Leierhirsche

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Leierhirsche
Manipur-Leierhirsch (Panolia eldii)

Manipur-Leierhirsch (Panolia eldii)

Systematik
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
ohne Rang: Stirnwaffenträger (Pecora)
Familie: Hirsche (Cervidae)
Unterfamilie: Cervinae
Tribus: Echte Hirsche (Cervini)
Gattung: Leierhirsche
Wissenschaftlicher Name
Panolia
Gray, 1843
Männlicher Myanmar-Leierhirsch (Panolia thamin)

Die Leierhirsche oder Thamin (Panolia) sind eine in Südostasien lebende Gattung der Säugetiere aus der Familie der Hirsche (Cervidae).

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leierhirsche erreichen ein Kopf-Rumpf-Länge von 150 bis 170 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 120 bis 130 Zentimetern und ein Gewicht von 95 bis 150 Kilogramm und sind damit relative große Hirsche. Ihr Fell ist im Winter rotbraun gefärbt und zottelig, das Sommerkleid ist heller und kürzer. Bei den Männchen ist das Fell am Hals länger und erweckt den Eindruck einer Mähne. Kennzeichnend ist die Form des Geweihs, das wie bei fast allen Hirschen nur die Männchen tragen. Der hintere Ast ragt ein Stück waagrecht nach hinten und bilden mit dem vorderen Ast eine bogenartige Form.

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Leierhirsche erstreckte sich vom östlichen Indien und dem südlichen China bis auf die Malaiische Halbinsel. Es ist allerdings stark zurückgegangen und auf mehrere zersplitterte Populationen verteilt (Näheres siehe unter Unterarten). Sie bewohnen eine Reihe von Lebensräumen und finden sich unter anderem in Regenwäldern, in Grasländern und in Sumpfgebieten.

Lebensweise und Ernährung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leierhirsche sind eher dämmerungs- oder nachtaktiv. Während erwachsene Männchen meist einzelgängerisch leben, bilden die Weibchen mit ihrem Nachwuchs oft lockere Verbände. In der Paarungszeit schließen sich die Männchen oft solchen Verbänden an, und es kann zur Bildung von größeren, über 50 Tieren umfassenden Gruppen kommen.

Leierhirsche sind Pflanzenfresser; sie ernähren sich vorwiegend von Gräsern, nehmen aber gelegentlich auch Blätter und Früchte zu sich.

Fortpflanzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thailand-Leierhirsche (Panolia siamensis)

Nach einer rund 240-tägigen Tragzeit bringt das Weibchen meist ein einzelnes Jungtier zur Welt, Zwillinge sind selten. Nach vier bis fünf Monaten werden sie entwöhnt und erreichen die Geschlechtsreife mit einem bis zwei Jahren. Die Lebenserwartung in menschlicher Obhut kann bis zu 20 Jahre betragen.

Bedrohung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Leierhirsche werden von der IUCN als stark gefährdet (endangered) gelistet. Die Gründe dafür liegen in der Bejagung und in der Zerstörung ihres Lebensraums.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Myanmar-Leierhirsch (Panolia thamin)

Die Leierhirsche bilden eine Gattung innerhalb der Familie der Hirsche (Cervidae). Ursprünglich wurden die Vertreter der Leierhirsche zusammen mit den Barasinghas in die Gattung Rucervus gestellt. Molekulargenetische Analysen sprechen aber für eine nähere Verwandtschaft der Barasinghas mit den Axishirschen (Axis), die Leierhirsche stehen dagegen den Edelhirschen (Cervus) nahe.[1] Aus diesem Grund wurden sie in die Gattung Panolia verschoben.[2] Alternativ besteht auch der Ansatz, sie in Cervus einzugliedern.[3]

Heute werden drei Arten unterschieden:[2]

