Lecco

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Lecco
Wappen
Lecco (Italien)
Lecco
Staat Italien
Region Lombardei
Provinz Lecco (LC)
Lokale Bezeichnung Lecch
Koordinaten 45° 51′ N, 9° 24′ OKoordinaten: 45° 51′ 0″ N, 9° 24′ 0″ O
Höhe 214 m s.l.m.
Fläche 45 km²
Einwohner 48.131 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte 1.070 Einw./km²
Stadtviertel Acquate, Belledo, Bonacina, Castello, Chiuso, Germanedo, Laorca, Maggianico, Malavedo, Olate, Pescarenico, Rancio, San Giovanni, Santo Stefano
Angrenzende Gemeinden Abbadia Lariana, Ballabio, Brumano (BG), Erve, Galbiate, Garlate, Malgrate, Mandello del Lario, Morterone, Pescate, Valmadrera, Vercurago
Postleitzahl 23900
Vorwahl 0341
ISTAT-Nummer 097042
Volksbezeichnung Lecchesi
Schutzpatron Nikolaus von Myra (6. Dezember)
Website Lecco

Lecco (Lombardisch: Lècch [ˈlɛkː]; dt. veraltet: Leck) ist eine Stadt mit 48.131 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2016) in Italien und die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Lecco in der Lombardei.

Lecco mit Monte Coltignone, Monte Due Mani und Resegone
Lecco von Westen
Ortskern von Lecco mit der Pfarrkirche Sant’Andrea, im Hintergrund die Südwand der Corna di Medale

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hauptstadt der Provinz Lecco liegt am Ausfluss des südöstlichen Arms des Comer Sees, des Lago di Lecco, 55 km nordöstlich von Mailand und 30 km östlich von Como. Der Adda verlässt den See bei Lecco nach Süden und fließt dann durch den Lago di Garlate und den Lago di Olginate. Die Steilufer des Comer Sees haben der Stadt nur Entwicklungsraum nach Süden erlaubt. Geologisch liegt Lecco im Kalk der lombardischen Voralpen, der eiszeitliche Gletscher, der aus dem Veltlin kam, hat jedoch auf einer Höhe von über 800 m.ü.M. Granit-Findlinge von zum Teil gewaltiger Größe hinterlassen, aus deren Lage man auf die einstige Mächtigkeit der Eisbedeckung schließen kann. Die Blöcke stehen heute unter Naturschutz, früher wurden sie abgebaut und für den bäuerlichen Hausbau verwendet.

Die Nachbargemeinden sind: Abbadia Lariana, Ballabio, Brumano (BG), Erve, Galbiate, Garlate, Malgrate, Mandello del Lario, Morterone, Pescate, Valmadrera und Vercurago.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lecco ist von Mailand mit Autobussen und der Bahn erreichbar und hat zwei Bahnhöfe. Die Bahnlinie führt weiter nach Norden, das Ostufer des Comer Sees entlang, nach Colico und ins Veltlin. Den innerstädtischen Verkehr besorgen Busse. Eine Seilbahn führt auf die Piani d'Erna unmittelbar über der Stadt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte und Römerzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste bislang gefundene Siedlung am Lago di Garlate, bei Vercurago, geht auf die frühe Eisenzeit zurück, die ersten Schichten gehören dem 10.  Jahrhundert an. Diese keltischen Siedlungen wurde in der Folge von den Kelten der Latènezeit überrollt, die von Norden über die Alpen kamen und 387 bis Rom vorstießen. Aus dem Latène stammen auch Reste von Eisenschmelzen aus der Zeit zwischen dem 2. Jh. v. Chr. und dem 1. Jh. nach Chr. auf denPiani d'Erna oberhalb von Lecco. Es handelt sich um die älteste Metallerzeugung in den Alpen, und die eisenverarbeitende Industrie in Lecco hat kontinuierlich bis heute überlebt.

