Leipziger Auwald

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Der südliche Auwald vom Fockeberg aus gesehen

Der Leipziger Auwald (auch häufig Leipziger Auenwald) ist ein Auwaldgebiet, das zum überwiegenden Teil auf dem Gebiet der Stadt Leipzig liegt. Er war früher eine Weichholzaue (Erle) und wurde regelmäßig von den Hochwassern der Pleiße, Weißen Elster und Luppe überflutet. Durch menschliche Einflussnahme (vor allem Regulierung der Fließgewässer) hat sich heute eine Hartholzaue (Esche, Eiche, Ahorn) durchgesetzt. Der Leipziger Auwald gehört zu den größten erhaltenen Auwaldbeständen in Mitteleuropa. Ungeachtet der vielfältigen menschlichen Eingriffe und der Nähe zu einer Großstadt haben Teile des Leipziger Auwalds einen ausgesprochen naturnahen Charakter bewahrt.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Palmengarten ist ein Teil des Korridors

Der Leipziger Auwald setzt sich heute aus einem südlichen und einem nördlichen Teil zusammen. Zwischen beiden ist eine gewisse ökologische Verbindung durch einen Korridor gegeben, der aus den Parks und Grünanlagen besteht, die entlang der zum Hochwasserschutz angelegten Gewässer Elsterbecken und Elsterflutbett liegen. Insgesamt hat er eine Ausdehnung entlang der Flüsse von gut 30 Kilometern und eine Breite von zwei bis fünf Kilometern. Die bedeckte Fläche beträgt circa 2500 Hektar. Der innerstädtische Wald ist überwiegend in kommunalem Eigentum.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das geöffnete Nahle-Auslassbauwerk Januar 2011

Der Leipziger Auwald hat sich ständig verändert, wobei Eingriffe des Menschen ein wesentlicher Entwicklungsfaktor waren. Durch Rodungen in den Oberlaufgebieten der Flüsse begann schon vor etwa 7000 Jahren anthropogen ein vermehrter Eintrag von Sedimenten, die sich als Auenlehm ablagerten. Dadurch erhöhte sich das Oberflächenniveau, zu Überschwemmungen kam es jetzt vor allem periodisch im Frühjahr. Bereits jetzt setzte eine Umwandlung von Weichholz- in Hartholzaue ein, besonders die staunässeresistente Stieleiche fand günstige Bedingungen.

Seit dem 12. Jahrhundert wurde im Gebiet des heutigen Auwalds begonnen, massive Eingriffe in die Natur vorzunehmen. Die nicht überfluteten Anteile des Waldes wurden zum Großteil gerodet. Mühlgräben (wie der Pleißemühlgraben und der Elstermühlgraben), Kanäle und Wehre entstanden in den folgenden Jahrhunderten, die die Überschwemmungen regulieren und später Leipzig an das Wassertransportnetz anschließen sollten. Vom Mittelalter bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Auwald als Mittelwald bewirtschaftet.

In der Neuzeit wurden weiträumige Flussbettverlagerungen von Weißer Elster und Luppe vorgenommen. Trotz der enormen Expansion der Stadt im Zuge der Industrialisierung blieb die Waldfläche nahezu unangetastet. Allerdings wurden die Auen durch die Erschließung der neuen Industriestadtgebiete im Westen (Plagwitz, Leutzsch) zerschnitten. Durch die Zerstörung der natürlichen Flussläufe und den Wegfall der periodischen Überflutung sowie veränderte Bewirtschaftung (Hochwald mit Kahlschlägen) und erhöhten Stickstoffeintrag veränderte sich allerdings die Artzusammensetzung des Waldes im 20. Jahrhundert stark. Besonders die Charakterbaumart Stieleiche ist auf dem Rückzug, Eschen, Berg- und Spitzahorn sind auf dem Vormarsch. Die Ulme ist durch das Phänomen des Ulmensterbens fast verschwunden, kommt aber im Unterwuchs noch vor und hat somit das Potential, wieder Fuß zu fassen. Durch gezielte Aufforstung wurden zudem standortfremde Arten wie Rotbuchen und Pappelhybriden eingebracht.

