Leiferde (Braunschweig)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Leiferde
Wappen von Leiferde
Koordinaten: 52° 12′ 32″ N, 10° 30′ 57″ O
Höhe: 71 m ü. NN
Einwohner: 1951 (31. Dez. 2017)[1]
Eingemeindung: 1. März 1974
Postleitzahl: 38124
Vorwahl: 05341
Karte
Lage Leiferdes in Braunschweig
Denkmal Ludwig Lüders' vor der Kirche St. Christophorus
Denkmal Ludwig Lüders' vor der Kirche St. Christophorus

Leiferde ist der südlichste Stadtteil Braunschweigs. Nachbarstadtteile sind Stöckheim im Osten sowie Rüningen im Norden. Leiferde gehört zum Stadtbezirk 211 – Stöckheim-Leiferde.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt am Westufer der Oker an den Höhen des Naturraums Thieder Lößhügelland, das sich im Südwesten zum Thieder Lindenberg und im Westen zu der Kreideformation des Geitelder Bergs bis auf (111 m ü. NHN) erhebt. Der Leiferder Kirchhof liegt auf etwa 75 m Höhe. Die Feldmark erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung zwischen Rüningen und dem zu Wolfenbüttel gehörenden Groß Stöckheim und umfasst neben der durch Wiesen geprägten Okeraue vor allem fruchtbare Lössböden. Die Ostgrenze bildet die teilweise noch mäandrierende Oker.

Aus Richtung Westen fließt dem Ort und der Oker der Thiedebach zu und wird westlich des Ortskerns von der historischen Fernstraße Braunschweig–Frankfurt, der heutigen Bundesstraße 248 überquert. Ebenfalls aus Richtung Steterburg führt der Deiweg heran, der bereits früher bei der Fischerbrücke die Oker Richtung Stöckheim kreuzte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leiferde wurde im Jahr 1176 erstmals urkundlich unter dem Namen Lafforde erwähnt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort sehr stark zerstört. An der Oker wurde bereits 1276 eine Mühle erwähnt, deren Freiflut in den Kulkegraben mündete.[2] Für das Jahr 1283 ist der Ortsname Thiedebach als Vorwerk des Klosters Steterburg erwähnt und ab 1586 eine Ziegelei mit Kalkbrennerei am Thiedebach. Seit 1606 ist das Alte Zollhaus bezeugt, auf dessen Gelände an der B 248 noch heute ein Hof vorhanden ist.

1974 wurde Leiferde im Zuge der Gebietsreform als nun südlichster Stadtteil aus dem Landkreis Wolfenbüttel in die kreisfreie Stadt Braunschweig eingemeindet.[3] Etwa zur gleichen Zeit setzte mit den Siedlungen Im Rübenkamp oder später am Thiedebacher Weg eine rege Neubautätigkeit ein, die in kurzer Zeit zu einer Verdoppelung der Einwohnerzahl führte. Dennoch hat sich Leiferde seinen dörflichen Charakter erhalten können.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in Leiferde, wie auch in weiteren Teilen des Braunschweiger Landes, Zuckerrüben angebaut. Die Saat wurde üblicherweise von Hand ausgebracht, oftmals durch die Mitarbeit von Schulkindern auf den Feldern. Erst die Erfindung der Rübendrillmaschine durch den Leiferder Kantor Ludwig Lüders löste die maschinelle Aussaat die Handsaat im Rübenanbau ab. Lüders entwarf und baute seine Maschine (1850–55, offizielle Vorführung 1860), um sich die Bestellung des großflächigen Schulgartens zu erleichtern. Er erhielt auf diese Erfindung ein Braunschweigisches Patent und gewann den Ersten Preis bei einem Wettbewerb in Mahndorf.[4]

