Lee Atwater

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Lee Atwater (rechts) bei einer Jamsession anlässlich der Amtseinführungsfeierlichkeiten von Präsident George Bush (links) am 21. Januar 1989

Harvey Leroy „Lee“ Atwater (* 26. Februar 1951 in Atlanta, Georgia; † 29. März 1991 in Washington, D.C.) war ein US-amerikanischer Politikberater und -stratege. Die republikanischen Präsidenten Ronald Reagan und George Bush ließen sich von ihm beraten. Außerdem war er ein politischer Mentor und naher Freund von Karl Rove. Er entwickelte neuartige und besonders aggressive Wahlkampfstrategien, beispielsweise das gezielte Streuen rufschädigender Gerüchte.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lee Atwater machte seinen Schulabschluss am Newberry College, einer kleinen lutherischen Schule in Newberry, South Carolina. Neben seiner politischen Karriere betätigte er sich auch als Musiker. Für kurze Zeit spielte er in den 1960er Jahren die Hintergrundgitarre für Percy Sledge, oft spielte er auch zusammen mit Bluesmusikern wie B. B. King. Mit King und weiteren Kollegen nahm er 1990 bei dem Label Curb Records ein Album namens „Red Hot & Blue“ auf.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Atwaters aggressive Taktiken traten 1980 zutage, als er den republikanischen Kongresskandidaten Floyd Spence im Wahlkampf gegen den demokratischen Bewerber Tom Turnipseed beriet. Seine Taktiken bestanden damals unter anderem aus gezielt manipulierten Stimmabgaben in gefälschten Umfragen von angeblich unabhängigen Meinungsforschern. Diese sollten vornehmlich weiße Bewohner der Vororte darüber informieren, dass Turnipseed ein Mitglied der NAACP war. Auch sandte er Briefe des Senators Strom Thurmond aus, wonach Turnipseed Amerika entwaffnen und zu den Liberalen und Kommunisten überlaufen wolle. Ed Rollins, der die Kampagne Ronald Reagans zu dessen Wiederwahl 1984 als Präsident leitete, berichtete in seinem 1996 erschienenen Buch Bare Knuckles And Back Rooms über Atwaters Methoden. Laut Rollins hätte Atwater 1984 gegen Geraldine Ferraro, damals Kandidatin der Demokratischen Partei für das Amt des Vizepräsidentin, eine Schmutzkampagne geführt. Diese bestand auch aus der falschen Anschuldigung, Ferraros Eltern seien in den 1940er Jahren wegen verschiedener Verbrechen angeklagt worden. Ferraro zog sich daraufhin für einige Tage aus dem Wahlkampf zurück.

Atwaters bedeutendste Kampagne war die zur Präsidentschaftswahl 1988. Eine sehr aggressive Medienoffensive, die sich in Fernsehspots auch auf den Fall Willie Horton bezog, half George Bush ohne Zweifel, den anfänglichen Vorsprung seines Konkurrenten Michael Dukakis von 17 Prozentpunkten in Umfragen zu überwinden und die Mehrheit der Wahlmänner zu gewinnen. Horton war ein zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilter Mörder, der im Gefängnis zugab, während eines Freigangs eine Frau vergewaltigt zu haben. Atwater hatte vor der Kampagne angekündigt dem kleinen Bastard die Rinde abzuziehen (gemeint war Dukakis) und Willie Horton zu dessen Vize-Präsdientschaftskandidaten zu machen[1].

Vor der Wahl wurden in den Medien falsche Gerüchte über Dukakis gestreut. So behauptete der republikanische Senator von Idaho, Steve Symms, dass Dukakis’ Frau Kitty eine US-Flagge verbrannt, um gegen den Vietnamkrieg zu demonstrieren, sowie dass Dukakis sich wegen Geisteskrankheit in Behandlung befunden habe. Auch wenn Atwater vorgeworfen wurde, diese Gerüchte in die Welt gesetzt zu haben, lagen dafür keine Beweise vor.

Während der Wahlkampagne bezog George W. Bush, Sohn des baldigen Präsidenten, ein Büro nahe Atwaters Büro. Seine Aufgabe war es, die Aktivitäten Atwaters sowie der anderen Mitarbeiter zu überwachen. In ihren Memoiren schrieb Barbara Bush, dass ihr Sohn und Atwater in dieser Zeit enge Freunde wurden. Nach dem Wahlsieg wurde Atwater zum Vorsitzenden des Republican National Committee ernannt. Diese Ernennung war nicht unumstritten, aber seine Zeit als Vorsitzender war sehr kurz.

