Leinöl

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Leinöl
Rohstoffpflanze(n)

Gemeiner Lein (Linum usitatissimum)

Farbe

gold-grünlich

Inhaltsstoffe
Ölsäure 10–22 %[1]
Linolsäure 12–18 %[1]
Linolensäure 56–71 %[2]
Weitere Fettsäuren 4–6 % Palmitinsäure, 2–3 % Stearinsäure[1]
Weitere Inhaltsstoffe Tocopherol 110–280 mg/kg[3]
Eigenschaften
Dichte 0,93 kg/l bei 15 °C[4]
Viskosität = 51,2 mm2/s (bei 20 °C)[3]
Oxidationsstabilität 0,3 h[4]; 1,7 h[5]
Schmelzpunkt −13 °C bis −20 °C[6]
Flammpunkt 240 °C[5]
Iodzahl 169–192[4]
Verseifungszahl 187–195[3]
Brennwert 39,33 MJ/kg[7]
Cetanzahl 27,6[8]; 32,9[5]; 52[4]
Herstellung und Verbrauch
Produktion weltweit ca. 0,8 Mio. t (Stand: 1992)[9]; ca. 0,88 Mio. t (Stand: 2014)
Wichtigste Produktionsländer China, Belgien, USA, Türkei[10]
Verwendung Ernährung, Industrie (für Farben, Bodenbeläge)

Blühendes Leinfeld
Allgemeine chemische Struktur von Ölen wie Leinöl. Darin sind R1, R2 und R3 Alkylreste (unter 10 %) oder Alkenylreste (über 90 %) mit einer meist ungeraden Anzahl von Kohlenstoffatomen. Leinöl ist wie andere Öle ein Gemisch von Triestern des Glycerins.

Leinöl (Leinsamenöl) ist ein Pflanzenöl, das aus Leinsamen, den reifen Samen von Öllein (Linum usitatissimum), gewonnen wird. Rohleinöl (rohes Leinöl) ist Leinöl ohne Zusatz weiterer Öle oder sonstiger Stoffe. Zur Ölgewinnung werden außer dem eigentlichen Öllein auch andere Lein-Arten (Gattung Linum) verwendet.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kaltgepresstes Leinöl ist goldgelb, warm gepresstes Öl gelblich-braun. Raffiniertes Leinöl hat eine hell- bis goldgelbe Farbe. Das Öl riecht würzig nach Heu, wird als krautig bis dumpf und leicht röstig beschrieben und kann eine fischige Note aufweisen. Frisch schmeckt das Produkt leicht nussig und heuartig, nach Lagerung wird es bitter und ranzig.[6]

Aushärtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund des hohen Gehalts an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren härten Leinöle aus, weshalb sie als Bindemittel für Pigmente zur Herstellung von Anstrichen (Ölfarben) geeignet sind. Die Aushärtung ist ein oxidativer Polymerisationsprozess, der sich in Abhängigkeit von Sauerstoff, Licht, Temperatur, Luftfeuchte und Zuschlagstoffen mit katalytischen Eigenschaften (Sikkative) über Tage bis Jahrzehnte hinziehen kann. Dabei lagert sich Luftsauerstoff an die Doppelbindung der ungesättigten Fettsäuren an und es kommt im Weiteren zu einem komplexen Ablauf chemischer Reaktionen, der die Vernetzung der einzelnen Moleküle zur Folge hat. Das polymere Endprodukt heißt Linoxyn und ist das Ausgangsprodukt des Linoleums. Das Volumen des Bindemittels Leinöl nimmt durch Oxidation (Aufnahme von Sauerstoff) zu und in der nachfolgenden Polymerisation wieder ab. Diese Reaktionsweise ist bei der sachgerechten Anwendung von Ölfarben von Bedeutung (siehe unter Farb- und Anstrichmittel).