Über das 1954 nach dem Hochwasser von Juli 1954 gebaute und 2014 erneuerte Nahle-Auslassbauwerk kann bei Hochwasser der Auwald südlich der Neuen Luppe einschließlich der Burgaue geflutet werden.

Wesentliche Teile des Auwaldes südlich von Leipzig wurden in der jüngeren Vergangenheit zu Gunsten des Braunkohletagebaus zerstört. Weiterhin trugen die während des Braunkohleabbaus durchgeführten Grundwasserabsenkungen zur weiteren Austrocknung des Waldgebiets bei. Mit dem Rückgang des Braunkohletagebaues nach der Wiedervereinigung wurde in den 1990er Jahren begonnen, Teile des Auwaldes wieder saisonal zu fluten.

Die gegenwärtige Bewirtschaftung zielt darauf ab, langfristig den Zustand des Waldes um die Mitte des 19. Jahrhunderts wieder zu erreichen, als ein vielfältig strukturiertes Arten- und Altersklassengemisch mit einem deutlich höherem Stieleichenanteil als heute (angepeilt sind ca. 40 %).

Flora und Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pleiße im südlichen Auwald

Die Flora des Auwaldes zeigt vielgestaltige Formen und Aspekte, wie sie in Mitteleuropa selten geworden sind.

Der Baumbestand und seine Altersstruktur haben sich in den letzten 130 Jahren wesentlich geändert. Ulmen und Schwarz-Pappeln finden sich kaum noch; der Anteil der Stieleiche, die vor allem den älteren Bestand ausmacht, verringert sich stetig und liegt jetzt um 20 %. Der Anteil von Esche (30 %) und Ahorn (20 %) mit den jüngeren Beständen ist dagegen erheblich gestiegen. Weitere typische Baumarten sind Linde, Schwarzerle, Traubenkirsche und verschiedene Wildobstarten. Ferner gibt es viele Vertreter von auwaldfremden Baumarten wie Robinie, Roteiche, Rotbuche oder Rosskastanie.

Bärlauchblüte im Connewitzer Holz

Im Frühjahr entfaltet die Bodenflora des Auwaldes ihre Farbenpracht. Es finden sich zahlreiche Frühjahrsblüher wie Scharbockskraut, Schlüsselblumen und vor allem so seltene Pflanzen wie der Märzenbecher, der hier eines seiner größten Vorkommen in Deutschland hat. Weltweit einmalig ist eine Bastardbildung zwischen Buschwindröschen und Gelbem Windröschen zu einer blassgelben Form, die den Namen Anemone lipsiensis (Leipziger Windröschen) trägt. Später blüht der Bärlauch, der den Boden des Auwaldes sehr dicht und großflächig bedeckt und mit knoblauchartigem Geruch eine Weile dominiert.

Die reiche Schichtung und Struktur des Baum- und Strauchbestandes ist Grundlage für den Vogelreichtum des Auwaldes. Das betrifft die Artenzahl und auch die Dichte der Brutpaare. Besonders typisch sind der Mittelspecht und der Pirol. Weiterhin ist der Auwald vor allem Lebensraum einer artenreichen Insektenfauna. Zahlreiche vom Aussterben bedrohte Käferarten sind nachgewiesen.

2001 startete das Leipziger Auwaldprojekt, das auf zehn Jahre angelegt war. Wissenschaftler der Universität Leipzig, des Forschungszentrums iDiv und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung – UFZ erforschen seitdem mit Hilfe eines 40 Meter hohen Kranes die Baumkronen in der Burgaue. Der Kran kann auf einer Schienentrasse (120 Meter) bewegt werden und macht die Erforschung des Lebensraumes im Ökosystem Wald auf 1,65 Hektar möglich.

Schutzgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elster-Saale-Kanal am Bienitz

Der Auwald ist in seiner Gesamtheit heute ein Landschaftsschutzgebiet, in dem zusätzlich Naturschutzgebiete ausgewiesen sind.

Das Landschaftsschutzgebiet zieht sich von Nordwest nach Süd quer durch das Stadtgebiet und umfasst eine Gesamtfläche von rund 5900 Hektar. Neben den eigentlichen Talauen von Elster, Luppe, Pleiße und Parthe sind auch die größtenteils waldlosen Randlagen und große Teile des rekultivierten und wieder aufgeforsteten Geländes um den Tagebau Cospuden, einschließlich eines Teiles des Cospudener Sees darin eingeschlossen. In diesem Landschaftsschutzgebiet liegt auch der Bienitz, eine Endmoränenkuppe aus der Saaleeiszeit.

