Meinl einverleiben wollte, auf Grund von EU-Vorgaben aber einen Teil der Spar belassen musste. 2008 verkaufte Tengelmann seine Zielpunkt-Filialen und bei der Adeg übernahm Rewe schrittweise die von der Edeka gehaltenen Anteile. Sowohl diese Aufstockung, als auch die spätere Totalübernahme wurden vor der EU-Wettbewerbsbehörde behandelt.[24]

Wie in Deutschland kam es auch in Österreich zum so genannten Greißlersterben, waren 1970 noch rund 20.000 Lebensmittelgeschäfte akiv, hatte sich diese Zahl bis 1990 auf 9.989 und per 2001 auf 6.654 Outlets reduziert.[25] Seit 2008 ist die Anzahl weiter gesunken und beträgt nun weniger als 6.000.[26]

Strukturdaten[Bearbeiten]

Im Jahr 2010 wurde in Österreich mit 5.726 Geschäften ein LEH-Umsatz von 17,2 Mrd. € erwirtschaftet, die genauere Aufteilung über die Struktur- und Leistungsdaten ist in nachfolgender Tabelle ersichtlich:[27]

Einzelhandelstyp Anzahl Anteil Umsatz Mio. € Anteil Umsatz Mio. € je Markt
Verbrauchermärkte > 2.500 m² 79 1 % 1.649,1 9,6 % 20,87
Verbrauchermärkte 1.000 - 2.499 m² 289 5 % 2.519,3 14,6 % 8,72
Supermärkte 400 - 999 m² 2.612 46 % 7.255,8 42,1 % 2,78
Großer LH 250 - 399 m² 657 11 % 1.013,6 5,9 % 1,54
Kleiner LH bis 249 m² 1.461 26 % 776,9 4,5 % 0,53
Harddiscounter 628 11 % 4.020,0 23,3 % 6,4
Österreich gesamt 5.726 = 100 % 17.234,7 = 100 % 3,00

Die Supermärkte und alle Discounterfilialen, zusammen also 3.240 Standorte, repräsentieren mehr als die Hälfte der Geschäfte und erwirtschaften nahezu 1/3 des Umsatzes.

Rankings[Bearbeiten]

Ranking 2009[Bearbeiten]

Im Jahr 2009 wurden im LEH knapp 17,0 Mrd. € umgesetzt, im Vergleich zu den 16,6 Mrd. € des Jahres 2008 ergibt das eine Steigerung von 2 %, gleichzeitig hat der Trend zur Verminderung der Lebensmittelgeschäfte angehalten, die Anzahl derselben ist von 5.949 auf 5.833 zurückgegangen. Die Marktanteile in Bezug auf den Gesamtumsatz und die Anzahl der Standorte finden sich in dieser Tabelle:[28]

Rang Unternehmen Umsatz Mio. € Anteil Geschäfte Anteil Anmerkung
1 Rewe Österreich 5.258,7 31,0 % 1.429 24,5 % LH-Bereich, exkl. Adeg, exkl. Bipa
2 Spar Österreich 4.825,1 28,4 % 1.427 24,5 % inkl. ca. 700 Spar-Kaufleute
3 Hofer 3.355,0 19,8 % 430 7,4 % geschätzt
4 Markant 884,8 5,2 % 952 16,3 % Nah & Frisch, davon Umsatz Pfeiffer alleine: 629,0 bzw. 3,7 %
5 Zielpunkt 659,8 3,9 % 311 5,3 % in Westösterreich nicht präsent
6 Lidl 650,0 3,8 % 189 3,2 % geschätzt
7 Adeg 622,4 3,7 % 478 8,2 % Besitz der Aktien 2009: 75 % Rewe, 25 % Adeg-Kaufleute
8 übriger LH 721,2 4,2 % 617 10,6 % inkl. MPreis Umsatz > 500,0
- Österreich 16.977,0 = 100 % 5.833 = 100 %

Die Konzentration im österreichischen Handel ist eine der höchsten in Europa, die Top 3 Unternehmen vereinen zusammen 79,2 % der Marktanteile auf sich, die Top 5 fast 90 % der Anteile.

Ranking 2010[Bearbeiten]

Von 2009 auf 2010 ist der österreichische LEH um 1,5 % gewachsen und erreicht damit 17,2 Mrd. €, die Anzahl der Outlets hat sich auf 5.726 vermindert. Rewe führt nach vollständiger Integration von Adeg weiterhin mit einem Marktanteil von 34,6 % (Billa, Merkur, Penny, Adeg), Spar folgt mit 29,2 % (Spar, Eurospar, Interspar, Maximarkt), die Harddiscounter (Hofer, Lidl) vereinen 23,3 % der Anteile, alle anderen Marktteilnehmer erreichen zusammen 12,9 %.[29]

Institutionen[Bearbeiten]

Auf Grund Pflichtmitgliedschaft sind die Unternehmen des LEH in der Wirtschaftskammer Österreich, Sparte Handel, Fachgruppe Lebensmittelhandel organisiert. [30]

Eine freiwillige Verbindung ist zum Beispiel der Handelsverband - Verband österreichischer Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels, er wurde 1921 gegründet und versteht sich als Berufs- und Arbeitgeberverband, der auch Kennzeichen und Gütesiegel vergibt.[31]