Atwater über die „Southern Strategy“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1981, damals war er Mitarbeiter Reagans, gab Atwater dem Politikwissenschaftler Alexander P. Lamis ein anonymes Interview. Teile dieses Gesprächs wurden erst in Lamis’ Buch The Two Party South abgedruckt, später dann in Southern Politics in the 1990s mit Atwaters Namen veröffentlicht. Am 13. November 2012 veröffentlichte The Nation das Interview erstmals in voller Länge.[2]

“You start out in 1954 by saying, „Nigger, nigger, nigger.“ By 1968 you can't say "nigger"—that hurts you. Backfires. So you say stuff like forced busing, states' rights and all that stuff. You're getting so abstract now [that] you're talking about cutting taxes, and all these things you're talking about are totally economic things and a byproduct of them is [that] blacks get hurt worse than whites. And subconsciously maybe that is part of it. I'm not saying that. But I'm saying that if it is getting that abstract, and that coded, that we are doing away with the racial problem one way or the other. You follow me—because obviously sitting around saying, „We want to cut this,“ is much more abstract than even the busing thing, and a hell of a lot more abstract than "Nigger, nigger."”

„1954 hätten sie damit begonnen, “Nigger, nigger, nigger” zu sagen. 1968 können sie nicht mehr “nigger” sagen-das schadet ihnen und schlägt auf sie zurück. So sagen sie Zeugs wie "forced busing (organisiertes Fahren von schwarzen Schülern in Schulen, die mehrheitlich weiß sind), Rechte der Einzelstaaten und all das Zeugs und du wirst sehr abstrakt. Jetzt sprichst du über das Streichen von Steuern, und all diese Dinge, die rein wirtschaftlich sind und ein Nebenprodukt davon ist, dass Schwarze davon stärker betroffen sein werden, als Weiße. … „Wir wollen, dass streichen“ ist viel abstrakter als diese Busing-Sache, äh, und verdammt nochmal abstrakter als " Nigger, Nigger" . "“

Lee Atwater

Lee Atwater und R&B-Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Jugendlicher in Columbia spielte Atwater in seiner Rockband „The Upsetters Revue“. Besonders mochte er R&B. Selbst auf der Höhe seines politischen Einflusses gab er regelmäßige Konzerte in Clubs und Kirchen rund um Washington, solo oder mit B. B. King. Curb Records veröffentlichte sein Album „Red, Hot And Blue“, auf dem er mit Carla Thomas, Isaac Hayes, Sam Moore, Chuck Jackson und B. B. King spielte.

Robert Hilburn schrieb über das Album am 5. Januar 1990 in der Los Angeles Times: „Das unterhaltsamste an diesem ganzen Gruß an den R&B der 50er und 60er im Memphis-Style ist, wie es ihre Freunde erstaunen wird. Spielen sie für jemanden eine Auswahl wie ‚Knock on Wood‘ oder ‚Bad Boy‘ ohne den Sänger zu verraten, und sehen sie dann in ihre geweiteten Augen, wenn sie sagen, dass es sich um den umstrittenen Bundesvorsitzenden der Republikanischen Partei handelt... Lee Atwater.“

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 5. März 1990 brach Atwater bei einer Veranstaltung zur Beschaffung von Spenden für Senator Phil Gramm zusammen. Es wurde ein bösartiges Astrozytom in seiner rechten Gehirnhälfte festgestellt. Kurz vor seinem Tod konvertierte er zum Katholizismus und entschuldigte sich öffentlich und schriftlich unter anderem bei Dukakis für die Angriffe während seiner Beratertätigkeit. Er starb am 29. März 1991.

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2008 erschien der Dokumentarfilm Boogie Man: The Lee Atwater Story über den Berater.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brady, John (1997) Bad Boy: The Life and Politics of Lee Atwater. Reading, Mass.: Addison Wesley Publishing Company.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  Wikiquote: Lee Atwater – Zitate (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Artikel in der New York Times im Original strip of the bark off that little bastard und make Willie Horton his running-mate
  2. http://www.thenation.com/article/170841/exclusive-lee-atwaters-infamous-1981-interview-southern-strategy