Ausgewiesene Naturschutzgebiete sind die Burgaue (270 Hektar), der Elster- und Pleißeauwald (67 Hektar), das Gebiet Lehmlache Lauer (49 Hektar) und die kreisübergreifende Luppeaue (598 Hektar).

Mit der Verordnung des Regierungspräsidiums Leipzig vom 27. Oktober 2006 wurde der Leipziger Auwald mit einer Fläche von 4952 Hektar als europäisches Vogelschutzgebiet festgelegt.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weg im Leipziger Auwald

Circa 1163 Hektar des Auwalds gehören zum Leipziger Stadtwald. Teile des Auwaldes ziehen sich weit durch die Stadt und grenzen über Parkanlagen wie z. B. das Rosental sogar an die Innenstadt. Man kann den Auwald an vielen Stellen bequem zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. Das Wegenetz aus Fuß-, Rad- und auch Reitwegen ist im Auwald teilweise so dicht wie in einem Park. Im Gebiet des Leipziger Auwaldes liegen zahlreiche Ausflugsziele. Die forstwirtschaftliche Nutzung spielt eine untergeordnete Rolle.

Auwaldsymposium und Tag des Leipziger Auwaldes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1991 veranstalteten Stadt und Universität Leipzig gemeinsam mit Naturschutzverbänden das erste Leipziger Auwaldsymposium. Wissenschaftler und Naturschutzverbände können dieses Forum nutzen, um ihre auwaldbezogenen Projekte vorzustellen und zu verknüpfen. Auf dem zweiten Symposium 1994 rief das damalige Naturschutzamt der Stadt den Tag des Leipziger Auwaldes ins Leben, der seit 1995 jährlich am 16. April begangen wird. Im Zuge dieses Tages wird unter anderem das Auwaldtier bzw. die Auwaldpflanze des Jahres gekürt. Dabei handelt es sich um typische und schützenswerte Lebewesen im Auwald.

Ausflugsziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Domholzschänke
Schlosspark Lützschena

Einige bekannte Ausflugsziele sind:

  • Der 128 m hohe Rosentalhügel im westlichen Rosental, auf dem sich ein ca. 20 Meter hoher Aussichtsturm befindet, der sowohl einen Blick zum Stadtzentrum als auch über große Teile des Waldes bietet.
  • Der 153 m hohe Fockeberg in der Südvorstadt und der 143 m hohe ehemalige Müllberg bei Leipzig-Möckern (heute „Nahleberg“).
  • Große Wiese im Rosental mit Zooschaufenster.
  • Auensee Leipzig mit der Parkeisenbahn, Spielplätzen und Bootsverleih.
  • Schlosspark Lützschena mit zum Teil noch erhaltenen Pavillons und Denkmälern.
  • Auwaldstation Leipzig mit verschiedenen Ausstellungen, insbesondere über Flora und Fauna im Auwald.
  • Domholzschänke bei Kleinliebenau.
  • Schlobachs Hof, Reiterhof und ehem. Gaststätte nördlich von Gundorf.
  • Wildpark Leipzig im südlichen Auwald, mit Wildgehegen, Gaststätte und Spielplätzen.
  • Cospudener See am südlichen Rand des Auwaldes, Ausflugsziel mit Strandbädern, Rundweg, Aussichtsturm und Hafen.
  • Clara-Zetkin-Park, Parkanlage zwischen nördlichem und südlichem Auwald.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • ENEDAS e. V./ Autorenkollektiv: Der Leipziger Auwald. Ein Natur- und Erlebnisführer. Edition Leipzig 2013, ISBN 978-3-361-00685-0.
  • Gerd K. Müller (Hrsg.): Der Leipziger Auwald – ein verkanntes Juwel der Natur. Leipzig 1992.
  • Gerd K. Müller: Die Leipziger Auen. Staatsministerium für Umwelt und Landesentwicklung, Dresden 1995.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Leipziger Auwald – Sammlung von Bildern

Koordinaten: 51° 19′ 2″ N, 12° 21′ 24″ O