Leerstelle (Literatur)

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Die Leerstelle als Grundbegriff der Rezeptionsästhetik wurde vom Anglisten Wolfgang Iser in die Literaturtheorie eingeführt. Iser knüpfte damit an das Konzept der Unbestimmtheitsstellen von Roman Ingarden an.

„Immer dort, wo Textsegmente unvermittelt aneinanderstoßen, sitzen Leerstellen, die die erwartbare Geordnetheit des Textes unterbrechen.“ (Iser: Der Akt des Lesens, S. 302) An diesen Stellen ist der Leser gefordert, denn er muss die Textsegmente in eine Beziehung zueinander setzen.

Wolfgang Iser hat den Leerstellen-Begriff in Der implizite Leser vor allem für die Analyse englischer Romane fruchtbar gemacht. Dort bezeichnet der Begriff die Stellen in Romanen, an denen verschiedene Erzählperspektiven, Erzählhaltungen oder Erzählstränge aufeinanderstoßen. Es ist die Aufgabe des Lesers, diese verschiedenen Elemente in eine Beziehung zueinander zu bringen, da diese nicht vom Text vorgegeben ist.

Dem 1972 erschienenen Buch „Der implizite Leser“ legt Iser ein historisches Evolutionsmodell zugrunde, dem zufolge die Romane seit dem 18. Jahrhundert der kreativen Tätigkeit des Lesers immer mehr Raum geben und immer mehr Leerstellen aufweisen. Einen Höchststand des „Leerstellenbetrags“ markiert für Iser der Roman Ulysses von James Joyce.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Iser: Die Appellstruktur der Texte. Unbestimmtheit als Wirkungsbedingung literarischer Prosa [1970]. In: Rainer Warning (Hrsg.): Rezeptionsästhetik. Theorie und Praxis. 3. Auflage, Fink, München 1988.
  • Wolfgang Iser: Der implizite Leser
  • Wolfgang Iser: Der Akt des Lesens