  • Manipur-Leierhirsch (Panolia eldii (McClelland, 1842)), der einst im Osten Indiens lebte, ist stark bedroht. Heute kommt er nur noch im Bundesstaat Manipur vor. Dort war die Bestandszahl 1975 auf vierzehn Tiere abgesunken. Inzwischen gibt es im Keibul-Lamjao-Nationalpark wieder über hundert Tiere, die Art lebt aber nirgendwo sonst in freier Wildbahn. Er unterscheidet sich von den anderen Arten dadurch das er unbehaarte Fesseln hat.
  • Thailand-Leierhirsch (Panolia siamensis (Lydekker, 1915)) aus Thailand, Laos, Kambodscha und Vietnam ist in seinem Bestand stark zurückgegangen. In Thailand, dem namengebenden Land dieser Art, ist er ganz ausgestorben, lebt aber noch in größerer Zahl in Vietnam und Kambodscha und wahrscheinlich auch in Laos. Populationen dieser Art gibt es auch auf der chinesischen Insel Hainan.
  • Myanmar-Leierhirsch oder Burma-Leierhirsch (Panolia thamin (Thomas, 1918)) lebt in Myanmar und Thailand und gilt als relativ häufig.

Ursprünglich galten der Thailand- und der Myanmar-Leierhirsch nur als Unterarten des Manipur-Leierhirsches. Genetische Untersuchungen aus dem Jahr 2003 ergaben aber eine Trennung zwischen einer westlichen Gruppe in Myanmar (Manipur- und Myanmar-Leierhirsch) und einer östlichen Gruppe in Indochina (Thailand-Leierhirsch). Zudem konnte nur ein geringer genetischer Austausch zwischen den einzelnen Populationen der westlichen und östlichen Gruppe ausgemacht werden.[4] Aus diesem Grund schlug Colin Peter Groves bereits drei Jahre später eine Aufteilung der Leierhirsche in mehrere Arten vor,[5] was schließlich im Jahr 2011 während einer Revision der Hirsche durch Groves und Peter Grubb erfolgte. [2] Eine häufig angenommene vierte Unterart, Panolia eldii hainanus von der Insel Hainan,[6][7] ist dem Thailand-Leierhirsch ähnlich und wird gegenwärtig innerhalb dieser Art geführt.[5][2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Colin Groves und Peter Grubb: Ungulate Taxonomy. Johns Hopkins University Press, 2011, S. 1–317 (S. S. 71–107)
  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World. The Johns Hopkins University Press, Baltimore 1999, ISBN 0-8018-5789-9.
  • Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): Mammal Species of the World. 3. Ausgabe. The Johns Hopkins University Press, Baltimore 2005, ISBN 0-8018-8221-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Clément Gilbert, Anne Ropiquet und Alexandre Hassanin: Mitochondrial and nuclear phylogenies of Cervidae (Mammalia, Ruminantia): Systematics, morphology, and biogeography. Molecular Phylogenetics and Evolution 40, 2006, S. 101–117
  2. a b c d Colin Groves und Peter Grubb: Ungulate Taxonomy. Johns Hopkins University Press, 2011, S. 1–317 (S. S. 71–107)
  3. Alexandre Hassanin, Frédéric Delsuc, Anne Ropiquet, Catrin Hammer, Bettine Jansen van Vuuren, Conrad Matthee, Manuel Ruiz-Garcia, François Catzeflis, Veronika Areskoug, Trung Thanh Nguyen und Arnaud Couloux: Pattern and timing of diversification of Cetartiodactyla (Mammalia, Laurasiatheria), as revealed by a comprehensive analysis of mitochondrial genomes. Comptes Rendus Palevol 335, 2012, S. 32–50
  4. Christopher Balakrishnan, Steven L. MonfortAjay Gaur, Lalji Singh und Michael D. Sorenson: Phylogeography and conservation genetics of Eld's deer (Cervus eldi). Molecular Ecology 12, 2003, S. 1–10
  5. a b Colin Groves: The genus Cervus in eastern Eurasia. European Journal of Wildlife Research 52, 2006, S. 14–22
  6. Junfeng Pang, A. Rus Hoelzel, Yanling Song, Zhigao Zeng und Yaping Zhang: Lack of mtDNA control region variation in Hainan Eld’s deer:Consequence of a recent population bottleneck? Conservation Genetics 4, 2003, S. 109–112
  7. Zhi-Gao Zeng, Yan-Ling Song, Jun-Sheng Li, Li-Wei Teng, Qiong Zhang und Feng Guo: Distribution, status and conservation of Hainan Eld’s deer (Cervus eldi hainanus) in China. Folia Zoologica 54 (3), 2005, S. 249–257

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]