Selbstentzündung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unsachgemäße Lagerung und Entsorgung mit Leinöl getränkter Lappen, Pinsel usw. verursacht u. a. in Schreinereien und Malerwerkstätten häufig Brände. Auch ungenügend gewaschene, zuvor mit ungesättigten Ölen verunreinigte Textilien können sich im Wäschetrockner oder sogar danach noch selbst entzünden.[11]

Die Selbstentzündung erfolgt dabei wahrscheinlich durch Autoxidation von Doppelbindungen der α-Linolensäure bei zugleich großer Oberfläche und somit hoher Verfügbarkeit von Luftsauerstoff. Staut sich die bei der Oxidation des Leinöls entstehende Wärme, können sich bei entsprechenden Temperaturen auch Trägerstoffe selbst entzünden. Besonders hoch ist die Gefahr beim Arbeiten mit sogenanntem Halböl, das je zur Hälfte aus Lein- und Terpentinöl besteht, da letzteres einen Flammpunkt von unter 50 °C besitzt, während Leinöl selbst mit einem Flammpunkt von ca. 315 °C (Marcusson) und einem Siedepunkt oberhalb von 350 °C eher schwer entzündlich ist.

Mit Leinöl getränkte Textilien sollten ausgebreitet auf einer unbrennbaren Fläche zum Aushärten ausgelegt werden. Im Freien können sie zum Trocken aufgehängt werden. Zur Aufbewahrung sollten sie in einem luftdichten Behälter lagern oder sie werden kontrolliert verbrannt. Pinsel können bis zur nächsten Benutzung in rohem Leinöl hängen.

Inhaltsstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leinöl enthält in seinen Triglyceriden größtenteils (zu 90 % und mehr) ungesättigte Fettsäuren und hat insbesondere einen hohen Anteil an der Omega-3-Fettsäure α-Linolensäure von 45 % bis 71 % (außerdem etwa 17 % bis 23,5 % Ölsäure und 12 % bis 24 % Linolsäure). Die α-Linolensäure wird vom Menschen zu einem geringen Anteil (1–10 %) auch in die höherwertigen Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) umgewandelt.[12][13][14][15][16]

Leinöl enthält an Vitamin E ca. 1,2 mg/100 g alpha-Tocopherol und 52 mg/100 g gamma-Tocopherol. Außerdem mit 17 bis 30 mg/100 g einen relativ hohen Wert des Tocotrienol-ähnlichen und vor Lipidperoxidation schützenden Plastochromanol-8.[17][18]

Herstellung und Lagerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leinöl zur Ernährung und für pharmazeutische Zwecke wird mit Schneckenpressen kalt gepresst. Heißpressung mit anschließender Extraktion mit Lösemitteln und Raffination wird bei der Gewinnung von Leinöl für technische Zwecke angewandt.

Leinöl ist als ungesättigtes Öl sehr luftempfindlich, es schmeckt bereits nach kurzer Zeit bitter, während frisches Leinöl einen weniger ausgeprägten Geschmack besitzt. Es sollte nach dem Öffnen kühl aufbewahrt werden. Selbst bei Aufbewahrung im Kühlschrank (um 4 °C) entsteht nach einigen Tagen ein bitterer Geschmack.

