Leeder

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Leeder
Gemeinde Fuchstal
Wappen von Leeder
Koordinaten: 47° 56′ 6″ N, 10° 49′ 37″ O
Höhe: 680 m
Einwohner: 1828 (31. Dez. 2013)
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 86925
Vorwahl: 08243
Pfarrkirche Mariä Verkündigung
„Herrschaftlicher Stadel“ an der Hauptstraße
Historische Taverne Luitpold

Leeder ist ein Ort in der Gemeinde Fuchstal im oberbayerischen Landkreis Landsberg am Lech, ca. 60 Kilometer südwestlich von München.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leeder liegt etwa zwei Kilometer westlich des Lechs auf einer breiten Schotterterrasse, die im Osten von einem Altmoränenzug begrenzt wird. Zwischen Seestall und Leeder verläuft die Bundesstraße 17, die hier zur Romantischen Straße gehört.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In römischer Zeit verlief hier die Via Claudia Augusta, die heute als Fahrradweg ausgebaut und beschildert ist. Leeder, das von Franken vermutlich im 8. Jahrhundert als Wehrdorf zum Schutz des schwäbischen Hinterlandes vor bayrischen Angriffen gegründet wurde. Man nimmt an, dass sich der Ortsname aus dem flämischen „Lethe“ – „Lede“, d. h. künstlicher Wasserlauf ableitet. Besiedelt war Leeder zunächst von Flamen, die den Schmiedbach durch den Ort leiteten.

1401 kaufte Friedrich von Freyberg Leeder, dessen Nachkommen bis 1497 Ortsherren waren und das Dorf an den Augsburger Händler und Bürgermeister Sigmund Gossembrot veräußerten. Nach dessen Tod im Jahr 1508 ging Leeder in den Besitz seines Schwiegersohnes Ulrich Rehlinger über, der ebenfalls Bürgermeister in Augsburg war. Rehlinger führte 1527 in Leeder den evangelischen Glauben ein. 1595 kaufte Jakob Fugger den Ort für 62.000 Gulden, setzte wieder einen katholischen Pfarrer ein und ließ die Kirche von Neuem katholisch weihen.

1661 kaufte das Hochstift Augsburg den Ort von den Fuggern und richtet das Pflegamt Leeder ein, das die Orte Denklingen, Welden, Lengenfeld und die Weiler Krähmoos, Hohenwart und Lechmühlen umfasst. Oberhalb der heutigen Kirche bestand eine Burg, die zusammen mit dem am heutigen Dreiweiherweg gelegenen, schon 1552 erwähnten Lustschloss Martinsbrunn und dem Amtshaus nach der Säkularisation verfielen und auf Abbruch versteigert wurden. 1905 wurden zwischen dem neuen Friedhof und der „Almhütte“ am ehemaligen Sportplatz Mauerreste aus mörtelverbundenen Feldsteinen gefunden, die der damaligen Burgbefestigung zugeordnet werden. Das Marktrecht des Ortes ist 1568 erstmals erwähnt und 1807 urkundlich verbrieft. Es erlaubt jährlich zwei Krämer- und Viehmärkte. Die Krämermärkte werden noch heute jeweils Sonntags im Mai und im Herbst entlang der Hauptstraße des Ortes abgehalten.

Seit dem Reichsdeputationshauptschluss und der Säkularisation von 1803 gehört das gesamte Gebiet der jetzigen Gemeinde Fuchstal zu Bayern, bis zur Gebietsreform gehörte der Markt Leeder zum bayerischen Regierungsbezirk Schwaben.

Der Markt Leeder hatte 1961 eine Gemeindefläche von 2156,22 Hektar, 1059 Einwohner und bestand aus den Orten Leeder, Aschthal, Engratshofen, Krämoos, Moosmühle, Sägmühle, Schäfmoos, Welden, Weldermühle und Wildbad.[1]

Die heutige Gemeinde Fuchstal entstand 1972 im Rahmen der Gebietsreform aus dem Zusammenschluss der Gemeinden Asch, Markt Leeder und Seestall, jedoch ohne Krähmoos, das an Oberostendorf ging.[2] 1978 schlossen sich die Gemeinden Fuchstal und Unterdießen zur Verwaltungsgemeinschaft Fuchstal zusammen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Leeder sind nur wenige alte Bauwerke erhalten – das Schloss, das etwas außerhalb des Dorfes am heutigen Dreiweiherweg gelegene Lustschlösschen Martinsbrunn und weitere herrschaftliche Gebäude verfielen nach der Säkularisation und wurden später „auf Abbruch“ versteigert. Erhalten geblieben sind die bereits im 16. Jahrhundert erwähnte Taverne (heute: Gasthaus Luitpold) und der herrschaftliche Stadel mit teilweise erhaltener Einfriedungsmauer gegenüber, in dem heute Geschäftsräume sind.

Bodendenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe: Liste der Bodendenkmäler in Fuchstal

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Philipp Ludwig Hermann Röder: Geographisches statistisch-topographisches Lexikon von Schwaben. Ulm, 1791/92.
  • Alois Koch: Märkte zwischen Iller und Lech als Element des Urbanisierungsprozesses im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit. Wissner, 2007.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Leeder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, Abschnitt II, Sp. 951 (Digitalisat).
  2. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Die Gemeinden Bayerns nach dem Gebietsstand 25. Mai 1987. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns und die Änderungen im Besitzstand und Gebiet von 1840 bis 1987 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 451). München 1991, S. 47–48, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00070717-7 (Digitalisat – Landkreis Landsberg a.Lech; Fußnote 6).
Panorama von Leeder