In der Zeit der römischen Expansion nach Norden war die Gegend Teil des Limes mit Befestigungen zum Schutz von Mediolanum, das die Römer 222 v. Chr. erobert hatten.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lecco war Ausgangspunkt wichtiger Handelswege über die Alpen und daher sowohl wirtschaftlich wie militärisch von großer Bedeutung. Unter den Karolingern wurde die Gegend von Lecco mit dem "Castrum Leuci" eine Grafschaft unter den Attoniden, den Nachkommen Attos, die sich über mehrere Generationen an der Macht halten konnten.[2][3]

960 wurden sie von Otto I. entmachtet und Lecco den Erzbischöfen von Mailand unterstellt. Es gab dann immer wieder Versuche, mehr Selbständigkeit gegenüber Mailand zu erringen, in diese Zeit bis zum 12. Jh. fällt auch dr soziale Aufstieg der Cives, nichtadeliger, aber potenter Bürgerfamilien. [4]

In den Auseinandersetzungen mit dem Kaisertum (Schlacht von Legnano 1176) standen die Lecchesen auf der Seite Friedrich Barbarossas gegen die Lega Lombarda, weil sie hofften, mehr Unabhängigkeit von Mailand zu erringen. Die Städte der Lega errangen mehr innere Autonomie, anerkannten aber die Oberhoheit Friedrich Barbarossas. 1385 übernahm Gian Galeazzo Visconti, nachdem er seinen Onkel vergiftet hatte, die alleinige Herrschaft über das Gebiet. Im Lauf der Mailänder Machtkämpfe erlitt Lecco verschiedentlich Zerstörungen.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Herzogtum ging mit dem Tod des letzten Visconti 1447 auf das Geschlecht der Sforza über, die bis 1535 als Herzöge über Mailand herrschten. 1515 kam die Lombardei kurzfristig zu Frankreich, 1515 konnte Franz I. sie in der Schlacht von Marignano zurückgewinnen. Mit dem Aussterben der Sforza fiel Lecco unter die Herrschaft der Spanier. Danach Diese dauerte bis 1714, als die Lombardei an die Habsburger fiel. Maria Theresia machte aus Lecco ein lokales Zentrum der umliegenden Diözesen.

1797 war Lecco Teil der kurzlebigen Repubblica Cisalpina, 1800 eroberte Napoleon Lecco, und 1804 wandelte sich die Cisalpinische Republik zum Königreich Italien unter Napoleon. 1814, nach dessen definitiver Niederlage, eroberten die habsburgischen Truppen die Lombardei zurück. Unter österreichischer Herrschaft erlebte Lecco einen bedeutenden Aufschwung. Eine effiziente Verwaltung wurde eingeführt, der Theresianische Kataster wurde ausgebaut, Eisen- und Seidenindustrie machten Lecco zu einem wichtigen Wirtschaftszentrum. 1848 folgte Lecco dem Mailänder Revolutionsbeispiel der "Cinque Giornate", erhielt den Status einer Stadt, den sie bald wieder verlor und erst 1859 wieder erhielt, als das Königreich Sardinien die Lombardei eroberte. Lecco hatte seine zentralen Verwaltungsfunktionen unter Napoleon verloren und blieb bis 1992 Teil der Provinz Como, als die Provinz Lecco neugeschaffen wurde.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leccos Wirtschaftskraft ist eng mit seiner Geschichte verknüpft. Die Eisenverarbeitung seit der Römerzeit war die Basis de heutigen metallverarbeitenden Industrie und des Maschinenbaus, wo zum Teil hochspezialisierte Betriebe arbeiten, und die Entwicklung der Seidenraupenzucht im 19. Jh. hat ihre Spuren in der heutigen, im Niedergang begriffenen Textilindustrie hinterlassen. Außerdem war Lecco als wichtiger Ausgangspunkt der Handelsrouten über die Alpen schon früh eine Handelsstadt. Die für die frühe Industrialisierung essentielle Wasserkraft der steilen Flusstäler, an der sich Eisenschmieden, Mühlen und andere Werkstätten ansiedelten, spielt heute keine Rolle mehr.

Die wichtigsten Industriebetriebe sind heute:

  • Icam (Industria Cioccolato e Affini Morbegno)
  • Die Leuchtmittelfabrik Leuci
  • Fiocchi Munizioni, Produktion von Kleinkalibermunition
  • Riello, Produktion von Heizkesseln und Thermen
  • Riccardo Cassin ist im Ausland unter Bergsteigern wohl der bekannteste Industrielle Leccos. Er gründete 1947 seine Produktion von zunächst nur metallener Ausrüstung (Hämmer, Pickel, Haken, Eisschrauben, Steigeisen), 1997 hat die Ausrüsterfirma CAMP das Label Cassin übernommen.

