Leegebruch

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Leegebruch
Leegebruch
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Leegebruch hervorgehoben
Koordinaten: 52° 43′ N, 13° 12′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Oberhavel
Höhe: 35 m ü. NHN
Fläche: 6,45 km2
Einwohner: 6678 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 1035 Einwohner je km2
Postleitzahl: 16767
Vorwahl: 03304
Kfz-Kennzeichen: OHV
Gemeindeschlüssel: 12 0 65 180
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Eichenhof 4
16767 Leegebruch
Webpräsenz: www.leegebruch.de
Bürgermeister: Peter Müller (parteilos)
Lage der Gemeinde Leegebruch im Landkreis Oberhavel
Fürstenberg/Havel Zehdenick Liebenwalde Oranienburg Mühlenbecker Land Glienicke/Nordbahn Birkenwerder Hohen Neuendorf Hohen Neuendorf Hennigsdorf Leegebruch Velten Oberkrämer Kremmen Löwenberger Land Gransee Gransee Schönermark Sonnenberg Großwoltersdorf Stechlin Großwoltersdorf Berlin Mecklenburg-Vorpommern Mecklenburg-VorpommernKarte
Über dieses Bild

Leegebruch ist eine Gemeinde im Landkreis Oberhavel in Brandenburg (Deutschland).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leegebruch liegt im Naturraum der Zehdenick-Spandauer Havelniederung.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leegebruch hat keine amtlich ausgewiesenen Ortsteile, bewohnten Gemeindeteile oder Wohnplätze.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgrabungen gehen auf eine slawische Siedlung an der Muhre zurück, die mit Sicherheit auf die Mitte des 8. Jahrhunderts bis zur Wende des 10. Jahrhunderts angesetzt werden kann. Dort befinden sich noch heute die Wallreste des slawischen Burgwalls Leegebruch.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges bestand die Ansiedlung aus einem Gutshof, der von Pferdeställen umstellt war, einem Verwalterhaus, einem Krug und einer Schule. Es war eine Außenstelle des Remontedepots Bärenklau. Das Kriegsministerium betrieb hier eine Einrichtung zur Sicherung der Remonten. Nach der Novemberrevolution und dem Versailler Vertrag wurden alle eigenständigen Gutsbezirke aufgehoben. Durch einen Beschluss des preußischen Staatsministeriums vom 30. November 1928 mit Wirkung zum 1. Dezember 1928 wurde auch der Gutsbezirk Bärenklau aufgelöst und das Land auf verschiedene Gemeinden aufgeteilt. Bärenklau und Leegebruch erhielten den Status von Landgemeinden.

Nach der offiziellen Bestätigung als Gemeinde wurden Wahlen zum Gemeindeparlament durchgeführt; am 8. März 1929 trat die Volksvertretung zum ersten Mal zusammen. Am 4. Mai 1936 beschloss das Reichsluftfahrtministerium den Bau der Heinkel-Werke Oranienburg nahe Leegebruch. Die benötigte Anzahl von Arbeitskräften war nicht aus der Umgebung zu beschaffen, aus diesem Grund wurden in ganz Deutschland Arbeitskräfte angeworben. Das Werk musste nun auch Wohnmöglichkeiten schaffen, um die Arbeiter zu binden, dies geschah in Leegebruch. Der Umzug für die Familien war kostenlos. Sie kamen z. B. aus dem Rheinland, dem Saarland, aus Hamburg, aber auch aus Schlesien. Die Familien erwartete ein neues Haus mit Elektroherd, elektrischem Licht und 450 bis 1000 m² Garten. Geplant wurden die Häuser durch den Baustab von Herbert Rimpl, der auch für das Heinkelwerk verantwortlich war; die Gärten wurden nach Vorgaben des Gartengestalters Wilhelm Heintz bepflanzt. In dieser Zeit stieg die Einwohnerzahl von 350 auf fast 6000 an. Somit galt Leegebruch als „größtes Dorf Deutschlands“. Da fast jedes Haus gleich aussah, erhielt jedes zweite ab 1938 am Giebel ein Hauszeichen.[3] Der Bau der Häuser wurde finanziert durch die Brandenburgische-Heimstätten-GmbH, die Kurmärkische Kleinsiedlungsgenossenschaft und durch das Heinkel-Werk. Die Häuser wurden von der „Kurmärkischen“ zum Kauf angeboten und konnten monatlich mit 39,75 RM beziehungsweise 41 RM abgezahlt werden. Erstkäufer erwarben auch Grund und Boden, später konnte man nur das Haus kaufen. Dies hatte zur Folge, dass die Nachkommen vieler „Erstsiedler“ noch heute in Leegebruch wohnen. 1939 wurde die Ladenzeile in der Eichenallee errichtet, die auch heute noch steht.