Pressung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leinöl-Handpresse, in der historischen Holländerwindmühle Straupitz ausgestellt.
Heiß gepresstes Leinöl
Die getrockneten Leinsamen werden zu Mehl gewalzt, mit heißem Wasser vermengt und in einer Knetmaschine so lange bearbeitet, bis eine feste, bröselige Masse entsteht, die unter Rühren geröstet wird. Anschließend wird das Öl in einer hydraulischen Presse von den Feststoffen separiert. Aus vier Kilogramm Leinsamen kann ein Liter Öl gewonnen werden. Diese Art Leinöl enthält einen hohen Anteil an Schleim- und Schwebstoffen. Für handwerkliche Anwendungen ist dieses Rohleinöl (nicht verwechseln mit rohem Leinöl) nicht geeignet. Vor dem Einsatz muss das Rohleinöl gereinigt werden.
Kalt gepresstes Leinöl
wird durch Pressung des Leinsamens durch eine Schneckenpresse gewonnen. Hierbei wird die Leinsaat mit Hilfe einer Schneckenwalze bei geringem Druck durch einen Presszylinder gedrückt. Verschiedene Düsen am Ende des Auslaufs wie auch eine Veränderung der Pressgeschwindigkeit haben Einfluss auf den Ölertrag. Bei der Kaltpressung werden Öltemperaturen von maximal 40 °C erreicht. Vor der Verwendung werden Schwebstoffe entfernt. Dies kann durch Absetzen der Schwebstoffe bei ausreichend langer Lagerung und Dekantieren des Reinöls erreicht werden.
Pressung unter Sauerstoffausschluss
Da Leinöl auch bei kalter Pressung sehr schnell durch den Luftsauerstoff oxidiert und dadurch bitter wird, wurden verschiedene Pressverfahren entwickelt, die die Oxidation während des Pressvorgangs verhindern sollen. Dies erfolgt durch Verwendung einer Schutzatmosphäre aus reinem Stickstoff oder Kohlendioxid, die den Sauerstoff der Luft von Pressgut und Öl fernhält. Beispiele für solche Pressverfahren sind jene unter den Handelsnamen oxyguard und omega safe. Bei beiden Verfahren wird das Öl zusätzlich vor Lichteinfluss geschützt und die Presstemperatur kontinuierlich überwacht.
Futtermittel Leinpresskuchen aus einer Schneckenpresse

Bei der Pressung fallen Leinöl und der feste Leinsamen-Presskuchen an. Dieser Pressrückstand wird als hochwertiges Futtermittel vorrangig in den Wintermonaten eingesetzt.[19]

Standöl, sonneneingedicktes und geblasenes Leinöl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für spezielle Einsatzzwecke wird sonneneingedicktes Leinöl erzeugt. Es wird der Sonne über mehrere Monate ausgesetzt und dabei immer wieder umgerührt, damit sich kein Film bildet. Um für die Oxidation eine große Oberfläche zu haben, werden flache Wannen benutzt. Bei geblasenem Leinöl wird ein Belüfter eingesetzt, wie er für Aquarien Verwendung findet, der durch das ständige Umwälzen auch die Filmbildung verhindert. Diese Behandlungen haben vier Ziele: Erstens wird die Konsistenz dadurch zähflüssiger, zweitens wird das Leinöl dabei gebleicht (also heller), drittens die Aushärtezeit verkürzt und viertens die Volumenzunahme beim Aushärten verringert, was die Gefahr der Runzel- und Rissbildung vermindert. Verwendung findet das sonneneingedickte Leinöl in erster Linie im Geigenbau und in der Malerei, besonders der flämischen Barock-Malerei. Beim Geigenbau wird das Leinöl so stark eingedickt, dass die Masse zur Homogenisierung durch einen Fleischwolf gedreht werden muss.

Je nach Herstellungsprozeß und zugesetzten Sikkativen können bis zur vollständigen Trocknung von Standöl wenige Tage aber auch viele Wochen vergehen. Im Zweifel sind Vorversuche oder die Zugabe von Trocknungsstoffen empfehlenswert.

Standöl ist gut zur Herstellung von wetterfesten Ölfarben geeignet, indem Pigmente zugemischt werden. Es bildet einen elastischeren Film als moderne Anstrichstoffe und neigt kaum zum Abblättern. Wenn es nach langer Zeit beginnt abzuwittern, kann es ohne weiteres erneut mit einer Ölfarbe überstrichen werden.

Beim Anstrich von Holzbauteilen im Außenbereich sollte unbehandeltes Holz zunächst mit rohem Leinöl vorbehandelt werden, da dieses wesentlich dünnflüssiger ist, langsamer aushärtet und dadurch deutlich tiefer eindringt. Die weiteren Anstriche können mit pigmentiertem Leinölfirnis oder Standölfarbe erfolgen. Es bietet sich an, zumindest in der Deckschicht das wetterfeste Standöl einzusetzen. Nadelholz sollte zudem vor einem Ölanstrich mit Bläueschutzmittel imprägniert werden.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nahrungsmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leinöl (hier in einem Portionsschälchen, daneben eine handelsübliche Verkaufsverpackung in Form einer Glasflasche mit 250 ml Inhalt)