Die einstmals berühmte SAE (Società anonima elettrificazione), die Starkstromleitungen baute, unter anderem mit zwei 255 m hohen Masten die Überquerung der Straße von Messina mit einer 220-kV-Leitung, hat 1992 ihre Tore geschlossen. Auch der renommierte Lokomotivenbau Badoni hat nur bis 1993 überlebt. Heute (Stand 2018) verzeichnet die Handels- und Industriekammer 1300 Betriebe mit ca. 9000 Beschäftigten. Eine größere Zahl ist im Dienstleistungssektor tätig, eingeschlossen der Einzelhandel. Für den italienischen Export spielt Lecco mit seiner Maschinenbauproduktion, chemischen Produkten und der Nahrungsmittelindustrie eine bedeutende Rolle, der Sektor ist in starkem Wachstum begriffen. Die inzwischen zweitwichtigste Rolle für die Wirtschaft der Stadt spielt heute der Tourismus, für den kräftig geworben wird.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Stadt selbst befindet sich das Manzoni-Museum (Museo Manzoniano); in der sehenswerten Altstadt liegt die Basilika San Nicolò, die einen der höchsten Kirchtürme Italiens (96 m) besitzt; er ist über 380 Stufen besteigbar. Lecco ist Basis für die Schiffahrt auf dem Lago di Lecco, insbesondere für die Schiffe nach Bellagio an der Landspitze zwischen den Seearmen Lago di Como und Lago di Lecco. Die Stadt hat einen Yachthafen.

Lecco mit den umliegenden Bergen ist ein historisches Zentrum des italienischen Alpinismus und hat noch heute eine lebendige Kletterszene. Unmittelbar über der Stadt ragt die Wand der Corna di Medale auf, wo sich berühmte Bergsteiger wie Riccardo Cassin mit Erstbegehungen die ersten Sporen verdient haben. An den Grigne, auf den Monte Resegone, die Piani d'Erna und andere Berge der Umgebung findet sich eine große Zahl von leichten bis anspruchsvollen Klettersteigen.

Leichtere Wanderungen führen auf die umliegenden Berge, insbesondere der kunsthistorisch interessante Anstieg zum ehemaligen Kloster San Pietro al Monte, die ebenfalls kunsthistorisch und geschichtlich interessante Wanderung auf den Monte Barro (Reste von Wehrtürmen der Goten), der als Inselberg zwischen dem See und der Hügellandschaft der Brianza eine außerordentliche Aussicht bietet, die Bergwanderung auf den Monte Resegone (1875 m), die man mit der Seilbahn auf die Piani d'Erna erheblich verkürzen kann, auf den Monte Due Mani (1656 m), und zum Teil sehr lange Wanderungen auf die Grigne: Grigna meridionale oder Grignetta, und Grigna settentrionale oder Grignone, (2410 m), den Monte Moregallo (1276 m); Ausflüge im Valsassina, wo sich auch ein kleines Schigebiet befindet, und andere mehr.

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort ist einer der Schauplätze des Romans I Promessi Sposi von Alessandro Manzoni.

Lecco war Alpenstadt des Jahres 2013.[5]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anna Ferrari-Bravo, Paola Colombini: Guida d’Italia. Lombardia (esclusa Milano). Milano 1987, S. 323–330.
  • Lombardia - Touring club italiano, Touring Editore (1999), ISBN 88-365-1325-5, Lecco Online

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lecco – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2016.
  2. E.Hlawitschka: Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien (774-926), Freiburg i.Breisgau, 1960. S. 138 ff., 249, 284.
  3. La Lombardia medioevale. Abgerufen am 20. Mai 2018.
  4. La Lombardia medioevale. Abgerufen am 20. Mai 2018.
  5. http://www.alpenstaedte.org/de/aktuell/news/4633
  6. Giovanni Antonio Codolo auf archive.org/stream (abgerufen am 30. November 2016).