Im Zweiten Weltkrieg entstanden in den Querstraßen rund 60 Luftschutzbunker für je 100 Personen, und die Häuser erhielten einen grün-grauen Farbanstrich. Dadurch sollte der Ort vom Flugzeug aus wie ein See aussehen. Während eines Übungsfluges stürzte am 11. Dezember 1941 um 15:30 Uhr eine Do 215 der 2. Wettererkundungsstaffel des Oberbefehlshabers der Luftwaffe ab und blieb am Schuldach hängen.[4]

Nach Kriegsende gingen viele Familien wieder in ihre Heimat zurück, es kamen aber auch viele als Vertriebene aus den ehemaligen Ostgebieten. Prägend waren die neuen Bürger aus dem nordböhmischen Dorf Nixdorf (Mikulášovice). Bis 1918 waren in Nixdorf die größten Stahlwaren- und Messerfabriken Österreich-Ungarns. Da einer der neuen Bürger aus seiner kleinen Schlosserei eine Drehbank, einen Schleifstein, eine Bohrmaschine sowie Kleinwerkzeuge mitgebracht hatte, konnte eine Produktionsstätte auf dem zur Verfügung gestellten Gelände am Ortseingang von Leegebruch geschaffen werden. 16 Vertriebene schlossen sich zusammen und gründeten am 1. August 1946 die Genossenschaft der Messerschmiede Leegebruch (GML). Im Jahre 1956 wurde die GML zum VEB (K)[5] Messerschmiede Leegebruch mit inzwischen 320 Beschäftigten. Am 1. Juli 1990 wurde die Messerschmiede Leegebruch GmbH Rechtsnachfolger, später dann Adler Messer GmbH, 2003 mit noch drei Beschäftigten.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1875 54
1890 100
1910 150
1925 222
1933 350
1939 5 074
1946 5 554
1950 5 871
1964 5 387
1971 5 133
Jahr Einwohner
1981 4 524
1985 4 458
1989 4 253
1990 4 180
1991 4 076
1992 4 052
1993 4 163
1994 4 708
1995 5 144
1996 5 538
Jahr Einwohner
1997 5 771
1998 6 113
1999 6 221
2000 6 338
2001 6 440
2002 6 499
2003 6 521
2004 6 615
2005 6 671
2006 6 695
Jahr Einwohner
2007 6 680
2008 6 701
2009 6 653
2010 6 622
2011 6 599
2012 6 615
2013 6 573
2014 6 567
2015 6 678

Gebietsstand des jeweiligen Jahres,[6][7] ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindevertretung besteht gemäß Kommunalwahlgesetz des Landes Brandenburg aus 18 Mitgliedern sowie dem hauptamtlichen Bürgermeister.[8] Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 ergab bei einer Wahlbeteiligung von 46,3 % folgende Sitzverteilung:[9]

Wahlvorschlag Stimmen Stimmen in % Sitze
CDU 2441 33,0 6
Handwerks-, Gewerbe- und Bürgerverein (HGBV) 1970 26,6 5
Die Linke 1559 21,1 4
SPD 935 12,6 2
Mut zur Wahrheit 378 5,1 1
FDP 112 1,5 -

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Müller (Handwerks-, Gewerbe- und Bürgerverein) wurde in der Bürgermeisterstichwahl vom 12. Oktober 2014 mit 59,3 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt (Wahlbeteiligung 40,8 %).[10]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 14. März 1994 genehmigt. Blasonierung: „In Gold geteilt durch einen blauen Wellenschrägbalken rechts ein grüner Eichenbruch, links ein aufsteigendes schwarzes Pferd.“[11]

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leegebruch unterhält seit Oktober 1995 eine Partnerschaft mit der nordrhein-westfälischen Stadt Lengerich.[12]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Kapelle
BW

In der Liste der Baudenkmale in Leegebruch sowie in der Liste der Bodendenkmale in Leegebruch stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale bzw. Bodendenkmale.

Ein Mahnmal aus dem Jahre 1949 am Rande des Parks Eichenallee/Birkenallee erinnert an die umgekommenen Zwangsarbeiter, die während des Zweiten Weltkrieges in den Heinkel-Flugzeugwerken Zwangsarbeit verrichten mussten.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesstraße 96 (GranseeKreuz Oranienburg) führt unmittelbar östlich, die Landesstraße L 172 (GermendorfHennigsdorf) unmittelbar westlich am Gemeindegebiet vorbei.

Die Gemeinde verfügte von 1951 bis 1969 über einen Haltepunkt an der inzwischen abgebauten Bahnstrecke Oranienburg–Velten.

Der öffentliche Nahverkehr wird von den Buslinien 800 und 824 der Oberhavel Verkehrsgesellschaft durchgeführt.

Private Motorisierung 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016
Nichtgewerblich zugelassene PKW (zum 1.1.)[13] 3 309 3 341 3 397 3 491 3 507 3 554 3 598 3 641 3 757
Nichtgewerbliche PKW je 1.000 Einwohner (31.12. des Vorjahres) 495 499 511 527 531 537 547 554 563
Vergleichswert Land Brandenburg 475 479 486 493 506 508 510 512 512

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die BSG Stahl Leegebruch zählte in den 1960er und 1970er Jahren zu den besten Rugby-Union-Mannschaften der DDR. Neben jeweils mehreren 2. und 3. Plätzen gewann der Verein im Jahr 1972 die DDR-Meisterschaft.[14] Weiterhin stand das Team einmal im Finale um den nationalen Pokal.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Leegebruch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2015 (XLS-Datei; 83 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg. Gemeinde Leegebruch
  3. Hauszeichen auf www.leegebruch.de
  4. Geheimnisvolles Flugzeug auf dem Schuldach auf www.luftkrieg-oberhavel.de
  5. kreisgeleitet
  6. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oberhavel. S. 14-17
  7. Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7
  8. § 6 des Kommunalwahlgesetzes des Landes Brandenburg
  9. Ergebnis der Kommunalwahl vom 25. Mai 2014
  10. Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl vom 12. Oktober 2014
  11. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
  12. Gemeinde Leegebruch: Gemeindepartnerschaft mit Lengerich.
  13. Kraftfahrt-Bundesamt Statistik Fz3
  14. Claus-Peter Bach (Hrsg.): 100 Jahre Deutscher Rugby-Verband, S. 173, 2000, Heidelberg.