Leinenlegge

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Als Torhaus errichtete ehemalige Legge in Tecklenburg.

Legge (von niederdeutsch Lege bzw. (Ab)Lage), auch verdeutlichend: Leinen- bzw. Linnenlegge, in Nordwestdeutschland (Westfalen und angrenzenden Gebieten) ist eine ehemals gebräuchliche Bezeichnung für zentral eingerichtete Leinenprüf- und -sammelstellen. Sie wurden eingerichtet, um eine gleichmäßige Qualität der auf dem Lande produzierten Leinwand zu gewährleisten und so das Vertrauen in die an dem jeweiligen Handelsplatz angebotene Ware zu stärken. Die zum Verkauf in die Stadt gebrachte Leinwand musste den Leggemeistern auf langen Tischen zur Prüfung von Maß und Qualität vorgelegt werden und bekam nach bestandener Beschau als Prüfnachweis einen Farbstempel. Diese Leg(e)stellen wurden in vielen Fällen (Bielefeld, Osnabrück, Tecklenburg) zu regelrechten Warenbörsen, weil die zentral an Ort und Stelle zusammengeführte Ware den Handel anzog. Da das Leggensystem zugleich konkurrierenden Handel im Territorium ausschloss (Monopol), kam ihm eine beträchtliche Wirkung für den örtlichen Wohlstand zu. Durch die Zuordnung der zumeist in ländlicher Hausfertigung stattfindenden Leinenproduktion zu städtischen Leggen wurde zugleich die Verbindung Land–Stadt im jeweiligen Gebiet enger geknüpft.

Stempel für "BRUCHHAUSISCHE LEGGE", Holz. In Bremen im 19. Jahrhundert als Fälschung beschlagnahmtes Exemplar, Focke-Museum.

Im 17. Jahrhundert begann die Bedeutung der Leggen zurückzugehen. Obwohl von den Territorialherren teilweise selbst noch in nachnapoleonischer Zeit versucht wurde, das Leggensystem zur Hebung der heimischen Wirtschaft (wieder) einzuführen, war mit dem Niedergang der häuslichen Leinenherstellung im Zuge der Mechanisierung bzw. Industrialisierung der Leinenherstellung auch der Niedergang der Leggen besiegelt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Potthoff: Die Leinenlegge in der Grafschaft Ravensburg. In: Jahresbericht des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensburg, 1901.
  • Wiemann: Osnabrücker Stadtlegge. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Landeskunde Osnabrücks. 35, 1910.
  • Hermann Hohls: Leinwandhandel in Norddeutschland vom Mittelalter bis zum 17. Jahrhundert. In: Hansische Geschichtsblätter 31, 1926, 116-158.
  • Edith Schmitz: Leinengewerbe und Leinenhandel in Nordwestdeutschland (1650 - 1850), (Schriften zur Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsgeschichte, Bd. 15), Köln 1967 (noch nicht eingesehen).
  • Hans Heinrich Blotevogel: Zentrale Orte und Raumbeziehungen in Westfalen vor der Industrialisierung (1780 - 1850). Aschendorff, Münster 1975. (Veröffentlichungen des Provinzialinstituts für Westfälische Landes- und Volkskunde 1, 19) - mit Untersuchung zur Auswirkung des Leggenwesens auf die örtliche Zentralität.
  • Ilsetraut Lindemann: Das alte Rathaus und die Legge zu Osnabrück. In: Osnabrücker Land. Heimat-Jahrbuch. Herausgeber: Kreisheimatbund Bersenbrück e. V. und Heimatbund Osnabrücker Land e. V. Herausgegeben von Heinrich Böning. Ankum 1984.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]