Heutige Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Melderegister lebten am 31. Dezember 2017 1951 Menschen in Leiferde.[1] Die Einwohnerzahl ist in den 1970er Jahren durch die Siedlung Im Rübenkamp und ab 2005 durch weitere Neubaugebiete südlich der B 248 sowie Am Rapskamp gewachsen. Dennoch gibt es in Leiferde keine lokalen Einkaufsmöglichkeiten mehr; die nächsten Supermärkte befinden sich erst in den Nachbarstadtteilen Rüningen und Stöckheim.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2016 eingeweihter Neubau der Kindertagesstätte Leiferde.
Bildungseinrichtungen

Folgende Bildungseinrichtungen gibt es in Leiferde:

  • eine Grundschule
  • eine Kindertagesstätte
  • ein Jugendzentrum sowie
  • eine Ortsbücherei.
Verkehr

Am westlichen Rand von Leiferde verläuft die Bundesstraße 248, die weiter nach Salzgitter bzw. Braunschweig führt. Nur einen Kilometer westlich Leiferdes befindet sich die neue Anschlussstelle „BS Rüningen Süd“ mit Zufahrt auf die A39 ebenfalls in beide oben genannte Richtungen. Über die Buslinie 413 der Braunschweiger Verkehrs-GmbH ist Leiferde an das Liniennetz angeschlossen. Innerhalb von 20 Minuten erreicht man damit die Braunschweiger Innenstadt.

Seit 1838 liegt Leiferde an der Bahnstrecke Braunschweig–Bad Harzburg, der Bahnhof wird aber heute nicht mehr im Personenverkehr bedient.

Kirche

Im Jahre 1864 erhielt Leiferde eine schlichte, nach Plänen des Kirchenkreisbaumeisters Carl Müller im neuromanischen Stil erbaute Kirche. Sie wurde am 14. Mai 1865 geweiht und erhielt im Jahre 1999 den offiziellen Namen St. Christophorus Kirche. In der Kirche ist eine Holztafel aus dem Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) angebracht, die an den schwedischen Oberst David Sibbald erinnert, der am 19. Juni 1641 einer Schussverletzung erlag.[5]

Vereinsleben

Seit 1957 besteht der Musikzug Leiferde e.V. Bestand der junge Spielmannszug anfangs aus 2 Trommlern und 8 Pfeifern, stieg der Verein im Jahre 1966 auf Blasinstrumente um. Zu den etwa 50 Auftritten pro Jahr im Stadtgebiet Braunschweig und Umland zählen sowohl Zapfenstreiche, Umzüge, aber auch verstärkt eigenständige Konzerte.

Personen und Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ludwig Lüders (* 21. März 1822, † 2. März 1908) erfand 1855 die Rübenkernlegemaschine.[6]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen Braunschweig-Leiferde.svg

Das Wappen ist diagonal geteilt und zeigt in der oberen Hälfte einen steigenden Löwen in Gold auf rotem Hintergrund und in der unteren die von Ludwig Lüders erfundene Rübenkernlegemaschine in Blau auf goldenem Grund.

Der Löwe symbolisiert hierbei die frühere Beziehung der Ortschaft zu den welfischen Herzögen der Stadt Wolfenbüttel. Die blaue Saatmaschine ist ein Andenken an den Leiferder Kantor Ludwig Lüders, der den Rübenanbau revolutionierte.

Das Wappen wurde von Wilhelm Krieg entworfen und am 13. Oktober 1980 vom Ortsrat angenommen.[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Leiferde (Braunschweig) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Einwohnerstatistik auf braunschweig.de
  2. Wilhelm Bornstedt: Chronik von Stöckheim, Braunschweig 1967, S. 290.
  3. Geschichte Leiferdes
  4. a b Arnold Rabbow: Neues Braunschweigisches Wappenbuch. Braunschweiger Zeitungsverlag, Meyer Verlag, Braunschweig 2003, ISBN 3-926701-59-5, S. 21/22.
  5. St. Christophorus Kirche auf braunschweig.de
  6. Denkmal Ludwig Lüders auf braunschweig.de oder Ludwig Lüders, Dorfschullehrer und Reformator der Landtechnik in Leiferde (Braunschweig) (PDF; 510 kB) auf braunschweigischelandschaft.de