Unter den natürlichen Quellen der essentiellen α-Linolensäure gehört Leinöl zu den wenigen, in denen der Anteil der Omega-3-Fettsäuren den der Omega-6-Fettsäuren übersteigt. Andere sind Leindotteröl und die Exoten Chia- und Perillaöl. Leinsamen gehören (zusammen mit Gerste, Weizen, Linsen und Erbsen) zu den fünf frühesten Agrarpflanzen des eurasischen Kulturkreises in der Jungsteinzeit. Sie ist neben dem späteren Öl aus Hanf und Mohn die einzige historische Ölpflanze Europas. Da die Fette in Getreiden überwiegend aus Omega-6-Fettsäuren bestehen, stellt das Öl aus Leinsamen mit seinem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren eine wichtige ernährungstechnische Errungenschaft der Jungsteinzeit dar. Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren sollten in einem guten Verhältnis zueinander aufgenommen werden (die DGE empfiehlt 1:5).[20]

Insbesondere in der Lausitz, Sachsen und in Schlesien wird Leinöl in milchhaltigen Speisen wie Quark (→ Quark mit Leinöl) mit Kartoffeln oder Pellkartoffeln, Gurkensalat oder saurem Hering in Sahnesauce verwendet. Durch die Ölschicht auf den Milchspeisen werden diese nicht so schnell sauer, ein Umstand, der früher im Sommer intensiv genutzt wurde.

In der oberösterreichischen Küche wird Leinöl seit jeher zur Zubereitung verschiedener Speisen verwendet. In Österreich ist Leinöl in das Register der Traditionellen Lebensmittel eingetragen.[21]

Leinöl in der Kosmetik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leinöl, das Öl der Heilpflanze des Jahres 2005, ist reich an Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Dass diese von der Haut aufgenommen werden, ist nicht nachgewiesen. Dennoch gibt es kosmetische Produkte, die natürliches Leinöl enthalten und für sich eine Revitalisierung der Haut reklamieren. Hochwertiges Leinöl wird für die Herstellung von Naturseifen verwendet. Unter Verwendung von Nelkenöl und Zitronengrasöl soll Leinölseife anregend und erfrischend wirken.

Farb- und Anstrichmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leinöl war und ist das wichtigste Bindemittel für Ölfarben. Es trocknet schneller, neigt aber eher zum Vergilben als andere aushärtende Pflanzenöle, wie Mohnöl, Distelöl oder Walnussöl. Die Eigenschaften sowohl als Binde- wie auch als Konservierungsmittel machen es zur Grundlage der seit Jahrhunderten bewährten Leinölfarben. Die ersten bekannten Erwähnungen des Gebrauchs von ölgebundenen Farben für die Kunstmalerei finden sich in Herstellungsrezepten aus dem 8. Jahrhundert.[22] Mittlerweile bestehen die Farben vorzugsweise aus gekochtem Leinöl und Pigmenten, sie enthalten je nach Anwendungstechnik auch Verdickungsmittel wie Aluminiumstearate oder Abbinde-Beschleuniger.

Das Volumen von Ölfarbe nimmt durch Oxidation (Aufnahme von Sauerstoff) zu – im Gegensatz zur Acrylfarbe, deren Volumen beim Aushärten abnimmt. Deshalb können bindemittelreiche Ölfarbschichten darüber liegende bindemittelarme Farbschichten sprengen, was zur ölfarben-typischen Rissbildung führt: Sie ist daran zu erkennen, dass nur jeweils die obere Farbschicht gerissen und die darunterliegende unversehrt zu sehen ist. Diese Art von Rissen wird als Schwundriss bezeichnet, zur Unterscheidung von den Altersrissen, die bis zum Malgrund (Holzplatten oder Leinwand) hinabreichen. Oft verursacht zu hoher Bindemittelanteil »Speckigwerden«: Dabei wirft die Malschicht durch ihre Ausdehnung Falten, sie bildet also Runzeln, die meist in den dunkleren Partien von Bildern zu beobachten sind, weil die gebräuchlichen dunklen Farbpigmente (braune Erden, Ruß oder Kohle) eine relativ geringe Teilchengröße (um 1 µm) aufweisen und dadurch mehr Bindemittel bedürfen als gröbere Pigmentteilchen.