Verwandte Themen[Bearbeiten]

Literaturauswahl[Bearbeiten]

  • Georg Schwedt: Vom Tante-Emma-Laden zum Supermarkt – Eine Kulturgeschichte des Einkaufens. Wiley-VCH-Verlag, Weinheim 2006, ISBN 3-527-50218-1
  • Bruno Tietz: Die Zukunft im Handel. Deutscher Fachverlag, Frankfurt 1994, ISBN 3-87150-474-2
  • Angela Uttke: Supermärkte und Lebensmitteldiscounter – Wege der Städtebaulichen Qualifizierung. Rohn Verlag, Dortmund 2009, ISBN 978-3-939486-33-6
  • Peter Voithofer, Ernst Gittenberger (Hg.):Der österreichische Handel: Daten-Fakten-Analysen. Lang Verlag, Frankfurt 2006, ISBN 978-3-631551-73-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Einzelhandel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. zza-online.de
  2. swr.de
  3. Das ausgebliebene Wunder. In: Die Zeit, Nr. 7/1974
  4. lz-net.de
  5. Factbook Einzelhandel 2010, S. 110, ISBN 978-3-88688-251-9
  6. a b Factbook Einzelhandel 2010, S. 111, ISBN 978-3-88688-251-9
  7. unternehmensberatung-wiechert.de
  8. Factbook Einzelhandel 2010, S. 113f., ISBN 978-3-88688-251-9
  9. EHI Retail Institute, Köln, auf http://www.lebensmittelhandel-bvl.de/modules.php?name=Content&pa=showpage&pid=24&cid=7
  10. vgl. EDEKA-Verbund. Unternehmensbericht 2011, S. 34. URL: http://www.lebensmittelzeitung.net/unternehmen/pages/pdfs/1/1623-gb.pdf, letzter Zugriff am 28. August 2012
  11. vgl. EDEKA-Verbund. Unternehmensbericht 2011, S. 35. URL: http://www.lebensmittelzeitung.net/unternehmen/pages/pdfs/1/1623-gb.pdf, letzter Zugriff am 28. August 2012
  12. vgl. MIOS C&C Großhandel. "Handel, Shop, Convenience". URL: http://www.edeka.de/GROSSMARKT/MH/Content/Kunde/Handel/index.jsp, letzter Zugriff am 28. August 2012
  13. vgl. EDEKA-Verbund. Unternehmensbericht 2011, S. 6. URL: http://www.lebensmittelzeitung.net/unternehmen/pages/pdfs/1/1623-gb.pdf, letzter Zugriff am 28. August 2012
  14. vgl. EDEKA-Verbund. Unternehmensbericht 2011, S. 6. URL: http://www.lebensmittelzeitung.net/unternehmen/pages/pdfs/1/1623-gb.pdf, letzter Zugriff am 28. August 2012
  15. vgl. Lekkerland - Profil. URL: http://www.lekkerland.de/le/de/unternehmen/profil/Profil.html, letzter Zugriff am 28. August 2012
  16. lz-net.de
  17. lebensmittelzeitung.net
  18. lebensmittelzeitung.net
  19. lz-net.de
  20. TradeDimensions, Stand: Juli 2009, aus: Metro-Handelslexikon 2009/2010, ISBN 978-3-00-028269-0
  21. www.tastethewaste.com
  22. EHI_PM_Lebensmittelverluste.pdf, Studie zum Thema Nahrungsmittelverluste im LEH als PDF-Download.
  23. Studie enthüllt drastische Zahlen
  24. Chronologie: Von Konsum bis Rewe [1] (österreichische Tageszeitung "Der Standard" vom 20. März 2008, abgerufen am 31. August 2011)
  25. Spar holt gegenüber Billa auf [2] (österreichisches "Wirtschaftsblatt" vom 22. Juni 2001, abgerufen am 31. August 2011)
  26. Regioplan Outletzahlen 2009 [3] (Website "Regal" - Das Fachjournal, Marktdaten&Studien, Handel Marktdaten, abgerufen am 3. September 2011; PDF; 121 kB)
  27. Handel in Österreich - Basisdaten 2010/Konsumententrends 2010 [4] (Nielsen Jahrbuch 2010, LEH nach Geschäftstyp, Seite 11-13), abgerufen am 1. September 2011
  28. Handel in Österreich-Basisdaten 2009/Konsumententrends 2009 [5] (Nielsen Jahrbuch 2009, LEH - die wichtigsten Handelsunternehmen, Seite 9-12, abgerufen am 1. September 2011)
  29. Wo Österreich einkauft - LEH und DFH 2011: der aktuelle Überblick der Handelszeitung zum Download [6] (österreichische "Handelszeitung", abgerufen am 31. August 2011)
  30. Hauptergebnisse der WKO Mitgliederstatistik, Fachgruppenmitglieder 2010 [7] (Website der Wirtschaftskammer Österreich, abgerufen am 1. September 2011)
  31. Handelsverband feiert 90-jähriges Jubiläum [8] Website Handelsverband, Archiv 2011, abgerufen am 2. September 2011)