Der Bindemittelbedarf eines Pigments wird durch die Ölzahl ausgedrückt, einer international genormten Kennziffer (ISO 787 Teil 5), die beschreibt, wie viel Gramm Lackleinöl benötigt werden, um 100 Gramm eines Pigments zu einer zusammenhaltenden, kittartigen Substanz anzuteigen.

Konservierungsmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leinöl ist ein natürlicher Holzschutz und wird seit Jahrhunderten für die Imprägnierung von Holz (Fachwerk, Fenster, Türen, Holzfassaden) und Terracotta verwendet, selten für Putz oder auch Mauerwerk. Es ist wasserabweisend, jedoch dampfdiffusionsoffen und dringt im Gegensatz zu anderen Bindemitteln (Acrylaten) tief ins Holz ein, wo es zu einer sehr stabilen Verbindung polymerisiert. Die Eindringtiefe und damit die konservierende Wirkung steigt mit der Fließfähigkeit des Öls und wird daher durch Erwärmung oder die Verwendung sauberer und damit dünnflüssigerer Ölqualitäten (alternativ auch durch Zusatz von Lösungsmitteln) verbessert. Leinöl ist damit auch im Außenbereich als Holzschutz bei starker Wetterbelastung geeignet.

Runzel- und Rissbildung werden bei Bau und Handwerk durch mehrmaliges dünnes Aufbringen von Anstrichen und etwa zweitägiges Durchhärten jedes einzelnen Anstrichs vermieden. Jeweils einige Stunden nach dem Anstrich wird noch nicht eingezogenes Öl mit einem Lappen oder Pinsel abgenommen und verteilt. Besonders tief dringt reines, kalt gepresstes, rohes (nicht gekochtes) Leinöl ein, das sich damit am besten zum Grundieren eignet, allerdings nur über sehr lange Zeiträume aushärtet und dementsprechend nicht überall einsetzbar ist, zumal die behandelten Oberflächen in der langen Aushärtungsphase bis zuletzt empfindlich für Staub und Berührung bleiben.

Hartöl ist unter Luftabschluss verkochtes Leinöl, wobei eine anpolymerisierte Form des Öls entsteht. Dadurch wird der Aushärtungsvorgang, die Oxidation und Polymerisation, beschleunigt. Besonders für Schlussanstriche und zur Farbenherstellung geeignet, härtet gekochtes Leinöl wesentlich schneller aus und entwickelt dabei einen stärkeren Glanz. Werden zusätzlich Beschleuniger (Sikkative, also Polymerisations-Katalysatoren, oft Zirkon- und Kobalt-Salze) zugesetzt ist es: Leinölfirnis. Dessen Name leitet sich vom Französischen le vernis (= Lack) her (vergleiche Vernissage). Ein Firnis mit Zusätzen härtet wiederum schneller als Hartöl, also innerhalb von Tagen bis Wochen. Allerdings dringt er unverdünnt nicht tief ins Holz ein, weshalb oft Lösungsmittel wie Terpentinöl, Orangenöl, Balsamterpentin oder Waschbenzin zusetzt werden (Halböl). Ein auf diese Weise erzeugter Holzschutz ist bei einschichtigem Auftrag weniger wirksam als bei Verwendung unverdünnten, kaltgepressten rohen Leinöls.

Zur Konservierung kann Leinöl mit oder ohne Pigmentbeimischung verwendet werden. Bei hohem Pigmentanteil sind auch helle Farbtöne ein guter UV-Schutz. Hoch pigmentierte Leinölfarben können mit bis zu 10 Volumenprozenten kaltgepresstem, gekochtem Leinöl verdünnt werden. Leinöl ist ein Bestandteil des Anstrichmittels Labsal, eines Schutzanstrichs aus Wurzelteer, Leinöl und einem Sikkativ (Trocknungsbeschleuniger). Dieser wurde in der Schifffahrt zur Konservierung von Naturfasertauwerk und umwickelten Stahltrossen, teilweise auch von Holz, eingesetzt.

Im Mittelalter wurde Leinöl als Korrosionsschutzmittel für Rüstungen und Waffen verwendet. Das Verfahren hat jedoch nichts mit dem Schwarzbrennen zu tun. Früher wurde es auch im Fahrzeugbau verwendet. Zunehmend wird es von Oldtimerfreunden, in der Denkmalpflege oder beim „gesunden Bauen“ als „ungiftige Art“ der Konservierung benutzt. Das Öl bildet eine wasserunlösliche Verbindung mit Fe3+-Ionen im Rost und zusätzlich bildet das Öl nach dem Abbinden (aushärten) einen rissfreien Überzug.

Durch den Zusatz von Blei(II,IV)-oxid (Pb3O4) zu Leinöl entsteht Mennige (Bleimennige), ein klassisches und wirksames, jedoch giftiges Korrosions- und Holzschutzmittel. eingesetzt wurde es schon um 700 v. Chr. von den Phöniziern zur Konservierung der Schiffe von innen und außen. Blei wirkte bewuchshemmend in der Außenschicht und als Fungizid im Innenbereich. Die Verwendung von Bleioxid ist jedoch nur noch mit Ausnahmegenehmigung – beispielsweise für Restauratoren – zulässig. Bei modernem Holz- und Rostschutz mit Leinölfarbe wird das giftige Bleioxids durch Eisen(III)-oxid ersetzt, die als rote Eisenmennige ungiftig ist.

Biokraftstoff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leinöl hat durch seinen niedrigen Stockpunkt[23] bessere Kaltstarteigenschaften als Rapsöl. Allerdings führt die hohe Iodzahl zu einem sehr schnellen Antrocknen an Luft (durch den Luftsauerstoff), was die Verwendung im Treibstoffsystem erheblich erschwert.[24] Für die Erzeugung von Biokraftstoffen hat Leinöl andererseits keine praktische Bedeutung.

Weitere Verwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der hohen Iodzahl eignet sich Leinöl hervorragend zur Herstellung der Schutzschicht (Patina) für Eisenpfannen beim sogenannten Einbrennen vor der ersten Verwendung. Auch Kupfergeschirr wurde damit behandelt (Firnisbrand). Leinöl ist außerdem ein Grundstoff für die Herstellung von Linoleum.

Lausitzer Leinöl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lausitzer Spezialität: Brötchen in Leinöl und Zucker tunken

Lausitzer Leinöl ist eine geschützte Bezeichnung der geografischen Herkunft. Die Lausitzer Ölmühle in Hoyerswerda wurde 1924 gegründet. Das Schlagen von Leinöl war in der Lausitz seit langer Zeit ein Traditionsgewerbe.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • S. Krist, G. Buchbauer, C. Klausberger: Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle. Springer, Wien 2008, ISBN 978-3-211-75606-5, S. 246–250.
  • H.-U. Grimm: Leinöl macht glücklich: Das blaue Ernährungswunder. Knaur MensSana, München 2012, ISBN 978-3-426-65696-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Leinöl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Deutsche Gesellschaft für Fettwissenschaft: Fettsäurezusammensetzung wichtiger pflanzlicher und tierischer Speisefette und -öle..
  2. Bertrand Matthäus: Welches Fett und Öl zu welchem Zweck? Merkmale und Spezifikationen von Ölen und Fetten. (PDF; 183 kB).
  3. a b c Bayerisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Umwelfragen: Pflanzenölbetriebene Blockheizkraftwerke. Teil 1, 2002, S. 11, 18 online (PDF; 2,12 MB), lfu.bayern.de, abgerufen am 30. April 2017.
  4. a b c d FNR: Biokraftstoffe Basisdaten Deutschland. Oktober 2008 (PDF; 526 kB).
  5. a b c Jens Schaak: Emissionen aus der dieselmotorischen Verbrennung von Pflanzenölen und... Dissertation, Techn. Univ. Braunschweig, Cuvillier, 2012, ISBN 978-3-95404-173-2, S. 364.
  6. a b S. Krist, G. Buchbauer, C. Klausberger: Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle. Springer, Wien 2008, ISBN 978-3-211-75606-5, S. 246–250.
  7. Ibrahim Dincer, Calin Zamfirescu: Sustainable Energy Systems and Applications. Springer, 2011, ISBN 978-0-387-95860-6, S. 184.
  8. Forest Gregg: SVO. New Society, 2008, ISBN 978-0-86571-612-4, S. 47.
  9. Axel Diederichsen: Lein (Linum usitatissimum L.) – der Allernützlichste, seine Abstammung und heutige Bedeutung. (Memento vom 14. Oktober 2007 im Internet Archive) (PDF; 39 kB), S. 4–5.
  10. FAO Statistk 2014.
  11. Michael Kundel: Brände durch Selbstentzündungen (PDF; 1,64 MB), In: Schadenprisma / Brandschutz. 3/2013, S. 3, auf schadenprisma.de, abgerufen am 2. September 2017.
  12. J. T. Brenna, N. Salem, A. J. Sinclair, S. C. Cunnane: alpha-Linolenic acid supplementation and conversion to n-3 long-chain polyunsaturated fatty acids in humans. In: Prostaglandins, leukotrienes, and essential fatty acids. Band 80, Nummer 2–3, 2009, S. 85–91, ISSN 0952-3278. doi:10.1016/j.plefa.2009.01.004. PMID 19269799. (Review).
  13. Breanne M Anderson, David WL Ma: Are all n-3 polyunsaturated fatty acids created equal?. In: Lipids in Health and Disease. 8, 2009, S. 33, doi:10.1186/1476-511X-8-33.
  14. J. T. Brenna: Efficiency of conversion of alpha-linolenic acid to long chain n-3 fatty acids in man. In: Current opinion in clinical nutrition and metabolic care. Band 5, Nummer 2, 2002, S. 127–132, ISSN 1363-1950. PMID 11844977. (Review).
  15. E. Mantzioris, M. J. James, R. A. Gibson, L. G. Cleland: Dietary substitution with an alpha-linolenic acid-rich vegetable oil increases eicosapentaenoic acid concentrations in tissues. In: The American journal of clinical nutrition. Band 59, Nummer 6, 1994, S. 1304–1309, ISSN 0002-9165. PMID 7910999.
  16. Gwendolyn Barcel-Coblijn, Eric J. Murphy: Alpha-linolenic acid and its conversion to longer chain n–3 fatty acids: Benefits for human health and a role in maintaining tissue n–3 fatty acid levels. In: Progress in Lipid Research. 48, 2009, S. 355–374, doi:10.1016/j.plipres.2009.07.002.
  17. Tocopherol, tocotrienol and plant sterol contents of vegetable oils and industrial fats. In: Journal of Food Composition and Analysis. 21, 2008, S. 152–161 (de.scribd.com (Memento vom 1. Februar 2014 im Internet Archive)).
  18. Jolanta Gruszka, Jerzy Kruk: RP-LC for Determination of Plastochromanol, Tocotrienols and Tocopherols in Plant Oils. In: Chromatographia. 04/2012; 66(11), S. 909–913, doi:10.1365/s10337-007-0416-2.
  19. Öllein auf seilnacht.com.
  20. DGE Artikel mit Verhältnisangabe 1:5
  21. Leinöl. Eintrag Nr. 108 im Register der Traditionellen Lebensmittel des österreichischen Lebensministeriums. abgerufen am 14. Februar 2013.
  22. Wolfgang Boesner (Hrsg.): Katalog Fa. Boesner-Künstlerbedarf. Nr. (2009/2010). Witten, S. 332.
  23. Kenndaten einiger Pflanzenöle (Memento vom 6. September 2012 im Webarchiv archive.is) auf inaro.de.
  24. Waren-Informationen zum Leinöl beim TIS – Transport-Informations-Service.